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BMW-Vertriebschef Ian Robertson

"Wir bleiben 2009 die Nummer Eins"

Foto: BMW 75 Bilder

BMW-Marketing- und Vertriebsvorstand Ian Robertson spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über die Zukunftspläne für Mini, die Closed-Room-Veranstaltungen bei Rolls-Royce und die jüngsten Entwicklungen bei der Kernmarke BMW.

03.06.2009 Harald Hamprecht

Herr Robertson, Mini beginnt gerade mit den Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag. Was haben Sie für diese Marke noch vor?
Robertson: Wir werden die Erfolgsgeschichte von Mini fortschreiben. In der ersten Phase nach der Übernahme der Marke von Rover haben wir Mini behutsam zur Premiummarke weiterentwickelt und für neue Kundengruppen geöffnet. Dabei sind wir respektvoll mit dem Marken-Erbe umgegangen. Mini ist weiterhin klassenlos, chic und sehr emotional geblieben. 2001 kam das neue Modell auf den Markt. In der zweiten Phase von 2004 bis 2008 stand vor allem die Ausweitung der Modellfamilie um das Cabrio und den Clubman auf dem Programm. Jetzt sind wir in der dritten Phase mit der Einführung des Crossovers - dem ersten Mini der neuen Generation mit vier Türen, mehr als vier Meter Länge und Vierradantrieb.

Wann genau kommt das vierte Modell auf den Markt und welche Pläne haben Sie dafür?
Robertson: Der Marktstart ist für das zweite Halbjahr 2010 geplant. Eine Absatzprognose möchte ich heute aber noch nicht abgeben.

Dann vielleicht eine grobe Größenordnung: Wird dieses vierte Modell ein Viertel des Absatzes bestreiten?
Robertson: In den vergangenen Monaten stand eine Studie des neuen Crossover auf den internationalen Automobilmessen. Die Publikums- und Medienreaktionen auf die Studie waren durch die Bank positiv. Wir sind deshalb überzeugt, dass das Fahrzeug ein großer Erfolg wird. Mit dem vierten Mini Modell werden wir nicht nur bestehenden Kunden eine Weiterentwicklung bieten, sondern auch komplett neue Kundengruppen für die Marke ansprechen. Und das in dem immer noch wachsenden Segment der kompakten Allradler, in dem wir dann sicherlich eine Sonderstellung einnehmen werden.

Kürzlich haben Sie aber die Produktion in ihrem Werk Oxford leicht herunter gefahren und sogar 650 Zeitarbeiter entlassen?
Robertson: Auch Mini kann sich den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht ganz entziehen. Daher haben wir die Produktion etwas gedrosselt und 650 Zeitarbeitsverträge nicht verlängert.

Welchen Absatz erwarten Sie dieses Jahr bei Mini?

Robertson: Von Januar bis April haben wir weltweit fast 80.000 Mini abgesetzt, das sind etwa 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Wie es im Gesamtjahr aussehen wird, möchte ich heute noch nicht prognostizieren.

Dürfen wir dann 2011, im ersten vollen Produktionsjahr des Crossovers, den angepeilten Jahresabsatz von 300.000 Einheiten erwarten?
Robertson: Das lässt sich in Zeiten wie diesen kaum verlässlich voraussagen. Aber werfen wir einen Blick auf unseren größten Absatzmarkt für Mini, die USA: Die jüngsten Weichenstellungen der neuen US-Regierung zum Thema Spritverbrauch und Emissionen bestätigen unsere Einschätzung, dass Klein- und Kompaktwagen mit hocheffizienten Motoren wie im Mini in den USA in Zukunft noch bessere Absatzchancen haben. Schon im vergangenen Jahr konnten wir dort 54.000 Minis verkaufen - und damit fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Die US-Amerikaner lieben den Mini, weil er individuell ist und sich wie ein schnelles Go-Kart fährt. Diese Gene wird natürlich auch das neue Crossover Modell haben. In Los Angeles hat übrigens ein einziger Verkäufer im letzten Jahr stolze 427 Minis verkauft. Ich glaube, wir werden auch mit dem Crossover goldrichtig für die USA liegen.

