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Bernie Ecclestone will Hockenheim als Formel 1-Strecke halten

Foto: dpa 38 Bilder

Formel 1-Chef Bernie Ecclestone würde Hockenheim nur ungern aus dem F1-Kalender streichen: "Ich würde es nicht gerne sehen, wenn es von der F1-Bildfläche verschwinden würde", sagte der Brite im Interview.

05.02.2009 Powered by

In den vergangenen Wochen war oft die Rede von der DNA der Formel 1, die erhalten werden müsse, trotz der Sparmaßnahmen.
Ecclestone: Die Teams sind so groß geworden und haben soviel Geld ausgegeben. Es war ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Selbst wenn wir nicht diese ökonomische Krise gehabt hätten, wenn es überhaupt das richtige Wort ist, mussten sie etwas zurückschrauben. Wir müssen die Notwendigkeit reduzieren, Geld auszugeben, um wettbewerbsfähig zu sein. Es darf kein Rennen sein, das das Team mit dem meisten Geld gewinnt.

Mit Blick auf die globale Finanzsituation - ist Ihnen bange um die Formel 1?
Ecclestone: Nein, nein, nein. Was das Problem (in der Formel 1) verursacht hat, war, dass die Hersteller mit großen Budgets eingestiegen sind und viel Geld ausgegeben haben. Aber das werfe ich ihnen ja nicht vor. Sie sind in die Formel 1 gekommen, um zu gewinnen.

Geld ist auch das Problem des Hockenheimrings in Deutschland. Bürgermeister Dieter Gummer sagte einmal, dass man dort ein Problemkind habe, und das heiße die Formel 1...
Ecclestone: Absolut. Es ist kein generelles Problem des Hockenheimrings. Sie (die GmbH) wird weiter bestehen bleiben.

Würden Sie es denn bedauern, wenn die Formel 1 nicht mehr auf dem Hockenheimring Station machen würde, zumal in einem solchen Fall mindestens in einem Jahr Deutschland generell kein Rennen bekäme? Schließlich wechseln sich der Hockenheimring und der Nürburgring ja schon jährlich ab.
Ecclestone: Es ist eine Zeitlang her, dass ich mit einer großen Investition involviert war in den Hockenheimring. Ich würde es daher nicht gerne sehen, wenn er von der Formel-1-Bildfläche verschwinden würde.

Was können Sie den Verantwortlichen denn sagen? Haben Sie irgendeinen Rat für sie?

Ecclestone: Nicht wirklich. Die Schwierigkeit ist doch heutzutage, dass wir wiederum glücklich sein können, dass es viele verschiedene Sportarten gibt, die staatlich unterstützt werden. Sie können sich vorstellen, was die Olympischen Spiele (2012 in London) kosten werden. Eine kleine Summe ist indes notwendig, um die Formel 1 zu erhalten. Es ist sehr günstig für ein Land, eine der Top-Sportarten zu unterhalten.

Ist es denn ein generelles Problem, dass die traditionellen Strecken wie Hockenheim, Magny Cours oder auch Montréal nicht genügend staatliche Unterstützung bekommen?
Ecclestone: Magny Cours hat damit nichts zu tun. Es hatte nichts mit Geld zu tun. Es hatte etwas mit der Tatsache zu tun, dass die Sponsoren nicht dorthin wollten. Es gibt dort ja so gut wie keine Hotels. Die Leute wollten nicht dorthin, wir sind aber ein Entertainment-Business. Das war dort der Grund. Wenn wir keine Sponsoren haben, gibt es auch keine Formel 1. Montréal war etwas komplett anderes. Derjenige, der die Strecke betrieben hat, hat es nicht besonders gut gemacht. Mir ist es egal, ob man Unterstützung vom Staat bekommt, man muss aber ordentlich wirtschaften.

In diesem Jahr wird es nach der Streichung von Kanada gar keine Rennen in Nordamerika geben. Bedauern Sie das oder ist es gar eine langfristige Lösung?

Ecclestone: Vergessen wir für einen Moment die Finanzen. Es gab in ganz Amerika keine Strecke, auf der wir ein Rennen hätten durchführen können, keine Strecke, die an unsere Ansprüche herangekommen wäre - außer Indianapolis. Und Tony George (Chef der Strecke in Indianapolis) war sehr, sehr gut. Er hat einen großartigen Job in Indianapolis gemacht, was super war. Bedauerlicherweise ist es aber eine ganz spezielle Region, die keine besondere Formel-1-Gegend ist. Er hat drei andere große Events, um Erlöse zu machen, und daher hat sich die Formel 1 finanziell nicht rentiert.

