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BMW-Deutschland-Chef Engel im Interview

"Wir wollen auch in Deutschland die Nummer Eins werden"

Karsten Engel Foto: BMW 50 Bilder

BMW-Deutschlandchef Karsten Engel spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über die Markteinführungen des Jahres 2010, die dem Konzern dabei helfen sollen, auch in Deutschland die Marktführerschaft zu erreichen

07.04.2010 Harald Hamprecht

Herr Engel, auf der AMI Leipzig Anfang April zeigen Sie eine Weltpremiere ...
Engel: ... richtig, den BMW 5er Touring, der am 18. September in den Handel kommt. Für ein Auto, das im September eingeführt wird, ist eine Weltpremiere im April ziemlich früh. Wir wollen aber unsere Verbundenheit zum BMW Werkstandort Leipzig und damit zu Messe zum Ausdruck bringen. Schön wäre es, wenn die AMI zukünftig Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden könnte.

Welche weiteren Termine sind für Sie dieses Jahr von Bedeutung?
Engel: Die bedeutendste Markteinführung hatten wir am 20. März: die BMW 5er Limousine - unser wichtigstes Modell in diesem Jahr. Die Modellüberarbeitungen des BMW 3er Cabrios und des Coupés sind auch an diesem Tag gestartet. Am 17. April folgen unsere ActiveHybrid Modelle: BMW Active Hybrid 7 und BMW ActiveHybrid X6. Im Juni kommt der überarbeitete BMW X5. Und am 18. September folgt wie gesagt der 5er Touring und unser Mini Countryman, der erste viertürige Mini.

Das wichtigste Modell des Jahres ist also der 5er. Wie viele Einheiten werden Sie davon verkaufen?
Engel: Am Markteinführungssamstag waren die Autohäuser voll. Das Interesse und die Begeisterung sind ungebrochen groß. Wir hatten nie zuvor einen derart gut besuchten Handelsstart. Mit dem neuen BMW 5er wollen wir die Absatzzahlen des sehr erfolgreichen Vorgängers übertreffen.

Wie steht es denn dann um den Auftragsbestand für den 5er? Und wie viele Fahrzeuge wurden in bereits zugelassen?
Engel: Soviel sei gesagt: Wir liegen mit den Bestellungen bereits weit über unseren ursprünglich angenommenen Zahlen.

Vertriebsvorstand Ian Robertson hat bereits gesagt, dass die Verkaufszahlen des Vorgängers von fast 160.000 Einheiten im Jahr weltweit übertroffen werden sollen. Wie viele davon entfallen auf Deutschland?

Engel: Der neue 5er wird sich auch in Deutschland hervorragend verkaufen. Er ist das beste Auto in seiner Klasse. Das werden auch die Absatzzahlen zeigen.

2009 konnten Sie in Deutschland mit den Marken BMW und Mini zusammen 258.000 Neuzulassungen und einen Marktanteil von 6,8 Prozent verbuchen. Damit waren Sie schon sehr nach an den 7,4 Prozent von Mercedes entfernt. Dieses Jahr liegen Sie per Februar noch näher an Ihrem Erzrivalen - mit 7,9 statt 8,1 Prozent trennen Sie gerademal 1.000 Neuzulassungen voneinander? Wer wird zum Jahresende die Nase vorn haben?
Engel: Wir wollen  - so wie weltweit - auch in Deutschland im einstelligen Prozentbereich wachsen und werden unseren Segment- und Marktanteil damit weiter ausbauen. Dabei achten wir auf profitables Wachstum. Unter dieser Prämisse ist es natürlich unser Ziel, auch in Deutschland die Nummer Eins zu werden. Und weltweit wollen und werden wir die Position auch nicht abgeben - weder 2010 noch 2015 oder 2020.

Werden Sie dieses Jahr bundesweit die Acht-Prozent-Marke überspringen?

Engel: Das hat für uns keine Relevanz. Wir werden aber über den 258.000 Neuzulassungen des Vorjahres liegen.

Welche Marktentwicklung erwarten Sie?

Engel: Wir rechnen mit einem Gesamtmarkt von rund 2,8 Millionen Neuzulassungen - also ein Minus von einer Million zum Vorjahr. Letztes Jahr wurde der Markt künstlich durch die Abwrackprämie aufgebläht. Derzeit deuten die wöchentlichen Auftragsmeldungen aller Hersteller eher einen noch schlechteren Wert für den Gesamtmarkt 2010 an. Unser Segment, das Premiumsegment dürfte aber stabil bleiben oder sogar leicht wachsen. Es wird auch in diesem Jahr bei rund 860.000 Fahrzeugen liegen.

