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BMW 3.0 CSL Hommage auf der Villa d´Este 2015

Hooydonk verleiht Flügel und 560 PS

BMW 3.0 CSL Hommage Foto: BMW 47 Bilder

Mit der Studie 3.0 CSL Hommage erinnert BMW an die legendären Sechszylinder-Coupés der frühen siebziger Jahre. Auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este feierte der spektakuläre Flachmann aus der Feder von Adrian van Hooydonk jetzt Premiere.


22.05.2015 Malte Jürgens

Der Heckflügel der neuesten BMW-Studie dominiert die Architektur der flachen und breiten Carbon-Karosserie wie das Brandenburger Tor den Pariser Platz in Berlin. Die Expressionisten unter den Automobil-Journalisten würden ihn etwa folgendermaßen beschreiben: "Der Hommage-Heckflügel ist sowas von Heckflügel, wie ein Heckflügel nur Heckflügel sein kann." Alles klar?

BMW 3.0 CSL - Batman returns

Das, was da aus der Dachkante der hinteren Kotflügel sprießt, hat dabei seine Geschichte. 1971 kam das erste große Sechszylinder-Coupé auf Basis der E3-Limousine, das dank Aluminium-Türen und -Hauben sowie Plexiglasscheiben und abgespeckter Innenausstattung nicht nur 200 Kilogramm leichter antrat als die normale Coupé-Version 3.0 CS, sondern klar für den Einsatz auf der Rennstrecke vorgesehen war. CSL stand damals für Coupé, Sport und Leichtbau. 165 Exemplare wurden gefertigt. Ein Jahr später löste bei der zweiten Serie eine Einspritz-Variante den Vergasermotor ab. Das Resultat: 200 PS. 929 Mal wurde dieser CSLi gefertigt.

Von 1973 bis 1975 entstanden in der dritten Serie noch einmal 167 Coupés mit dem M30-Sechszylinder, der aus 3,2 Litern Hubraum nun 206 PS schöpfte. Diese dritte Serie zeichnete sich durch einen gewaltigen Heckflügel aus, der auf der Rennstrecke zwar höheren Anpressdruck für die Hinterachse generierte, auf der Straße aber nicht zulässig war. Deshalb musste er auf der normalen Autobahn zum Ärger der CSL-Fahrer im Kofferraum verschwinden. Renommierte Veredler und Kleinserienhersteller wie Alpina, Schnitzer, GS oder Koepchen bauten Versionen mit neuer Aerodynamik und Leistungen von 300 PS und mehr, doch der Riesen-Flügel des Originals war der Grund, weshalb die dritte CSL-Serie den Spitznamen "Batmobil" bekam. Robin ließ grüßen.

"Mit dem BMW 3.0 CSL Hommage verneigen wir uns vor der Ingenieursleistung, die beim BMW 3.0 CSL hinsichtlich Leichtbau und Fahrleistungen vollbracht wurde. Die neue Coupé-Studie überträgt den Charakter des damaligen Fahrzeugs in Form von intelligentem Leichtbau und modernen Materialien in die heutige Zeit und zeigt ihn in einer neuen, aufregenden Gestalt." Diese Erläuterung stammt von keinem Geringeren als Adrian van Hooydonk, Chefdesigner von BMW.

BMW 3.0 CSL Hommage: Karbon statt Alu

War damals Aluminium das Material der Wahl, bietet heute Carbon, auch kohlefaserverstärkter Kunststoff (CFK) genannt, das beste Verhältnis von Gewicht und Stabilität: Das hochfeste Fasergewebe wiegt weniger und ist dabei stabiler als Leichtmetall.

Parken ein CSL von damals und seine heutige Hommage-Version nebeneinander, so dass der Heckflügel überwiegend verborgen bleibt, fällt die Verwandtschaft nicht sofort und zwingend auf. "Wir wollten, dass man die Verwandtschaft mehr fühlt, als dass man sie sofort sieht" beschreibt Design-Leiter Karim Habib die moderne Verbeugung vor der Tradition. Kleine Kamerarückspiegel senken den Luftwiderstand. Der große Heckflügel verstärkt den Anpressdruck und sorgt damit für eine verbesserte Kraftübertragung. Zwei Luftführungssysteme, die bei BMWAircurtain (Luftvorhang) und Airbreather (Luftatmer) heißen, sollen eine optimale Be- und -entlüftung der Radhäuser gewährleisten. Die Originalfarbe des damaligen BMW 3.0 CSL, nämlich Golf Yellow, schlägt eine weitere, trittfest Brücke in die 70er Jahre.

