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BMW-Chef Reithofer im Interview

Deutschland bleibt wichtiger Standort

Norbert Reithofer Foto: BMW

BMW-Chef Norbert Reithofer spricht im Interview mit auto motor und sport über das Wachstum in Märkten wie Asien und den USA, den Standort Deutschland und ein neues City-Auto für die Marke Mini.

20.03.2013 auto motor und sport
Sie wollen in den nächsten zwei Jahren 20 neue Modelle auf den Markt bringen, davon die Hälfte ohne direkte Vorgänger. Welche sind Ihnen besonders wichtig?

Reithofer: Mir liegen natürlich alle unsere neuen Modelle am Herzen. Ganz vorne würde ich den BMW i3 sehen, der Ende des Jahres auf den Markt kommt. Die meisten unserer neuen Modelle - auch die, die keinen Vorgänger haben - fallen im Prinzip unter die Rubrik Evolution. Dies ist beim i3 anders – der ist eine Revolution.  Und mit dem Fahrzeug, das Sie bislang als BMW Concept Active Tourer kennen, betreten wir in gewisser Weise auch Neuland. Wir gehen hier in ein Segment, in dem wir bislang noch nicht vertreten waren.

War es sehr schwierig, Ihre Ingenieure davon zu überzeugen, dass ein frontgetriebener Van für BMW das Richtige ist?

Reithofer: Keine Sorge, das von mir erwähnte Fahrzeug - das wir übrigens nicht als Van bezeichnen - wird ein echter BMW werden. Kundenbedürfnisse ändern sich: Mich hat kürzlich eine Dame angesprochen, die bislang begeisterte BMW-Cabriolet-Fahrerin war. Sie meinte, sie brauche nun eigentlich einen BMW mit kompakten Außenmaßen, einem geräumigen Innenraum und hoher Funktionalität. Alle unsere Kundenstudien und auch mein Bauchgefühl sagen mir: Das Auto passt zu BMW und perfekt in die Zeit. Wir werden damit auch viele Kunden gewinnen, die bislang keinen BMW gefahren haben.
 
Bei der Einführung des BMW X5 haben damals übrigens auch viele Traditionalisten gefragt, ob so ein Fahrzeug überhaupt zur Marke BMW passt. Diese Frage stellt inzwischen niemand mehr, der Erfolg unserer X-Familie ist überwältigend. Allein im vergangenen Jahr haben wir von den Modellen X1, X3, X5 und X6 insgesamt rund 450.000 Fahrzeuge verkauft. Dazu noch über 100.000 Mini Countryman. Damit machen die SUV-Fahrzeuge mittlerweile etwa ein Drittel unseres Absatzes aus. Das ist eine ganze Menge.

Wie sind Sie auf die stattliche Anzahl der Neuheiten gekommen, und wie bekommt BMW dieses Mammutprogramm gestemmt?

Reithofer: Fakt ist: Der Markt verlangt in immer kürzeren Abfolgen neue Modelle. Um das zu schaffen, brauchen wir jeweils Architekturen für front- und heckangetriebene Fahrzeuge. Dazu einen Motoren- sowie einen Elektrifizierungsbaukasten. Die neue Frontantriebsarchitektur versetzt uns zudem erstmals in die Lage, bei BMW und Mini Synergien zu heben. So bekommen künftig neben den Mini-Modellen die Serienversion des BMW Concept Active Tourer und die Nachfolgegeneration des BMW 1er Frontantrieb. Wir haben beim Mini schon viel Erfahrung mit dem Vorderradantrieb gesammelt, weshalb auch diese Fahrzeuge in ihrer Klasse Maßstäbe beim Thema Sportlichkeit setzen werden.

Da kommen den Fans des ausgemusterten Reihen-Sechszylinders die Tränen.

Reithofer: Wir bieten den Reihen-Sechszylinder ja nach wie vor an. Nicht mehr als Saugmotor, sondern in verschiedenen aufgeladenen Versionen. Für diese TwinPower Turbomotoren, die auch die Vierzylinder umfassen, bekommen wir viel Lob von unseren Kunden wie auch der Fachpresse. Wir beobachten insgesamt den Trend, dass immer mehr Kunden sich für Motoren mit weniger Zylindern entscheiden, ohne auf Leistung verzichten zu müssen. BMW steht heute wie auch in Zukunft wie keine andere Marke für Freude am Fahren.

Dennoch haben Sie in Ihrer Entwicklungsabteilung gestandene Ingenieure sitzen, an deren Bürowänden die alte Werbekampagne mit dem BMW-Heckantrieb hängen.

Reithofer: Ab dem 3er aufwärts wird es auch in Zukunft Heckantrieb geben. 

Wird es denn auch ein kleines Auto unterhalb des 1ers, einen BMW-City geben?

