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Berger-Ausstieg

Keine Planungssicherheit

Foto: Red Bull 36 Bilder

Gerhard Berger hat die Reißleine gezogen. Der Ex-Formel 1-Pilot hat seine 50-prozentige Beteiligung an Toro Rosso an Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz zurückgegeben. Damit ist das Juniorteam von Red Bull wieder zu 100 Prozent in den Händen des Energydrink-Milliardärs.

26.11.2008 Michael Schmidt Powered by

Berger hat sich den Schritt lange überlegt. "Ich habe darüber mit Didi Mateschitz schon seit einigen Monaten diskutiert. Deshalb war es auch eine Trennung in Freundschaft." Berger machte sich Sorgen um die Zukunft des kleinen Rennstalls aus Faenza, den er, sein Teamchef Franz Tost und Technikdirektor Giorgio Ascanelli aus dem Nichts zu einem respektablen Team aufgebaut haben, das 2009 mit 39 WM-Punkten, einem Sieg, einer Pole Position und elf Punkteplatzierung Rang sechs im Konstrukteurspokal belegte - einen Rang vor dem großen Bruder Red Bull.

Doch der Aufwärtstrend ist in Gefahr. Berger blickt dabei über die Saison 2009 hinaus. "2010 muss Toro Rosso ein Konstrukteur sein, das heißt, die Autos in Eigenregie entwickeln und bauen. Das erfordert trotz der Sparmaßnahmen in der Formel 1 noch höhere Investitionen. Unter dem Gesichtspunkt war es schwer abzuschätzen, was Red Bull mittelfristig vorhat. Wenn Didi Mateschitz seine zwei Teams nicht mehr aus einem Technik-Pool beliefern kann, denkt er vielleicht eines Tages doch über den Verkauf von Toro Rosso nach."

Keine finanzielle Entlastung für Mateschitz

Mit anderen Worten: Es fehlt die Planungssicherheit. Trotz starker Bemühungen und sensationeller Erfolge war es Berger und Tost nicht gelungen, einen großen Sponsor an Land zu ziehen, der Mateschitz in seiner Investition entlastet hätte. Das Budget wurde zu 100 Prozent von Red Bull erbracht. "Ich habe mich mit dieser Konstellation nie wohlgefühlt", gibt Berger zu. Höhere Kosten hätten bedeutet, dass Mateschitz wegen Toro Rosso noch tiefer in die Tasche hätte greifen müssen. Oder dass er auf Sparflamme weiterkocht.

Das musste auch Berger befürchten. Schon bei gleich bleibendem Budget wäre der Aufwärtstrend von Toro Rosso in Gefahr gewesen. "Unser Ziel war es, das was wir mit Toro Rosso aufgebaut haben, weiter zu verbessern. Ich will keinen Schritt zurückgehen. Die Voraussetzungen für den nächsten Schritt sind aber nicht mehr hundertprozentig gegeben. Es war nie mein Stil, einfach nur dabei zu sein."

Kein neuer Vettel in Sicht

Berger denkt da wohl auch an die Fahrer. Sebastian Vettel ist für Toro Rosso nicht zu ersetzen. Der Fahrermarkt ist leergefegt. Mit Sebastien Buemi hat man zwar ein Talent an der Angel, aber für den Schweizer kommt die Formel 1 eigentlich ein Jahr zu früh. Takuma Sato und Sebastien Bourdais, die Kandidaten für das zweite Cockpit, sind gute Rennfahrer, aber keine Ausnahmepiloten. Wunschpilot Nelson Piquet junior zog es vor, bei Renault zu bleiben.

Die Geschichte des Brasilianers zeigt, warum sich die Verantwortlichen von Toro Rosso zu Recht Sorgen machen. Solange das Damoklesschwert des Verkaufs im Raum schwebt, ist es schwer neue Leute anzuheuern. Jeder wird einen sicheren einem unsicheren Arbeitsplatz vorziehen. Gut möglich, dass Red Bull eines Tages versuchen wird, auch Technikdirektor Giorgio Ascanelli ins Boot zu ziehen. Es liegt auf der Hand, dass der Italiener trotz wesentlich geringerer Mittel einen besseren Job gemacht hat als Adrian Newey und Co.

Red Bull aus der Schusslinie

Die vielen ungelösten Fragezeichen machen eine langfristige Planung bei Toro Rosso fast unmöglich. Den Red Bull-Strippenziehern kommt die Schwächung von Toro Rosso gelegen. So gerät das A-Team aus der Schusslinie. Wenn Toro Rosso im nächsten Jahr wieder auf normales Niveau abrutscht, können Red Bull-Teamchef Christian Horner, Technikdirektor Adrian Newey und Berater Helmut Marko behaupten: Der Erfolg von Toro Rosso war allein Vettel zu verdanken.

Gerhard Berger wird nach seinem Rückzug keine Funktion mehr in dem Team aus Faenza haben. Das muss nicht heißen, dass der zehnfache GP-Sieger für immer von der Bildfläche verschwindet. "Macht euch keine Sorgen: Es ist gut möglich, dass ich irgendwann wieder auftauche."

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