Kommen wir von Mini zum anderen Ende Ihres Modellportfolios. Was gibt es da neues?
Robertson: Bei Rolls-Royce geht es weiter voran. 2010 bringen wir unsere zweite Modellreihe unter dem Namen Ghost auf den Markt. Dank dieser Erweiterung werden wir mittelfristig unseren Rolls-Royce Gesamtabsatz auf mehr als 2.000 Einheiten im Jahr verdoppeln. Die Resonanz auf das neue Modell ist hervorragend. In Closed Room-Events mit dem Experimental Car 200EX im Mittelpunkt wollen wir schon vor dem Marktstart 10.000 potenziellen Kunden in New York, Singapur, Miami, LA, London und Cannes das Fahrzeug exklusiv vorstellen. 85 Prozent davon sind Menschen, die bisher noch keinen Rolls-Royce fahren. Aber wir betreten hier ja auch ein komplett neues Segment.

Und die Zahl der Mitarbeiter haben Sie schon aufgestockt?

Robertson: Insgesamt wollen wir unsere Mitarbeiterzahl in der Rolls-Royce-Fertigung um 50 Prozent anheben. Konkret heißt das: Wir werden 150 Jobs für die Produktion unseres Ghost schaffen. Bis Ende 2009 werden wir in weniger als zwei Jahren insgesamt 400 neue Jobs geschaffen haben, darunter übrigens auch zahlreiche für Auszubildende. Die Belegschaft in unserer Rolls-Royce-Manufaktur in Goodwood wächst damit auf 900.

Kommen wir zur BMW Group im Ganzen: Werden Sie dieses Jahr einen Gewinn schreiben können?
Robertson: Für eine Prognose ist es derzeit zu früh. 2009 wird ein Übergangsjahr für die BMW Group.

Wie wird sich der Absatz der BMW Group entwickeln? Werden Sie den Vorjahresrekord von 1,3 Millionen verkauften Einheiten wieder erreichen?
Robertson: Von Januar bis April haben wir wie die gesamte Branche einen Absatzrückgang verzeichnet. Und es ist unwahrscheinlich, dass wir dieses Minus von fast 22 Prozent im Verlauf des Jahres noch ausgleichen können. Aber um es klar zu sagen: Wir werden weiter die Nummer Eins Position im weltweiten Premiumsegment behaupten. Da bin ich mir ganz sicher.

Woher kommt diese Zuversicht? In Westeuropa hat Audi Sie bereits überholt.

Robertson: Heute freut sich vielleicht der eine oder andere Wettbewerber, weil er gerade von Modellzyklen profitiert. Das ist aber nur eine Momentaufnahme in einer Region. Weltweit gesehen liegen wir weiterhin sehr deutlich vorn - und das, obwohl wir gerade zyklusbedingt die älteste Modellpalette auf dem Markt haben. Der BMW 7er ist mit 12.752 Einheiten von Januar bis April der unangefochtene Segmentführer, BMW X5 und X6 verkaufen sich mit insgesamt 41.000 Einheiten besser als Mercedes ML und Audi Q7 zusammen. Und in den USA hat BMW dieses Jahr sogar zum ersten Mal seit 15 Jahren Lexus überholt. Bis Ende April konnte BMW hier nicht nur die Top-Position als meistverkaufte Premiumautomobilmarke verteidigen, sondern war im April in den USA auch die meistverkaufte europäische Automobilmarke überhaupt. Und auch für das kommende Jahr bin ich zuversichtlich.

Inwiefern?
Robertson: Unabhängig von der weiteren Entwicklung der Weltmärkte werden wir bei BMW zwischen 2010 und 2012 die Hälfte unseres gesamten Volumens komplett erneuern - und damit im Vergleich zu unseren Premiumwettbewerbern wieder die jüngste Modellpalette im Markt haben. Das wird uns kräftig Rückenwind verleihen.

Hat Ihnen die Abwrackprämie im deutschen Markt geholfen?

Robertson: In den vergangenen Monaten wurden über eine Million Fahrzeuge in Deutschland über die Prämie verkauft. Anders als die Volumenhersteller, die teilweise einige Hunderttausend Fahrzeuge absetzen konnten, profitieren Premiumhersteller wie wir kaum davon. Bis heute haben wir mit dem BMW 1er und dem Mini sowie mit jungen Gebrauchten etwa 16.000 BMW und 3.000 Mini im Zusammenhang mit der Prämie verkauft. Wichtiger als die Abwrackprämie - auch unter ökologischen Gesichtspunkten - ist aus unserer Sicht die Einführung der CO2-basierten Kfz-Steuer in Deutschland. Hier können wir mit unserer hocheffizienten, modernen Efficient Dynamics Motorentechnologie punkten.

Wo stehen Sie inzwischen beim Flottenverbrauch?
Robertson: Mit dieser Technik hat die BMW Group zum Beispiel in Deutschland den durchschnittlichen Verbrauch ihrer Flotte auf 5,9 Liter je 100 Kilometer senken können. Dennoch kommt bei unseren Automobilen die Fahrfreude nicht zu kurz.  

