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BMW-Neuheiten

Neue Freude am Fahren?

BMW i9, Frontansicht Foto: Christian Schulte 20 Bilder

Selten hat eine Marke einen so radikalen Paradigmenwechsel vollzogen wie BMW: Frontantrieb, Dreizylinder, Kompakt-Van, Plug-in-Sportwagen. Wo bleibt der Spaß?

07.08.2014 Jörn Thomas, Birgit Priemer

Es sind große Räder, an denen BMW dreht: i3 und i8 laufen gerade mit einer komplizierten Produktionsmethode an, der 7er muss sich ab 2015 als Technologieträger bewähren, und zum hundertjährigen Firmenbestehen steht 2016 ein neuer Supersportwagen an. Langsam geht die Geheimniskrämerei zu Ende: Das Jubiläumsauto wird eine Art Über-i8, verdient die Modellbezeichnung i10, die aber ein Hyundai trägt, und wird deshalb voraussichtlich die Kennziffer i9 erhalten. Der Plug-in-Hybrid wird von einer Kombination aus E-Motor und Reihensechszylinder angetrieben und die Systemleistung (362 PS) des i8 deutlich übertreffen. Auch der E-Motor selbst wird stärker sein. Der i9 gerät durch den größeren Motor schwerer (1.485 Kilogramm) als der i8. Von null auf 100 km/h dürfte er aber in weniger als vier Sekunden beschleunigen, die ausgewogene Achslastverteilung (E-Motor vorn, Verbrenner auf der Hinterachse) soll für hohe Dynamik sorgen. Nachts erkennt man die Flunder am Laserlicht.

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Die Zukunft von BMW Ist das noch Freude am Fahren?
auto motor und sport 16/2014
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BMW dreht an allen Technik-Rädchen

Technologisch zündet BMW in diesen Tagen ein ganzes Feuerwerk an Innovationen. Die Leichtbau-Modelle i3 und i8, denen Audi und Mercedes derzeit nichts entgegensetzen können, sind im Handel. Es folgt die Markteinführung von Dreizylindermotoren in der Kompaktklasse, die aus dem gleichen Baukasten wie die Vier- und Sechszylinder stammen und jeweils einen Hubraum von 500 cm3 pro Zylinder aufweisen.

Benziner und Diesel haben bis zu 60 Prozent Gleichteile, die bauliche Übereinstimmung beträgt 40 Prozent. Ein weiterer Vorteil: Die Triebwerke sind für Längs- und Quereinbau geeignet. Bei Mercedes erkennt eine Stereokamera bereits Fußgänger, die vors Auto geraten. Das macht BMW künftig auch möglich und nutzt die Kameratechnologie im nächsten 7er auch, um Fahrbahnunebenheiten zu erkennen und das Fahrwerk darauf einzustellen.

Neben vielen Verbesserungen bei Leichtbau und Aerodynamik nimmt auch das Thema Vorausschau beim Fahren für BMW einen immer größeren Stellenwert ein. Dazu zählen Grüne-Welle- und Verzögerungsassistenten genauso wie Umgebungserfassung und Umfeldmodellierung. BMW will perspektivisch zu einer 360-Grad-Umgebungsmodellierung kommen und darauf sämtliche Assistenzsysteme abstimmen, was Unfälle vermeiden soll. Nach i3 und X5 bekommt 2015 auch der 7er die Funktion des vollautomatischen Einparkens. Der Fahrer kann während dem Vorgang von außen zuschauen und das Manöver im Notfall per Knopfdruck auf das Zugangsberechtigungssystem unterbrechen.

Der Vorausschau-Assistent erlaubt es künftig, die Schaltstrategie der Neungangautomatik automatisch auf Topografie und Verkehrszeichen abzustimmen.

BMW-Design entwickelt sich nur in kleinen Schritten weiter

Technisch geht BMW mutig seinen Weg, stilistisch sieht es – von i3 und i8 abgesehen – anders aus. Unter dem Konzern-Designchef Adrian van Hooydonk herrscht zurzeit die Strategie der gemäßigten Weiterentwicklung. Die Verbesserung der Aerodynamik spielt dabei eine große Rolle, denn hier hat Mercedes die Konkurrenz hinter sich gelassen und sich einen echten Vorsprung erarbeitet. Ansonsten sind mit dem nächsten 7er keine ganz großen Veränderungen zu erwarten. Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick:

Front: Auch beim 7er rücken die Scheinwerfer komplett an den Grill heran, die Luft wird kontrolliert durch Frontschürze und über die Räder nach hinten geleitet. Die Nieren werden größer.

Heck: OLED-Rückleuchten, die für harmonische Durchleuchtung und markantes Nachtdesign sorgen. Schmale Abrisskante für optimale Aerodynamik.

Cockpit: großzügige Holzflächen, eingefräste Lichtlamellen und ein neues Bedienkonzept mit Sprachsteuerung im Mittelpunkt. Dazu kommt ein Head-up-Display, das in einer zweiten Stufe den Schritt zu Augmented Reality vollzieht und Informationen direkt auf die Objekte im Blickfeld des Fahrers projizieren kann.

Fond: Zwei von Carbon eingefasste Infotainment-Displays, die sogar in Verbindung mit den vorderen Anzeigedisplays stehen können – man könnte sich also hinten die Geschwindigkeit anzeigen lassen. Die Tablets sind herausnehmbar.

