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BMW gegen Mercedes

Mit neuen Modellen an die Premium-Spitze

Mercedes SLC Foto: Christian Schulte 42 Bilder

BMW und Mercedes begegnen sich fast auf Augenhöhe: Zurzeit liegt BMW vorne, aber das will Mercedes nicht mehr lange zulassen: Aus der Kooperation mit Renault/Nissan entstehen viele neue Modelle, die die Marke bis 2020 zur klaren Nummer eins unter den Premium-Herstellern machen sollen.

05.10.2011 Birgit Priemer

"Schneller, höher, weiter" - das hat in den letzten Monaten kein Premiumhersteller besser beherrscht als Audi. Für den Emporkömmling ist es schließlich noch ein gutes Stück Arbeit auf dem Weg an die Spitze. BMW und Mercedes haben das aufgeregte Flügelschlagen der VW-Tochter mit der Gelassenheit eines alten Adelsgeschlechts zur Kenntnis genommen, das den aufstrebenden Geldadel vordergründig eher zu belächeln schien.

Doch ganz stimmt das nicht: Auf der IAA kündigte Mercedes-Chef Dieter Zetsche an, bis zum Jahr 2020 "beim Absatz als Premiumhersteller die Nummer eins" sein zu wollen. Warum? "Weil es sonst so aussähe, als ob die anderen allein schon durch ihre Ankündigungen recht hätten."

Zehn neue Mercedes-Modelle bis 2015

Erstaunlich ist es schon, welches öffentliche Ringen um die Premiumkrone angesichts nervöser Märkte und der Diskussion um den Euro zurzeit bestritten wird, denn als verlässliche Vergleichsbasis gilt im Moment nur der Blick zurück: Nimmt man die Absatzzahlen der ersten acht Monate 2011, dann hat BMW die Nase vorn (1.071.303 Einheiten), Mercedes (867.379) und Audi (853.000) folgen mit deutlichem Abstand.

Mercedes verbindet seinen neuen Führungsanspruch allerdings mit einer Reihe neuer Modelle, die BMW das Leben schwer machen sollen. "Wir planen zehn neue Modelle, verteilt auf alle Klassen", erklärt Dieter Zetsche am Vorabend der IAA und übt sich damit in Zurückhaltung. Diese Ankündigung reicht schließlich nur bis 2015. Bis 2020 werden es deutlich mehr sein.

Mercedes SLC als Konkurrent zum Porsche 911

Zu den spektakulärsten Abfangjägern der BMW-Konkurrenz zählt der für 2014 geplante Mercedes SLC. Was es damit auf sich hat? Das wird ein Auto auf der SLS-Plattform, ohne Flügeltüren, rund 20 Zentimeter kürzer (4,40 Meter Länge) und als Coupé ein echter Porsche 911-Konkurrent - BMW hat schließlich nichts in diesem Segment anzubieten.

Der bei AMG entwickelte Flitzer wird von aufgeladenen V6 und V8 befeuert, die zwischen 300 und 600 PS leisten und über ein Drehmoment zwischen 360 und 550 Newtonmeter verfügen. Es bleibt bei Alu- Space-Frame, Frontmotor, Heckantrieb sowie einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Bauweise. Die Preise beginnen knapp unter 90.000 Euro - und sind damit voll auf den Porsche 911 zugeschnitten. Eine offene Version wird es zumindest zu Beginn nicht geben - denn die könnte dem Mercedes SL, der zum Jahreswechsel in neuer Form präsentiert wird, endgültig das Wasser abgraben.

BMW wird über dem X3 einen X4 positionieren

Dieses Alleinstellungsmerkmal gegenüber BMW fehlt jedoch einer neuen Variante im SUV-Bereich: Das Mercedes ML-Coupé ist konzeptionell so etwas wie ein "Copy and Paste" des erfolgreichen X6. 2014 steht diese schnittig geformte Variante an. Doch in dieser Hinsicht ist BMW schon wieder einen Schritt weiter: "Ja, wir werden über dem X3 einen X4 positionieren", kündigt BMW-Chef Norbert Reithofer exklusiv gegenüber auto motor und sport an - womit es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, wann Mercedes mit einem GLK-Coupé kontert.

