BMW: Arbeitsplatzabbau verteuert sich

Manfred Schoch, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Betriebsratschef bei BMW, spricht mit auto-motor-und-sport.de über den schleppenden Abbau von 8 100 Arbeitsplätzen, die sich verschärfenden wirtschaftlichen Rahmenbedigungen und das aktuelle und zukünftige Modellportfolio.

Herr Schoch, es scheint, als würde BMW in seiner Produktstrategie sehr auf Umweltfreundlichkeit setzen, statt auf Sportlichkeit. Bestes Beispiel ist der im Vergleich zum Audi R8 fehlende Supersportwagen. Können Sie als Aufsichtsrats-Vize diesen Kurs unterstützen?
Schoch: Ich finde, wir sind vom Produktportfolio sehr gut aufgestellt. Wir müssen nicht ausnahmslos jedes Segment abdecken, in dem sich ein Wettbewerber tummelt. Wir werden in den kommenden Jahren ein schönes Produktfeuerwerk abbrennen, dabei auch in komplett neue Segmente vorstoßen, wie mit dem X1 und dem PAS, die innovative Konzeptionen sind. Und noch dieses Jahr werden wir der Öffentlichkeit erste Ergebnisse zum ‚Project I’ präsentieren - unsere Ideen zur Mobilität der Zukunft.

Wie sehen die aus?
Schoch: Wir werden Sie mit einem reinen Elektrofahrzeug überraschen. Mehr kann ich heute noch nicht verraten. Einen Vorläufer dieses Konzepts - quasi den Technologieträger - werden wir sogar noch dieses Jahr in den Markt bringen - in einer veritablen Kleinserie in zunächst einer Karosserievariante. Damit tragen wir ganz klar dem Mega-Trend zu steigenden Spritpreisen und strengeren C02-Vorgaben Rechnung. Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt. Und das spiegelt sich auch im Absatz der aktuellen Modellpalette wieder, der weltweit - nicht zuletzt aufgrund unserer Efficient Dynamics-Strategie - brummt. Bestes Beispiel hierfür sind die Fahrzeuge, die mit Efficient Dynamics Komponenten ausgestattet sind, wie der BMW 3er.

Inwiefern?
Schoch: Einige Marktbeobachter haben befürchtet, dass das Kernmodell unserer Marke in eine Midlife-Crisis fallen wird, weil unsere Wettbewerber aus Stuttgart und Ingolstadt hier jüngere Rivalen im Rennen haben. Das Gegenteil ist der Fall: Der Dreier behauptet sich prächtig, obwohl sein Facelift erst in wenigen Wochen auf den Markt kommt. Einen klaren Wettbewerbsvorteil sehe ich auch beim Thema Umweltfreundlichkeit und Kundenvorteil: Ein Einser-Cabrio verbraucht drei Liter weniger Sprit als ein offener Audi A3 - und das wissen Kunden gerade in jenen Ländern zu schätzen, die im Gegensatz zu Deutschland schon klare CO2-Vorgaben haben. 

Kommen wir von der Absatz- zur Kostenseite: Dieses Jahr will die BMW-Führung weltweit 8.100 Mitarbeiter von den Gehaltslisten streichen, davon 5.000 Zeitarbeiter und 3.100 Stammarbeiter. Wie kommt dieser Abbau voran?
Schoch: Wir sind heute bei knapp der Hälfte - und damit noch einigermaßen im Plan.

Könnte der Abbau sich damit noch bis auf nächstes Jahr verzögern?
Schoch: Das Unternehmen wurde in der Tat davon überrascht, dass nicht so viele Menschen wie erwartet den Konzern verlassen wollen. Man hat deswegen begonnen, entgegen früherer Pläne, verstärkt ältere Mitarbeiter anzusprechen und ihnen verbesserte Angebote zu unterbreiten. Es kann durchaus sein, dass die endgültigen Austritte erst 2009 erfolgen. Die Zahl der 8.100 Austrittsverträge werden aber bestimmt noch dieses Jahr erreicht werden. Wir lassen uns hier nicht unter Zeitdruck setzen. Bei BMW werden alle Mitarbeiter respektvoll behandelt. Das ist eine Frage des Anstands und der gelebten Firmenkultur. Übrigens ist dieses Programm keine Einbahnstraße.

Inwiefern?
Schoch: Die 8.100 Mitarbeiter beziehen sich auf die absolute Veränderung. Es werden tatsächlich sogar noch mehr Austritte sein, da wir zeitgleich die Altersteilzeit haben.  Wir stellen auch dieses Jahr mehr als 150 Leute ein, gerade im Entwicklungsbereich, um uns für die technologischen Anforderungen der Zukunft ausreichend zu wappnen, wie etwa im Bereich der Batterietechnologie. Dazu kommen noch rund 500 Azubis, die wir in eine Festanstellung übernehmen, so wie schon im Vorjahr.

Ist die Verschlankung der Belegschaft damit abgeschlossen - oder befürchten Sie weitere Personalmaßnahmen - angesichts des sich stetig verschärfenden Wettbewerbs?
Schoch: Ehrlich gesagt bereitet uns der völlig unterbewertete US-Dollar, der einbrechende US-Markt und die stetig steigenden Öl- und Rohstoffpreise große Bedenken. Sollte unser Geschäft darunter zu leiden beginnen, sollten unsere Stückzahlen spürbar zurückgehen, dann müssen und werden wir reagieren.

Wie?
Schoch: Zum 1. April haben wir intern ein neues BMW-Zeitarbeitskonto eingeführt, das uns in Sachen Arbeitszeitflexibilität in neue Dimensionen katapultiert. Wir erreichen damit eine Flexibilität in Summe von 4 Monaten, mit der wir Produktionsschwankungen ausgleichen können. Damit sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet und werden so schnell keine harten Einschnitte beim Personal ankündigen müssen.

Wird Ihr Geschäft schon dieses Jahr leiden?
Schoch: Wir gehen davon aus, dass uns 2009 höchst anspruchsvolle Zeiten bevorstehen. Schon dieses Jahr werden wir in unserem wichtigsten Einzelmarkt, den USA, zwar über Vorjahr abschneiden, aber unter dem ursprünglichen Plan. Und ich gehe davon aus, dass diese Aussage auch für den globalen Absatz der BMW Group gilt.

Abschlussfrage: Kooperationen können Kosten senken. Wie bewerten Sie die mögliche Zusammenarbeit mit dem italienischen Volumenhersteller Fiat? Kollidiert das nicht mit der PSA-Kooperation? Tangiert das die Gespräche mit Mercedes?
Schoch: Kooperationen sind gut, wenn damit zusätzliche Potentiale erreicht, die Kosten gesenkt und Arbeitsplätze gesichert werden können.


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