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Beratung beim Motorölkauf

Mit was muss man rechnen?

Motorölkauf, Beratung Foto: Dino Eisele 15 Bilder

Wer ohne Vorkenntnisse das richtige Motoröl für sein Auto finden will, darf nicht überall auf kompetente Beratung hoffen. Wir haben’s ausprobiert.

03.06.2015 Thiemo Fleck

Laura ist jung, attraktiv, blond. In Boutiquen wird sie bevorzugt bedient und gerne ausführlich beraten. Ob das auch an der Tankstelle klappt?

Laura braucht Öl. Für ihren 3er-BMW. Es soll übers Wochenende in die Berge gehen. Ihr Freund, sagt sie, habe ihr geraten, vorher den Ölstand zu prüfen und bei Bedarf nachzufüllen. Die nächste Station bietet Tankwart-Service – warum also nicht? Als sie die Motorhaube öffnet, ist der Profi-Zapfmeister zur Stelle, weiß sofort über die Eigenheiten der 3er-Serie Bescheid: „Motorhaube öffnen ist nicht nötig“ sagt er, „es gibt hier keinen Ölpeilstab, die Messung erfolgt elektronisch.“ Der Ölstand kann, ohne dass man schmutzige Hände riskiert, im Cockpit abgerufen werden.

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Ratgeber Beratung beim Motorölkauf
auto motor und sport 09/2015
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Laura im Auftrag von auto motor und sport

Das System meldet: Ölstand in Ordnung. „Nehmen Sie doch eine Flasche mit, zur Sicherheit!“ Gute Idee, aber welches? Zielsicher greift der Profi ins Regal: „Hier unser 5W-40, das ist das Beste für Ihren Motor.“ Laura schluckt, fast 30 Euro, ist das nicht ein bisschen viel für einen Liter Öl? Immerhin ist der BMW schon acht Jahre alt und hat über 100.000 Kilometer auf dem Buckel.

Der Tankwart verweist auf den Ölzettel im Motorraum: „Sehen Sie, beim letzten Ölwechsel im Dezember wurde auch das gute 5W-40 eingefüllt. Unsere günstigeren Öle wie etwa dieses 10W-30 sind dickflüssiger. Wenn sie etwa zum Wintersport fahren und es wird kalt, ist ein dünneres Öl besser für den Motor.“ Laura lässt sich gerne aufklären und erfährt, dass Öle mit geringerer Viskosität auch für weniger Verschleiß beim Kaltstart sorgen.

Sie will gar nicht in die Berge. Laura checkt im Auftrag von auto motor und sport die Beratungsqualität beim Ölkauf an Tankstellen, im Autozubehörhandel sowie in Bau- und Großmärkten. Und sie vermerkt im Protokoll: „Ehrliche, informative und verständliche Beratung.“

Nicht überall gibt es gute Beratung

Das ist nicht überall so, hinter dem breiten Tresen der nächsten Tanke rotiert eine Studentin zwischen Kaffeebechern, Gebäckauslage, Zigarettenregalen und Tankkasse: „Ja, Öl steht draußen im Regal, schauen Sie doch schon mal in die Liste …“ Weitere Unterstützung gibt es nicht. Auf Nachfrage wird auf den Kollegen verwiesen, doch der hat erst am Nachmittag Dienst.

Das Beratungsergebnis im Baumarkt um die Ecke? Da ist kein Berater. Die Kinder, die früher die Besten beim Versteckspielen waren, arbeiten heute offensichtlich hier. „Ja, der Mitarbeiter der Eisenwarenabteilung kommt gleich zu Ihnen“, so die Dame an der Infotheke. Dort wäre er besser auch geblieben. Sein Hinweis „Verschiedene Öle dürfen Sie keinesfalls mischen, da geht der Motor kaputt“ ist schlicht falsch. Bei vergleichbarer Viskosität und besser noch identischer Öl-Norm kann sehr wohl ein Produkt anderer Herkunft eingefüllt werden.

Was hinter diesen genormten Kenngrößen steckt, erklärt Harry Hartkorn, Chef-Anwendungstechniker beim deutschen Motorölhersteller Liqui Moly: „Die Viskosität beschreibt, wie dünn-respektive dickflüssig ein Öl ist. So kann ein gewöhnliches Mehrbereichs-Motorenöl mit SAE 15W-40 bis minus 20 Grad Celsius verwendet werden.

