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BMW M GmbH-Chef Segler

"Wir müssen dynamischer und profitabel sein"

Kay Segler Foto: BMW 5 Bilder

Kay Segler, Chef der BMW M GmbH spricht mit auto motor und sport über die Absatzerwartungen für M Automobile, neue Hochleistungsmodelle wie den M1 sowie den M5 und erteilt einem BMW-Supersportwagen erneut eine klare Absage.

05.11.2009 Harald Hamprecht

Herr Segler, Sie sind seit Mai neuer Chef der M GmbH. Wird es einen Strategiewechsel geben?
Segler: Nein, die BMW M GmbH ist und bleibt ein eigenständiger Hersteller, der die Markenkernwerte von BMW spitz repräsentiert. BMW M Automobile sind und bleiben Straßenfahrzeuge mit Rennfahrzeug-Charakter. Wir haben zwar vier Geschäftsbereiche - M Automobile, Fahrer-Training, BMW Individual und M-Sportpakete. Aber die haben eine Klammer: "Automobile Träume werden Wirklichkeit."  Und dabei haben wir immer eine klare Mission vor Augen.

Und die wäre?
Segler: Unser klarer Kampfauftrag ist es, schneller, dynamischer und profitabel zu sein. Schneller gilt dabei nicht nur für die Autos, sondern für jeden einzelnen im Team. Dynamischer bezieht sich darauf, in welche Richtung sich das Unternehmensumfeld verändert. Profitabilität ist eine Grundprämisse. Der gesamte Automarkt wird derzeit doch immer noch richtig gerupft, auch das Segment der hochmotorisierten Fahrzeuge ist davon stark getroffen. Mit zwei Modellen, die weiter im Lebenszyklus fortgeschritten sind, gilt das auch für uns.

Der BMW M5 und BMW M6.
Segler: Genau. Damit müssen wir davon ausgehen, dass der Absatz dieses Jahr sinken wird. Zumal eine richtige Erholung auf den Weltmärkten noch nicht zu spüren ist und unsere Neuheiten - der X5 M und X6 M - erst seit 24. Oktober im Handel sind.

Wie stark wird Ihr Absatz dieses Jahr sinken?
Segler: Im vergangenen Jahr  haben wir 24.000 M-Modelle abgesetzt, dieses Jahr werden es deutlich weniger sein. Aber wir werden keine Autos in den Markt drücken. Im Gegenteil: Wir haben bereits Bestände im Handel reduziert, damit die Preisqualität weiter stimmt. Stückzahlen allein sind aber nicht relevant.

Ihr Vorgänger - Ludwig Willisch - hat ein mittelfristiges Absatzziel von 27.000 Einheiten herausgegeben - so wie zuletzt im Rekordjahr 2002. Halten Sie daran fest?
Segler: Noch einmal: Stückzahlen alleine sind nicht relevant. Wichtiger ist: Wir arbeiten profitabel. Und haben uns ein neues Fitnessprogramm auferlegt, um noch effizienter zu arbeiten.

Hat das Fitnessprogramm einen Namen?

Segler: Nein, wir sind in der "Strategie Number ONE" der BMW Group ein Bestandteil. Wir brechen die generelle Strategie konkret für uns herunter, vor allem die Baukasten-Strategie und die Wertschöpfungsorientierung: wir versuchen, alle Dinge wegzulassen, die nichts bringen.

Wie zum Beispiel?
Segler: Doppelte Tests bei Lieferanten und bei uns. Da wurden Bauteile bei einem Lieferanten nach unseren Maßgaben entwickelt und erprobt, und in unserem Haus fanden nochmals Tests statt. Das ist nicht effizient, hier können wir die Prozesse optimieren. Wir betreiben gerade aber auch verstärkt Insourcing, etwa beim Thema Sitzentwicklung; hier können wir gut auf die Erfahrung und Baukästen im Konzern zurückgreifen, statt alles neu erfinden zu lassen. Wir trimmen unsere Kosten an jeder Stelle - bis hin zur Abmietung von Gebäuden, um unseren Fixkostenblock zu reduzieren. Dafür rückt die Mannschaft gerne näher zusammen. Damit sichern wir die Arbeitsplätze.

