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BMW 507 von Elvis Presley

Das Auto des Kings lebt

BMW 507 Elvis Presley Foto: Hardy Mutschler / BMW 52 Bilder

Es war schon länger nicht mehr die Frage, ob er noch existiert, sondern nur noch die, ob er je wieder öffentlich auftritt. Jetzt ist es soweit, und wir sind exklusiv dabei: Der BMW 507, den sich Elvis Presley als Soldat für seine Dienstzeit kaufte, kommt zurück. Auch ein bisschen zu auto motor und sport.

23.07.2014 Sebastian Renz

70079 rollt 1957 vom Band

Man sehe sich, heißt es, immer zweimal im Leben. Aber nur der Rückblick glättet all die Umwege, Irrungen und Sackgassen eines Lebens zwischen diesen zwei Punkten zu einer scheinbar steten Geraden. Wie bei diesem Auto. Es gehörte einmal Elvis Aaron Presley, einem herzkranken, blutarmen, schüchternen Kerl aus Tupelo/Mississippi, dem erfolgreichsten Rock 'n' Roll-Star der Welt, der sich 1958 hier einen BMW 507 kauft, den wir vor ihm kennen, vor dem wir nun wieder stehen. Und alles wegen Elvis' Becken. So will es jedenfalls die Legende des King, dessen Leben die Nachwelt mit Fakten und Daten dokumentiert hat – meist drei oder vier unterschiedliche für ein und dasselbe Ereignis. Halten wir uns hier an die gängigsten.

Sie zeigen, dass zwei Dinge passieren, als sich das Jahr 1957 schon sacht dem Ende entgegenneigt. In Deutschland rollt ein weißer BMW 507 mit der Fahrgestellnummer 70079 vom Band, und in Memphis/Tennessee bekommt Elvis Presley seinen Einberufungsbescheid für die Armee. Elvis ist damals 22 und im konservativen Teil Amerikas – also eigentlich den gesamten USA – als „Personifizierung der die Teenager verderbenden Rock 'n' Roll-Bewegung“ verschrien. Das liegt an seinem Hüftkreisen, das junge Damen in Ekstase treibt. In Florida wird ihm 1956 eine Haftstrafe angedroht, wenn er mit dem Becken kreist. In der Fernsehübertragung darf der King nur oberhalb der Gürtellinie gezeigt werden. Da ist der Militärdienst eine feine Möglichkeit, sich mit der Bürgerlichkeit gutzustellen. Und tatsächlich entzückt Elvis die Amerikaner, als er sich dabei gegen eine bevorzugte Stellung in einer Unterhaltungskompanie entscheidet und für den Dienst eines normalen G. I.

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Reportage BMW 507 von Elvis Presley
auto motor und sport 16/2014
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Elvis´ BMW 507 steht auf der IAA und rollt später zu auto motor und sport

Im Frühjahr 1958 startet er seine Grundausbildung in Fort Hood/ Texas, am 1. Oktober stapft er in New York die Gangway eines Truppentransportschiffs hinauf, das ihn nach Bremerhaven bringt. Und so bewegen sie sich langsam aufeinander zu, Elvis und der BMW 507 mit der Fahrgestellnummer 70079. Den melden die Bayerischen Motorenwerke am 15. September, zwei Tage nach seiner Produktion, mit dem amtlichen Kennzeichen M-JX 800 an. Von 19. bis 29. September steht er mit Hardtop auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt solventen Kunden für Testfahrten zur Verfügung.

Direkt nach der IAA geht er als Demonstrations-, Film- und Pressetestwagen in den BMW-Fuhrpark. Und so kommt er im Februar 1958 zu uns. In Heft 4/1958 testet ihn auto motor und sport-Chefredakteur Hans-Ulrich Wieselmann in einem Beschleunigungsvergleich mit dem Mercedes 300 SL – ein Duell von null auf 200 km/h, das der 150 PS starke BMW mit 40,3 Sekunden gegen den 65 PS stärkeren SL verliert (27 Sekunden). Überhaupt, der 300 SL, er ist der Grund seiner Existenz. Und seines Scheiterns. Max Hoffman, US-Importeur für Mercedes und BMW, der schon Mercedes zum 300 SL überredete, hat auch BMW beschwatzt, für die USA einen Sportwagen zu bauen. Albrecht Graf Goertz gelingt mit seinem Entwurf ein Roadster unerreichter Grazie, BMW packt den V8 aus dem Barockengel drunter. Das muss doch ein Erfolg werden.