Reithofer: Da muss man sich immer die Frage stellen: Was würde so ein Fahrzeug für Mini bedeuten? Brauchen wir so ein Konzept unter der Marke BMW, oder ist es nicht konsequenter, weiterhin solche Fahrzeuge unter der Marke Mini zu bringen? 

Und wie denken Sie im Moment darüber?

Reithofer: Wir verfolgen bekanntlich eine Mehrmarkenstrategie. Insofern tendiere ich im Moment dazu, dieses Feld auch in Zukunft mit MINI zu besetzen. Die Frage ist momentan auch nicht vordringlich. Wir müssen jetzt erst einmal die neuen Modelle an den Start bringen, die für die kommenden Jahre geplant sind.

Sie haben sehr viel Geld in die Entwicklung der i-Modelle gesteckt. Würden Sie sich zum Thema Elektroauto nicht doch ein wenig mehr Rückenwind von der Politik wünschen?

Reithofer: Wir wollen keine direkten Zuschüsse für den Kauf von Elektrofahrzeugen. Aus meiner Sicht wären in der Anfangsphase der Elektromobilität jedoch steuerliche Anreize sinnvoll.  Das Thema Elektromobilität ist aber auch aus anderen Gründen für uns wichtig: Die CO2-Grenzwerte, die uns die EU vorgibt, stehen. Diese kann BMW nur erreichen, wenn wir batteriegetriebene Fahrzeuge und Plug-In-Hybride im Programm haben. 

Wie wollen Sie die Plug-In-Hybrid-Technik ausrollen?

Reithofer: Wir starten zunächst mit dem i8, dann folgt speziell für China ein Plug-In-Konzept für Ballungsräume.  Und nach und nach werden weitere Modelle über fast die gesamte Modellpalette folgen. 

Bei der Brennstoffzellen-Entwicklung kooperieren Sie jetzt mit Toyota. Wer profitiert mehr von dieser Liaison - Sie oder die Japaner? 

Reithofer: Beide Partner profitieren in gleichem Maße von der Zusammenarbeit, die sich ja über Themenfelder wie Leichtbau, Brennstoffzellen, Lithium-Ionen und Lithium Air-Batterietechnologie erstreckt. Darüber hinaus prüfen wir die gemeinsame Entwicklung einer Plattform für einen Sportwagen. Wir werden zudem Toyota für Fahrzeuge in Europa ab 2014 mit Dieselmotoren beliefern. 

Ist die Marke Mini mittlerweile richtig profitabel?

Reithofer: Mini ist sehr erfolgreich und erzielt sehr gute Deckungsbeiträge. Und das wird mit der gemeinsamen Architektur für Frontantrieb noch besser.

Was bedeutet der Baukasten denn insgesamt für die Ertragskraft von BMW?

Reithofer: Wir sind damit in der Lage, Synergien zu schaffen und profitabel im Klein- und Kompaktwagensegment zu wachsen.

Sind Sie froh, einen starken Anteilseigner zu haben?

Reithofer: Eindeutig ja. Weil man langfristig denken und handeln kann. 

Nicht alle Ihre Modelle sind so leicht wie Ihre Carbon-Autos. Wie tragen Sie das Thema Leichtbau in die höheren Baureihen? 

Reithofer: Intelligenter Leichtbau ist für uns seit jeher ein zentrales Thema und ein wichtiger Bestandteil unserer Efficient Dynamics Strategie.

Andere Hersteller feiern 100 Kilo Gewichtsreduzierung als Erfolg. 

Reithofer: Nur so viel: Bei dem einen oder anderen Fahrzeug haben wir uns ein höheres Ziel gesetzt. 

Der westeuropäische Markt befindet sich in einer tiefen Krise. Ein Grundprinzip in der Automobilindustrie ist, am besten dort Autos zu produzieren, wo sie auch primär verkauft werden. Wie wichtig ist für Sie in diesem Zusammenhang der Standort Deutschland?

Reithofer: Wir bei BMW stehen zum Standort Deutschland und haben hier allein in den Jahren 2011 und 2012 über zwei Milliarden Euro investiert. Über 70% unserer Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Deutschland ist unsere Heimat und wird auch in Zukunft ein wichtiger Produktionsstandort bei uns bleiben, auch wenn das Wachstum außerhalb Europas stattfindet und auch wir Kapazitäten im Ausland aufbauen. Aber auch das sichert Arbeitsplätze im Inland. 

Sehen Sie denn grundsätzlich die Rahmenbedingungen dafür gegeben, dass Deutschland auch langfristig ein Standort für industriell gefertigte Produkte wie Autos bleibt?

Reithofer: Ja. Aus meiner Sicht hat die Agenda 2010 wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland heute im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig ist. Wir müssen jetzt nur den Anfängen wehren, damit nicht alles wieder zurückgedreht wird. Deutschland braucht auch in Zukunft eine starke industrielle Basis, und wir werden unseren Teil dazu beitragen.
 

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