Wie viele Leute arbeiten für die M GmbH?
Segler: Wir beschäftigen knapp 500 Mitarbeiter. Und diese Personalstärke wollen wir auch halten. Dabei haben wir aber schon einiges umstrukturiert, manches Projekt gestrichen, denn wir brauchen Freiräume, um in die neue Offensive zu gehen.
 
Wie sieht die Offensive aus?

Segler: Dieses Jahr - im 37. Jahr unseres Firmenbestehens - feiern wir gleichzeitig 25 Jahre M5. Unsere Mannschaft hat zu diesem Anlass sogar ein Jubiläumsfahrzeug aufgebaut, ein Einzelstück für unsere Sammlung. Daneben bieten wir ab Frühjahr 2010 den BMW M3 GTS an. Dieses Modell zeigt, was unsere BMW Manufaktur zu leisten im Stande ist. Neben der präsentierten Standardkonfiguration gehen wir maximal auf kundenspezifische Wünsche ein. Damit bieten wir unserer Community ein clubsportorientiertes Modell mit weniger Gewicht, Festsattelbremse, Überrollkäfig, einstellbarem Fahrwerk und mehr Leistung - ab Werk. Der Preis für dieses 450 PS-starke Sammlerstück liegt bei 115.000 Euro. Wir bauen es nur auf konkrete Bestellung, deswegen gehen wir von spürbaren Lieferzeiten aus.

Wie viele dieser Sammlerstücke wollen Sie denn verkaufen?

Segler: Wenn wir bei 99 enden, wäre ich nicht unglücklich.

Der neue M5 kommt unserer Einschätzung nach 2011 in den Handel. Welche Hoffnungen setzen Sie auf ihn?
Segler: Die aktuelle Generation kommt bisher auf über 20.000 Verkäufe, für den Nachfolger rechnen wir mit  25.000 über den gesamten Lebenszyklus von rund sieben Jahren hinweg.

Werden Sie Ihr Portfolio weiter ausbauen?
Segler: Ja, ich will das klare Signal setzen, dass BMW M erreichbar sein muss. Dass BMW M eine junge Marke ist, dass Kunden, die unsere Marke lieben, nicht nur auf Gebrauchtwagen zurückgreifen müssen, wenn ihr Geldbeutel einen neuen M3 nicht zulässt. Deswegen prüfen wir derzeit intensiv, auf Basis der heutigen BMW 1er-Reihe auch eine M-Variante zu bringen.

Wann kommt dieser "M1" - und wie sehen die Details aus?
Segler: Normalerweise dauert eine solche Entwicklung drei Jahre. Wir wollen Ihnen aber vor Weihnachten 2010 die ersten detaillierten Informationen zukommen lassen - und im Frühjahr 2011 den Verkauf starten. Im Fahrverhalten wäre dieses Modell natürlich noch dynamischer als die stärkste Serienmotorisierung, der 135i. Ich glaube, gerade bei kleinen Fahrzeugen sind etwas mehr Leichtfüßigkeit und ein tolles Fahrwerk wichtiger als die reine PS-Zahl. Früher hätten wir gesagt: in so kurzer Zeit ein so spezielles Produkt auf die Beine zu stellen, ist zu aufwändig. Jetzt denken wir dynamischer.

Welches Absatzpotenzial sehen Sie für dieses Einstiegsmodell?
Segler: Mit innovativen Umsetzungsideen und Abläufen wird die Rentabilität eines Projektes etwas unabhängiger von Stückzahlen. Mehr Details möchte ich heute aber noch nicht verraten, denn wie gesagt - wir prüfen intensiv, die Entscheidung steht noch aus.

Gibt es Chancen, auch einen M7 auf die Straße zu bringen?
Segler: Nein, mit einer M-Variante von 1er, 3er, 5er, 6er und den X-Modellen wären wir dann richtig gut aufgestellt. Weniger ist mehr. Das habe ich auch in meiner vorherigen Funktion als Leiter Importeursmärkte gesehen: In vielen Märkten haben wir das Portfolio deutlich zurückgeschnitten und dann mehr verkauft. Denn zusätzliche Modelle meinen zuerst einmal mehr Komplexität, nicht mehr Verkäufe. Die BMW M GmbH wird niemals ein Full-Range-Anbieter sein.

Das Volumenmodell der BMW M GmbH ist der M3, den Sie als Coupé, Cabrio und Limousine anbieten - hier erreichen Sie zudem die höchste Entwicklungstiefe. Bleibt es beim Verzicht auf einen M3 Touring und einen M3 CSL?

