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BMW Vision Next 100 - Studie zum 100.Geburtstag

Warum der Zukunfts-BMW keinen Antrieb hat

03/2016, BMW Vision Next 100 Foto: BMW 63 Bilder

Die Marke BMW wird 100 Jahre alt und blickt auf eine lange Tradition im Automobilbau zurück. Mit der Studie BMW Vision Next 100 blicken die Bayern aber weit in die Zukunft.

07.03.2016 Gerd Stegmaier, Uli Baumann

Stellen sie sich vor, die Bayerischen Motorenwerke zeigen ein Zukunftsauto und es hat keinen Motor. Genauer gesagt: keinen Antrieb. Denn einen Elektro-Motor hat die Studie BMW Vision Next 100 – zum auf die Bühne Rollen, aber kein Konzept, was sie in Zukunft vorwärtstreibt, so richtig, real.

BMW Vision Next 100: emissionsfrei und dynamisch – aber wie?

Adrian van Hooydonk, oberster BMW-Designer, hat dazu zwar keine befriedigende, aber ein plausible Antwort: „Uns ist die Entscheidung, hier eine Leerstelle zu lassen, nicht leicht gefallen. Aber hätten wir uns jetzt für ein Antriebskonzept entschieden, wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass wir falsch liegen. Das hätte dazu geführt, dass unsere Zukunftsvision insgesamt als wenig treffsicher gegolten hätte. Wir sind aber überzeugt, dass sie viele Ideen enthält, die nachhaltig sind. Ich glaube, die Antriebsentwicklung ist gerade in einer entscheidenden Phase, aber wir wissen noch nicht, wie die ausgeht“. Auch BMW-Chef Harald Krüger sagte auf der Pressekonferenz, dass man nicht nur in Batterie-Elektroantrieb denken dürfe, sondern auch in Alternativen. Konkrete Ausblicke auf Strategien der näheren Zukunft, auch was Antrieb angeht, will BMW bei der Bilanzpressekonferenz am 16. März bekannt geben.

Wie kann Hooydonk dann sicher sein, dass Vision Next 100 mit künftigen Antriebskonzepten kompatibel ist? „Was wir jetzt schon erkennen können, dass das Packaging für den Antrieb kleiner wird. Mit diesem Platzbedarf könnte Vision Next 100 umgehen. Batterien im Fahrzeugboden und Elektromotoren in der Nähe der Achsen würden beispielsweise problemlos in dieses Auto passen“, so Hooydonk. Wie auch immer: Der Designer, der sich zusammen mit seinem Team über ein Jahr mit der Studie beschäftigt hat, ist sich sicher: Ihr Antrieb wird „emissionsfrei und dynamisch“ sein.

Denn auch in der Zukunft sollen Kunden in einem BMW Freude am Fahren haben. Sogar am selbst Fahren, auch wenn Vernetzung, digitale Intelligenz und modernste Technologien den Fahrer dabei immer stärker unterstützen. Der Fahrer bleibt der Fahrer, sein Beifahrer wird das Auto. Und das soll den Piloten immer perfekter machen. BMW wandelt dazu den Claim „the ultimate driving machine“ ab auf „the ultimate driver“.

BMW Vision Next 100Foto: Wolfgang Gröger-Meier
Der Innenraum zeigt sich beweglich.
03/2016, BMW Vision Next 100
Mit dieser Studie zeigt BMW seine Zukunft 41 Sek.

BMW Vision Next 100 mit dehnbarer Karosserie

Um dem Fahrer noch gerechter zu werden, wurde der BMW Vision Next 100 von innen heraus entwickelt. Das Passagierabteil fällt dabei im Vergleich zur kompletten Größe des Fahrzeugs besonders großzügig aus. Außen soll die Zukunftsstudie etwa die Abmessungen eines aktuellen 5ers haben, im Inneren sollen die Platzverhältnisse aber denen des neuen 7ers entsprechen. Dennoch soll die 4,90 Meter lange und 1,37 Meter hohe Studie mit dem kuppelförmigen Greenhouse ganz klar als BMW-Limousine erkennbar bleiben.

