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BMW M6 Cabrio, Mercedes SL 55 AMG, Porsche 911 Turbo

Drei gebrauchte 300km/h-Sportwagen

Mercedes SL 55 AMG, Frontansicht, Werkstatt Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

300 km/h ab 20.000 Euro - vor Jahren noch undenkbar, aber Heute Realität. Die gebrauchten Premium-Sportwagen von BMW, Mercedes-AMG und Porsche sind im Alter von acht bis zwölf Jahren für jedermann erschwinglich. Doch wo lauern die Fallen bei M6, SL 55 AMG und 911 Turbo aus zweiter Hand?

31.01.2014 Frank Mühling Powered by

Einfach traumhaft: Zehnzylinder-Hochdrehzahlsaugmotor, Achtzylinder-Kompressor, Sechszylinder-Biturbo-Boxer – wem bei diesen Begriffen nicht das Wasser im Munde zusammenläuft, der hat vermutlich die falsche Zeitschrift gekauft.

507 PS und zehn Zylinder für weniger als 40.000 Euro

Ob BMW M6, Mercedes SL 55 AMG oder Porsche 911 Turbo: Die hohe Schule der deutschen Motorbaukunst fasziniert gestern wie heute durch fulminante Kraftentfaltung und technische Sonderlösungen. Nicht zu vergessen die akustische Dominanz: So verschieden die Triebwerke aus München, Affalterbach und Stuttgart auch sind, so nachdrücklich bleiben sie im Gehörgang: Wummern, Brüllen, Kreischen - hier wird alles geboten.

BMW hat sich sogar von der Formel 1 inspirieren lassen und für M5/M6 einen 5,0-Liter-V10-Motor gebaut. Mit 507 PS bei knapp 8000 Touren, Einzeldrosselanlage und Doppel-Vanos steht der Saugmotor für die alte M-Tradition. So weit die Theorie. In der Praxis lockt ein M6 Cabrio bei Neckaralb Automobile in Reutlingen. "Für 36.500 statt 39.900 Euro, die Nachfrage ist momentan nicht gerade groß", schmunzelt Inhaber Erman Yesildag. Der Viersitzer von 2006 hat erst knapp 64.000 Kilometer auf dem Tacho.

Der V10 wummert schon im Leerlauf metallisch, das braune Leder duftet verführerisch - also nix wie los. In der Innenstadt benimmt sich der M6 lammfromm, doch das Siebengang-SMG drängt sich mit langen Schaltpausen in den Vordergrund. Typisch, und nicht zu ändern. Volle Faszination entfaltet der M6 ohnehin erst jenseits der Ortsschilder: Power-Knopf gedrückt - jetzt stehen 507 statt 400 PS parat - und die Schaltgeschwindigkeit von Betulich auf Extrakurz geändert.

Gebrauchtes BMW E64 M6 Cabrio mit V10-Problemen

Der S85 genannte Zehnzylinder sägt sich herzzerreißend in die Gehörgänge, und das Getriebe feuert die Gänge staubtrocken rein. Wie weit ist es eigentlich von hier bis zur Nordschleife?

Drängender scheint jetzt aber die Frage nach der Dauerhaltbarkeit des Technik-Sonderlings aus München. Vom V10-Motor ist bekannt, dass er Probleme mit den Pleuellagern bekommen kann, wenn er nicht konsequent warmgefahren wurde. Die Folge: deutliches Klackern. Defekte Drosselklappensteller äußern sich in Leistungsverlust und trägem Ansprechverhalten. Ein unruhiger Leerlauf kommt von defekten Leerlaufstellern. Die problematischen Vanos-Einheiten können durch Rasseln, Zündaussetzer und PS-Schwund auf sich aufmerksam machen.

Ein Thema ist auch die Kupplung, insbesondere wenn die Launch-Control häufig genutzt wurde. Die BMW-Werkstatt kann das Steuergerät auslesen – es speichert die Anzahl der materialmordenden Manöver. Sicherlich erwartet kein M6-Interessent Unterhaltskosten auf dem Niveau eines 318i. Aber Verbrauchswerte von 15 bis 25 Liter, die höchsten Versicherungstarife und satte Kosten für Ersatzteile relativieren den günstigen Einstandspreis.

Mercedes SL 55 AMG mit Safety Car-Aufklebern

Auch keine 40.000 kostet der SL 55 AMG von Sezer Automobile. Der Klappdachroadster von 2005 mit 500 PS ist aus zweiter Hand und steht für 38.700 Euro in Nürtingen. Große Show bereits im Stand versprechen die Flügeltüren und die F1-Aufkleber im Stil des damaligen Safety Cars.

Erst auf den zweiten Blick wird klar: Der SL ist ein US-Import. 79.000 Meilen bedeuten 127.000 Kilometer; immerhin besitzt er deutsche Papiere. Vollausstattung inklusive ABC-Fahrwerk, Alcantara-Himmel, Designo-Leder und Bose-Soundsystem klingen verlockend. Die Reifen sind zwar neu, aber leider von der Marke "no name", die AMG-Räder zwar nicht original, aber dafür ohne Kratzer. Auch im Innenraum gibt es nur wenige Gebrauchsspuren. Zündschlüssel gedreht und Ohren auf: Kraftvoll brummt der dicke V8 den Beat aus Affalterbach.

Einmal in Fahrt, geht der Kompressor-beatmete Achtzylinder ungemein wuchtig zur Sache. Drehmoment statt Drehzahl heißt die Devise. Die Fünfgangautomatik schaltet spontan und ruckfrei. Verkäufer Celal Sezer: „Man sollte auf Geräusche vom Kompressorlager achten. Wenn es laut wird, kann es teuer werden.“ Rostprobleme kennt der SL mit dem Kürzel R 230 nicht, dafür können die ABC-Hydraulik und die Klappdach-Steuerung Probleme machen.

