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BMW 503 Cabriolet

Comeback eines Stars

Foto: Fact 19 Bilder

Nach dem Auftritt in einem Kriminalfilm verschwand der BMW 503 in der Versenkung. Ein BMW-Fan holte den Wagen ans Tageslicht und restaurierte ihn.

19.02.2009 Bernd Woytal Powered by

Eine einsame Küstenstrasse im Süden Portugals im Licht der aufgehenden Sonne. Ein graues BMW 503 Cabrio hält auf einer steinernen Brücke. Am Steuer sitzt ein Mann mit verwegenem Gesichtsausdruck. Ihn interessieren weder die malerische Kulisse noch das Rauschen des Meeres oder die Schreie der Möwen. Entschlossen schließt er das Gurtschloss, legt mit einer energischen Bewegung den ersten Gang ein - und rast los. Die Szene stammt aus dem 1971 gedrehten Film The Last Run (Wen die Meute hetzt), in dem der in die Jahre gekommene Fluchtwagenfahrer Harry Garmes mit seinem kompressorbefeuerten BMW 503 Cabrio noch einmal zeigen will, was er drauf hat. Der aufregende Streifen endet für beide tragisch: Garmes wird erschossen, sein von einem Gangster gefahrener, zerschundener BMW rammt in den engen Gassen eines portugiesischen Dorfes eine Hausmauer und kippt auf die Seite.

1985 hatte er sich ein 503 Cabriolet zugelegt

Genau dieses Auto spukte Franz Schöfmann aus Wolfratshausen lange im Kopf herum. „Irgendwo muss es doch geblieben sein“, sagte er sich. An das Gerücht, der verunfallte Wagen sei damals im nahen Meer versenkt worden, wollte er nicht glauben. Schon 1985 hatte er sich ein 503 Cabriolet zugelegt. Aber es ärgerte ihn, dass sich niemand so recht um diese herrlichen V8-Fahrzeuge kümmerte. Alles drehte sich nur um den 507. Als er bei einem BMW-Club-Ausflug dieses Thema bei Graf Goertz anschnitt, dem Designer des 507 und 503, animierte ihn dieser zum Ausrichten eines ersten 503-Treffens. Unter den damaligen Teilnehmern befand sich auch ein Herr, der sich seinen 503 wegen eines Films gekauft hatte. Das entsprechende Plakat führte er mit sich: „Wen die Meute hetzt“. So fing alles an.

Schöfmann besorgte sich diesen Thriller und war fortan auf der Suche nach dem darin verwendeten originalen Filmauto - einem modifizierten 503 Cabriolet. Zwischenzeitlich gründete der gebürtige Bayer und BMW-Fan ein 503-Register und brachte den Freundeskreis BMW 503 online. Informationen aus aller Welt gingen ein, aber von dem gesuchten Exemplar keine Spur. Dann bekam er einen ersten Hinweis: Die englische Produktionsfirma hatte den Wagen damals bei einem Händler in der Schweiz als Gebrauchtfahrzeug erstanden. Doch so richtig weiter brachte ihn das nicht. Wie es der Zufall wollte, entdeckte er dann im Jahr 2003 eine Anzeige in einem britischen Oldtimermagazin, in dem exakt der gesuchte BMW angeboten wurde. Sofort reisten Schöfmann und sein Sohn nach London. Was sie vorfanden war erschütternd und begeisternd zugleich.

Der Wagen befand sich in einem bedauerlichen Zustand

Franz Schöfmann bekommt heute noch eine Gänsehaut, wenn er sich an den bewegenden Augeblick erinnert: „Unter einer Plane im Freien, unter der zunächst drei große Frösche hervorsprangen, stand tatsächlich das Auto von Harry Garmes.“ Aber der Wagen, an dem sich sogar noch die einstigen Befestigungspunkte der Kameras ausmachen ließen, befand sich in einem bedauerlichen Zustand. Als Verkäufer trat der Sohn des verstorbenen Besitzers auf, der von der Besonderheit des Autos gewusst hatte. Offenbar nahm damals die Filmgesellschaft den Wagen nach den Dreharbeiten mit nach England und übergab ihn einem BMW Händler als Schlachtfahrzeug. Und dieser schenkte dann irgendwann das nicht mehr ganz komplette Cabriolet dem Vater des Verkäufers als Entlohnung für geleistete Mechanikerdienste. Eine geplante Restaurierung endete nach dem Teil-Zerlegen. Und so musste Schöfmann auf dem Anwesen in der Scheune, auf dem Speicher und im Hühnerstall herumkriechen, um alle noch vorhandenen, zum Fahrzeug gehörenden Teile aufzuspüren.

