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"Messlatte mit dem 7er hochgelegt"

Foto: BMW AG 22 Bilder

Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht Erhard Frank, der Leiter für die großen Baureihen bei BMW, über die Entwicklung des neuen 7ers und erklärt welche  Ziele der bayerische Hersteller mit seinem neuen Flaggschiff verfolgt.

16.07.2008 Harald Hamprecht

Herr Frank, welche Bedeutung hat für Sie der neue 7er?
Frank: Eine sehr große Bedeutung, Die Entwicklung des BMW 7er ist eine besondere Herausforderung, denn der 7er ist unsere Ikone, unser Flaggschiff, die das Fahren in der Oberklasse zu einem besonderen Erlebnis macht. Wir führen damit neue Technologien ein, die den Maßstab bei Antriebseffizienz, Fahrer-Assistenzsystemen und vielem mehr in der Branche setzen. Hierbei stehen wir jedes Mal auch vor der Gratwanderung, die richtige Mischung aus Eleganz, Luxus und Sportlichkeit zu finden - und dabei gleichzeitig die Renditeziele nicht außer acht zu lassen, die mindestens so gut wie beim Vorgänger sein sollen.

Welche besonderen Innovationen bietet der neue 7er in Ihren Augen?
Frank: Wir haben hier gleich einen ganzen Fächer an technologischen Neu- und Feinheiten: ein vollständig neu entwickeltes Fahrwerk mit einem Angebot von vier verschiedenen in sich stimmigen Fahrwerkskombinationen. Weltpremiere hat hier die Integral-Aktivlenkung als Symbiose aus Aktivlenkung an der Vorderachse und geschwindigkeitsabhängig gesteuerter Hinterachslenkung. Auch in seiner Ausprägung einzigartig ist das Night-Vision-System, das erstmals Personen erkennt und dank Fern-Infrarot-System bis zu 300 Metern nach vorne blickt. Die Warnhinweise werden dann ab etwa 110 Meter Entfernung in das Head Up Display und der zentralen Anzeige intelligent eingespielt. Außerdem bieten wir erstmals eine Erkennung von Schildern mit Geschwindigkeitsangaben an und erreichen so kombiniert mit der Auswertung der digitalen Karten eine enorme Güte des Systems von über 95 Prozent, also weit mehr, als was heute am Markt verfügbar ist. Auch das perfekt in die Fahrzeugarchitektur integrierte E-Call-Notrufsystem im Zuge von BMW ConnectedDrive ist in dieser Form nur bei BMW zu haben. Mit all dem legen wir die Messlatte für den Wettbewerb einmal mehr sehr hoch. Und obwohl unser Flaggschiff so vollgepackt ist mit Innovationen und wir gleichzeitig verschärfte Crash-Test-Anforderungen erfüllen werden, ist es um 55 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Damit untermauern wir unseren Claim "Freude am Fahren".

Klingt nach sehr viel zusätzlicher Elektronik. Die hat beim alten 7er unter anderem zu abgesoffenen Batterien geführt.
Frank: Wir haben aus der frühen Anlaufphase der letzten Generation des BMW 7er dazu gelernt. Die Themen von damals haben wir - zusammen mit unseren Lieferanten - bis ins letzte Detail durchdekliniert. Dadurch sind wir jetzt sehr robust aufgestellt, unter anderem dank erweiterter Prüf- und Selbstanalyseroutinen in den Elektroniksystemen. Bereits im Vorfeld war uns bei der Softwareentwicklung und Integration der Teilsysteme in das Gesamtfahrzeug konsequent eine hohe  Güte wichtig.

Was ist zu den Motoren hervorzuheben?
Frank: Unser neuer Diesel verbraucht rund knapp neun Prozent weniger Treibstoff bei fast neun Prozent mehr Leistung, um genau zu sein sind es 8,9 Prozent. Alle drei Motoren sind in Ihrer Leistungsklasse beim Leistungs-Verbrauch-Vergleich in ihrem Segment Benchmark. Mit unserem Top-Verbrauchswert von 7,2 Litern im Fahrzyklus mit dem BMW 730d kann so mancher Wettbewerber schon im deutlich niedrigeren Mittelklasse-Segment kaum mithalten.

Welche weiteren Motoren dürfen wir erwarten?
Frank: Ein Zwölfzylinder-Benziner ist vorstellbar, um vor allem die Nachfrage in China, Russland, den USA und Mittleren Osten zu befriedigen. Wir arbeiten außerdem an einer Hybridversion.

Was ist mit einer Wasserstoff-Variante?
Frank: Am Wasserstoff-Verbrennungsmotor entwickeln wir weiter. Weil der Markteintritt mit großen Stückzahlen mittelfristig noch nicht realisierbar ist, gibt es bis heute keine Entscheidung das System im neuen BMW 7er anbieten.

Sieht es für einen reinen Elektromotor besser aus?
Frank: Wir glauben, dass sich die Branche und die Medien zuviel vom reinen Elektromotor versprechen. Im Vergleich zum Diesel hat ein batteriegetriebenes Auto heute pauschal vereinfacht noch eine 100fach schlechtere Energieausbeute. Oder um es anders auszudrücken: Das Äquivalent der Energiemenge eines 80 Liter Diesel-Tanks liegt heute noch bei einer Batterie mit 8.000 Kilogramm Gewicht. Deswegen gehen wir davon aus, dass Elektromotoren sich nur in Großstädten durchsetzen werden - für Pendler mit einer täglichen Reichweite von allerhöchstens 150 Kilometer. Wer bis zu 1.000 Kilometer am Stück fahren will, wird auch mittelfristig einen Diesel oder Benziner brauchen.

Wie viele Teile wird sich dieser 7er mit dem zukünftigen 5er teilen?
Frank: Der neue BMW 7er ist das erste Modell, bei dem wir eine "Backbone-Strategie" nutzen. Dabei handelt es sich nicht um ein Plattform-Konzept wie bei anderen Herstellern, denn wir setzen auf authentische, eigenständige Modelle mit eigenen Proportionen und Radstand. Wir entwickeln künftig unsere Modelle so, dass sich wichtige Komponenten wie Motoren, Fahrwerk und Elektronik in mehreren Baureihen verwenden lassen - oder zumindest voneinander ableiten lassen. Damit sparen wir Geld bei der Entwicklung, der Erprobung und im Einkauf.

Was hat Sie die Entwicklung des neuen 7er gekostet?
Frank: In der Branche gilt die Größenordnung von 750 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro für die Entwicklung eines neuen Modells. Für den neuen BMW 7er lässt sich das aber nicht genau abgrenzen, denn ein erheblicher Teil der Investitionen wird auch den anderen großen Baureihen wie 5er, 6er und PAS über die nächsten 10 Jahre mit zu Gute kommen.

Was dürfen wir vom PAS erwarten?
Frank: Das wird ein völlig eigenständiges Konzept, das sich unter anderem teilweise Fahr- und Sicherheitssysteme mit dem BMW 7er prinzipiell teilen wird. Mehr kann ich heute nicht verraten.

Welche Zulieferer haben Sie beim 7er neu ins Boot geholt?
Frank: Beim BMW 7er sind eine dreistellige Zahl an Lieferanten mit eingebunden. Dazu gehören viele in der Branche bekannten Namen. Exemplarisch sind bei der Speed-Limit-Anzeige Continental und bei Night Vision mit Personenerkennung Autoliv zu nennen.

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