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"Wir müssen jetzt die Spur halten"

Foto: BMW AG 22 Bilder

BMW-Entwicklungschef Klaus Draeger spricht mit auto-motor-und-sport.de über den neuen 7er und andere Pfeiler des zukünftigen Modell-Portfolios sowie über das Thema Nachhaltigkeit und denkbare Kooperationen mit Fiat und Mercedes.

16.07.2008

Herr Draeger, was hat der neue 7er, das seinen Konkurrenten fehlt?
Draeger: Der neue BMW 7er verbindet wie keine andere Limousine höchste Fahrdynamik und Fahrfreude mit Stil, Komfort und Luxus. Er bietet eine Vielzahl an Innovationen, beispielsweise die Integral Aktiv Lenkung. Der neue BMW 7er wird das agilste Fahrzeug seiner Klasse. Und ist gleichzeitig - das ist ein weiterer wichtiger Punkt - deutlich leichter, sparsamer und effizienter geworden. Der BMW 750i mit seinem neuen 8-Zylinder Motor bietet die Fahrleistungen des alten bisherigen 12-Zylinders bei deutlich gesenktem Spritverbrauch; der 730d wird nur 7,2 Litern auf 100 Kilometer benötigen.
Wir werden auch eine Hybridvariante vorstellen.

Welche Absatz-Hoffnungen setzen Sie in den 7er?
Draeger: Ich bin überzeugt, dass er der erfolgreichste 7er aller Zeiten sein wird. Beim Absatz soll er das aktuelle Modell natürlich noch mal überflügeln. Und schon der hat sich - trotz anfänglicher Kritik in einzelnen Märkten - prächtig entwickelt. Vergangenes Jahr haben wir über 44.000 7er verkauft, im Rekordjahr 2003 sogar über 57.000, im gesamten Lebenszyklus bisher 330.000. Einige Wettbewerber haben sogar einzelne Features unseres Flaggschiffs kopiert, wie etwa den aufgelegten Heckklappendeckel oder unser I-Drive.

Das Auto kommt am 15. November in den Markt. Wie viele Käufer erwarten Sie noch dieses Jahr?
Draeger:Das wird etwas mehr als die Händlererstausstattung - also mehr als 5.000 Einheiten weltweit. Und zwar erstmals vom Marktstart ab in der Kurz- und Langversion, von der wir weltweit gesehen etwa gleich viel Zuspruch erwarten. Die Hauptmärkte für den 7er sind übrigens die USA, China und Deutschland. Im Heimatmarkt werden wir unsere Auslieferungen starten. In einzelnen Märkten, wie den USA, wird der Marktstart im Februar 2009 erfolgen.

Wie viel Prozent seiner Komponenten wird sich der neue 7er mit dem zukünftigen 5er teilen?
Draeger: Natürlich nutzen wir auch beim neuen BMW 7er die Vorteile unseres BMW Baukastenprinzips, aber für eine Vergleich mit einem Nachfolger des aktuellen BMW 5er ist es noch viel zu früh.

Dürfen wir auch mit einem Elektromotor beim 7er rechnen?
Draeger: Nein, das ist auch technologischer Sicht nicht zielführend. Hier wird es so schnell keine Batterietechnologie geben, die für einen Einsatz in dieser Fahrzeugklasse sinnvoll wäre. Elektromotoren bieten sich eher bei kleineren, leichteren Autos an. Auch weil sich solche Modelle eher zum Pendeln in Metropolen eignen - für tägliche Reichweiten von höchstens 150 Kilometern.

Werden Sie das künftige Modell wie schon die aktuelle Serie mit einem Wasserstoff-Verbrennungsmotor anbieten?
Draeger: Noch fehlt ja bekanntlich eine Wasserstoffinfrastruktur, deswegen ist diese Entscheidung noch nicht getroffen.

Publikumspremiere wird der 7er im Oktober auf dem Pariser Automobilsalon feiern. Nach ams-Informationen wollen Sie dort auch einen Ausblick auf Ihren neuen Einstiegs-Geländewagen bieten.
Draeger: Eine X1-Studie könnte in Paris stehen, vielleicht aber auch erst auf der Detroit Motor Show oder in Genf. Wir haben da noch keine Entscheidung getroffen. Vom Design wird es wieder ein vollständig eigenständiges Modell.

Spüren Sie bereits einen Rückgang Ihrer Geländewagen-Verkäufe? Gibt es vielleicht sogar Pläne, sich aus dem Markt der großen SUV wie dem X5 zurückzuziehen?
Draeger: Wir sind mit der Nachfrage nach unseren X-Modellen unverändert sehr zufrieden. Im Vergleich zu US-SUV ist unser X5 doch ein fast zierliches Auto. Wir spüren hier - selbst in den USA - keinen merklichen Nachfragerückgang. Beim X6 haben wir sogar Lieferfristen bis zum Ende des Jahres. Kurz: Wir haben also absolut keine Pläne, eine SAV-Baureihe einzustellen. Die Nachfolger von X5 und X3 sowie der X1 sind wichtige Bausteine in dem Feuerwerk an Neuheiten, das wir diesen November mit dem neuen BMW 7er starten.

Wird der Nachfolger des 3er-Cabrios wieder ein Stoffdach bekommen?
Draeger: Das steht noch nicht fest. Wir haben hier auch keinen Zeitdruck. Im vergangenen Jahr haben wir 63.000 Käufer mit der Stahlklappdach-Lösung begeistert. Das ist ein Rekord.