BMW rollt in den nächsten Jahren viele neue Nischenmodelle aus

Das Tempo, mit dem die Autohersteller neue Nischenmodelle auf den Markt drücken, ist atemberaubend. Im Vergleich zu Audi und Mercedes war BMW oft schneller und innovativer. Speziell bei den SUV holt die Konkurrenz jetzt stark auf, aber BMW bleibt selbst am Drücker: In den USA wird ab 2017 auch ein großer SUV namens X7 gefertigt, in Kooperation mit Toyota entsteht ein Brennstoffzellen-Auto, und die i-Baureihe wird um den Van-artigen i5 ergänzt. Strategisch wichtig ist die Rolle der Frontantriebsfamilie inklusive Mini: Auf sie sollen künftig etwa 50 Prozent des Absatzes entfallen. Dazu passt, dass auch der nächste X1 auf Front- bzw. Allradantrieb umgestellt wird. Dem fünfsitzigen 2er Active Tourer folgt schon nächstes Jahr die siebensitzige Variante, und der X2 schließt die Lücke zwischen X1 und X3, der weiter die Heckantriebs-Plattform nutzt.

Parallel dazu gibt es immer wieder Überlegungen, unter dem Einser noch ein kleines Stadtauto zu platzieren. Fast alle Hersteller haben entsprechende Pläne in der Schublade, weil sie sich längst nicht sicher sind, ob sie mit den übrigen Modellen bis 2021 einen CO2-Ausstoß von maximal 95 g/km realisieren können. Das nächste Jahr steht bei BMW im Zeichen des neuen 7er, den es als Plug-in-Hybriden analog zur S-Klasse mit hier 30 Kilometer rein elektrischer Reichweite geben wird. Auch beim 7er schmilzt das Gewicht durch Leichtbaustoffe bis hin zu Carbon-Recycling-Material um rund 100 Kilo. Der vorausschauende Antrieb kennt über das Navigationssystem den Streckenverlauf und stimmt die Schaltstrategie darauf ab. Dadurch lassen sich sogar Bremseingriffe vermeiden. Der 3er bekommt im nächsten Jahr ein Facelift und neue Assistenzsysteme.

Touchscreens und Sprachbedienung werden den iDrive verdrängen

Auch wenn das Erlkönig-Bild des neuen 7er noch ein typisches BMW-Cockpit zeigt: Die Tage des iDrive sind gezählt. Ein Dreh-Drück-Regler kann zwar blind ertastet werden und zieht damit kaum Aufmerksamkeit vom Verkehrsgeschehen ab. Der Erfolg von Smartphones und Tablet-PCs weckt jedoch auch im Auto Wünsche nach entsprechenden Touchscreens. Der iDrive-Abschied wird jedoch nicht auf einen Rutsch, sondern nach und nach erfolgen. Losgehen dürfte es mit einem zentralen Display, auf dem die Apps des gekoppelten Handys laufen. Hierfür hat BMW kürzlich eine Kooperation mit dem IT-Unternehmen Acando geschlossen, das bei der Integration von Apple- und Android-Geräten helfen soll. Da aus Sicherheitsgründen nicht alle Apps während der Fahrt freigeschaltet werden, bekommt der Beifahrer ein Extra-Display mit zusätzlichen Funktionen.

Eine wesentliche Rolle bei der Bedienstrategie von morgen sieht BMW auch in einer deutlich erweiterten Sprachsteuerung, die Medieninhalte und Fahrzeugfunktionen viel tiefer integriert als bisher. Da die Befehle auf einem externen Server dechiffriert werden, steigt die Erkennungsrate deutlich an. Wer per Sprache steuert, lässt den Blick auf der Straße – da ist es umso praktischer, dass die Head-up-Displays von morgen Gefahren wie Fußgänger oder Radfahrer hervorheben oder Zusatzinformationen über Gebäude projizieren. Selbst die Dauer der Rotphase lässt sich auf diese Weise neben der Ampel einblenden.

Pro - Freude am Fahren wird es auch künftig geben

Wer BMW unter die Lupe nimmt, bekommt ein differenziertes Bild: Optisch könnte sich die Marke mehr trauen – zumindest bei den konventionellen Baureihen. Der i8 hingegen wagt wie kein zweites Modell einen mutigen Schritt in Richtung Zukunft. Die Menschen sind fasziniert von diesem Auto. Freude am Fahren – und am Schauen – bleibt da nicht auf der Strecke. Es ist auch faszinierend zu beobachten, mit welcher Konsequenz BMW-Chef Norbert Reithofer die Marke mit E-Modellen, neuen Mobilitätskonzepten, Hybridantrieb und konsequentem Leichtbau fit für die Zukunft macht. Da entstehen nämlich einige ganz neue Aspekte von der Freude am Fahren .

Kontra - Vergesst bei all dem Neuland bitte nicht eure Wurzeln

BMW stand stets für den Vorwärtsdrang seiner Ingenieure – denken wir nur an die zig Evolutionsstufen des famosen Dreilitersaugers. Heute kommen sie mit revolutionären E-Modellen in Serie, die wie Studien aussehen. So weit alles cool. Doch diese Zukunft kostet Geld. Geld, das man teils frivol mit den konventionellen Modellen, der Basis, einspielt. Einfache Kunststoffe und unattraktive Motorräume beim 3er, ein fahrdynamisch enttäuschender Roadster Z4 oder ein Kompakt-Van mit Vorderradantrieb, der mit einer Portion Extras rund 50.000 Euro kostet. Da vergeht selbst Wohlmeinenden die Freude am Fahren. Und um Letztere geht es doch bei BMW, oder?

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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