Das bedeuten die Zahlen

Je kleiner die erste Zahl, desto besser ist die Fließfähigkeit auch bei sehr kalten Temperaturen. Moderne Synthetik-Leichtlauföle haben einen unteren Wert von 0W oder 5W, was einer Tieftemperatur-Eignung von minus 40 oder minus 35 Grad entspricht, vor allem aber auf Kurzstrecken zu schnellerer Schmierung, weniger Verschleiß und einer gewissen Kraftstoffersparnis führt.“

Und die zweite Zahl? „Sie gibt an, wie dickflüssig das Öl bei 100 °C ist, und lässt damit Rückschlüsse auf die Schmiersicherheit bei hohen Temperaturen zu. Je größer die Differenz der beiden Angaben, desto breiter ist der Anwendungsbereich. Allerdings sind in diesen Angaben noch keine Informationen über die Qualität des Öls enthalten.“

Welches Öl Lauras BMW nun braucht, weiß der Baumarkt-Mitarbeiter nicht zu sagen. Die am Öl-Regal hängende Zuordnungsliste bleibt unberührt. Doch genau die wäre der richtige Weg, um herauszufinden, welche Ölqualität vom Fahrzeughersteller für das konkrete Modell vorgeschrieben ist. Nicht die Viskosität zählt, sondern vielmehr die richtige Herstellerspezifikation.

Im Kfz-Fachhandel Geld sparen

Das weiß der Mitarbeiter eines anderen Baumarkts aus eigener Erfahrung: Ziemlich charmant und ohne zu zögern, begleitet er Laura zu ihrem Wagen, schlägt im Bordbuch die Daten nach, gleicht sie mit der Zuordnungsliste ab und empfiehlt zielsicher die richtige Ölqualität. „Hier unten am Etikett ist nachzulesen, welche Herstellernormen das Öl erfüllt“, erklärt er. Tatsächlich, die geforderte BMW-Norm „Long-life 04“ ist neben anderen Spezifikationen wie etwa „VW 502 00“ oder „Ford WSS MC 917 A“ dort aufgedruckt. Perfekter Service, findet Laura.

Die nächsten Tankstellen bieten wiederum ein eher ernüchterndes Bild: Kompetente Beratung beim Personal – jedes Mal Fehlanzeige. Mithilfe der ausliegenden Listen lässt sich dennoch meist ein passendes Öl finden – oft zum Literpreis von bis zu 30 Euro. Laura fragt nach günstigeren Alternativen. An der Station ist da nicht viel zu machen: „Versuchen Sie’s doch im Autozubehör-Fachhandel!“

Bingo, der Mitarbeiter dort ist geschult, kennt seine Produkte: Hier gibt’s Öl für Lauras BMW schon zum Literpreis von unter 15 Euro. Geht’s noch günstiger? „In Ausnahmefällen, etwa beim einmaligen Nachfüllen mit Kleinmengen unter einem halben Liter, schon“, meint der Verkäufer. „Wer aber aus Kostengründen größere Mengen ohne passende Herstellerfreigabe einfüllt, handelt fahrlässig.“

Im Internet das richtige Öl finden

Bei einigen modernen Autos muss das Öl je nach Einsatzbedingungen nur alle zwei Jahre oder nach 30.000 km gewechselt werden. Dazu sind aber spezielle und oft auch teure Longlife-Öle notwendig, die auch beim Nachfüllen verwendet werden sollten. Das vermeidet Probleme, wenn ein möglicher Motorschaden nachweislich auf falsches Öl zurückzuführen ist.

Den besten Tipp gibt’s für Laura an einer kleinen freien Tankstelle: „Schauen Sie doch ins Internet“, meint die Mittfünfzigerin hinterm Tresen völlig uneigennützig. Tatsächlich bieten die Internetseiten der großen Tankstellenketten wie Aral, Avia oder Shell wie auch die von Schmierstoffexperten wie Castrol, Mobil 1 oder Liqui Moly praktische Online-Ölwegweiser. Nach Eingabe weniger Daten aus dem Fahrzeugschein lassen sich so die richtigen Öle des jeweiligen Anbieters herausfiltern. Anbieterübergreifend leistet dies etwa die Homepage des Internet-Reifenriesen Delticom auf www.reifendirekt.de unter „Motoröl“.

Laura ist überrascht: Öle, die an der Tanke pro Liter fast 30 Euro kosten, sind im Fachhandel oder im Internet oft für weniger als die Hälfte zu haben. Es lohnt also, sich schon frühzeitig mit der Frage zu beschäftigen, welches Öl zum Motor passt. Und wer eine kleine Nachfüllflasche der passenden Qualität ins Auto legt, muss unterwegs nicht teuer nachkaufen.

Informieren Sie sich besser selbst

Viele Verkäufer in Baumärkten und auch an Tankstellen überzeugen nicht, wenn's um gute Beratung geht. Das zeigt unser Check. Manche sind zurückhaltend, weil ein Motorschaden wegen falschen Öls nie ganz ausgeschlossen ist – da spielt Angst vor dem Risiko mit. Doch wer das Fahrzeug oder die vom Autohersteller geforderte Motorölspezifikation kennt, der kann in den eindeutigen Zuordnungslisten der Ölhersteller ohnehin schnell selbst das passende Produkt finden.

Bei der Suche mit den praktischen Ölwegweisern im Internet genügt sogar die Eingabe der Typ-Schlüsselnummern des Fahrzeugscheins. Zuletzt müssen nur noch die Normen auf der Öldose mit den vom Autohersteller geforderten übereinstimmen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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