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Bezugs-Option

Foto: Götz von Sternenfels 10 Bilder

Der Umgang mit Stoff ist kein Problem. Dennoch kann es einige Schwierigkeiten geben, wenn Stoffsitze neue Bezüge brauchen.

13.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Immer noch gilt Leder als Luxus. Und Stoff bleibt die Standardvariante, das Material für jeden Tag.

Früher war das anders. Chauffeure saßen im Freien auf wetterfestem Leder, während die Herrschaften im Fond auf textilen Fauteuils ruhten. Stoff war Luxus, und er ist es noch heute. Stoffsitze bieten im Alltag viele Vorteile gegenüber Leder. Sie wirken temperaturausgleichend, sind bei Minusgraden deutlich angenehmer und verbrennen im Sommer nicht das Gesäß.

Nur teuer sind sie, wenn es um Klassiker geht. Während Leder meist in zahllosen Farben und Prägungen hergestellt wird, gilt das nicht für Stoff. Sattler müssen auf Lagerbestände zurückgreifen, die – besonders bei populären Modellen wie dem Porsche 911 – zunehmend knapp werden.

Ist der gesuchte Stoff noch lieferbar, wird er vermutlich rund drei Mal mehr kosten als Autoleder - 140 Euro pro laufendem Meter sind üblich. Allein das Material für zwei Vordersitze addiert sich so auf rund 200 Euro.

Nachfrage deutlich gestiegen

Das liegt zum einen daran, dass viele Hersteller in ihren Restbeständen lange keinen besonderen Wert erkannten und die alte Ware längst ballenweise aus ihrem Lager verkauft haben. Zum anderen ist die Nachfrage deutlich gestiegen: "Immer mehr Besitzer von Youngtimern suchen inzwischen nach originalen Bezugsstoffen", sagt Gerald Schubert, der sich auf Porsche-Textilien spezialisiert hat.

Schwieriger wird es, wenn sich kein passender Stoff mehr findet. Dann bleibt nur die Option, andere Farben und Muster zu tolerieren oder das korrekte Material nachweben zu lassen – eine teure Hürde für ein Höchstmaß an originaler Optik. "Es gibt in Deutschland noch vereinzelt Webereien, die Kleinaufträge annehmen", sagt Gerald Schubert. 300 laufende Meter muss er von den 140 Zentimeter breit liegenden Stoffen dennoch abnehmen – mindestens.

Bei der Disziplin Haltbarkeit gilt das preiswertere Leder als Sieger. Doch wie robust es tatsächlich ist, hängt direkt von der richtigen Pflege ab. Ohne regelmäßige Reinigung und Nachfetten altert auch Leder schnell. Stoff dagegen lässt sich weniger beeinflussen: Außer Absaugen und einer gelegentlichen Reinigung mit Polsterschaum gibt es kaum Möglichkeiten, textile Bezüge zu pflegen. Ein großer Feind bleibt das Sonnenlicht: Die UV-Strahlung bleicht das Material aus und lässt es brüchig werden.

Robustheit spielt eine Rolle

Auffällig ist, wie unterschiedlich gut Automobilstoffe halten. So sieht mancher Fahrersitz eines Mercedes aus den späten siebziger Jahren nach 300.000 Kilometern besser aus als der in einem ähnlich alten Porsche, trotz halber Laufleistung.

Neben der Robustheit des Stoffs spielt auch die Enge des Fahrzeuginneren eine Rolle: Wie oft und wie stark reibt der Fahrer beim Einsteigen mit rauen Jeans über die Sitzwange? Dieser Gefahr waren sich viele Automobilhersteller bis in die Siebziger bewusst und haben an der bewährten Praxis festgehalten, Sitzwangen in Kunstleder auszuführen und nur gegen Aufpreis Vollstoffsitze anzubieten.

Die Überarbeitung eines Sitzes beschränkt sich jedoch nicht auf das Nähen des Bezugs. Auch der Unterbau spielt eine wichtige Rolle. Sofern er nicht schon bröselt, lässt sich der Schaumstoffkern meist sanieren.

Als Alternative bleibt nur der teure Tausch: Rund 230 Euro kostet beispielsweise ein Nachfertigungsteil für einen 911-S-Sitz.

So lohnt es sich, den Sattler mit Bedacht zu wählen. Bei diesen Preisen ärgern schief gesteppte Nähte, zu wulstig unterpolsterte Sitzflächen oder – wegen vergessener Anzugstreifen – konturlose Sitzflächen doppelt.

Tipps & Adresse

Verschiedene Kriterien beeinflussen die Preise von Stoffsitzen. Maßgebend ist unter anderem die benötigte Stoffmenge, die auch davon abhängt, ob beim Zuschnitt Verlaufsmuster berücksichtigt werden müssen.

Als Richtwerte gelten 350 Euro für einen Tausch der Lehnen- und Sitzfläche, kommen die Wangen dazu, steigt der Preis auf rund 550 Euro - jeweils inklusive der nötigen Aufpolsterung z.B. bei der Fa. Sitzklinik in Königswinter.

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