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Berlin-Reise

Per Wohnmobil durch die Hauptstadt

Foto: Reinhard Schmid 15 Bilder

Unterm Pflaster liegt der Strand - auto motor und sport machte die Probe aufs Exempel, startete mit einem Wohnmobil gen Hauptstadt. Und entdeckte entspannt-sonnige Aussichten entlang der Spree.

11.09.2008 Jörn Thomas

"Dickes B, home an der Spree, im Sommer tust du gut, und im Winter tut’s weh", intoniert die Berliner Hip-Hop-Truppe Seeed. Und legt damit den passenden Klangteppich für eine Sommerreise in die Hauptstadt. Seit dem Zerbröseln der Mauer entspannt die Stadt, expandiert die Szene. Frech, fröhlich, dünkelfrei, mit pochendem Puls und wachem Herzen. An der Spree ist wenig Platz für Pfeffersack-Adel oder Schaffe-Schaffe-Strategen.

Wozu auch, lebt doch jeder Zweite von Arbeitslosengeld, Rente oder Hartz IV - oder einfach kreativ in den Tag hinein. So wie Suse, Betty und Lena: drei Studentinnen, per Mitfahrzentrale aus der osthessischen Provinz nach Berlin gebeamt. Auf der Autobahn waren sie damit tempomäßig im Vorteil, wir gehandikapt durch unser Wohnmobil, dessen Diesel bei etwa 110 km/h seine Wohlfühlzone markiert.

Schlafen wo man parkt

Klar kann der Dethleffs Globebus mit 130 PS und stabilem Geradeauslauf auch schneller, aber wozu? Die Hauptstadt hat Zeit. Am Abend, als die Mädels auf dem Campingplatz Tentstation mitten in Berlin noch die Heringe einschlagen und mit dem Zeltgestänge hantieren, angeln wir uns auf unserem Stellplatz schon mal Willkommens-Bier aus dem Kühlschrank. Schlafen, wo man parkt - das geht nur mit dem Wohnmobil.

Sechs Meter lang, subjektiv auf dem Handling-Niveau korpulenter Limousinen oder SUV und damit problemlos geeignet fürs haarige Innenstadt-Gewimmel rund um Brandenburger Tor und US-Botschaft. Doch netter als hinter Lenkrad oder in der Fond-Sitzgruppe ist es auf den Liegestühlen am Capital Beach. Während die letzten Strahlen der Sommersonne durch ihre blonde Mähne lodern, lehnt sich Betty entspannt zurück, zieht an ihrem Cocktail und seufzt: "Ne richtige Metropole ohne Schicki, das gibt’s nur hier."

Love is in the air

Gegenüber gleitet gerade ein ICE in den Hauptbahnhof - wegen der rausragenden Züge Hot Dog genannt - hinter unseren Rücken erledigt die Koalition ihre Geschäfte. Hier am Liegestuhl-Eldorado auf dem Rasen am Spreeufer schmettert "Love is in the air" aus den Lautsprechern, während ein Lenkdrachen-Pärchen durch die 28 Grad heiße Abendluft zackt. Vorbei die Zeit von Diktaturen und der Aura einer umzingelten Enklave, als Berlin wie ein schlecht gelüftetes Hinterzimmer vermuffte.

Frisch gelüftet und mutig designt verzichtet das Regierungsviertel auf knalliges Pathos. Selbst Menschen, die keine schwarz-rot-goldene Bettwäsche besitzen, atmen hier einen Lungenzug Nationalstolz. Kanzleramt, Spreebogen, Popmusik: Die Hauptstadt konzentriert Deutschland auf ein paar Quadratkilometer. Vermisst noch jemand den Langen Eugen in Bonn? Kaum. Einfach mal am Abend auf die Wiese vor dem Reichstag hocken, den durch die erleuchtete Kuppel wimmelnden Menschen zusehen und dann die majestätisch im Wind wallende Deutschlandfahne fixieren. Majestätischer kann eine Flagge nicht schwingen - und beschwingter kann man Bonn nicht vergessen.

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