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"7er läuft auf Multi-Kulti-Linie"

Foto: BMW 18 Bilder

BMW-Dingolfing Werksleiter Wolfgang Stadler spricht im Interview mit auto-motor-und-sport-Redakteur Harald Hamprecht über den steilen Anlauf des neuen BMW 7er im größten BMW-Werk der Welt.

24.09.2008 Harald Hamprecht

Herr Stadler, wie läuft die Produktion des 7er an?
Stadler: Die Serienproduktion des neuen 7er hat hier in Dingolfing am 1. September begonnen. Und die hervorragende Qualität erlaubt es uns, die Produktion steil hochzufahren.

Was heißt?
Stadler: Anfangs waren es 64 Fahrzeuge am Tag. Die Stückzahl erhöhen wir schrittweise, zum Jahresende sollen es 300 werden. Damit sollten wir innerhalb von nur drei Monaten die Kammlinie erreichen.

Und falls die Nachfrage größer werden sollte?
Stadler: Dann können wir auch bis zu zehn Prozent mehr fertigen.

Was macht das auf ein volles Jahr hochgerechnet?
Stadler: Dieses Jahr rechne ich mit einer Produktion von mehr als 10.000 Fahrzeugen. Im vollen Produktionsjahr wollen wir die Stückzahlen des Vorgängers toppen. Der Vorgänger war im übrigen der erfolgreichste von allen bisher produzierten BMW 7er Modellen.

Beim alten 7er hatten Sie anfangs Qualitätsprobleme. Stichwort: Elektronik und leere Batterien. Wie schließen Sie das dieses Mal aus?
Stadler: Wir haben alle Qualitätsprüfungen weiter verschärft. Beim neuen 7er haben wir rund 3.500 Prüfschritte, das sind doppelt so viele wie bei seinem Vorgänger. Die fast 700 Vorserienfahrzeuge, die wir seit Mitte Juli gefertigt haben, belegen, dass wir uns mit dem 7er schon von Anfang an auf einem Qualitätsniveau bewegen, dass wir beim Vorgängermodell erst im Verlauf des Lebenszyklus erreicht haben. Wir haben unsere Lektion zum Thema hochkomplexe Elektronik gelernt. Das gilt auch für unsere Zulieferer.

Wie hat sich die Zahl der Lieferanten für den 7er entwickelt?
Stadler: Rund 250 Lieferanten steuern Komponenten für den neuen 7er bei; beim Vorgänger waren es noch fast doppelt so viele. Wir wollen uns hier schlicht auf wenige, zuverlässige Systempartner verlassen. Zudem konnten wir auf diesem Wege den Materialfluss ins Werk entschlacken.

Was haben Sie in den Anlauf des neuen 7er investiert?
Stadler: Vierzig bis fünfzig Prozent weniger als beim Anlauf des Vorgängers. Wir haben unter anderem in die Qualität investiert, davon sechs Millionen Euro in die Hardware für Prüfanlagen oder drei Millionen in einen neuen Akustikprüfraum.

Konnten Sie Einsparungen in der Produktion vornehmen?
Stadler: Es stecken deutlich mehr technische Inhalte im neuen BMW 7er. Trotzdem ist es uns gelungen die Fertigungsdurchlaufzeit auf dem Niveau des Vorgänger Modells zu halten. Für die Zukunft erwarten wir vor allem im Bereich der Materialströme weiteres Einsparungspotenzial.

Sie meinen den kontinuierlichen Verbesserungsprozess oder Kaizen, wie es bei Toyota heißt.
Stadler: Richtig. Umgesetzt sehen wir das etwa in kürzeren Wegen der Mitarbeiter am Band oder in reduzierten Beständen, und damit in einer geringeren Kapitalbindung.

