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BMW-Betriebsrat Schoch

"Kooperation mit Fiat wäre Zwangsehe"

Foto: BMW AG 61 Bilder

BMW-Betriebsratchef Manfred Schoch spricht mit auto-motor-und-sport-Redakteur Harald Hamprecht über den Wettkampf mit Audi und Mercedes, über Kurzarbeit und eine weitere Verschlankung der Belegschaft sowie über den Sinn bestimmter Kooperationen. Außerdem fordert Schoch von der Regierung eine Verlängerung der Umweltprämien-Zahlungen.

25.02.2009 Harald Hamprecht

Herr Schoch, sind Sie als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender zufrieden mit der Arbeit des Vorstands?
Schoch: Auf jeden Fall. Wir sind technisch und strategisch gut aufgestellt. Stichwort Efficient Dynamics: Schauen Sie sich nur die Verbrauchswerte unserer Produkte an: Unser alter 3er ist besser als der neue A4/Passat/C-Klasse. Der 1er ist besser als Golf; der Mini D besser als Smart. In Genf zeigen wir den 7er als Hybrid. Der Wettbewerb wird diesen Vorsprung aber in ein, zwei Jahren auch erreichen, deswegen dürfen wir uns hier nicht ausruhen.

Die Konjunkturkrise geht aber auch BMW nicht vorbei. Wie geht es beim Thema Kurzarbeit weiter?
Schoch: Die Planung bis Ende März steht; wir treffen uns jeden Monat mit dem Vorstand; der  nächste Termin ist der 3. März, dann legen wir das Produktionsvolumen für April fest. 26.000 Menschen arbeiten gerade in Dingolfing und Regensburg kurz; damit fahren wir die Produktion in den Monaten Februar und März um etwa 38.000 Fahrzeuge zurück und minimieren die Notwendigkeit die Autos mit Rabatten in den Handel zu drücken. Dabei werden wir von unseren Mitarbeitern unterstützt.

Inwiefern?
Schoch: Mitarbeiter sind für uns die besten Markenbotschafter: Wir haben Anfang Februar ein neues Konzept gestartet, mit dem die Mitarbeiter eine Provision von einem Prozent bekommen, sobald sie ein Auto vermitteln. Das Programm läuft vorerst  bis Ende April.
 
Zurück zum Thema Kurzarbeit: Haben Sie schon ein Gefühl, wie es in den einzelnen Werken weiter gehen könnte?
Schoch: In Leipzig arbeiten wir derzeit nicht in Kurzarbeit, sondern im Einschicht-Betrieb. Wenn zur Jahresmitte der X1 anläuft, werden wir voraussichtlich wieder auf Zweischicht-Betrieb umstellen können.

Und in Dingolfing?
Schoch: Hier trifft uns nicht nur die Konjunktur. Die 5er und 6er Reihe befinden sich in einer reifen Phase des  Produktlebenszyklus. Auch das zweite Halbjahr wird deshalb schwierig sein. Die  7er-Produktion läuft  im ersten Produktionsjahr auf vollen Touren. Wenn wir ihn vor zwei Jahren in den Markt gebracht hätten, wären die Absatz-Zahlen sicher noch besser.
 
Im vergangenen Jahr haben Sie mehr als 8.100 Arbeitsplätze abgebaut. Wie wird dies dieses Jahr weiter gehen?
Schoch: Wir haben ein gutes Regelwerk getroffen, wie das Thema Personal flexibel handhaben. Betriebsbedingte Kündigungen haben wir für unsere Belegschaft bis Ende 2014 vertraglich ausgeschlossen. Auf freiwilliger Basis werden dieses Jahr aber sicher noch einige Festangestellte den Konzern verlassen. Ich gehe aber nicht von der gleichen Größenordnung wie 2008 aus. Zum Jahresende 2008 haben uns die Menschen die Türen eingelaufen und wir hätten viel mehr Menschen freiwillig gehen lassen können, als es uns lieb war.