Bei Paris hat der King seinen BMW 507 zum ersten Mal gesehen

Wird es nicht. Bei der Produktion gibt es Probleme mit der Alu-Karosserie, der 507 wird teurer als geplant. Nach heutiger Kaufkraft entspricht sein damaliger Neupreis von 26.500 DM rund 340.000 Euro. Hoffman reduziert deshalb die Abnahmezahlen. Statt der geplanten 1.000 Exemplare pro Jahr gehen zunächst nur ein paar Dutzend nach Amerika. Europa muss es richten. Und der ehemalige Auto-Union-Silberpfeil-Pilot Hans Stuck. Der Bergmeister.

BMW beauftragt ihn, die Leistungsfähigkeit des Roadsters bei Rennen zu zeigen. So gewinnt Stuck am 27. Juli 1958 mit M-JX 800 beim Schauinslandrennen mit einer Zeit von 17:05,2 die Klasse der Gran Turismo über 2600 ccm. Außerdem führt er den 507 prominenten Kunden vor. König Baudouin von Belgien etwa – und Elvis Presley. 1958 an der Rennstecke von Monthléry bei Paris soll der King seinen 507 zum ersten Mal gesehen haben. Vielleicht hat er damals schon gesagt, dass er sich für einen 507 interessiere. Denn kurz darauf rollt 70079 noch einmal durch die Werkstatt der Entwicklungsabteilung, bekommt eine frische Frontscheibe, ein neues Getriebe, und der Motor wird komplett überholt. Am 12. Dezember wird er an das Autohaus Wirth in Frankfurt ausgeliefert. Kurz vor Weihnachten. Da hat der King drei Tage frei. Während seiner Dienstzeit bei der 3. US-Panzerdivision in den Ray Barracks in Friedberg wohnt er in Bad Nauheim. Von da aus fährt er womöglich mit seinem ersten Auto in Deutschland, einem Käfer, nach Frankfurt. Dort dreht er eine Proberunde mit dem 507 und kauft ihn für 3.750 Dollar.

Miss Hessen überreicht den BMW 507 an Elvis

Am 20. Dezember überreicht ihm Uschi Siebert, Miss Hessen und TV-Assistentin von Hans-Joachim Kuhlenkampff, in der BMW-Niederlassung den Schlüssel für den 507. 70079 ist der bestgewartete 507, den BMW kennt. Deshalb bekommt ihn Presley – man möchte den King nicht enttäuschen. Der Roadster trägt nun Kennzeichen der US Armed Forces, erst A-1499, für das Jahr 1959 dann G-1620. Elvis wolle den 507, um schnell zu seiner Freundin nach Frankfurt fahren zu können, heißt es. Wobei das Wechseln von Damenbekanntschaften wohl nicht ausblieb.

In Deutschland findet er nachhaltigen Zugang zu schnellem Autofahren, Karate, Drogen und Priscilla Ann Beaulieu, seiner späteren Frau. Der weiße 507 ist da schon lange bekannt unter Elvis' weiblicher Anhängerschaft. Die schreiben mit Lippenstift ihre Adresse auf die Flanken des Wagens, dazu gern ergänzende Stichworte wie „schön“, um die eigenen Vorzüge leicht verständlich anzupreisen. Im August ist der King das ständige Abwaschen der hartnäckigen Farbe Leid. Er fährt den BMW zu einem Lackierer am Güterbahnhof in Bad Nauheim, der den BMW 507 für 450 Mark in Porsche-Rot spritzt. Vom Feldwebel wieder zum King Presley fährt am liebsten offen, zeigt sich oft in dem Wagen. Doch als seine Dienstzeit am 2. März 1960 endet, aus Sergeant Presley wieder der King of Rock 'n' Roll wird, nimmt er den BMW 507 nicht mit.