Allradantrieb, vier Sitze, Start-Stopp- Automatik, Head-up-Display, Sprachsteuerung und das Motorenprogramm aus dem BMW X3 (184 bis 306 PS) zählen zu den Merkmalen des rund 4,65 Meter langen X4, dessen Kofferraumvolumen durch die coupéartige Linie allerdings mit rund 500 Litern deutlich kleiner ausfallen wird als beim X3 (550 Liter).

Mini-Familie wird von fünf auf zehn Baureihen aufgestockt

Im Klein- und Kompaktwagensegment deuten sich im Vergleich dazu nahezu erdrutschartige Verschiebungen an: BMW geht davon aus, dass künftig 40 Prozent aller Modelle mit Frontantrieb verkauft werden - und zwar bei Mini und BMW. Dafür wird die Mini-Familie von jetzt fünf auf zehn Baureihen aufgestockt und auch bei BMW kräftig aufgerüstet. Die Gedankenspiele beginnen bei einem Kleinwagen mit den Abmessungen eines VW Up. 3,70 Meter lang wäre der kleine Zweitürer, der von Dreizylindern aus der Kooperation mit Peugeot angetrieben werden soll.

Im Gegensatz zu VW geht es hier aber nicht darum, ein möglichst preiswertes Auto auf den Markt zu bringen, sondern ein verbrauchsarmes: BMW hat genauso wie Mercedes die Zeichen der Zeit erkannt und weiß, dass es zur radikalen Reduzierung des CO2-Ausstoßes keine Alternative mehr gibt. Deshalb wird es den neuen BMW 3er nun doch auch mit Dreizylinder-Diesel (ab 2014) geben - und als Hybrid.

Mercedes vertieft Beziehung zu Renault/Nissan

Bei Mercedes herrschen vergleichbare Gedankenspiele vor: Ein Einstiegsmodell, das die Lücke zwischen der neuen A-Klasse (rund 4,15 Meter) und dem Smart Fortwo (2,70 Meter) schließt, passt noch locker dazwischen - und zwar bei beiden Marken. Smart bleibt dabei dem Heckantrieb treu, der neue kleine Mercedes soll auf einer Renault-Plattform basieren.

Deutsch-französische Freundschaft - das war in der Geschichte nie ganz einfach. Aber so wie BMW in Peugeot einen zuverlässigen Kooperationspartner gefunden zu haben scheint, so sehr scheint sich auch die Beziehung zwischen Mercedes und Renault/Nissan mit deren Edelmarke Infiniti zu vertiefen. Die kompakte Studie Etherea der japanischen Marke wird künftig auf der A-Klasse-Basis aufbauen.

Richtig spannend wird es, wenn es um die zweite Generation der A/B-Plattform geht. Denn zurzeit wird heftig darüber diskutiert, ob die Kompaktmodelle auf der preisgünstigeren Renault/Nissan-Plattform basieren, die fast 20 Modelle bis zum Crossover Qashqai umfasst, oder auf der teureren Mercedes-Basis. Tatsache ist, dass Mercedes erwägt, diese breite Angebotspalette zu übernehmen.

Weitere Mercedes-Neuheiten bis 2014

Mit dem Neuheitenreigen ist dann übrigens längst noch nicht Schluss: Es kommen noch zusätzlich der Mercedes C-Van (2014), der CLS Shooting Brake (2012), der Offroader GLC (2014), der CLC als Limousine und Shooting Brake (2014) auf A-Basis, die nächste S-Klasse in drei Radstands-Varianten (2013) und ein CL Cabrio mit Stoffverdeck (2014). Das Rätselraten um die zweite Maybach-Generation scheint dagegen in die letzte Runde zu gehen: Die zunächst mit Aston Martin angestrebte Kooperation scheint nicht zustande zu kommen, weil die englische Marke zu viel Geld haben will. Nun wird der schwere Luxusliner wieder in Eigenregie entwickelt, aber deutlich kostengünstiger als beim Vorgänger.

Immerhin scheint es neue Gemeinsamkeiten zwischen BMW und Mercedes zu geben: Beide sehen einen Markt für Zwölfzylinder in China und den USA. Da sich die Stückzahlen aber in homöopathischen Bereichen bewegen, scheint eine Kooperation in diesem Bereich zwischen den beiden Marken in greifbare Nähe zu rücken. Zwölf - diese Zahl stand im Althochdeutschen für "zwei bleibt übrig". Passt doch, oder?

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