Von welcher Größenordnung gehen Sie für 2009 aus?
Schoch: Pro Jahr haben wir eine Fluktuation von 1,0 bis 1,5 Prozent der gesamten Belegschaft - und dieses Jahr werden wir ausscheidende Mitarbeiter - wo immer es geht - nicht ersetzen. Ich rechne mit rund 700 Menschen, von denen wir uns an jedem unserer vier deutschen Pkw-Produktionsstandorte trennen können. Ich nenne Ihnen ein gutes Beispiel: Wenn ein türkischer Kollege im Alter von 58 Jahren zurück in seine Heimat will, dann werden wir nach Lösungen suchen, um es ihm zu ermöglichen.

Was ist mit den Leiharbeitern?
Schoch: Wir haben derzeit noch 1.000 Zeitarbeitskräfte in Deutschland; diese Zahl werden wir bis Jahresende auf etwa 500 reduzieren. Letztlich hängt das vor allem von der Entwicklung der Märkte ab.
 
Welche Marktentwicklung erwarten Sie?
Schoch: Für Deutschland bin zuversichtlich, dass die Umweltprämie mehr bewegen wird, als es die Allgemeinheit erwartet. Die Regierung wäre dabei übrigens gut beraten, wenn sie nicht nur der Hypo Real 100 Milliarden zur Verfügung stellt, und die gesamte Automobilindustrie mit 1,5 Milliarden abspeisen will. Sollte das Geld für die Umweltprämie im März völlig ausgeschöpft sein, dann muss die Regierung weitere Milliarden nachschießen. Ansonsten sehe ich hier keine Verhältnismäßigkeit. Und in einem solchen Fall, wenn also Kanzlerin Merkel die Arbeitsplätze in der Autoindustrie leichtfertig aufs Spiel setzen würde, dann würden die Betriebsräte und die IG Metall sehr ernste Gespräche mit der Bundesregierung führen müssen.
 
Warum helfen Sie sich selbst nicht endlich mit weiteren Kooperationen?
Schoch: Die gemeinsamen Gespräche mit Daimler sind relativ weit gediehen. Sitzgestelle, Hinterachsgetriebe, Anlasser, Einspritzsysteme, Kühler, Anlasser, Lichtmaschinen, Klimaanlagenmodule könnten doch identisch sein. Kurz: Ich sehe viele Potenziale bei Komponenten, die der Kunde nicht sieht. Wir müssen jetzt anfangen, diese Potenziale für die nächste Fahrzeug-Generationen zu identifizieren. Gemeinsame Baukästen aufsetzen. Unsere Prozesskette ändern. Der Startschuss ist hier noch nicht überall gegeben. Das liegt teilweise noch an den vorliegenden Komplexitäten. Ich war ziemlich überrascht, als ich jüngst feststellen musste, dass wir noch heute 32 verschiedene Stoßfänger verbauen, statt nur vier, wie viele Wettbewerber.

Wie steht es um die Kooperation mit Fiat?
Schoch: Eine Kooperation mit Fiat fände ich wenig dienlich, sondern eher image-gefährdend, erst recht, wenn der italienische Konzern tatsächlich mit Chrysler zusammengeht. Das wäre die reinste Zwangsehe.
 
Abschlussfrage: Wie steht es um Ihre eigenen, nachgeschärften Kostenreduktionen. Drohen hier Sparschäden?
Schoch: Ich warne davor, an den Themen Weiterbildung und an unserer Zukunft, sprich unseren Auszubildenden, zu sparen. Deswegen werden wir dieses Jahr wieder 1.080 Auszubildende einstellen. Vergangenes Jahr waren es noch 1.200, aber dieser moderate Rückgang ist mit mir abgestimmt. Und Kostenreduktionen in der Produktion führen meist gleichzeitig zu höherer Qualität: Wir bewegen uns hier auf einem sehr hohen Level. Ein kleines Beispiel: In der Münchener 3er Produktion konnten wir zuletzt 40 Nacharbeiter einsparen und an anderen Stellen effizienter einsetzen, weil die Qualität so hervorragend ist.

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