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BMW Roadster mit Sonderkarosserie Restaurierung

Aufbau-Leistung

BMW Roadster mit Sonderkarosserie, Garage, Werkstatt Foto: FACT 20 Bilder

Nach vielen Jahren hat es Toni Schaffler aus Holzkirchen geschafft: Er baute jenes Fahrzeug nach, das sein Vater Ende der 30er Jahre für einen Privatrennfahrer auf Basis eines BMW-Fahrgestells anfertigte.

06.06.2013 Bernd Woytal Powered by

Den originalen BMW Roadster hat Toni Schaffler nie gesehen. Als sein Vater Ende der dreißiger Jahre in seiner Autospenglerei in München für einen Privatrennfahrer eine stromlinienförmige Sonderkarosserie für ein BMW-Fahrgestell hämmerte, war er noch gar nicht geboren.

Drei Bilder im Fotoalbum wecken das Interesse

Aber als er viele Jahre später zufällig in der Fotosammlung des Vaters auf drei Bilder dieses Kunstwerks stieß, war er begeistert. "Die ausgewogenen Linien der Karosserie haben mich bereits als Gymnasiast so beeindruckt, dass ich eine Zeichnung des Fahrzeugs anfertigte", erklärt der Mann aus Bayrischzell, auf dessen Visitenkarte und Firmenbriefkopf die damalige Skizze des BMW Roadster zu sehen ist.

Toni Schaffler hat sich - vielleicht auch nicht ganz ohne Einfluss des BMW Roadsters - ebenfalls für den Beruf des Karosseriebauers entschieden. 1967 legte er die Meisterprüfung ab und übt seitdem mit viel Engagement seinen Traumjob aus. Nebenbei setzte er sein Talent zur Schulung des beruflichen Nachwuchses ein, wie der 1998 verliehene Erasmus-Grasser-Preis für Verdienste um die berufliche Ausbildung belegt. Zudem entdeckte er seine Liebe zu den historischen Autos, und so existieren heute etliche von seiner Hand restaurierte Oldtimer.

Über all die Jahre hindurch blieb die Erinnerung an den vom Vater gebauten BMW Roadster präsent: "Es war für mich immer eine Art Wunschauto." Klar, dass er schon vor langer Zeit seinen Vater auf diesen Wagen angesprochen hat, und der glaubte sich zu erinnern, dass die Basis ein BMW-Fahrgestell mit einem Motor von einer anderen Marke gewesen wäre.

Allerdings war es Toni Schaffler nicht bewusst, dass er 1977 mit dem Kauf eines BMW 315/1-Rahmens den Grundstein für den Nachbau des vom Vater geschaffenen Rennwagens legte. Den Rahmen hatte er zufällig von Gottfried Liechti erwerben können, der bereits 1962 eine BMW Oldtimer IG in der Schweiz ins Leben gerufen hatte.

Rahmen vom BMW 315/1 wird auf Dachgepäckträger transportiert

"Den Rahmen habe ich auf dem Dachgepäckträger eines Audi 100 nach Deutschland geholt", erzählt Schaffler. Eigentlich wollte er darauf wieder die Karosserie eines 315 setzen, die er im Gegenzug für eine Restaurierung bekommen hatte. Doch nicht zuletzt auf Drängen etlicher Freunde, die ebenfalls vom BMW Roadster des Vaters gehört hatten, besann Toni sich anders. "Und nachdem ich dann die Karosserie verkauft hatte, war ich ja in Zugzwang", lacht er.

Etwa Ende der 80er Jahre nahm er sich zwischendurch immer wieder Zeit, sich mit dem neuen Projekt zu befassen. Zunächst fertigte er eine maßstabsgetreue Zeichnung des BMW Roadster an und baute anschließend ein Modell des Fahrzeugs im Maßstab 1:10 aus gut zu bearbeitendem Balsaholz. Im Rahmen von Feinarbeiten feilte er noch eine ganze Weile daran herum, bis ihn endlich die Proportionen zufriedenstellten. Eine von vielen Geduldsproben war bestanden.

Entlang der Länge dieses Modells legte Schaffler nun eine Reihe von Punkten fest, an denen er Vertikal-Schnitte durchführte. Die Schnittlinien übertrug er dann im Maßstab eins zu eins auf eine Holztafel und sägte entsprechend dieser Vorlage Sperrholzplatten zurecht. Zum Schluss hatte er für alle Punkten, an denen er Vertikalschnitte durchgeführt hatte, ein hölzernes Querschnittsbild der Karosserie in der Originalgröße. Diese Querspanten konnte er nun auf das Fahrgestell des entstehenden BMW Roadsters setzen.

Den in der Schweiz gekauften Rahmen für den BMW Roadster hatte er längst entrostet und lackiert. Nach und nach fanden sich die ganzen fehlenden Teile ein. Manches musste der emsige Handwerker gezielt suchen, anderes ergab sich zufällig.