Es sieht so aus, als hätte die Finanzkrise eine neue Einheit und Einigkeit in der Formel 1 geformt, was bislang eher unbekannt war. Die Hersteller sprechen mit einer Stimme, sie finden Lösungen zusammen mit dem Internationalen Automobilverband FIA. Es scheint, als würden sie miteinander statt gegeneinander arbeiten. Ist es eine neue Qualität in der Zusammenarbeit?
Ecclestone: Das hoffe ich. Aber es ist noch zu früh, oder? Ich habe es noch nicht erlebt, dass alle diese Teams, die gegeneinander wetteifern, sich einig sind. Sie mögen Presseerklärungen herausgeben, aber sie müssen nicht einer Meinung sein. Nehmen sie das Energierückgewinnungssystem KERS. Niemand will KERS - außer BMW. Sie wollen es, weil sie glauben einen technischen Vorteil zu haben. Es mag nicht gut sein für die Formel 1 generell. Aber es könnte gut sein für BMW. Man kann sie daher nicht dafür anklagen. So sind die Regeln. Ich klage sie (BMW) dafür nicht an.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat zuletzt erklärt, dass die Teams mehr von den Erträgen der Formel 1 abbekommen wollen. Waren Sie über seine Äußerungen enttäuscht vor dem Hintergrund, dass die Scuderia wegen eines Abkommens mit Ihnen ohnehin bereits deutlich mehr Geld bekommt als alle anderen Team, wie Sie selbst ja unlängst einräumten...
Ecclestone: Ja. Wenn ich ein Geschäft mit jemandem mache oder einen Vertrag abschließe, möchte ich, dass das respektiert wird. Und genau das ist es. Wir habe ein Agreement und plötzlich respektieren die Leute das nicht mehr. Das ist nicht in Ordnung. Selbst wenn ich einen schlechten Deal abschließe, halte ich mich daran, schlecht für uns.

Denken Sie, dass die Formel 1 nach der Finanzkrise bzw. währenddessen genauso stark ist wie vorher? Oder ist sie sogar stärker geworden durch den neuen Weg der Zusammenarbeit?
Ecclestone: Das Wichtige ist, dass jeder engagiert ist. Und es war sicherlich ein Weckruf. Die Leute hatten zu realisieren, dass sie die Kosten senken müssen. Es gibt keinen Anlass für sie, soviel Geld auszugeben, wie sie es gemacht haben. Sie haben Vermögen verschwendet. Es gab keinen Zwang, das Geld auszugeben.

Verstehen Sie denn auch diejenigen, die die Gebühren kritisieren, die Rennstreckenbetreiber an das Formula One Management zahlen müssen?

Ecclestone: Wer sagt das?

Das ist recht häufig zu hören und nachzulesen. Es ist ja auch das Problem, mit dem der Hockenheimring zu kämpfen hat...

Ecclestone: Ich verstehe das nicht, denn wir haben mehr Leute, die Rennen haben wollen, als wir in einer Saison machen können.

Sie meinen neue Märkte. An welche denken Sie?

Ecclestone: Oh, es gibt viele neue Märkte. Die Welt hat sich weitergedreht, seitdem die Formel 1 mehr oder weniger eine Europameisterschaft gewesen ist mit einem Rennen außerhalb in Amerika.

Welches werden denn die nächsten neuen Schauplätze in der Formel 1 sein und was ist mit der Premiere in Indien - bleibt es bei 2011?
Ecclestone: Ja.

Und ist Südkorea weiterhin ein Thema?
Ecclestone: Sicher.

Und Russland - Moskau oder St. Petersburg?
Ecclestone: Das wissen wir nicht.

London richtet 2012 die Olympischen Spiele aus. Ihr Büro ist hier in London, Sie leben hier - wäre es nicht toll, die Formel 1 bei Olympia dabei zu haben?
Ecclestone: Nicht wirklich. Ich sprach mit Herrn Samaranch, als er Präsident des Internationalen Olympischen Komitees war, über dieses Thema. Es ist schwierig, einen mechanischen Sport bei Olympia zu haben. Es soll dort nur um Menschen gehen.

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