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BMW Neuheiten bis 2020

Masterplan von BMW

BMW Z4 Retusche Foto: Christian Schulte 35 Bilder

Noch mehr Nischenmodelle – oder wieder weniger? Wann läuft sich das Design tot? Wie geht es mit den i-Modellen weiter? Der neue BMW-Chef Harald Krüger muss derzeit auf viele Fragen die passenden Antworten finden. Im Oktober 2016 präsentiert er seine Strategie. Wir beleuchten jetzt schon den Modellfahrplan und das Design der nächsten BMW-Stars.

22.11.2015 Jens Katemann

Mit den viel zitierten bestellten Feldern ist das so eine Sache. Da erntet der Neue das, was der Vorgänger gesät hat. Glück für BMW-Chef Harald Krüger: Er fährt eine reiche Ernte ein, muss keine großen Fehler seines Vorgängers ausbaden.

Nach den ersten Fahreindrücken vom neuen 7er scheint BMW mal wieder alles richtig gemacht zu haben. Ex-BMW-Boss Norbert Reithofer hat das Modellprogramm der Münchner während seiner Amtszeit massiv ausgeweitet – mit großem Erfolg. Kleine Kratzer gibt es lediglich beim Thema Qualität. Hier hat es BMW unter Reithofers Führung mit dem Sparen übertrieben – etwa beim BMW 3er. Ich fand die Kundenkritik damals berechtigt und habe – als ich dann die Verantwortung für die Entwicklung bekommen habe – die notwendigen Veränderungen angestoßen", sagt der ebenfalls neue Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich über das jüngste Facelift beim 3er. Trotzdem: Die Ära Reithofer wird als eine äußerst erfolgreiche in die BMW-Geschichtsbücher eingehen.

Doch das ist alles Schnee von gestern, jetzt drängen die Zukunftsfragen. Im Herbst 2016 wird der neue Konzernlenker deshalb seine Strategie für die kommenden Jahre präsentieren. Neben langfristigen Themen stehen noch in diesem Jahr konkrete Produktentscheidungen an. Zwei weitere Nischenmodelle könnten das BMW Angebot abrunden. Da wäre zum einen das 2er Gran Coupé. Durch den großen Erfolg des Mercedes CLA inspiriert tüfteln die BMW-Produktplaner an einem viertürigen Einstiegsmodell unterhalb des 3er, das vor allem junge Kunden ansprechen soll. Das mäßige Raumangebot des CLA scheint nicht zu stören, deshalb soll auch der voraussichtlich heckgetriebene BMW eher sportlich-dynamisch daherkommen und weniger mit Platz verwöhnen. Er wird auf der nächsten Generation des 2er basieren, die ab 2019 auf den Markt kommt. Da BMW in den höheren Klassen mit viertürigen, coupéhaft geschnittenen Limousinen sehr gute Erfahrungen gemacht hat, sind die Chancen gut, dass er gebaut wird.

Und was macht BMW in Sachen Mini-SUV? Tatsache ist: Dieses Segment geht gerade weltweit bei den Verkaufszahlen durch die Decke. Klar, mit dem Mini Countryman ist der Konzern bereits in diesem Segment vertreten, doch in der nächsten Generation wird er spürbar größer. Die Antwort heißt Urban Cross, misst gut vier Meter und soll nur rund 1.300 kg wiegen. Der kleine Crossover basiert auf der Frontantriebsplattform und könnte mit Basis-Dreizylinder-Benziner bereits ab rund 25.000 Euro angeboten werden. Anders als im Fall des Mercedes CLA will BMW das Feld nicht so lange einem Gegner überlassen. Schon 2017, rund ein Jahr nach dem Audi Q1 (Länge: 4,15 Meter), könnte der kleine BMW beim Händler stehen. Jetzt sind Sie dran, Herr Krüger!

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Neuheiten Masterplan von BMW
auto motor und sport 21/2015
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Kein Supersportler zum Jubiläum

Einige Entscheidungen sind schon getroffen: Zum 100-jährigen Jubiläum kommt kein Supersportwagen. "Einen Supersportler, ganz traditionell mit schwerem V8- oder V10-Motor, wird es von BMW nicht geben", stellt Entwicklungschef Klaus Fröhlich gegenüber auto motor und sport klar. Das heißt jedoch nicht, dass sich die Marke grundsätzlich diesem Thema verwehrt. Entwicklungsziel ist ein elektrifizierter Supersportwagen, aber der dürfe nicht "schnell technisch überholt sein", heißt es aus Krügers Umfeld. Die BMW-Macher erwarten in den kommenden Jahren große Sprünge bei der Batterietechnologie, die sie lieber abwarten wollen. Fröhlich stört das hohe Gewicht elektrisch angetriebener Sportwagen: "Die Speichertechnologie muss sich erst noch deutlich weiterentwickeln, damit ich nicht mit einem Zweieinhalbtonner unterwegs sein muss."