Lange Teile-Suche und hilfreiche Kontakte

"So konnte ich beispielsweise die Hinterachse von Alexander Freiherr von Falkenhausen bekommen, dessen BMW 319/1 ich repariert habe", erzählt Schafffler.
Als Antriebsquelle konnte er sich einen BMW-Zwei-Liter-Motor sichern, den er von der Firma Brummer in Valley Oberlaindern in Oberbayern überholen ließ. Wegen der niedrigen Karosserie konnten allerdings nicht die beim BMW 328 üblichen Fallstromvergaser verwendet werden. Stattdessen erhielt die Maschine für den EInsatz im BMW Roadster drei SU-Flachstromvergaser.

Nachdem das Chassis fertig montiert war, setzte Schaffler an den entsprechenden Stellen die Querspanten auf. Der Rahmen selbst musste zur Aufnahme der Karosserie des BMW Roadsters abgewandelt werden. Er wurde zwischen den Achsen durch angeschweißte Träger verbreitert, an denen die A- beziehungsweise B-Säule angesetzt wurden, sowie längs angeordnete Profilbleche, die sozusagen den Innenschweller bildeten.

Dann machte sich Schaffler ans Herstellen der Alu-Haut, wozu er auch Hilfsmittel wie Kraftformer oder Glättwalze nutzte. Das Treiben des Alu-Blechs von Hand ist eine anstrengende und langwierige Aufgabe, stets muss die Passform anhand der Querspanten kontrolliert werden.

Stück für Stück entsteht das BMW Roadster-Unikat

Natürlich entstand die Karosse für den BMW Roadster nicht in einem Stück. So setzt sich die Front aus vier Teilen plus den Scheinwerfertöpfen zusammen, und die große, besonders anspruchsvolle Heckpartie aus drei. Die einzelnen Komponenten wurden nach der Fertigstellung miteinander verschweißt. Die Türen und die Motorhaube entstanden separat und haben einen eigenen Rahmen.

Dank Schafflers Routine liefen diese Arbeiten ohne Probleme: "Das Schwierigste war das Anpassen der mechanischen Komponenten an die bestehende Karosserie." Damit meint er Dinge wie etwa die Pedalerie, die Handbremse, aber auch den Kühler für den BMW Roadster, den er samt dem im Motorraum untergebrachten Ausgleichsbehälter selbst anfertigte.

Rund 3.000 Arbeitsstunden

Die ganze Restaurierung zog sich über viele Jahre hin, und am Schluss schätzte Schaffler den Gesamtaufwand auf etwa 3.000 Stunden. Doch die haben sich angesichts der atemberaubenden Karosserie des BMW Roadsters gelohnt.

Die erste Probefahrt über 800 Kilometer bei der Bavaria Historic hat der BMW Roadster  schon klaglos überstanden. Das Publikum war begeistert. Jetzt beschäftigen Schaffler noch zwei Fragen: "Was ist mit dem Originalauto geschehen, und wie steht es wohl um den cW-Wert meines Autos?" Weiß jemand Antwort?

Restaurierung BMW Roadster

  • Kaufort/Jahr: 1977 in der Nähe von Zürich (nur Rahmen)
  • Kaufzustand: Am Anfang gab es nur einen alten Rahmen von einem BMW 315/1 ohne Achsen und Motor beziehungsweise Antriebsstrang
  • Vorgeschichte: Um 1939/ 1940 baute der Vater von Toni Schaffler für einen Privat- Rennfahrer eine Stromlinienkarosserie auf dem Chassis eines BMW nach eigenen Ideen. Von diesem Fahrzeug, dessen genaue Motorisierung nicht bekannt ist, existieren nur noch drei Fotos.
  • Restaurierungsumfang: Zusammentragen aller fehlenden Teile wie Achsen, Räder. Motor, Getriebe, Kardanwellen etc. um zunächst den Rahmen zu komplettieren. Anfertigung einer Zeichnung anhand der alten Fotos, und Bau eines Modelles aus Balsaholz im Maßstab 1: 10. Übertrag verschiedener Schnittlinien in den Maßstab eins zu eins und Herstellung von Querspanten aus Sperrholz. Chassis mit zusätzlichen seitlichen Trägern und Bodenplatte zwecks Aufnahme der Karosserie versehen, Herstellung der Alu-Karosserie, Lackierung, Endmontage, Anfertigung von Kühler und Ausgleichsbehälter
  • Restaurierungsdauer: Zirka 1988 bis 2012
  • Fachkundige Unterstützung und Ersatzteillieferanten: Fa. Brummer (Motor), 83626 Valley- Oberlaindern, www.brummer-v8.de, Lutter & Schaffler (Lackierung), 85221 Dachau, www.lutter-schaffler.de , Sattlerei Eberharter in 83627 Warngau (Sattlerarbeiten), Tel. +49 (0)8024 8643; Moto Classic, 83607 Holzkirchen (Karosserie), Tel. +49 (0)8024 3765
  • Kosten: Nicht ermittelt
  • Wert: Gutachten steht noch aus

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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