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BMW-Vertriebschef Robertson

"Rolls Royce-Absatz verdoppeln"

Foto: BMW

Die britische BMW-Tochter und Luxusmarke Rolls Royce will ihren Absatz durch die Neueinführung des "Baby-Rolls" von rund 1.000 auf 2.000 Stück erhöhen. Das kündigte BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson im Gespräch mit auto motor und sport an.

17.05.2008 Harald Hamprecht

Herr Robertson, Sie haben als Vertriebsvorstand von Stefan Krause eine große Aufgabe übernommen. Bis 2012 soll ihr jährlicher Konzern-Absatz von zuletzt 1,5 auf 1,8 Millionen Fahrzeuge jährlich steigen. Ist das eine realistische Prognose?
Robertson: Das ist unser Ziel - und wir sind auf diesem Weg voll im Plan. Wir konzentrieren uns aber nicht nur auf das Volumen. Unsere Rendite wird bis 2012 auf acht bis zehn Prozent wachsen. Und das wird nicht zu Lasten unserer Marken gehen. Das Gegenteil kann ich Ihnen versichern.

Welche Ziele haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?
Robertson: Im ersten Quartal erfreuten wir uns bereits eines sehr starken Geschäfts. Und auch fürs zweite Quartal bin ich zuversichtlich. Wir werden weiter Leistung bringen und wachsen - und zwar global. Wie hoch unser Absatzwachstum 2008 ausfällt, wäre verfrüht zu sagen.

In welchen Märkten werden Sie am stärksten zulegen?
Robertson: In China haben wir schon 2007 fast 52.000 Fahrzeuge verkauft, was einem Plus von 42 Prozent entspricht, und im ersten Quartal 2008 konnten wir gar ein Absatzplus von über 43 Prozent verbuchen. Auch im Gesamtjahr erwarte ich ein Plus im zweistelligen Prozentbereich. Ob es nun im Zehner, Zwanziger oder vielleicht gar Vierziger Bereich ist, vermag ich heute noch nicht zu sagen. China ist jedenfalls jetzt schon der achtgrößte Markt der Welt für unseren Konzern, für die Marke BMW gar der sechstgrößte und für Rolls-Royce der drittgrößte. Und das wird sich sicher noch weiter verbessern.

Wann erreichen Sie in China das Audi-Level von rund 100.000 Fahrzeugen pro Jahr?
Robertson: Unser Wettbewerber aus Ingolstadt hat eine sehr lange Historie hier in China und profitiert auch enorm von Verkäufen an die Regierung. Wir sind die zweitgrößte Premiummarke in China und haben seit Jahren starke Zuwachsraten. Ich bin deswegen zuversichtlich, dass wir unsere Position halten können. Zumal wir mittelfristig die Fertigungskapazität unseres Werks in Shenyang von 30.000 auf 41.000 Einheiten für den Dreier und Fünfer erhöhen.

Ihr chinesischer Joint-Venture-Partner Brilliance hat angekündigt, ihre gemeinsame Fertigungskapazität bis 2012 auf 100.000 Autos fast zu verdreifachen. Zudem verhandeln Sie angeblich über den Bau eines zweiten Werks in China. Was ist da dran?
Robertson: Vieles davon ist Spekulation. Entscheidungen gibt es bis dato nicht. Richtig ist: wir wollen in China weiter kräftig wachsen. Zurzeit haben wir mit unserem Joint Venture Partner Brilliance eine Vereinbarung über eine jährliche Produktionskapazität von 41.000 Einheiten. Durch Sondermaßnahmen wie etwa Schichtbelegungen können wir diese sogar noch etwas aufstocken. Damit sind wir aus Produktionssicht handlungsfähig für die nächsten Jahre.

Wie steht es um Ihre geografische Expansion?
Robertson: Weltweit sind wir in 150 Ländern vertreten - und damit quasi in jedem relevanten Markt. Europa ist immer noch unser Hauptmarkt und wird es vorerst auch bleiben. Denn wir verbuchen hier einen Absatzanteil von rund 60 Prozent - gefolgt von Nordamerika mit 24 Prozent und Asien mit elf Prozent. In unseren drei größten Märkten - den USA, UK und Deutschland - erwarten wir 2008 höchstens geringes Wachstum, wenn überhaupt. Allerdings spüren wir gerade Aufwind in anderen wichtigen, westeuropäischen Märkten, wie Spanien und Italien. In Asien sowie in Ost- und Zentraleuropa erwarten wir zweistellige Wachstumsraten, aber natürlich auf kleiner Basis.

In Ihrem größten Einzelmarkt, den USA, haben Sie 2007 einen Absatz von 336.000 Einheiten verbucht. Wann durchbrechen Sie die Marke von 400.000 Pkw?
Robertson: Langfristig sehe ich dieses Potenzial. Dieses Jahr wird der Markt jedoch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Brauchen Sie eine vierte Marke neben BMW, Mini und Rolls-Royce?
Robertson: In der Zukunft schließen wir das nicht aus. Und dafür gibt es einige Optionen, wie den Kauf einer bestehenden Marke oder den Ausbau einer internen Submarke. Relevant wird diese Entscheidung unter anderem im Zusammenhang mit unserem
"Project i". Dieses Projektteam beschäftigt sich mit Fragen der Mobilität in der Zukunft und erarbeitet im Rahmen der Strategie völlig neue Fahrzeugkonzepte. Dabei haben wir die Ballungsräume bzw. Mega Cities dieser Welt im Visier. Zunächst geht es darum zu verstehen, wie Mobilität und Kundenbedürfnisse in der Zukunft aussehen werden. Im nächsten Schritt geht es dann um neue Fahrzeugkonzepte. Das Projekt hat die Freiheit, auch außerhalb der BMW Strukturen zu agieren, wenn dies hilfreich ist. Wir wollen bereits in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts konkrete Lösungen anbieten. Das Team hat schon einige spannende erste Ideen präsentiert. Ich bin sicher, wir werden uns hier einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen wie heute schon beim Thema Efficient Dynamics.