Segler: Für diese Modellgeneration definitiv.

Brauchen Sie nicht endlich einen eigenständigen Supersportwagen – wie Audi mit dem R8 und Mercedes mit dem SLS AMG?
Segler: Nein, wir brauchen nicht zwingend ein solch eigenständiges Modell. Die BMW M GmbH ist seit drei Jahrzehnten mit auf Serienfahrzeugen basierenden Hochleistungsautomobilen erfolgreich. Sicherlich können wir uns auch einen Supersportwagen in der Preisklasse von 500 - 600.000 Euro vorstellen. Auf der Villa d’Este haben wir gezeigt, wie so etwas aussehen kann. Aber auch wenn man mehrere Pferde im Stall hat, kann man nur eines ausreiten. Die Verjüngung mit dem Modell auf BMW 1er Basis ist mir wichtiger als einige Dutzend unerreichbare Supersportwagen.

Planen Sie Veränderungen im Handel?
Segler: Ja, wir etablieren klare Schwerpunkthändler. Den Anfang machte der deutsche Händlerverbandspräsident Entenmann. Kurz darauf folgte die Niederlassung München, wie Sie wissen, die größte der Welt. Aktuell rollen wir das Konzept flächendeckend in ganz Deutschland aus, in einer zweiten Phase auch weltweit. Die Händler bekommen erstmals eine explizite Außenkennzeichnung mit Flaggen und Fassadenband, um dem Kunden sichtbar zu machen, dass er hier besonders behandelt wird. Bislang ist das Geschäft ja mehr oder weniger nebenher im regulären BMW-Handel gelaufen. Jetzt wollen wir unseren Markenauftritt weiter profilieren und bieten dafür auch spezielle Schulungen an.

Wie viele M-Händler wird es in Deutschland geben?
Segler: In Deutschland bis zu 85 Händler bis Jahresende, weltweit werden es rund zehn Prozent der insgesamt vier- bis fünftausend BMW-Händler. Davon verspreche ich mir einen enormen Schub für unser Geschäft. Und zwar nicht nur für Komplettfahrzeuge, sondern auch für unsere übrigen Geschäftsbereiche.

Wie läuft das Geschäft da?
Segler: 2008 konnten wir über 150.000 Sportpakete und 30.000 BMW Automobile mit Individual-Ausstattungen verkaufen. Dieses Jahr werden es nochmal mehr. Außerdem erfüllen wir ja auch viele Manufakturthemen: Zum 60. Geburtstag der Volksrepublik China haben wir 60 Langversionen des BMW 7er in einer Individualausstattung liefern können; für ein afrikanisches Land sind es im November 50 BMW 5er Individual.

Wie sieht es mit Ihrem Umsatz und Gewinn aus?
Segler: Wir kommunizieren keine Bilanz-Zahlen. Aufgrund interner Verrechnungspreise wäre das ohnehin nicht aussagekräftig. Aber ein Hinweis: Rund ein Drittel unseres Absatzes bestreiten wir mit unseren Fahrzeuge mit V10-Motoren und Preisen ab 90.000 Euro. Und wir haben die gleichen Profitabilitätsvorgaben wie jeder andere BMW-Geschäftsbereich auch.

Wie verteilt sich Ihr Absatz nach Regionen?
Segler: Fünfzig Prozent unseres Absatzes machen wir in Nordamerika, je 15 Prozent in Deutschland und Großbritannien. In Zukunft wird Asien immer wichtiger für uns. In einem asiatischen Markt stehen wir sogar kurz davor, einen exklusiven BMW M-Handelsbetrieb zu errichten. China wird stark wachsen. Den Mini Cooper S hatten wir dort lange nicht eingeführt, weil die Benzinqualität nicht gut genug war. Gleiches Thema galt für BMW M. Andere Wettbewerber haben Kundenprobleme in Kauf genommen. Deshalb werden wir auch von vornherein sauber starten, besser später. In spätestens zehn Jahren ist China sicher einer unserer Top-3-Märkte. Dieses Jahr machen wir dort einige hundert Einheiten, 2010 dann rund 1 000.