Die Frontpartie des 3.0 CSL soll laut BMW "pure Kraft und Athletik" ausdrücken. In der Mitte spannt sich groß die BMW-typische Niere auf und zitiert damit die typische Kühleröffnung der damaligen Zeit. Größe und räumliche Tiefe der Niere symbolisieren die Leistung des kraftvollen Reihensechszylinder-Motors mit eBoost. Der Dreiliter-Reihensechszylinder soll dem Vernehmen nach etwa 560 PS leisten. Laserlicht- und LED-Technologie ermöglichen eine schlanke und moderne Leuchtengrafik, die flache Kontur der Scheinwerfer zeichnet den BMW-typisch fokussierten Blick, der an zornige Charaktere in japanischen Manga-Zeichentrick-Serien erinnert.

Comeback für die Haifischnase

Ein großer Frontsplitter aus Carbon schließt die Kühlerpartie zur Straße hin ab und zeichnet gemeinsam mit der Niere eine moderne Interpretation der damals sehr markanten "Sharknose" (Haifischnase).

Die Seitenpartie soll einen eleganten Kontrapunkt zur ausgeprägten Sportlichkeit von Front- und Heckansicht setzen. Der lange Radstand und die lange Motorhaube strecken die Silhouette des Hommage-Car optisch. Eine durchgehende, horizontale Linie rahmt das Fahrzeug ein und zitiert damit ein prägendes Stilelement des früheren BMW 3.0 CSL: die umlaufende Chromleiste.

Besonderes Detail ist die Dachlinie der neuen Studie. Dreigeteilt verweist sie auf das markante Dach des BMW 3.0 CSL, eines der ersten, nicht in das Heck fließenden Coupédächer. Die Modellierung der Seitenflächen soll Bewegung und Dynamik ins Spiel bringen. Dunkle CFK-Flächen schließen auch die Seitenpartie zur Straße ab und verweisen nach dem Willen seiner Erbauer auf das konsequente Leichtbaukonzept des BMW 3.0 CSL. Gemeinsam mit der schwarzen Akzentgrafik reduzieren die dunklen Leichtbauelemente die wahrgenommene Höhe des Coupés und unterstreichen die flache Silhouette. Den Eindruck des ultimativen Flachmanns mit dem Hang zur Rennstrecke verstärken die gewaltigen 21-Zoll-Räder wirkungsvoll.

LEDs auch hinten

Analog zur Front ist das Heck breit und muskulös gestaltet. Als besonderes Highlight betont BMW die Darstellung der Hecklichter: Ein LED-Band verbindet beide Leuchten über den Spoiler und rahmt so das Heck formal ein. Auch in der Draufsicht zeigt sich der BMW 3.0 CSL Hommage bewusst dynamisch. Die Motorhaube zeichnet von der Niere zu den Scheinwerfern ein breites "V" und greift damit ein markantes und dynamisches Element früherer BMW Coupés auf.

Interieur mit Holz und Helm

Maximal reduziert, will der Innenraum den Leichtbau sichtbar machen und Rennsportcharakter "auf elegante Weise" (BMW) erlebbar. Im Interieur dominiert CFK-Material, und nur der Instrumententräger ist in Erinnerung an die alten Zeiten als Holzdekorfläche gestaltet. Nur die kleine Ladeanzeige für den eBoost, die zusätzliche Kraft eines Elektromotors, durchbricht im Zentrum der Instrumententafel die durchgehende Holzfläche. Ebenfalls minimal gestaltet sich das Infotainment: Ein zentrales Display auf der Lenksäule informiert den Fahrer über Gang, Geschwindigkeit, Drehzahl und Schaltzeitpunkt.

Weitere Rennsportanleihen sind die gesteppten Schalensitze, der 6-Punktgurt sowie die rot eloxierten Elemente der Sicherheit wie etwa die Austrittsdüsen für den Löschschaum, die Schalter in der Mittelkonsole für Not-Aus sowie den Feuerlöschmechanismus. Die einzigen Elemente im Fond sind zwei in den Mitteltunnel integrierte und per Gurt gesicherte Helme.

Die Türöffner erinnern an eine Kombination aus dem Zugband der DTM-Rennwagen und dem in den Haltegriff integrierten Türöffner des früheren BMW 3.0 CSL. Welche Fahrwerkstechnik unter der Carbon-Karosserie steckt, behält BMW noch für sich. Ebenso den Preis: Der BMW 3.0 CSL Hommage soll ein Einzelstück bleiben, und Unikate dieser Machart existieren stets jenseits aller Buchhalterei.

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