Dürfen wir uns auf weitere 3er Varianten freuen?
Draeger: Mit der aktuellen Variantenvielfalt bei unserer Kernbaureihe sind wir sehr zufrieden.

Wann präsentieren Sie uns Ihre angekündigten Ideen für ein Stadtauto, Ihrem project-I?
Draeger: Wir arbeiten an verschiedenen Fahrzeugkonzepten - vom Zweirad über jede denkbare Karosserievariante, die sich für die Stadt eignen würde.

Wäre I-Setta dafür nicht ein toller Markenname, den Sie bereits geschützt haben?
Draeger: Es steht noch nicht einmal fest, ob wir ein Stadtauto unter einer neuen Marke bringen - oder vielleicht unter einer der bestehenden. Zuerst müssen die Fahrzeugkonzepte stehen.

Kommen wir von vernünftigen zu emotionalen Fahrzeugen: Mercedes und Audi bauen gerade an einer imposanten Sportwagenstrategie. Was dürfen wir bei Ihnen erwarten?
Draeger: Wir fühlen uns hier gut aufgestellt.

Audi hat mit dem R8 einen Supersportwagen, Mercedes bringt 2010 als Wettbewerber einen Flügeltürer. Dürfen wir einen Mittelmotor-Supersportwagen auch von BMW erwarten?
Draeger: Nein. Wozu? Das ist kein Investment, das wir uns derzeit leisten wollen. Viel wichtiger ist für uns das Thema Nachhaltigkeit. Dieses Jahr werden wir rund 850.000 Autos mit Efficient Dynamics ausrüsten - und im Gegensatz zu unserem Wettbewerb ohne Aufpreis. Und es wird unsere Kernaufgabe für die nächsten Jahre ein, dieses Maßnahmenpaket auf die gesamte Modellpalette auszurollen. Diesen Weg haben wir vor einigen Jahren begonnen - und hier müssen wir die Spur halten.

Sie setzen also fortan stärker auf Vernunft, statt auf Emotion?
Draeger: Keineswegs. Mit dem M1 Konzept haben wir gezeigt, dass wir ein genügend Stoff für Träume haben und die Kür beherrschen. Wir konzentrieren uns vorerst aber lieber auf die Pflicht - und das ist das Thema Nachhaltigkeit. Zudem bewegen wir uns immer erfolgreicher in der Formel 1, im Gegensatz zu manchem Wettbewerber, der hier gar nicht vertreten ist. Und als Sperrspitze der Marke bietet unsere M GmbH viele schöne Sportwagen an. Wir müssen uns in Sachen Sportwagen-Strategie also nicht verstecken.

Dürfen wir mit einem neuen M3 CSL rechnen?
Draeger: Nein. Mit den bestehenden Varianten des BMW M3 - Limousine, Coupe und Cabriolet - sind wir mehr als zufrieden.

Mercedes hat den CLS erfolgreich im Markt positioniert, Audi den A7. Dürfen wir auch von BMW ein viertüriges Coupé erwarten?
Draeger: Nein, dieses Segment werden wir nicht abdecken. Wir bringen dafür den PAS auf 5er-Basis - eine Limousine mit durchaus coupéhafter Anmutung.

Wie steht es um den großen Gran Turismo, wie Sie ihn mit der Studie CS schon angedeutet haben?
Draeger: Diese Studie war schon recht nah an der Realität.

Warum glauben Sie, dass Fiat ein möglicher Partner für Sie sein könnte?
Draeger: Wir haben im Rahmen unserer Strategie Number ONE u.a. angekündigt, durch Kooperationen Skaleneffekte und damit Kostensenkungen zu realisieren. Deshalb prüfen wir derzeit mit der Fiat Gruppe Möglichkeiten für eine gemeinsame Nutzung von Komponenten und Systemen bei den Marken Mini und Alfa Romeo. Zudem ist Fiat an unserer technischen Kompetenz in Sachen Zulassungsfähigkeit im US-Markt interessiert.

Kollidieren diese Gespräche mit der Kooperation zwischen Mini und PSA? Sprich: Steht die Kooperation mit PSA vor dem Aus? Und sind damit Ihre Gespräche mit Mercedes in Gefahr?
Draeger: Die Prüfung einer Zusammenarbeit mit der Fiat Gruppe haben keinen Einfluss auf die laufende Motoren-Kooperation mit PSA oder auf Gespräche mit Daimler.

Wie steht es denn dann um die angedachte Kooperation mit Mercedes?
Draeger: Wir entwickeln mit Daimler bereits gemeinsam Hybridtechnologien. Wir sind jetzt dabei andere Themenfelder anzusehen. Wir haben jedoch vereinbart, erst dann darüber zu reden, wenn konkrete Ergebnisse vorliegen.

Wie läuft der Verkauf von Motoren an? Mit wem sind Sie - außer Bertone und Aston Martin - noch im Gespräch?
Draeger: Wir führen hier Gespräche in viele Richtungen. Solche Verhandlungen bedürfen einfach ihrer Zeit. Die Gespräche mit Bertone indes haben wir beendet. Die Italiener wollten ein eigenes Auto bauen, doch dieses Projekt ist momentan wieder in den Schubladen verschwunden.

Bei Mercedes wird gerade geprüft, ob sich die Entwicklung des Maybach-Nachfolgers an Aston Martin auslagern lässt. Gibt es bei Ihnen ähnliche Überlegungen?
Draeger: Nein, wir setzen auf unsere eigene Entwicklungskompetenz. Zudem steht das nächste Rolls-Royce-Modell bereits fertig entwickelt fast in den Startlöchern.


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