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BMW M1 im Neuzustand unterm Hammer

500 km fahren, 300.000 Dollar verdienen

02/2015 - BMW M1, Auktion, Versteigerung, Bonhams, Amelia Island, mokla0215 Foto: Bonhams 26 Bilder

Keine Frage, dieser 1981er BMW M1 gehört zu den besten Exemplaren, die es noch gibt. Doch beim näheren Anschauen denkt man sich: "Was ist denn hier los?"

24.02.2015 Kai Klauder Powered by

Beim Blick auf den Tacho ist man irritiert - wie jetzt? Die Skala reicht gerade mal bis 85 MPH und 140 km/h. Doch das ist nicht das Einzige, warum man hier zweimal hinschauen muss. Denn auf der mechanischen Trommel kommen nur vier Ziffern zum Vorschein - eine 7, eine 1, eine 5 und noch eine 7. Und tatsächlich, dieser BMW M1 ist mit seinen erst 7.157 Meilen (umgerechnet 11.518 km) noch nicht mal richtig eingefahren. Der deutsche Supersportwagen wird am 12. März von Bonhams bei der Amelia Island-Auktion angeboten.

Nur 153 km im Jahr

Den arg beschränkten Tacho trägt der weiße BMW M1 wegen der damaligen US-Bestimmungen, nach denen der Geschwindigkeitsmesser maximal 85 MPH anzeigen durfte. Die äußerst geringe Laufleistung des späten Modells lässt sich übrigens sehr gut nachvollziehen. Der erste Besitzer fuhr seinen Supersportwagen in 22 Jahren nur insgesamt 3.382 Meilen - also etwa 153 km im Jahr - bis er ihn im Jahr 2002 verkaufte.

In den nächsten 7 Jahren schafften es die nächsten 3 Besitzer gemeinsam, die Jahres-Kilometerlaufleistung des seltenen BMW M1 signifikant zu erhöhen. Gemeinsam fuhren sie rund 3.200 Meilen, bevor der Wagen mit einem Tachostand von etwa 6.600 Meilen 2009 erneut veräußert wurde.

300 % Wertsteigerung in 6 Jahren

Szenekennern ist der BMW M1 mit der Fahrgestellnummer WBS59910004301336 schon vor 6 Jahren bei der Quail Lodge-Versteigerung aufgefallen. Das Auktionshaus Bonhams bot ihn damals mit einem Estimate von 100.000 bis 140.000 Dollar an, der Hammer fiel bei 147.800 Dollar.

Der Wertzuwachs bei dem BMW M1 dürfte seinem aktuellen Besitzer gefallen: Er fuhr etwa 500 km mit dem 277 PS-Sportwagen - und wenn nichts Unvorhersehbares dazwischenkommt, wird er rund 250.000 bis 300.000 Dollar dafür verdienen.

Bonhams gibt für diesen BMW M1 im Neuwagenzustand ein Estimate von 400.000 bis 450.000 Dollar an. Angesichts der aktuellen Marktlage kein zu hoher Preis. Classic-Analytics notiert einen BMW M1 im Zustand 2 mit 299.000 Euro, rund 340.000 Dollar. Die geringe Laufleistung und der fast makellosen Zustand rechtfertigen den Aufschlag von bis zu 30 %.

M1 ist der einzige Mittelmotor-Sportwagen von BMW

Der BMW M1 ist das erste von der BMW Motorsport GmbH entwickelte Auto. Deren Chef Jochen Neerpasch wollte mit seiner Truppe einen siegfähigen Tourenwagen für die Gruppe 4 bauen. Das Programm war ebenso sportlich wie das Auto selbst: In nur 24 Monaten mussten 400 Exemplare gebaut werden.

Giorgio Giugiaro sorgte für die Form, Neerpasch für das Konzept des ersten und bisher einzigen BMW-Mittelmotorsportlers, die jungen Ingenieure zeigten Einsatz - und fanden ungewöhnliche Lösungen. Die Bayern arbeiteten beim Projekt BMW M1 zunächst mit Lamborghini zusammen, wo die Karosserien und Gitterrohrrahmen der ersten Prototypen hergestellt und vormontiert wurden. In München bekamen sie den Reihensechszylinder eingepflanzt und rollten auf die Teststrecke, um ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen.

Aus Italien nach Stuttgart zur Endmontage

Die anfänglichen Materialprobleme wurden gelöst, doch Lamborghini geriet in Turbulenzen. BMW wollte mit einer Beteiligung helfen, die Italiener sträubten sich. BMW ließ dann bei Marchesi den Rahmen schweißen, die GFK-Karosserie entstand bei T.I.R., vormontiert wurde der BMW M1 bei ItalDesign - der Firma von Giorgio Giugiaro.

So wurden die Karosserien und der Gitterrohrrahmen der letztlich insgesamt 453 Exemplare in Italien hergestellt, danach kamen sie per Express nach Deutschland. Nicht etwa nach München, sondern in die Stadt von Mercedes und Porsche, denn die Endmontage übernahm Baur in Stuttgart. Die Verarbeitungsqualität liegt zwar nicht immer auf hohem Niveau, doch schließlich handelt es bei diesen Manufaktur-Autos fast um Einzelstücke.

Jahrhundert-Triebwerk M88

Wurde die erste "Turbo" genannte Studie des Mittelmotor-Sportlers, die 1972 zu den olympischen Spielen in München vorgestellt worden war, noch von einem aufgeladenen Vierzylinder angetrieben, entschied sich Motorenpapst Paul Rosche beim Serien-M1 für einen Reihensechszylinder-Saugmotor. Das Resultat ist der M88, der zu den wegweisendsten Triebwerken des Automobilbaus zählt. Der Hochdrehzahl-Motor mit 3,5 Litern Hubraum leistet im Serien-Trimm gesunde 277 PS bei 6.500/min und stemmt 300 Nm bei 5.000/min auf die Kurbelwelle.

Für den Einsatz in der Gruppe 4 sollte der M88 rund 470 PS leisten, für die Marken-WM gab es eine Version mit Turbolader, die rund 850 PS erreicht.

BMW M1-Neupreis lag bei 100.000 Mark

Doch schon der serienmäßige Sechszylinder begeistert. Er dreht wie die sprichwörtliche Turbine hoch und beschleunigt den BMW M1 in rund 6 s auf Tempo 100. Die Spitzengeschwindigkeit des 1.450 kg schweren Sportwagens liegt bei 265 km/h.

Zwischen 1978 und 1981 wurden 453 BMW M1 gebaut - zum Stückpreis von 100.000 Mark. BMW soll bei jedem fertiggestellten M1 ordentlich draufgelegt haben - kein Wunder bei der Odyssee, die die Fahrzeuge bis zur Endkontrolle hinter sich gebracht haben. Ob das der Grund ist, warum sich die Bayern seither nicht mehr an einen Mittelmotorsportwagen herangetraut haben?

Die Daten
Premiere:Autosalon Paris 1978
Bauzeit:1978 - 1981
Stückzahl:460 Exemplare
Motor:Reihensechszylinder
Hubraum:3,453 ccm
Leistung:277 PS
bei6.500/min.
Drehmoment:300 Nm
bei5.000/min.
Getriebe:Manuelles Fünfgang-Getriebe
0 bis 100 km/h6,0 s (Messwert)
V-Max:264,7 km/h (Messwert)
Leergewicht:1.450 kg
Verbrauch:16,7 L/100 km (Messwert)
Länge:4.360 mm
Breite:1.824 mm
Höhe:1.140 mm
Radstand:2.560 mm
Weitere technische Daten:Siehe Fotoshow
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