Kommen wir zum chinesischen Markt. Ihr Partner Brilliance hat verkündet, dass Sie Ihre Produktionskapazitäten dort bis Mitte 2010 mit einem zweiten Werk verdoppeln wollen.
Robertson: Wir wollen in China weiter wachsen. Und unsere nun sieben Jahren währende Zusammenarbeit mit Brilliance ist sehr erfolgreich und ausbaufähig. Wir schauen uns deswegen alle Optionen an. Allerdings müssen wir uns in China auch mit der regionalen und nationalen Regierung abstimmen und für alle Pläne den Genehmigungsprozess abwarten. Zurzeit haben wir mit unserem Joint Venture Partner Brilliance eine jährliche Produktionskapazität von 41.000 Einheiten vereinbart. Und auch ohne neue Produktionskapazitäten wollen wir in China weiter wachsen.

Wie?
Robertson: Der neue BMW 7er ist hier gerade erst im Markt gestartet und wird sicher für weiteres Wachstum sorgen. Mit über 10.000 verkauften Einheiten 2008 ist China mittlerweile nach den USA die zweitwichtigste Absatzregion für den 7er. Auch daher haben wir im April auf der Automobilmesse in Shanghai unser Top-Modell, den 760 Li mit Zwölfzylinder-Motor, erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Weiteren Rückenwind versprechen wir uns vom Marktstart neuer BMW M-Modelle wie dem X5 M und dem X6 M. Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass wir auch dieses Jahr unseren Wachstumskurs in China fortsetzen werden und den Absatz weiter steigern können.

Was ist mit Elektroautos? Täuscht der Eindruck - oder fährt Ihnen Mercedes hier gerade davon - erst mit der Beteiligung an Litec, vor wenigen Tagen dann mit jener an Tesla.
Robertson: Ja, der Eindruck täuscht definitiv. Es ist unseres Erachtens noch zu früh, sich auf einen Hersteller von Batteriezellen festzulegen. Wir bevorzugen es, weiter eigene Kompetenz in Sachen Batteriemanagement aufzubauen. Und dann beziehen wir die Batterien vom jeweils besten Lieferanten. Wir bleiben auch beim Thema Elektroantrieb dran - nicht zuletzt im Rahmen unseres Project i.

Was gibt es hier Neues?   
Robertson: Das erste Ergebnis ist unser Mini E, den wir jetzt nach und nach an über 500 Kunden ausliefern. In den kommenden eineinhalb Jahren werden wir damit sehr wertvolle Erfahrungen über den Praxiseinsatz von Elektroantrieben gewinnen.

Wann dürfen wir mit einem ersten BMW mit Elektroantrieb rechnen?
Robertson: Wir werden bis 2015 als Ergebnis von Project i ein Elektrofahrzeug auf den Markt bringen. Wir prüfen gerade, ob wir das unter Führung einer unserer drei bestehenden Marken anbieten oder unter einer vierten Marke. Das kann auch eine Sub-Marke sein.

Wieso ist die große Kooperation mit Mercedes gescheitert?
Robertson: Die Gespräche laufen noch, von Scheitern kann also keine Rede sein. Wir haben uns mit Daimler jedoch darauf verständigt, erst dann darüber zu sprechen, wenn konkrete Ergebnisse vorliegen. Aktuell arbeiten wir beim Einkauf sowie bei der Hybridtechnologie zusammen. Beim gemeinsamen Einkauf nicht- markendifferenzierender Komponenten haben wir bereits eine zweistellige Zahl von Teilen definiert. Das werden wir auch weiter ausbauen.

Wollen Sie künftig auch beim Marketing neue Wege gehen?
Robertson: Bei BMW wird es zum Beispiel künftig für unsere Modelle nur noch jeweils eine weltweit einheitliche Werbekampagne geben. TV-Spot, Anzeigen und andere Kommunikationsmaßnahmen werden dann noch stärker zentral nach dem Baukastenprinzip produziert und unsere Märkte können diese Module kosteneffizient einsetzen. Damit treten wir international als Marke noch konsistenter auf und sparen uns sehr viel Kreativ-Leistung und Umsetzungskosten. Die erste neue internationale BMW-Kampagne dieser Art startet übrigens in zwei Wochen, bei der wir stärker unseren Markenkern "Freude" in den Mittelpunkt rücken. Emotionale Automobile müssen emotional beworben werden. Lassen Sie sich überraschen.

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