Auch mit einem größeren Elektroauto mit viel Platz lässt sich BMW deshalb mehr Zeit als die Wettbewerber. Während Audi seinen Elektro- SUV bereits 2018 auf den Markt bringen will, kommt der BMW i5 (vielleicht heißt er auch i6) erst 2020. Es wird auch kein Crossover-Modell, sondern eine geräumige, coupéhaft gezeichnete Limousine im Stil des BMW 3er GT – allerdings in der Designsprache der i-Modelle. Im Lastenheft stehen ein Kofferraumvolumen von 400 Litern und eine elektrische Reichweite von rund 500 km. Einen zusätzlichen Benzinmotor als Range Extender, wie ihn BMW für den i3 optional anbietet, soll es nicht mehr geben. Im Gegenzug steht übrigens der bisher konventionell angetriebene 3er GT mit dem Modellwechsel des 3er (2018) zur Diskussion. Der Absatz entspricht offenbar nicht den Erwartungen.

i3: Facelift mit neuer Batterie

Das Rad dreht sich immer schneller: Mittlerweile steht bei BMW-Modellen schon nach rund drei Jahren Bauzeit ein umfangreicheres Facelift an, nach rund sechs Jahren der Modellwechsel. Ausnahme: BMW i3 und i8. Anders als bei den konventionellen Autos werden die i-Modelle deutlich länger laufen. Erst 2018 bekommt der i3 eine Überarbeitung, die mit einem deutlichen Reichweitensprung einhergeht. BMW plant allerdings, die alte Batterie in einem günstigen Einstiegsmodell weiterhin anzubieten und die reichweitenstärkere teurer zu verkaufen. Für Kunden, die vor der Modellpflege einen i3 gekauft haben, soll es eine optionale Nachrüstlösung geben.

Mit der kurz nach dem i3 anstehenden Modellpflege des i8 plant BMW eine weitere Karosserievariante: den i8 Spyder. Und es soll mehr Reichweite und Leistung geben. Einen Ausblick gibt BMW zum Saisonstart der Formel E, bei der ein Super-i8 als Safety-Car präsentiert wird. Dieser i8 wird über eine neue Akkutechnologie verfügen, die zu mehr Reichweite und Leistung des Elektrischen führt. Gleichzeitig wird der Dreizylinder-Turbo optimiert, sodass bei dem auch fahrwerksseitig deutlich sportlicheren i8 wohl über 400 PS möglich sind.

Neuer Z4 mit Toyota

Ebenfalls in Arbeit ist die Neuauflage des Roadsters Z4. Da die Stückzahlen offener Zweisitzer weltweit rückläufig sind, hat sich BMW einen Kooperationspartner mit ins Boot geholt. Das von BMW entwickelte, lediglich mit Stoffverdeck erhältliche Modell dient Toyota als Basis für einen geschlossenen Sportwagen. Die Japaner bestücken ihr Auto allerdings mit eigenen Motoren.

Beim BMW Z4 kommen die bekannten zum Einsatz, ein M-Modell ist noch nicht beschlossen. Fahrdynamisch soll der Z4 dank der Achsen des aktuellen M3 und einem Gewicht von lediglich rund 1.400 kg wesentlich besser werden als das bisherige Modell. In dem im Herbst 2017 kommenden Roadster werden alle dann aktuellen Connected-Drive-Funktionen erhältlich sein, allerdings nicht das komplette Programm an Assistenzsystemen von BMW.

Bei den Motoren ändert sich bei BMW in den kommenden Jahren nur wenig, da jetzt erst nach und nach die neuen Aggregate des Baukastens auf die Baureihen kommen. Das Grundprinzip: Drei-, Vier- und Sechszylinder- Diesel- und Benzinmotoren mit einem Einzelhubraum von circa 500 Kubikzentimetern. Alle Triebwerke bekommen die Twin-Power-Turbotechnologie, unter anderem mit doppelt variabler Nockenwellensteuerung, einer besonders exakten Einspritzung und neuen, leichteren Turboladern. In manchen Fällen schafft BMW zusammen mit weiteren Maßnahmen Verbrauchsreduzierungen bei klassischen Verbrennungsmotoren um bis zu 15 Prozent. Darüber hinaus experimentieren die Bayern mit Wassereinspritzung die zunächst nur bei M-Modellen zum Einsatz kommen wird.

Neuer 5er ab Ende 2016

Im nächsten Jahr überarbeitet BMW aus der 3er-Familie noch den GT, dazu kommt ein Facelift beim X4, weitere Motorvarianten des Siebener (Zwölfzylinder und Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 40 km) und die Neuauflage des Mini Cabrio. Ende des Jahres debütiert dann die nächste Generation des BMW Fünfer zunächst als Limousine (Verkaufsstart: 2017), Touring und GT folgen ein halbes beziehungsweise ein drei viertel Jahr später. Der 5er übernimmt dabei zahlreiche Technik-Highlights des 7er. Ausnahme: Das besonders leichte Carbon kommt aus Kostengründen nicht zum Einsatz. Die Gewichtsreduzierung um rund 100 kg will man mit hochfesten Stählen und Werkstoffen wie Aluminium und Magnesium erreichen.