Bleibt Deutschland größter Einzelmarkt für BMW - und der profitabelste?

Engel: Unser gemeinsamer Fokus liegt auf profitablem Wachstum. Und wenn die BMW Group in den USA mehr Autos verkauft als in Deutschland, dann ist das gut für uns alle. Wir haben 2009 in Summe den höchsten Deckungsbeitrag erwirtschaftet. Den Deckungsbeitrag pro Fahrzeug wollen wir weiter steigern. Hier sind wir auf einem guten Weg.

Das heißt, Sie halten sich mit Rabatten zurück.

Engel: Die Branche muss die Rabattspirale wieder zurück drehen. Angeheizt durch die Abwrackprämie entstand im vergangenen Jahr ein durchschnittlich zu hohes und ungesundes Rabattniveau. Unser Handel führt konsequent die Rabatte zurück - gerade Modellneueinführungen helfen dabei. Emotionale und qualitativ hochwertige Produkte werden auch weiterhin einen fairen Preis im Markt realisieren können.

Daimler hat für Smart das Carsharing-Konzept Car2Go ins Leben gerufen. Werden Sie auch bald Vermietern Konkurrenz machen?
Engel: Entscheidungen hierzu gibt es noch nicht. Wir schauen uns das an und stellen uns die grundsätzliche Frage: Wie sieht denn die Zukunft der Mobilität aus und was erwartet der Kunde in Sachen Flexibilität. Früher war der Barkauf üblich, inzwischen Finanzierung und Leasing. Zukünftig werden die Kunden wohl noch mehr Flexibilität erwarten und vielleicht unterschiedliche Fahrzeuge nutzen wollen: Ein kleines Auto für die Fahrt in die Stadt, ein größeres Auto für die Fahrt in die Berge. Für die Stadt kann das Elektroauto sinnvoll sein, für die längere Fahrt in die Berge der effiziente Verbrennungsmotor. Daher testen wir mit unserer Mini E Flotte in Berlin, München, London und in den USA das individuelle Mobilitätsverhalten. Die Erkenntnisse fließen in unser Project i, in das Megacity Verhicle ein.

Was gibt es neues aus Ihrem Vertriebsnetz?

Engel: Die durchschnittliche Umsatzrendite unserer Händler lag 2009 trotz schwacher Konjunktur bei 0,5 Prozent - damit besser als bei allen unseren Premium-Wettbewerbern. 2008 lagen wir noch bei 0,2 Prozent. Ziel sollte eine durchschnittliche Rendite von 1,5 Prozent sein. Aber wir können Renditen ja nicht verordnen. Letztlich kann nur der Händler seine Rendite durch seine Leistung maßgeblich beeinflussen. Es hängt von seiner Performance, seinen Anstrengungen ab.

Gab es 2009 Insolvenzen?
Engel: Ja, sieben. Das ist bedauerlich, aber wir hatten aufgrund der Wirtschaftskrise eine höhere Zahl befürchtet.

Wie sieht Ihre Netzstruktur inzwischen aus?
Engel: Wir haben 620 Vollbetriebe, also Verkaufs- und Servicestandorte, bei BMW. Hinzu kommen 132 reine Servicestandorte. Bei Mini sind es 225 Voll- und 218 Servicebetriebe. In diesen Zahlen enthalten sind auch unsere 18 Niederlassungen mit 43 Filialen. Die Netzstruktur ist aus meiner Sicht so in Ordnung

Mini eröffnet Pop-Up-Stores. Ist das auch ein Konzept für BMW?
Engel: Nein, das bleibt ein Mini-Konzept. Denn Mini ist immer anders. Wir wollen hier einen Impuls beim Kunden schaffen, Aufmerksamkeit erzielen. Das ist aber kein Retailkonzept. Bei BMW starten wir gerade unabhängig davon das Konzept "Sales Light".

Was verbirgt sich dahinter?
Engel: Damit bieten wir eine Lösung zur Netzabdeckung in strukturschwächeren Gebieten, wo wir weiterhin präsent sein wollen. Nehmen Sie beispielsweise Gebiete im Osten oder Nordosten der Republik. Dort können "Sales Light"-Standorte entstehen. An diesen Standorten stehen im Vergleich zu einem Vollbetrieb beispielsweise weniger Vorführwagen bereit. Mit dieser sowie weiteren Maßnahmen reduzieren sich die Kosten und die Netzabdeckung wird weiterhin sichergestellt.

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