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BMW 316 für 450 Euro

Günstiger Youngtimer-Spaß

Foto: mkl 5 Bilder

Ich bin ein Phantast, denn ich glaube immer noch an das kleine Glück für wenig Geld. Nach der Achtzylinder-Hybris im verruchten 380 SE und einigen reumütigen Blindkäufen im verlebten Ford V6-Milieu, steht mir nun der Sinn nach Unschuld.

28.02.2007 Alf Cremers Powered by

Das kleine Glück für 500 Euro

Nach Youngtimern, so sauber und ordentlich wie ein Wohnzimmer in Eiche rustikal, so aufregend wie der Lebenslauf einer Haushälterin. Kompakt und solide sollte das Auto sein - das kleine Glück eben wörtlich genommen, preiswert noch dazu, denn Glück ist gern auch bescheiden. 500 Euro müssen reichen. Die Wette läuft gegen mich selbst, ob ich es diesmal auch ohne Internet schaffe.

Die Suche beginnt in München

In München könnte es klappen, da kenne ich mich aus. Es ist ein Samstag im August. Vom Jagdinstinkt geleitet, scanne ich im Vorbeifahren die Ausfallstraßen ab. Parke den Alltags-Fünfer in einschlägigen Vierteln mit hohem Autohändler-Anteil. Kies knirscht unter meinen Sohlen. Ich setze die Sonnenbrille auf, Glas und Lack spiegeln übermütig den heißen Tag. Ein BMW 318i E 30 für 590 Euro kommt als Kandidat in Frage, aber innen ist er verwohnt und der Lack stellenweise hinüber.

Ein alter BMW 3er soll es sein

Ein Ascona C Touring macht mich an, ein 87er Stufenheck mit G-Kat in schrillem Rotmetallic, unter 100.000, rentnergepflegt. Doch beide Radläufe hinten sind böse durch, das turnt ab, auch wenn die Reparaturbleche bereits im Kofferraum liegen. Es ist kein hektisches Suchen, eher ein kontemplatives Stöbern, das die Zeit langsam einfriert. Meine Hoffnung schwindet, nur aus Gewohnheit biege ich nochmal in die Kreillerstraße ab. Ein alter 3er-BMW soll es sein.

BMW 316 für 450 Euro

Plötzlich springt mein Scanner an, drüben in der hintersten Reihe wittere ich den ängstlichen Blick eines alten 3er-BMW. Mit gespielter Gelassenheit nähere ich mich dem kleinen Glück, umrunde es vorsichtig, damit es nicht wegläuft. Es heißt BMW 316, ist saphirblau-metallic und sieht proper aus. Lack und Chrom glänzen, die Radläufe sind ohne Rost. Spritzlappen, Lammfellbezüge und ein paar Beulen ringsum verraten den Rentnerbetrieb. Der Tacho zeigt 148.532 Kilometer - macht durch 26 gerade einmal 5.713 Kilometer pro Jahr. "Auspuff neu, Bremsen vorne neu", schreibt der Zettel. "450 Euro!", schreit er. Wie hypnotisiert wähle ich die Handy-Nummer, es geht sogar jemand ran.

Ein paar Fragen noch, dann höre ich mich entrückt wie unter Drogen sagen: "Der ist nett, klar den nehme ich, Mittwoch hole ich ihn ab." Fritz Wallner kümmert sich sonst nur um hochkarätige Mercedes. In seiner dekorativen Fünfziger-Jahre-Tankstelle wartet und restauriert der drahtige 190-SL-Guru mit dem handfesten Charme Ponton, Pagode, Flosse und Flügel. Dorthin hat sich der 316 verlaufen, Sohn Helmut steht auf BMW, sagt der Vater, der hat auch einen raren 2002 tii Touring. Geld gegen Quittung, Meister Wallner prüft Wasser und Öl, schraubt die rote Nummer dran. Nun ist das kleine Glück perfekt, es parkt neben einem schwarzen 300 SL Roadster. Sein Besitzer könnte sich nicht besser fühlen.

Bescheidenheit macht glücklich

Meine Freundin Petra hatte damals einen BMW 316 in Phoenixrot, wir fuhren mit ihm ein paar Mal in Urlaub. Während die Tank- Warnlampe drohend blinkt, schwelge ich in Erinnerungen. An der Tankstelle brauche ich ihn fürs Foto noch nicht einmal zu waschen. Später auf der A8 Richtung Augsburg lasse ich das kleine Glück in Ruhe auf mich wirken. Im alten Philips-Radio trällert Paris Hilton "Stars are blind."

Der Einsteiger-BMW fühlt sich so satt an wie ein richtiges Qualitätsauto - nichts ist ausgeleiert, 120 km/h schafft er mühelos. Es herrscht reger Verkehr, und der VW Phaeton nebenan kommt auch nicht schneller voran. Bescheidenheit macht doch glücklich.

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