Und die SBC-Bremse? Mercedes hatte 2005 in einer weltweiten Rückruf- und Serviceaktion alle E-Klasse-, CLS- und SL-Modelle in die Werkstätten beordert. Unser F1-Exemplar jedenfalls zeigt auf der Probefahrt keine Macken. Einzig das schief stehende Lenkrad fällt auf. "Das prüfen wir in jedem Fall noch in unserer Werkstatt", so Sezer. Auch wenn die Affalterbacher Upperclass nach acht bis neun Jahren günstig erscheint, bleibt das Risiko kostspieliger Reparaturen. Immerhin: An der Zapfsäule langt der SL 55 AMG nicht ganz so heftig zu wie der BMW M6. Und die Preise für die gängigsten Verschleiß- und Ersatzteile fallen vergleichsweise niedrig aus.

Porsche 911 (996) Turbo S als Gebrauchter mit standfestem Motor

Ganz anders bei Kandidat Nummer drei, dem Porsche Turbo der Generation 996. Turbotarife sind an der Ersatzteiltheke normal: Der Endschalldämpfer fällt mit über 4000 Euro ebenso aus dem Rahmen wie die 2.000 Euro teuren Xenon-Scheinwerfer. Dafür gibt es den ersten wassergekühlten Porsche Turbo bereits für knapp unter 30.000 Euro – und als kleiner Trost die günstigsten Haftpflichttarife und Verbrauchswerte in dieser elitären Runde. Die ersten Porsche 996 Turbo wurden bereits 2000 gebaut, unser 2001er-Testexemplar parkt in Bietigheim-Bissingen und ist aus dritter Hand.

Der Kilometerzähler steht bei 136.000, das Serviceheft ist lückenlos. "Ein unfallfreies Nichtraucherfahrzeug aus Italien, sehr sauber und gepflegt", preist Mario Steiner von Steiner Automobilvertrieb den Allradler an.

Korrekt, im Gegensatz zum gut zwölf Jahre alten Turbo sieht schon mancher Mietwagen nach knapp einem Jahr abgenutzter aus. Das Leder nicht rissig, die Scheinwerfer nicht blind, keine Bordsteinschäden an den 18-Zoll-"Techno"-Felgen – aber ein kleiner Parkrempler über dem vorderen Nummernschild und ein Serien-Navi von vorgestern.

Der 420 PS starke, doppelt aufgeladene Sechszylinder-Boxer läuft brabbelnd warm, die rechte Hand umfasst den – Achtung! – Automatikwählhebel. Damit empfiehlt sich der Zuffenhausener 2+2-Sitzer als schneller Kilometerfresser. Mit seinem serienmäßigen Allradantrieb und ESP lockt der starke Elfer mit überlegener Fahrsicherheit auf jedem Terrain.

Porsche 911er-Kühler beim Gebrauchtwagenkauf prüfen

Mit dem silbernen Dritthand-996 fühlt man sich auf Anhieb freundschaftlich verbunden. Der Biturbo-Motor läuft wie am ersten Tag, hängt satt am Gas und schiebt gehörig an. Sicher, die Automatik kostet Kraft, aber sie ist keine Seltenheit beim 996er-Turbo: Rund ein Drittel aller Gebrauchten sind mit dem von Mercedes zugelieferten Fünfgang-Automaten ausgerüstet.

Die verstärkte Automatik ist nicht mit der im Carrera verbauten Variante identisch. Typische Krankheiten beim Turbo? Nicht der Motor: Der beim Carrera häufig undichte Kurbelgehäuse-Simmering ist beim Turbo unauffällig. Nur hier und beim GT2 kommt der strapazierfähige 964er-Block zum Einsatz. Bei guter Pflege ist der Boxer für 200.000 Kilometer gut. Aber: In den tief angeordneten Kühlern sammelt sich gern Schmutz – dann besteht Überhitzungsgefahr! Bei frühen 996ern machen undichte Kühlwasser-Ausgleichsbehälter Ärger.

Das Hinterachsdifferenzial kann bei Automatik-Turbos durch Geräusche auffallen. Bremse und Fahrwerk sind recht robust, aber übermäßiger Rennstreckeneinsatz strapaziert die Komponenten im Zeitraffer. Rost ist beim 996 kein Thema. Na, immerhin – die braune Pest hat keine Chance. Wäre ja auch noch schöner, bei so einem Traumwagen ...

Schafft man 300 km/h mit einem Gebrauchtwagen?

Nur der Porsche Turbo läuft ab Werk 305 km/h. Bei Mercedes-AMG und BMW war serienmäßig bei 250 km/h Schluss, gegen Aufpreis wurde das Vmax-Limit auf 300 km/h (SL 55 AMG) respektive 305 km/h (M6) angehoben. Ob dieses Extra bereits bei Auslieferung an Bord war, nachträglich in einer Vertragswerkstatt eingebaut wurde oder als schnelle Software-Änderung beim Hinterhoftuner umgesetzt wurde, dürfte im Zweifel schwer herauszufinden sein.

Apropos Speed: Auf der Rennstrecke zeigt sich der Porsche 911 (996) Turbo als souveräne Wahl: Hier kommt ihm sein geringes Gewicht zugute. Ab Werk gab es auch den 911 Turbo S mit 450 PS, 620 Nm und serienmäßigen Keramikbremsen. Für den Mercedes SL 55 AMG wurde ein AMG Performance Package angeboten – zu erkennen an einer geänderten Frontschürze mit Zusatz-Ölkühler, großer Bremse und 19-Zöllern. Auch ein strafferes Fahrwerk und die Vmax-Anhebung waren im Paket enthalten.

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