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Porsche 911

Foto: 12 Bilder

Die Urversion der Sportwagenlegende Porsche 911 bietet diverse Ansatzpunkte für Modifikationen – oft wird übers Ziel hinausgeschossen.

13.11.2004 Powered by

Als vor über 40 Jahren der Porsche 911 präsentiert wurde, zählte er trotz seiner mittlerweile spärlich erscheinenden Leistung von 130 PS zu den schnellsten Straßenautos. Diese Rolle hat er längst an seine jüngeren Brüder abgetreten.

Ein Elfer der Frühzeit muss heutzutage manch biedere Familienkutsche vorbeiziehen lassen, was bei einigen Porsche-Besitzern einen übertriebenen Ehrgeiz entfacht, den anerkannte Fachwerkstätten jedoch nur bedingt unterstützen.

"Ich bin fast schon Originalitätsfanatiker", gesteht Alois Ruf, der sich zwar mit leistungsgesteigerten Porsche einen Namen gemacht hat, andererseits bei den Ur-Elfern mit Modifikationen sehr zurückhaltend ist.

Auch Spezialist Ingo Stimming sieht das in der Szene durchaus übliche Tuning der frühen Versionen mit kritischem Auge: "Da wird viel verschlimmbessert", weiß er aus Erfahrung. Dabei wäre manchem Porsche- Eigner schon geholfen, wenn sich die Technik seines Autos in serienmäßigem, aber neuwertigem Zustand befände. Alles was darüber hinausgeht, sollte wohl überlegt werden.

Viel hilft nicht immer viel

Wer mit seinem Elfer stets zügig unterwegs ist, bevorzugt sicherlich ein griffiges Sportlenkrad statt des im Durchmesser recht großen Seriensteuers. Und da die Standardbestuhlung relativ wenig Seitenhalt gewährt, bietet sich der Einbau eines Sportsitzes an. Sicherheitsgurte, sofern nicht vorhanden, runden die Innenraumoptimierung ab.

Wer möchte, kann noch einen Überrollbügel montieren lassen. Wesentlich mehr Spielmöglichkeiten gestattet das Fahrwerk. Statt radikaler Umbaumaßnahmen getreu dem Motto "möglichst breit, hart und tief" sollte hier besser mit Bedacht Schritt für Schritt vorgegangen werden. Denn oft wird des Guten zu viel getan, "das Auto reagiert dann sehr sensibel und ist nur noch schwierig zu beherrschen", sagt Jens Hagelauer von Knebel-Motorsport. "Weniger ist hier mehr", schlägt Ingo Stimming in die gleiche Kerbe und empfiehlt, zunächst mit der Umrüstung auf etwas breitere Reifen und Felgen zu beginnen.

Breitere Reifen zu empfehlen

Denn schon auto motor und sport schrieb damals über die 165er- Bereifung auf 4,5-Zoll-Felgen, dass dies "für ein Fahrzeug diesen Zuschnitts in keiner Weise ein Optimum" darstelle. Mit Felgen in sechs Zoll und 195er-Reifen ist schon einiges gewonnen, speziell bei den frühen Versionen mit kurzem Radstand. Besonders viel Grip verspricht der von Michelin wieder aufgelegte TB 15, eine Art Rennreifen im klassischen Look mit Straßenzulassung.

Eine weitere Verbesserung der Fahreigenschaften bringen Querstabilisatoren an Vorder- und Hinterachse, was nicht bei allen Versionen serienmäßig war, und der Einbau von anderen Stoßdämpfern, beispielsweise Gasdruckdämpfer von Bilstein.

Bei der Auslegung der Querstabis sollte man es ruhig bei den Werksvorgaben belassen. "Dickere Stabis, extremes Tieferlegen und die harten Polyurethan-Fahrwerksbuchsen sind nur dann ratsam, wenn man sich bei Clubsport-Veranstaltungen engagieren möchte", betont 911-Experte Manfred Rugen. Für Straßenautos sinnvoll ist aber der Wechsel auf die Spurstangen des Porsche turbo, was ein präziseres Lenkverhalten beschert.

Um das Bremsverhalten zu optimieren, können zum Beispiel die Modelle 911 sowie die Varianten L, T und E an der Vorderachse auf die S-Bremse umgerüstet werden, indem man das Baukastenprinzip nutzt. Die wirksamsten Reibwerte ergeben sich laut Stimming aber nur mit den originalen oder anderen hochwertigen Belägen, also Vorsicht vor Billigware. Empfehlenswert ist ferner die Verwendung von Stahlflex-Bremsschläuchen – "sicherheitshalber aber nur in Verbindung mit einem neuen oder überholten Hauptbremszylinder", rät Rugen.

In Sachen Leistungssteigerung meint der Motorenexperte, dass die nur mit einem Sportauspuff und anderen Vergasern gewonnenen Mehr- PS den Aufwand kaum rechtfertigen. Hier solle man, ähnlich wie bei der Bremse, den Motor mit den entsprechenden Serienbauteilen auf den Leistungsstand des nächst stärkeren Elfers bringen. Der 911 S beziehungsweise der 2,7 Liter große Carrera RS stellen hier das Maß der Dinge dar.

Sinn macht es auf jeden Fall, dem Motor zu etwas mehr Kühlung zu verhelfen. Das lässt sich durch den Einbau eines Ölkühlers im vorderen Radhaus realisieren. Zusätzliche Wirkung zeigt eine stärkere Ölpumpe, deren Einbau am zweckmäßigsten dann im Rahmen einer Motorüberholung geschieht. Wer übrigens an eine Leistung jenseits von 200 PS denkt, was zum Beispiel mit einem 2,9-Liter-Doppelzünder durchaus möglich ist, sollte der guten Fahreigenschaften wegen eine breitere Spur mit Karosserieverbreiterungen ins Kalkül ziehen.

Außerdem ist ein Umstieg auf das spätere 915-Getriebe erforderlich, weil es mehr Drehmoment verkraftet. Und es sind nochmals größere Bremsen nötig. Aber damit entfernt sich der Ur-Elfer sehr weit vom Original. Ein solches Auto mag zwar faszinieren, doch es vermittelt nicht mehr das echte Porsche-Feeling der Sechziger.

Rückblende Porsche 911, ams 2/1965

Daß der Porsche 911 Faszination besitzt, kann ihm aber nicht bestritten werden. Worin sie liegt, ist schwer zu sagen – es ist tatsächlich das Fahren um des Fahrens willen, das hier zum Prinzip gemacht wurde, die Ballung automobiler Kraft in einem Motor-Getriebe-Antriebsblock von ebenso komplizierter wie ingeniöser Konstruktion. – Reinhard Seiffert

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