Die Räder wurden weit in den Ecken platziert, das schafft Platz für den Innenraum. Dehnbare Karosserieteile – man erinnert sich bei BMW an die Studie Gina - überspannen die Radhäuser und sorgen trotz aerodynamisch günstiger Abdeckung für eine ausreichende Freigängigkeit bei eingeschlagenen Rädern. BMW gibt für den Vision Next 100 einen cW-Wert von 0,18 an. Laut Adrian van Hooydonk, oberster BMW-Designer, ein neuer Rekord.

Die Flügeltüren öffnen sensorgesteuert bei Annäherung. Zum leichteren Ein- und Ausstieg ist das Lenkrad bündig in das Armaturenbrett eingelassen. Wobei Lenk-Rad nicht mehr die passende Bezeichnung scheint. Das Steuer ähnelt einem Flugzeugsteuerknüppel, ist aber geschlossen, hat quasi eine rechteckige Form. Auf die Frage, wie sowas künftig wohl heißen wird, meinte van Hooydonk, seine Zukunftforscher-Fähigkeiten selbst in Frage stellend: „Vielleicht wird das mal 'Lenk-Möbel' heißen“. Wenn der Fahrer Platz genommmen hat, aktiviert er durch Antippen des BMW-Logos in der Instrumententafel alle Fahrzeugsysteme. Jetzt ist die Vision einsatzfähig. Das Interieur kleidet sich mit nachwachsenden Rohstoffen und Recycling-Material aus der Karbonfertigung. Leder- und Edelholzfetischisten werden künftig Verzicht üben müssen.

BMW Vision Next 100Foto: Wolfgang Gröger-Meier
Spektakuläres Türkonzept.

Die Armaturentafel lebt

Noch größer dürfte die Umstellung auf die kommende Innenraumarchitektur fallen. Herkömmliche Armaturenbretter sind out. Dreidimensional bewegliche Strukturen die Zukunft. Die Instrumententafel und die Seitenverkleidungen bestehen aus 800 kleinen beweglichen Dreieckselementen die zusammen mit einem Head-up-Display die Kommunikation mit dem Fahrer übernehmen. Wobei quasi die gesammte Windschutzscheibe als Projektionsfläche für Einspielungen von „Augmented Reality“-Informationen dient. In einem Video wird beispielsweise ein Radfahrer, der vorübergehend von einem Lkw verdeckt wird, durch Bewegungen auf dem Lkw im Sichtfeld sichtbar gemacht, um den Fahrer auf eine Bremsung vorzubereiten. Falls er nicht reagiert, greift der Notbremsassistent ein.

Denn generell kann der BMW-Pilot in der Zukunft selbst fahren oder sich fahren lassen. BMW nennt das Boost- und Ease Modus. Im Boost Modus, signalisiert der bewegliche Innenraum dem Fahrer beispielsweise die Ideallinie, Einlenkpunkte oder gibt ein Warnsignale bei entgegenkommenden Fahrzeugen. Im Ease Modus bewegen sich die Elemente zurückhaltender und informieren so die Passagiere über Fahrsituationen wie den Straßenverlauf, Beschleunigungs- oder Bremsvorgänge. Zudem versenken sich Lenkrad, Mittelkonsole und Kopfstützen. Nach außen kommuniziert der BMW Vision Next 100 seinen Betriebsmodus per Lichtsignal.

Zentrales Element der vollständigen Vernetzung steht auf der Armaturentafel der „Companion“ – eine Skulptur in der Form eines großen geschliffenen Edelsteins. Über ihn laufen Datenaustausch und Kommunikation.

Und die Sensorik für Assistenzsysteme und Konnekitivität sitzen in der Niere. Dort, wo einst die Motoren von BMW ihre Verbrennungsluft bekommen haben. Die Zukunft setzt andere Prioritäten.

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