Gibt es Innovationen, die Sie im Rahmen des 7er-Anlaufs eingeführt haben?
Stadler: Etliche. Ein schönes Beispiel ist der Umgang mit der Vielzahl an neuen Fahrerassistenzsystemen. Die notwendigen Steuergeräte - in Vollausstattung sind das 80 Stück - programmieren wir nur noch online, das heißt während des Produktionsprozesses. Früher wurde die Programmierung im Vorfeld vorgenommen. Damit haben wir nicht nur Zeit gespart, sondern auch die Komplexität reduziert. Übrigens läuft der 7er in der flexibelsten Fertigungshalle von BMW weltweit von Band, man könnte sie die reinste Multi-Kulti-Linie nennen. Denn wir produzieren hier auch den BMW 5er und 6er, jeweils auch in ihren M- und Alpina-Versionen und in sämtlichen verfügbaren Karosserievarianten - bis hin zu den gepanzerten Sicherheitsvarianten dem 7er High Security oder dem Hydrogen 7.

Wie viele Einheiten werden dieses Jahr insgesamt - das heißt über alle Baureihen hinweg - das Werk verlassen?
Stadler: Wir sind das größte BMW Werk weltweit. Vergangenes Jahr haben wir hier 283.000 BMW gefertigt. Dieses Jahr erwarte ich etwas weniger, aufgrund des Modellwechsels beim BMW 7er.

Ist das eine gezielte Volumenreduktion, so wie auch in Ihrem Stammwerk München?
Stadler: Nein, mit dieser Menge haben wir schon seit einem Jahr gerechnet. Sie liegt schlicht im Modellwechsel des BMW 7er begründet. Außerdem haben der BMW 5er und BMW 6er den Peak ihres Lebenszyklus überschritten.

Wie wird sich Ihre Auslastung in den kommenden Jahren entwickeln?
Stadler: 2009 erwarten wir etwa das  Niveau dieses Jahres. Um Nachfrageschwankungen zu regulieren haben unsere Mitarbeiter in der Produktion - bereits seit mehreren Jahren übrigens - ein Arbeitszeitkonto, das eine Flexibilität von plus minus 300 Stunden erlaubt. Sollten darüber hinaus Maßnahmen nötig sein können wir in Abstimmung mit dem Betriebsrat Sonderschichten fahren, Pausen durcharbeiten oder Schichten verlängern.

Nach Informationen von auto motor und sport wird Dingolfing auch das einzige Werk von BMW weltweit, das die jüngste 5er Variante, den Progressive Activity Sedan, kurz PAS, ab Juli 2009 fertigt.
Stadler: Wir haben immer Potenziale, weitere Varianten bei uns unterzubringen.

Wie viele Ihrer 20.000 Mitarbeiter am Standort sind Zeitarbeitskräfte?
Stadler: Gar keine. Wir nutzen die bereits beschriebenen Instrumente, um unsere Flexibilität hoch zu halten.

Wie trifft Sie der geplante Arbeitsplatzabbau von 8.100 Stellen weltweit?
Stadler: Von den 3.100 betroffenen Festangestellten werden 2.500 in Deutschland unser Unternehmen verlassen. Das entspricht drei Prozent der Gesamtbelegschaft in Deutschland. Dies betrifft auch Dingolfing. Wir fangen diesen Stellenabbau über freiwillige Aufhebungsverträge und Altersteilzeit ab...

... und über natürliche Fluktuation.
Stadler: Nein, kaum, denn die liegt in Dingolfing bei gerade mal 0,7 Prozent im Jahr - im Vergleich zum bundesweiten Schnitt von fünf Prozent. Wir Niederbayern sind einfach sesshaft. BMW ist hier der größte, attraktivste Arbeitgeber weit und breit. Mitarbeiter kommen täglich aus Entfernungen von bis zu 130 Kilometern hier her gefahren. Und uns schweißt der Dingolfinger Geist zusammen.


Mehr über:
BMW | BMW 7er-Reihe

Weitere Themen in der neuen Ausgabe von auto motor und sport, Heft 21, ab dem 25. September im Handel:

  • Alle Paris-Neuheiten
  • Top-Test Mercedes GLK
  • Fahrbericht BMW 7er
  • Vergleich: Basis- gegen Sparversionen
  • Doppeltest Mini gegen Mazda2
  • Werkstättentest Skoda

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