Es war an der Grenze dessen, was sich noch restaurieren lässt

Per Spedition dirigierte er diese samt der demolierten Karosse mit der vergammelten Innenausstattung zur Firma Brummer in Bayern. „Die hätten mich beinahe wieder rausgeworfen“, erzählt Schöfmann mit einem Augenzwinkern von dem Empfang, der ihm angesichts der Ladung bereitet wurde. „Es war schon an der Grenze dessen, was sich noch restaurieren lässt“, entsinnt sich Erwin Brummer. Doch Schöfmann blieb optimistisch - schließlich war auch sein erster 503 aus einem Schrotthaufen auferstanden. Zunächst begann die Firma Brummer mit der Demontage der noch am Fahrzeug verbliebenen Teile und machte eine Bestandsaufnahme. Dabei wurden die nachträglich angebrachten Verstärkungen, die zur Aufnahme der schweren Kameras angebracht worden waren, sichtbar. Franz Schöfmann bekam schon bald von Brummer eine Liste mit den fehlenden Teilen, sie umfasste zwei DIN A4-Seiten. Bis hinter allen Positionen ein Häkchen war, vergingen unzählige Telefonate.

Auf etlichen Reisen quer durch Europa ergatterte Schöfmann gebrauchte Karosserie- und Anbauteile. Doch trotz seines 503-Registers, das etliche Schlachtfahrzeuge enthielt, und seiner vielen Szenekontakte ließ sich nicht alles auftreiben. Und so recherchierte er mühsam die Adressen von Spezialisten, die ihm beispielsweise Stoßstangen, Sitzgestelle, Bremskraftverstärker oder die Stoßdämpfer nachfertigen konnten.

Derweil schritten die Restaurierungsarbeiten langsam voran. Die Aufarbeitung der Karosserie übernahm der in BMW-Kreisen bekannte Toni Schaffler aus Holzkirchen. Der musste zunächst den stählernen Unterbau mit den Radhäusern und den gesamten Heckbereich neu aufbauen. Erst dann konnte er sich der Aluminiumbeplankung zuwenden. Er versuchte dabei zwar so viel wie möglich von der Originalsubstanz zu erhalten, doch da der Wagen bei seinem Filmauftritt heftige Schäden davongetragen hatte, musste das Gros durch gebrauchte oder selbst angefertigte Alu- Teile ersetzt werden.

Die Wahl der Farbe bereitete Schöfmann Kopfzerbrechen

„Alles wurde aber stumpf verschweißt“, sagt Schaffler. Der mit den Technikarbeiten betraute Brummer zeigte sich besonders vom Zustand des Getriebes entsetzt. Um im Film dem Wagen mehr sportlichen Pfiff zu verleihen, hatte man das Cabrio von Lenkrad- auf Mittelschaltung umgerüstet, wie sie beim 503 der zweiten Serie zu finden ist. Doch die mangelhafte Schaltführung - verursacht durch den laienhaften Umbau und das sich dabei ergebende ungewöhnliche Schaltschema, das Bedienungsfehler provozierte -, hatte dem Räderwerk nicht gut getan. Daher verzichtete Schöfmann auf die Übernahme des noch vorhandenen Mittelschaltgestänges. Ebenso sucht man im Cockpit vergebens die filigrane Schaltstange, mit der Harry Garmes einen vermutlich fiktiven, heulenden Kompressor zuschalten konnte. Dazu wurde im Film die originale Lenkradschaltstange verwendet, die nun wieder an der ursprünglichen Stelle montiert wurde.

Etwas Kopfzerbrechen bereitete Schöfmann die Wahl der Farbe. Denn das 503 Cabrio hatte einst das Werk in Rot verlassen. Doch interessant an diesem Wagen ist seine Kinogeschichte - deshalb entschied sich Schöfmann letztlich für den Farbton des Filmautos: „Damit es authentisch ist.“ Auch der Beckengurt, mit dem sich Harry Garmes vor seiner halsbrecherischen Fahrt festschnallte, ist erhalten geblieben. Franz Schöfmann hält ihn in Ehren, aber mit seinem perfekt restaurierten Schmuckstück bevorzugt er selbst auf portugiesischen Küstenstraßen eine beschaulichere Gangart.

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