Wo unterscheiden Sie sich von Quattro und AMG?
Segler: Im Vergleich zu den anderen Performance-Töchtern der deutschen Premiumhersteller haben wir eine große Entwicklungstiefe. Einzigartig ist vor allem, wie sich unsere Automobile beim Fahren anfühlen. M ist letztlich eine Frage des Charakters, nicht der Technologie. Ich lebe aber nicht von der Abgrenzung. Wir gehen unseren eigenen Weg, der authentisch ist.

Planen Sie mehr Bequemlichkeit durch Automatik-Getriebe? Oder Allrad wie beim Quattro auch bei den Limousinen, statt nur bei den X-Modellen?
Segler: Wir werden stets für jedes Modell im Einzelfall die entsprechende technische Umsetzung definieren.

Wie steht es um Ihren Wettbewerb mit Alpina?
Segler: 1.000 Alpina-Kunden pro Jahr beißen uns nicht. Wir leben super zusammen.

Wie läuft das Wettrüsten um mehr Höchst-Geschwindigkeit? Überlassen Sie das künftig den Tunern?
Segler: Mit dem M Driver´s Package wird die Höchstgeschwindigkeit von BMW M5 und M6 auf ausdrücklichen Kundenwunsch auf 305 km/h angehoben. Auch hier gilt: Höchstgeschwindigkeit ist kein Entwicklungsziel und grundsätzlich gilt die freiwillige Selbstbeschränkung auf 250 km/h auch weiterhin für BMW M-Automobile.

Gemeinsam mit allen Performance-Anbietern haben Sie das Problem, dass schnelle Autos spritdurstig sind und mehr C02 ausstoßen. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Produkte in Zukunft soziale Akzeptanz genießen?
Segler: Mit jeder neuen Modellgeneration, die wir bringen, werden wir deutlich reduzierte Co2-Werte aufweisen. Wir rechnen mit einer Reduktion von jeweils mehr als 20 Prozent. Wir werden hier aber keine Ökomodelle für ein besseres Flottenimage bringen; das wäre Augenwischerei. Außerdem liegt der Spritverbrauch immer auch am Fahrer: Einen X6 M können Sie mit unter 12 Litern Verbrauch auf 100 Kilometern fahren, auf der Rennstrecke im Sportmodus werden natürlich massiv höhere Werte fällig. Wir nehmen uns jedenfalls vor, der beste Anbieter im Segment zu sein.

Welche Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion planen Sie?
Segler: Mit effizientem Energiemanagement, Bremsenergierückgewinnung, optimierter Aerodynamik oder intelligentem Leichtbau werden bereits heute BMW EfficientDynamics Maßnahmen bei BMW M eingesetzt. Wir arbeiten zudem konkret daran, Start-Stopp-Technik auch in M-Modellen einzusetzen. Den Anfang wird hier der M3 im Frühjahr machen. Auch wenn wir seitens BMW M derzeit keine konkreten Pläne zum Einsatz eines Vollhybriden verfolgen, stehen uns grundsätzlich alle bei BMW entwickelten Technologien zur Verfügung, die wir dann auch M-spezifisch umsetzen könnten. Wir dürfen generell nicht dogmatisch sein, wenn es um Lösungen geht. Wir schauen einfach: Für welches Segment bietet sich welche beste Technik an. Eine Lösung müssen wir nicht zwingend über alle Baureihen ausrollen.

Wann gibt es ein Elektromodell von der M GmbH, so wie es Mercedes mit dem Elektro-SLS vormachen will?
Segler: Ich sehe kein rein elektrisches M-Fahrzeug. Das wäre Augenwischerei. Mit dem X6 M sieht man: wir wollen alltags- und familientaugliche Fahrzeuge machen, die man im anderen Modus dann auf der Rennstrecke fahren kann. Das ist einzigartig. Die Alltagstauglichkeit eines Elektroautos, das auch auf der Rennstrecke zu fahren ist, muss mir mal jemand zeigen. Da ist die Batterie nach wenigen Runden leergesaugt.

Was ist mit dem Wasserstoff-Antrieb?
Segler: Das Thema ist noch sehr weit weg - und sicher kein Thema für die BMW M GmbH.

Was ist mit dem guten alten Diesel?

Segler: Heutige Diesel-Motoren bieten sich aufgrund ihrer durch das Brennverfahren begrenzten Drehfähigkeit derzeit nicht für M-Modelle an. Aber wir spüren rege Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen in Verbindung mit M-Sportpaketen.

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