Trotzdem wird das Erfolgsmodell der oberen Mittelklasse ein Hightech-Auto mit vielen Fahrerassistenzsystemen, beispielsweise dem ACC-System mit Stop-and-go-Piloten, der bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h präzise arbeitet. Der Geschwindigkeitspilot ist in der Lage, mithilfe der Kamera Tempolimits selbstständig zu erkennen und einzuhalten. Dazu kommt ein Bremsassistent, der stehende Objekte bis Tempo 70 erkennt und rechtzeitig bis zum Stillstand bremst. Natürlich parkt der 5er auch ohne Fahrer im Auto per Schlüsselfernbedienung selbstständig ein und aus. "Und im Interieur werden die Kunden unser neues Qualitätsbewusstsein spüren", verspricht ein mit dem Projekt Vertrauter.

Die Motorenpalette des künftigen 5er reicht bei den Benzinern von 184 PS im 520i über den Dreiliter-Sechszylinder mit 326 PS bis zum 550i mit 450 PS. Bei den Dieseln geht es bereits ab 150 PS los, der stärkste Selbstzünder leistet 313 PS.

Was mit dem 5er allerdings noch nicht ansteht, ist ein größerer Designschritt. "Das wollen wir mit dem 3er machen, weil wir damit am schnellsten im Straßenverkehr eine Sichtbarkeit schaffen und der BMW-Fan sich rasch daran gewöhnen kann", heißt es bei BMW. Außerdem gelte der 3er-Fahrer als progressiver und offener für Neues als etwa die tendenziell konservativeren Fahrer der höherklassigen Modelle.

Designwechsel mit dem 3er

Ab Ende 2017 will Chefdesigner Adrian van Hooydonk mit Designstudien Hinweise auf den neuen BMW Look geben. Nach Informationen von auto motor und sport setzt er dabei auf eine stärkere Präsenz der markentypischen Niere, die bereits beim neuen Z4 dreidimensionaler und größer präsentiert wird. Außerdem ermöglicht neue OLED-Lichttechnologie schmalere und markantere Leuchtgrafiken. Ihren Marktstart feiert die nächste 3er-Generation schließlich 2018 – mit den bekannten Baukastenmotoren, aber sicher einem großen Anteil an Elektrifizierung.

Ende 2018 wagt sich BMW noch auf ein neues Terrain: Mit dem in den USA gebauten X7 will man Mercedes GL-Kunden abjagen. "Wir haben aber auch Range Rover und Cadillac Escalade im Visier", heißt es bei BMW. Das Design des großen SUV orientiert sich zwar am X5, wird aber wuchtiger. Los geht es mit Sechs- bis Zwölfzylindermotoren. Ein Diesel ist nicht vorgesehen, dafür ein Plug-in-Hybrid.

BMW-Chef Harald Krüger hat sich also richtig viel vorgenommen. Er erntet nicht nur, nein, er sät auch selbst. Vieles spricht mal wieder für eine reichhaltige Ernte.

BMW verliert an Zustimmung bei "guter Verarbeitung“

Im Rahmen der auto motor und sport-Wahl "Best Cars" fragen wir Sie, liebe Leser, jedes Jahr nach Ihrer Meinung über das Image von Automarken. BMW liegt bei diesen Befragungen seit Jahren bei vielen Kriterien an der Spitze oder belegt einen der vorderen Plätze. Dank der i-Modelle konnte die Marke ihr Umwelt-Image sogar so weit steigern, dass es über dem bisherigen Spitzenreiter Toyota rangiert. Federn lassen muss die Marke allerdings bei der Bewertung der Verarbeitungsqualität, die von den Fahrern der Marke seit drei Jahren schlechter eingeschätzt wird. Stein des Anstoßes war die Qualitätsanmutung des 3er, die im Zuge der Modellpflege in diesem Sommer allerdings verbessert wurde.

Bloß nicht stehenbleiben – BMW hat das begriffen

Mutig sind sie immer vorangegangen, die BMW Leute. Und haben damit oft genug in der Autoindustrie die Richtung für die Zukunft vorgegeben. Nicht immer hat der erste Schuss gesessen – siehe iDrive. Trotzdem: Mit BMW verbinde ich ein hoch innovatives Unternehmen, dessen Produkte den Premium-Preisaufschlag wert sind. Ausnahme: Die Qualitätsanmutung des aktuellen 3er, aber das hat Chefentwickler Fröhlich erkannt und korrigiert. Der neue BMW-Chef Harald Krüger ist gut beraten, den mutigen Weg seiner Vorgänger fortzusetzen, sich vom Mainstream nicht zu sehr treiben zu lassen, sondern weiterhin eigene Wege zu gehen. Dazu gehört vielleicht auch die unpopuläre Entscheidung, beim Wettrüsten der Supersportler nicht mitzumischen.

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