Wie viele Fahrzeuge werden Sie mit diesen Maßnahmenpaket zur Verbrauchsreduktion verkaufen?
Robertson: Dieses Jahr werden wir rund 830.000 BMW und Mini damit ausrüsten - nach 450.000 im Vorjahr. Während andere Wettbewerber ausschließlich auf Hybrid-Ankündigungen gesetzt haben, bringen wir zusätzlich zum Efficient Dynamics-Paket einen Hybrid-Antrieb - 2009 beispielsweise im BMW X6.

Und wie sieht es mit Umweltfreundlichkeit bei der Marke Rolls-Royce aus, die Sie bisher verantwortet haben?
Robertson: Rolls-Royce wollen wir nicht vom Anspruch der Umweltfreundlichkeit ausschließen. Wenn wir Ende kommenden Jahres den neuen Rolls-Royce bringen...

... den Baby-Rolls oberhalb des BMW Siebeners...
Robertson: Baby ist ein relativer Begriff. Jedenfalls wird dieses neue Einstiegsmodell mit einem komplett neuen Motor mit Efficient Dynamics-Bausteinen aufwarten. Und schon heute sind wir die Weltmeister hinsichtlich CO2-Emission im Super-Luxus-Segment. Das ist ein essentieller Erfolgsfaktor. Rolls-Royce Kunden wollen schlicht das Beste des Besten - in jeder Hinsicht. Schon heute hat die britische Marke den größten Aluminium-Space-Frame der gesamten Branche - und übrigens die einzige Leichtbau-Karosse dieser Art im BMW-Konzern. Rolls-Royce ist zudem das Center Of Competence für Holz, Leder und die Manufaktur-Expertise.

Vergangenes Jahr haben Sie 1.000 Rolls-Royce verkauft. Ist damit ein Deckel erreicht?
Robertson: Keineswegs. In den kommenden Jahren werden wir unseren Rolls-Royce Absatz verdoppeln. Schon dieses Jahr haben wir im ersten Quartal ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahr verbuchen können. Dieses dicke Plus werden wir sicher nicht für das Gesamtjahr halten können. Trotzdem rechne ich mit einem sehr starken Jahr für Rolls-Royce. Und mit der Ausweitung unseres Portfolios werden wir uns Zugang zu einem komplett neuen, größeren Segment verschaffen. Der Phantom-Eigentümer verfügt über ein jährlich verfügbares Einkommen von rund 25 bis 30 Millionen Euro im Jahr; weltweit gibt es rund 90.000 solch wohlhabende Menschen. Unser neues Einstiegsmodell peilt ein Segment von rund fünf Millionen potenziellen Kunden an, die über rund fünf Millionen Euro pro Jahr verfügen. Der Markt ist also ungleich größer.

Von der Kleinwagenmarke Mini will Ihr Vorstandschef Norbert Reithofer jährlich 300.000 Einheiten verkaufen. Wann werden Sie soweit sein?
Robertson: Dieses Jahr liegt die maximale Kapazität in Oxford bei 240.000 Mini. Wir schauen uns aber bekanntlich einige Derivate an und wollen weiter wachsen. So etwa mit dem neuen Mini Crossover Modell, das wir bis 2012 auf den Markt bringen und bei Magna Steyr bauen werden. Zudem ist Mini mehr als ein kleines Fahrzeug. Erst in den vergangenen fünf Jahren eine wirklich starke Marke geworden, die auch noch viel Erlöspotenzial außerhalb des klassischen Fahrzeugvertriebs hat.

Wie steht es um die Kooperation mit Mercedes?
Robertson: Wir führen gerade Gespräche mit potenziellen Partnern, unter anderem mit Mercedes über mannigfaltige Themen. Denn es gibt viele Dinge, die wir teilen können, ohne dass die Marken dadurch verwässert würden. Zudem gibt es viele Chancen beim Thema Zukunftstechnologien. Wir haben jedoch vereinbart, erst dann darüber zu sprechen, wenn konkrete Ergebnisse vorliegen. Wir haben stets sehr erfolgreich mit Kooperationen agiert. Bestes Beispiel ist PSA; mit dem französischen Konzern haben wir eine erfolgreiche Motorenkooperation bei der zweiten Generation unserer Erfolgsmarke Mini.

Was gibt es neues beim Thema "Verkauf von Motoren"?
Robertson: BMW hat schon immer Motoren an Kleinserienhersteller verkauft, wie zum Beispiel an Wiesmann oder Morgan. Wir erhoffen uns mit Motoren ein größeres Geschäft, gerade in Hinblick auf die strengen Umweltauflagen, die kleine Hersteller nur schwer alleine erfüllen können. Wir haben in der Vergangenheit aber auch schon Aggregate an Großserienhersteller wie Opel verkauft.

Auch mit Aston Martin?
Robertson: Ich kenne Aston Martin-Chef Ulrich Bez sehr gut - und wir haben uns zuletzt auf der Auto China 2008 unterhalten. Aston Martin ist eine großartige Marke - und das Unternehmen hat in der neuen Eigentümerstruktur sicher einige neue Herausforderungen zu meistern, sowohl beim Thema Motoren als auch bei anderen Komponenten, die sie bisher vom Mutterkonzern Ford bezogen haben.

Kommt auch der Kauf der ganzen Marke für Sie in Betracht?
Robertson: Ich glaube nicht, dass dies sinnvoll wäre. Wir sind mit unseren drei Premiummarken sehr gut aufgestellt.

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