BMW 507 erhält neuen V8 – von Ford oder Chevrolet

Dennoch ist es am wahrscheinlichsten, dass die US Army ihn nach Amerika schippert. Bis 1962 verliert sich die Spur des Autos, dann verkauft ihn ein New Yorker Chrysler-Händler an Tommy Charles. Der bringt den 507 nach Alabama. Um bei Straßenrennen bessere Chancen zu haben, bekommt der Roadster einen V8 – ob von Chevy oder Ford, weiß keiner so recht –, ein Borg-Warner-Getriebe und eine GM-Hinterachse. Dann wieder eine Lücke. Erst 1968 taucht er wieder auf, in Arizona. Da kauft ihn der Luftfahrtingenieur Jack Castor für ein paar Tausend Dollar. Er fährt ihn fünf, sechs Jahre stellt ihn dann in einer Halle bei Half Moon Bay/Kalifornien ab, um ihn recht bald mal zu restaurieren. Da steht er auch am 16. August 1977, als Elvis Presley in Graceland an Herzversagen stirbt, und 1997, als ein BMW 507 mit der Fahrgestellnummer 70192 für 350.000 Dollar als angebliches Ex-Elvis-Auto bei der Barrett-Jackson-Auktion versteigert wird.

Der echte steht noch bis Juli 2014, als Jack Castor sich schließlich entschließt, seinen 507 bei BMW restaurieren zu lassen. Auf Wagenhebern wird der Roadster in einen Truck gepackt, zum Flughafen gebracht. Ein paar Tage später landet der BMW 507 von Elvis in München. Bevor die Restaurierung beginnt, zeigen sie ihn dort zwei Wochen im BMW-Museum. Jetzt aber steht er im Fotostudio. Auf rissigen Michelins, Größe 6.50/6.70-16X. Das Kunstleder auf den Sitzen ist morsch, statt des echten Armaturenbretts stecken Instrumente in einer Sperrholzplatte, die Seitenverkleidungen sind mit Schrauben wüst festgezogen. Die Seitenfenster des Hardtops hängen schief in den Rahmen. An der Fahrertür kündet ein Aufkleber vom womöglich letzten Service, den der 507 bekam: Bender-Chapman, 1375 North Arizona Ave. in Chandler/Arizona haben am 6. Oktober 1968 Schmiermittel und Ölfilter gewechselt, Differenzial, Bremsen und Zylinder überprüft.

Kein Motor, keine Gurte, aber viel Grazie

Heute hat der BMW 507 keinen Antrieb mehr unter der Haube, deswegen hebt er die Front. Ihr fehlen die Chromringe um die Scheinwerfer, die Bohrlöcher für den Außenspiegel sind zugespachtelt, die Heckstoßstange, an der ganz früher ein D-Schild hing, fehlt. Den Kofferraumdeckel hält ein Expander. Doch durch all das und den Staub der Jahrzehnte scheint die würdevolle Grazie des Goertz'schen Jahrhundertentwurfs. Eigentlich dürfte er keine Gurte haben, die kosteten einst Aufpreis, und Hans Stuck wollte sie nicht im Auto haben, hieß es. Aber „hieß es“ hat es oft geheißen, seit der King zur Legende wurde, und in 57 Jahren wurde ja so viel an diesem Auto herumgefrickelt. Von allen 251 (oder 254, auch das weiß keiner genau) 507 trägt er die richtige Fahrgestellnummer, unter dem matten Rot schimmert an vielen Stellen das ursprüngliche Weiß durch. Womöglich wird er später wieder weiß sein, nach den zwei Jahren, die BMW für die Restaurierung einplant. Dann sei es wieder das Auto des King, meinen die einen. Dann sei es das genau nicht mehr, fürchten die anderen. Und es geht weder die einen noch die anderen etwas an. Elvis Aaron Presley, ein Mann, der in 33 Jahren 711 Songs veröffentlicht, 60 Alben besingt, insgesamt 80 Wochen auf Nummer eins steht, hat nie selbst ein Lied geschrieben. „Es ist erst ein Lied, wenn du es singst“, meinte er. Und für den fabelhaften Jack Castor ist der BMW 507 erst dann ein erfüllter Traum, wenn er ihn wieder fährt.

Die weiteren Themen aus auto motor und sport, Heft 16, ab 24.7.2014 im Handel:

  • BMW 2er Active Tourer im Vergleich mit VW Golf Sportsvan
  • Exklusiver Kombivergleich Mercedes C-Klasse T-Modell gegen BMW 3er Touring
  • Der Beste für 10.000 Euro: Im Test Citroën C1 gegen Skoda Citigo, Hyundai i10 und Fiat Panda
  • Alle weiteren Themen finden Sie hier
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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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