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Bergung des Bugatti Type 22

Ein Schatz aus dem Lago Maggiore

Bugatti Type 22 aus Lago Maggiore Foto: Una Bugatti per Damiano 33 Bilder

Seit 1937 lag auf dem Grund des Lago Maggiore ein Bugatti-Sportwagen. Jetzt gelang einer Tauchgruppe in Ascona die Bergung aus 52 Meter Tiefe. Studiobilder zeigen die Faszination des Zerfalls, hinter dem sich eine spannende Geschichte verbirgt.

06.11.2009 Franz-Peter Hudek Powered by

Ugo Pilon entdeckte am 18. August 1967 als Erster das rostige Relikt. Im Halbdunkel von 52 Meter Tiefe ragten Eisenteile aus dem schlammigen Grund des Lago Maggiore. In der Bucht von Ascona, das stand fest, schlummert im Schlick ein versunkener Oldtimer. Mit den Jahren entwickelte sich das Automobil-Wrack zu einem beliebten Zielpunkt für regionale Taucher. Sie unternahmen auch einige Bergungsversuche, weil man vermutete, dass es sich um einen wertvollen Bugatti-Rennwagen handeln könnte.

Am 12. Juli wurde der Bugatti Brescia Typ 22 geborgen

Gewissheit darüber gab es jedoch erst am 12. Juli dieses Jahres, als das Wrack der dunkelblauen Tiefe des Sees entrissen und unter dem Applaus von 2.000 am Kai versammelten Zuschauern an Land gebracht wurde: Ja, es ist ein Bugatti Brescia Type 22 aus den 20er Jahren mit Spitzheck-Karosserie. In Ascona feierten die Taucher der Bergungsfirma Boerlin und des Tauchclubs Centro Sport Subacquei Ascona mit einem Straßenfest ihren Erfolg, nachdem der Schweizer Experte Hans Matti den Fund eindeutig als Bugatti Brescia Typ 22 aus dem Jahr 1925 identifiziert hatte.

Anlass der späten Bergung ist dagegen ein trauriger - der Mord an einem 22-jährigen Mitglied der Tauchclubs Ascona. Am 1. Februar 2008 prügelten drei Jugendliche Damiano Tamagni während der Tessiner Fastnacht grundlos zu Tode. Die Trauer der Familie führte zur Gründung der Stiftung Damiano Tamagni gegen Jugendgewalt (www.damianotamagni.ch). Nach dem Verbrechen erinnerten sich einige im Tauchclub an den Rennwagen im Lago Maggiore, der jetzt definitiv geborgen werden sollte, um mit dem Verkaufserlös die Stiftung zu unterstützen. Fast 30 freiwillige Taucher und Helfer nahmen mit professioneller Unterstützung durch die Tessiner Bergungsfirma von Jens Boerlin an dem Unternehmen teil.

Alle Arbeitsschritte sind dokumentiert

Aus den ursprünglich eingeplanten drei Monaten sind neun geworden. Das behutsame Ausgraben aus dem schweren Schlickuntergrund nahm in der dunklen Tiefe des Lago Maggiore viel Zeit in Anspruch. Während eines Sturms an Weihnachten versank die schwimmende Bergungsplattform im See und landete nur wenige Meter neben dem Wrack. Alle Arbeitsschritte sind im Internet auf www.boerlin.com unter "Bugatti Ascona" mit vielen Fotos dokumentiert. Doch der Aufwand lohnte sich. Bugatti- Experte Hans Matti konnte die Chassis- (2461) und Motornummer (879) eindeutig identifizieren.

Norbert Steinhauser unterstützte Matti mit seinen Recherchen im Firmenarchiv: Der im See gefundene Bugatti Brescia Typ 22 ist am 11. April 1925 erstmals in Nancy zugelassen worden. Der Typ 22 stammt vom 1910 vorgestellten Typ 13 ab, besitzt jedoch einen 45 PS starken 1,5-Liter- Vierventilmotor sowie einen von zwei auf 2,4 Meter verlängerten Radstand. Die Bezeichnung "Brescia" verdiente sich die Modellreihe 1921 durch einen Vierfach-Sieg beim Voiturette Grand Prix in Brescia. Der von 1910 bis 1926 gebaute, leichte und deshalb sehr schnelle Rennwagen war für Bugatti mit mehr als 2.000 verkauften Einheiten ein großer Erfolg.

Wie landete der Bugatti im See?

Doch der Seefund-Typ 22 ist ein ganz besonderes Exemplar. Matti berichtet: "Wenn man die aktuelle Sportwagen-Karosserie mit Spitzheck genau untersucht, kann man zu dem Schluss kommen, das es sich vielleicht um eine zweite oder modifizierte Karosserie handelt." Die erste sei vermutlich nur eine einfache Rennkarosserie gewesen, "ohne elektrische Beleuchtungsanlage und ohne Schutzbleche". Seine zweite Blechhaut wird der Wagen erst Ende der 20er Jahre erhalten haben. Doch wie und warum gelangte der schnittige Sportwagen überhaupt in den See? Sein letzter Besitzer war vermutlich Marco Schmuklerski, ein Architekt, der zunächst in Paris studierte oder ein Praktikum absolvierte und dort den schon betagten Bugatti erstand.

Fest steht, dass Schmuklerski von 1933 bis 1936 in Ascona lebte und zu dieser Zeit seinen Wagen mit französischer Zulassung fuhr. Als er schließlich nach Zürich umzog, hat er den Bugatti im Tessin zurückgelassen und auf dem Bauhof der Firma Barra abgestellt. Die Zollbehörden hatten von dem unverzollten Sportwagen Kenntnis genommen und forderten von den neuen Besitzern Zollgebühren, die viel höher als der Restwert des mittlerweile elf Jahren Autos lagen. Sie entschlossen sich daher, den Wagen über einen Schiffsanlegesteg im Lago Maggiore zu entsorgen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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