Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

BMW-Entwicklungschef Draeger

"Es wächst und gedeiht"

Foto: Carparazzi 6 Bilder

BMW-Entwicklungschef Klaus Draeger spricht mit den auto-motor-und-sport-Redakteuren Bernd Ostmann und Harald Hamprecht über das Project I, den PAS, die Hybridisierung der Modellpalette und weitere Modell- und Motorenthemen.

31.10.2008 Harald Hamprecht

Herr Draeger, auf dem Pariser Automobilsalon haben Sie den Bogen zwischen dem kleinen Crossover X1 und Ihrem Flaggschiff 7er gespannt. Auf welche  Szenarien und Nachfrage-Trends richten Sie sich für die Zukunft ein?
Draeger: Zum Automobilbau gehört Leidenschaft und Optimismus. Der Markt bewegt sich immer. Momentan eben extremer als in den Jahren zuvor. Aber wir gehen nicht davon aus, dass dies ein kontinuierlicher Negativ-Trend wird. Auch die
Rohstoffpreise, die vergangenes Jahr explodiert sind, haben sich wieder eingependelt. Ja, die Absatzzahlen im August und September sind alles andere als rosig für die gesamte Branche. Aber daraus leiten wir kein langfristiges Horrorszenario ab

Das heißt, wir werden so schnell keinen kleinen Vierzylinder im 7er sehen?
Draeger: Mit unserem Concept-Car auf Basis des X5 haben wir im März auf dem Genfer Automobilsalon gezeigt, dass wir uns einen kleineren Motor in einem großen Fahrzeug durchaus vorstellen können. Der beste Beleg ist unser neuer 730 d, mit
einem Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter liegt er selbst in Ländern wie Frankreich  mit extremen CO2-Steuergesetzgebungen sehr gut im Rennen und schlägt sogar  viele Modelle, die ein Segment tiefer angesiedelt sind und teilweise sogar mit Hybrid-Motoren ausgestattet werden.

Trotzdem setzen Sie auch weiterhin auf Achtzylinder-Motoren.
Draeger: Ja, dass wir einen neuen Achtzylinder eingeführt haben, war ein richtiger Schritt. Dabei sind wir gegenüber klassischen Saugmotoren im Hubraum bewusst deutlich runtergegangen und nun bei 1,1 Liter weniger Hubraum im Vergleich zum Wettbewerb. Das bringt im Teillastbereich - in dem sie gerade mit großen Motoren überwiegend fahren - deutliche Vorteile, die unsere Kunden spüren werden.

Wann kommt der geplante neue 12-Zylinder-Motor?
Draeger: Wir werden ihn im nächsten Jahr im neuen BMW 7er und später auch im Rolls-Royce vorstellen. Er läuft als eine Ableitung des heutigen V8, womit sich der Entwicklungsaufwand in Grenzen hält. In Europa werden wir damit voraussichtlich  keine großen Stückzahlen machen, aber im asiatischen Markt, im Mittleren Osten und den USA brauchen Sie schlicht ein solches Angebot, um alle Kundengruppen anzusprechen.

Bei Hybrid-Motoren arbeiten Sie schon heute mit Mercedes zusammen. Erfolgreich?
Draeger: Ja, im nächsten Jahr werden wir die Hybridvariante des neuen BMW 7er vorstellen - in Kooperation mit Mercedes und Continental. Diesen Mild-Hybrid bringen wir mit einem ZF-Achtganggetriebe, eine kleine Li-Ionen-Batterie. Ein rein elektrisches Fahren ist hier nicht möglich, aber dafür eine ganze Reihe von Hybrid-Funktionen, die eine Verbrauchseinsparung von ca. 15 Prozent bringt. Daneben haben wir eine zweite Hybrid-Kooperation mit Daimler - daneben Cobasys und GM: Im X6 Active Hybrid bringen wir ein Two-Mode-Hybrid Konzept, zwei Elektromotoren und einer großer Nickel-Metall-Hydrid-Batterie. Die Verbrauchseinsparung gegenüber einem gewöhnlichen Verbrennungsmotor mit vergleichbarer Leistung beträgt ca. 20 Prozent, und sie können damit elektrisch fahren. Dank dieser beiden unterschiedlichen Konzepte haben wir in den vergangenen zwei Jahren extrem viel über Hybrid gelernt.

Werden Sie in Zukunft, so wie Toyota es bis 2020 vor hat, sämtliche Modelle hybridisieren?
Draeger: Alle Baureihen auf keinen Fall, schon gar nicht in naher Zukunft. Diese Entscheidung ist sicher abhängig vom Markt und der Größe des Fahrzeugs. Große Benziner für USA, China, Asien könnte ich mir durchaus hybridisiert vorstellen. Ein BMW 118 Diesel mit Hybrid indes kann kein Kunde bezahlen und dafür haben wir ja auch unser Efficient-Dynamics-Programm. Mit allen Maßnahmen, wie Auto-, Start-Stopp, Bremsenergierückgewinnung, aktiver Aerodynamik schmilzt der Verbrauchsvorteil eines Hybrid schon sehr zusammen.

