Berühmte Filmautos - VW Käfer

Herbie, ein toller Käfer mit der Startnummer 53

Berühmte Filmautos: Herbie

Wenn man von der Nummer 53 spricht, geht jedem Käfer-Fan sofort das Herz auf. Als Herbie wurde die Kultkugel legendär. Der Filmruhm führte zu einem erstaunlichen Käfer-Hype in Amerika, blieb aber ein One Hit Wonder, denn der New Beetle kam nicht so gut an.

Jim Douglas liebt rassige Autos. Ein schneller Lamborghini, das wäre für den ehrgeizigen Rennfahrer aus San Francisco genau das Richtige. Stattdessen ist er an diesem schäbigen kleinen Importauto hängen geblieben: Der VW Käfer wich Jim einfach nicht von der Seite, als er im Luxus-Autohaus von Peter Thorndyke eigentlich einen schicken Sportflitzer suchte. So musste Jim den Käfer kaufen - und lernt schnell, dass das seltsame Eigenleben des kleinen Autos ihm durchaus zugute kommt. Herbie, wie der Käfer von Jims Kumpel Teddy genannt wird, erweist sich nämlich als veritabler Rennwagen, der Kreise um Ferraris und Corvettes fährt und dem bislang erfolglosen Rennfahrer Jim einen Sieg nach dem anderen beschert.
Neuauflage des Films Herbie mit Lindsay Lohan Trotz Herbies mimosenhafter Zicken - unter anderem zertrümmert er aus Eifersucht einen Lamborghini und versucht, sich von der Golden Gate Bridge zu stürzen - bleiben der Käfer und Jim ein Team. Am Schluss gewinnen sie zusammen mit Jims Freundin Carole und Teddy als Mechaniker an Bord das Rennen von El Dorado. Der Erfolg des Films "Ein toller Käfer" von 1968 führte zu zahlreichen Fortsetzungen, zuletzt war es "Herbie: Fully Loaded" mit Lindsay Lohan in der wichtigsten Nebenrolle.
 
Technisch gesehen war der Original-Herbie ein perlweißes Volkswagen Exportmodell, Baujahr 1963. Zur Luxusausstattung gehörte das Sonnendach. Der Luxus des Exportmodells war eher bescheiden, doch waren damals auch viele Basismodelle der amerikanischen Hersteller nicht gerade üppig ausstaffiert. Für den US-Markt musste der Käfer mit einem zusätzlichen Schutzbügel über der Stoßstange versehen werden, der dem Auto allerdings ganz gut zu Gesicht stand.
Die meisten Szenen wurden im Studio gedreht Das Interieur des Wagens hätte eigentlich weiß sein müssen, doch für den Film wurde es mattgrau lackiert, damit es die grellen Filmkameras nicht reflektierte. Die meisten Szenen für die frühen Herbie-Filme wurden im Studio gedreht, was teilweise ziemlich seltsam wirkt - so sieht man im ersten Film deutlich, dass zahlreiche Straßenszenen in San Francisco nur aus gemalten Hintergründen bestehen.
 
Im zweiten Herbie-Film spielt der Käfer den Beschützer für ein friedliches Großmütterchen, das ebenfalls in San Francisco in einem alten Spritzenhaus wohnt und vom Immobilien-Spekulanten Alonzo Hawk bedroht wird. Wie immer wird der kleine Wagen von seinen Widersachern maßlos unterschätzt. Herbie macht Alonzo Hawk die Hölle heiß und taucht sogar in dessen Träumen auf - als Indianer-Käfer, der Hawk an den Marterpfahl bindet, und als geflügelte Käfer-Armada, die Hawk wie King Kong auf ein Hochhaus jagt. Am Schluss des Films bekommt Herbie Verstärkung: Zahlreiche Käfer, manche im bunt bepinselten Blumenkinder-Look und einer mit einem knutschenden Liebespaar auf dem Rücksitz, machen sich selbständig und helfen der Nummer 53 aus der Klemme.
Importautos waren in San Francisco nicht selten
 
Importautos waren in den 60er Jahren natürlich nichts Neues mehr in den USA - schon gar nicht in San Francisco, wo sich Alternative und Intellektuelle gerne mit ungewöhnlichen Autos vom Establishment abhoben. Zwar wurden die Straßen immer noch von dicken Ami-Schlitten dominiert, doch Jahr für Jahr schwappten mehr "Imports" über den großen Teich. Ob Fiat oder Alfa, Mercedes oder Porsche, Toyota oder Datsun, Citroën oder Peugeot - die Auswahl war riesengroß. Eine Corvette konnte einem agilen Porsche nun einmal nicht das Wasser reichen, ein Jaguar bewies weltmännische Eleganz. Und ein Mercedes war das ideale Gefährt für alle, die ihren Reichtum zwar zeigen wollten, aber eben nicht mit einem Cadillac.
 
Der Käfer nahm eine Sonderrolle ein. Er war weder schnell noch elegant, alles andere als luxuriös und zwischen den Ami-Kreuzern so verloren wie ein Insekt in einer Büffelherde. Mit 34 PS konnte man auf den amerikanischen Highways bestenfalls im Windschatten mitschwimmen, und der vergleichsweise geringe Verbrauch von 8,5 Litern pro 100 Kilometer taugte zumindest in den 60ern noch nicht als echtes Kaufargument. Der Spitzname "Bug" (Käfer, Insekt, Wanze) war denn auch alles andere als freundlich gemeint, selbst wenn der spätere Beiname "Beetle" (Käfer) schon netter klang. Der Heckantrieb war in den USA auch nicht gerade der letzte Schrei, schließlich legte sich Chevrolet in den frühen 60ern beim kompakten Heckmotor-Modell Corvair mächtig auf die Nase. Von ulkigen Kleinwagen ließen amerikanische Autobauer lieber die Finger, Ausnahmen wie der Nash Rambler bestätigten die Regel.
Der VW Käfer wurde aufgrund der Reaktionen der Passanten ausgewählt Der Originaltitel des ersten Herbie-Films ("The Love Bug") verrät, wie der Käfer die Kurve kriegte: Als Knuddel-Auto zum Liebhaben und als sympathischer Underdog, in dem ungeahnte Talente steckten. Angeblich suchte der Produzent des ersten Herbie-Films seinen Hauptdarsteller nach der Reaktion von Passanten aus. Er ließ mehrere ungewöhnliche Autos auf einen Parkplatz stellen und schaute, wie die Menschen auf die Wagen reagierten. Nur beim Käfer waren die Sympathien so groß, dass man sogar die Motorhaube streichelte.
 
Schon in den 50er Jahren bewies sich der Käfer als weltweiter Exportschlager - 1953 war der Wagen in 86 Ländern zu haben. "Der Export des Beetle in die USA begann 1950 mit insgesamt 328 Fahrzeugen", weiß Volkswagens Historien-Experte Dr. Manfred Grieger. Insgesamt wurden fast fünf Millionen Käfer über den großen Teich verschifft. Nach Export-Limousine und Cabrio folgten die Typen 1300, 1302 und 1303. Schon 1958 war VW der größte Importeur in den USA, und in den 60er Jahren begann eine wahre "Beetlemania" - kräftig unterstützt durch die Herbie-Filme. Selbst 1973 wurden noch mehr als 370.000 Käfer zu den US-amerikanischen Kunden gebracht.
 
Der Käfer blieb allerdings in Nordamerika ein "One Hit Wonder". Der New Beetle konnte den Erfolg der Kult-Kugel nicht fortsetzen und der US-Golf schon gar nicht. Bald geht der New Beetle in den Ruhestand, doch ein Nachfolger soll 2011 in den Startlöchern stehen - und auch in den USA wieder Herzen für sich gewinnen. Herbie ist eben nicht kleinzukriegen.
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Sebastian Viehmann

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