Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Shelby American Collection

Just call me Carroll

Shelby American Collection Foto: Michael Cassel 6 Bilder

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Shelby American Teams in der Shelby American Collection in Boulder, Colorado, zu einer Party. Und mindestens einmal im Leben muss auch ein Shelby-Fan aus Good old Europe mit dabei gewesen sein.

06.03.2010 Powered by

Der Ort: Shelby American Collection in Boulder, Colorado

Die Veranstaltung: SAC 12th Anniversary Holiday Party. Das Ambiente: eine einzigartige Sammlung von Shelby-Schätzen aus den Sechzigern. Die Gäste: knapp 200 Shelby-Fans, rund ein Dutzend Mitglieder des legendären Shelby American Teams - und natürlich der Meister himself.

Aufgetaucht aus dem Nichts, wurde das Team innerhalb kurzer Zeit zur Legende durch den Gewinn der FIA GT Weltmeisterschaft - als erster und einziger amerikanischer Rennstall. Ich trete ehrfurchtsvoll in die Halle ein und befinde mich inmitten lebender Legenden, inmitten der Helden meiner Lieblingsbücher. Eine fast irreale Szene. Den Charme der Sammlung macht das geordnete Durcheinander von Fahrzeugen, Werkzeugen, Fotos, Emailleschildern, Rädern, Motoren, Trophäen und Erinnerungsstücken aus.

In den frühen 1960ern waren die Cobra fast unschlagbar

Ich bahne mir den Weg durch die Gäste und stoße auf einen der Eckpfeiler der Shelby Erfolgsstory: Phil Remington. Er wurde quasi als Inventar mit übernommen, als Shelby American den Dean Moon Shop in Venice übernahm, nachdem dort durch Einbau eines Ford V8 in ein AC -Chassis der erste Cobra-Prototyp entstanden war. Kurz darauf machte Phil aus dem dritten von AC gelieferten Roadster die erste Renn-Cobra, die der Konkurrenz das Fürchten lehren sollte.

Ab Mitte 1963 waren die Cobra standfest und auf amerikanischen Rennstrecken unschlagbar. Zu dieser Zeit hatte Carroll Shelby mit seinen 340 PS starken, etwa 1000 Kilogramm schweren Autos bereits die FIA GT Weltmeisterschaft im Visier. 1963 gingen zwei Roadster in Le Mans an den Start - zur Verbesserung der miserablen Aerodynamik mit Hardtops. Trotz des ersten Platzes in der GT Klasse war Shelby klar, dass die Roadster wegen der Aerodynamik in Europa keinen Blumentopf gewinnen würden. Shelby, selbst Le Mans-Sieger, startete folgerichtig mit der Entwicklung der Daytona Coupés.

Doppelsieg für Shelbys Ford GT-40 in LeMans

Das steht natürlich auch in der Sammlung, die mehrheitlich aus 289er-Cobra und Ford GT 40 besteht. Trotz des wesentlich verbesserten Fahrwerks gab es nur ein 427er-Team-Rennfahrzeug, weil das Shelby- Team nach Fertigstellung der 427er-Cobra damit betraut wurde, dem GT 40 das Siegen beizubringen.

Was auch gelang: Die GT 40 gewannen 1966 in Daytona und Sebring und holten in Le Mans einen Doppelsieg für Shelby American Inc. Phil Remington hatte großen Anteil daran, die GT 40 standfest zu machen. Sein Talent und seine Leidenschaft sind unverändert, er schraubt selbst heute noch an Autos.

Mein nächster Gesprächspartner ist Bob Bondurant. Er war der erfolgreichste WM-Punktesammler und trug maßgeblich zum Gewinn der GT WM 1965 bei. Bob erzählt, dass er die anspruchsvollen europäischen Strecken liebt, auf denen er gefahren ist: Nürburgring, Targa Florio, Tour de France, Bergrennen von Freiburg und Sierra Montagna. Bereits Tage zuvor sei er jeweils angereist, um die Strecken zu lernen, von denen die meisten aus öffentlichen Straßen bestanden. In Freiburg etwa fuhr er frühmorgens mit einem VW den Berg immer wieder hinauf, bis der Berufsverkehr das Unterfangen unterbrach.

Während seiner Zeit bei Shelby half Bob zeitweise in Carrolls Driving School aus. Dies war die Inspiration zur Gründung der "Bob Bondurant High Performance Driving School", die heute noch in Phoenix, Arizona, existiert.

Weggefährten und Rennfahrer von Carroll Shelby

Gegen halb acht taucht Carroll Shelby auf, passend zu einer Versteigerung zugunsten der Museumskasse. Unter den Hammer kommt unter anderem ein Fahrerlehrgang in Bobs Driving School und eine Feier in der SAC. Es ist Carroll Shelby anzusehen, dass ihn die Veranstaltung mit seinen 85 Jahren anstrengt. Kurz nach der Auktion verlässt er die Party Richtung Hotel, um sich auszuruhen.

Gelegenheit für mich, mit Jack Sears zu plaudern, der zu den europäischen Fahrern gehörte, die Carroll wegen der Streckenkenntnisse für die WM-Rennen in Europa engagierte. Jack ist very britisch, smart, freundlich, liebenswert. Er ist der Einzige, der sämtliche Cobra-Coupés pilotiert hat. Es gab nur sechs Daytona Coupés und außerdem das wunderschöne AC Coupé, das beim ersten Auftritt 1964 in Le Mans geschrottet wurde.

Mein nächster Gesprächspartner, Lew Spencer, traf Shelby erstmals 1961, als dieser wissen wollte, was ein AC ohne Motor kosten würde. Das zweite Zusammentreffen war in Riverside, als Carroll die Cobra der Presse vorstellte und Lew von dem Beschleunigungsvermögens beeindruckt war. Er fuhr dann 1963 mit Phil Hill und Ken Miles die 12 Stunden von Sebring. Mit der einzigen Cobra, die das Rennen beendete, gewannen sie die 5-Liter-Klasse und schlugen die komplette Corvette-Armada. Auch 1964 fuhr Lew in Sebring, und die Cobra - 3 Coupés und 4 Roadster - belegten die Plätze 1 bis 7!

Das Geheimnis des Erfolges von Shelby American - Team Spirit

Letzter Gesprächspartner in der Runde der Rennfahrer ist Allen Grant. Was das Rezept für den außerordentlichen Erfolg von Shelby American gewesen sei? "Spirit", ist nach kurzer Pause seine Antwort, "Team Spirit". Und Carroll Shelbys Rolle? Der musste das Geld ranschaffen: "Promote and sell everything". Und das konnte er wie kaum ein anderer.

Als weiteren Faktor für den Erfolg war Carroll "one of the gang", weil er damals nicht viel älter war als der Rest des Teams. In zwei Punkten sind sich alle Teammitglieder einig: Die Zeit bei Shelby hat sie geprägt, es gab damals viel zu lachen - aber jeder wusste auch, dass ein "geht nicht" keine Option für Carroll Shelby war.

Am nächsten Morgen erzählen Steve Volk und Bill Murray, wie sie das Museum mit Hilfe von Wendy und Greg Wolan gegründet haben, um die "greatest racing story of all time for america" zu würdigen. In der Tat: Wer in Colorado ist, sollte es unbedingt besuchen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Gebrauchtwagen Angebote