Wann kommt ein Hybrid im 5er?
Draeger: Sie haben immer Top-Down-Einführung. Wir starten beim 7er und X6. Der Nachfolger des 5er wird sich sicher auch für eine Hybridisierung anbieten, allerdings noch nicht direkt beim Anlauf. Bedenken Sie nur: Wir produzieren pro Tag über 1.000 Einheiten des 5er in Dingolfing - als Rechts- und Linkslenker, als Touring, M-Varianten, Benziner, Diesel, Handschalter, Automatik-Getriebe. Da sage ich Ihnen ganz ehrlich, bei aller Komplexititäsbeherrschung kann das nicht sein. Wenn wir einen 5er-Hybrid bringen, dann auch eher mit 6- und nicht mit 8-Zylinder, weil wir nur dann eine Motorisierung mit signifikanter Marktdurchdringung haben.

Beim Benziner und beim Diesel?
Draeger: Nein, nur mit dem Benziner. Ein Diesel-Hybrid ist zwar technisch machbar, aber dann kombinieren sie wirklich alles, was teuer ist: Ein EU6-fähiger Diesel wird es nur mit SCR-Technologie und Partikelfilter geben, sprich sie müssen schon allein 15 Liter Harnstoff transportieren - ohne das Gewicht für den Tank. Das kann nicht profitabel sein. Auch der Fußgängerschutz geht nicht spurlos an uns vorbei, so packen wir immer mehr Gewicht auf Fahrzeuge, die aber immer sparsamer werden müssen. Bis 2020 steht ein C02-Ausstoß von 95 Gramm im Raum. Das wird eine riesige technologische und finanzielle Herausforderung.

Wird der BMW 3er einen Hybrid bekommen?
Draeger: Nicht in jetziger Generation. Frühestens 2015.

Der neue PAS kommt schon im Sommer 2009 auf den Markt. Was dürfen wir hier erwarten?
Draeger: Dieser Crossover wird ein neues Segment begründen. Er teilt sich eine Komponentenarchitektur mit dem neuen 7er, dem 5er- und 6er-Nachfolger. Dabei ist es eigentlich mehr als eine Architektur, eher ein Baukasten für eine Bodengruppe, die in Lage, Fahrzeuggröße, -länge und -breite bei
gleichbleibenden Motorraum variieren kann. Diese Strategie ermöglicht es uns, uns mit deutlich geringerem Aufwand Fahrzeuge zu entwickeln. Damit das auch tatsächlich aufgeht, lief die Entwicklung des neuen 5er stark parallel zum 7er.

Kommen wir zu Ihrem ureigenen "Project I". Wie steht es um Ihr Mobilitätskonzept für Ballungsräume der Zukunft?
Draeger: Es wächst und gedeiht. Noch dieses Jahr werden wir in einem ersten Schritt 500 Minis mit Lithium-Ionen Batterie ausliefern. Damit werden wir Erfahrungen sammeln in den USA und Deutschland - unter verschiedensten klimatischen Bedingungen.

Und was ist mit dem nächsten Schritt - dem Auto für Ballungsräume der Zukunft?
Draeger: Wir arbeiten hier an einer flexiblen Plattform für unterschiedliche Fahrzeuge. Wir versuchen, die Zukunft vorwegzunehmen. Wir überlegen intensiv darüber, wie bewegen wir uns in Zukunft in der Stadt. In Megacity, wie Paris, Los Angeles, Peking, Shangai mit unterschiedlichen Anforderungen. Und wir profitieren stark davon, dass wir im Konzern nicht nur Automobile entwickeln, sondern auch ein profitables Motorradgeschäft haben, so wie kein anderer deutscher Hersteller. Unser C1 war interessante Variante, aber seiner Zeit etwas voraus. Viele C1-Fahrer wünschen sich heute einen Nachfolger.

Werden Sie Elektro-Antriebsstrang selbst entwickeln und produzieren - oder an Zulieferer wie Magna geben?
Draeger: Die drei relevanten Komponenten sind der Elektromotor, die Batterie und die Leistungselektronik. Wobei der erste Punkt das kleinste Problem ist, denn es gibt schon heute etablierte Hersteller für kleinste Elektrohochleistungsmotoren - und die Bundesbahn fährt mit mehreren zehntausend PS elektrisch. Der Engpass bleibt die Batterie. Wir sammeln hier Erfahrungen. Wir haben guten Kontakt zu mehreren Zulieferern und sind selbst im Batteriebereich beschäftigt - über unser Formel 1-Engagement: dort entwickeln wir Batterien, die extrem leicht, schnell und hoch belastbar sind.

Abschlussfrage: Im neuen 7er präsentieren Sie viele neue Assistenzsysteme. Wohin geht die Reise auf diesem Technologiefeld?
Draeger: Was wir jetzt eingeführt haben, legt die Messlatte erst einmal sehr hoch für die Konkurrenz. Und trotzdem sind wir in der Planung schon einen Schritt weiter: Wir arbeiten etwa an einer stärkeren Car-to-Car- und Car-to-infrastructure-Kommunikation. Wir überlegen, was könnte man über Wireless-Systeme machen. Es gibt hier eine Reihe interessanter Forschungsprojekte; Querverkehrerkennung, wir können die Motorradfahrer-Bahn vorausberechnen, die Geschwindigkeit regulieren für eine aktive grüne Welle bis hin zur Informationsfehlerweitermeldung über Fahrzeuge an sich.


Mehr über:
BMW | BMW 7er

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige