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BMW-Ziele

Experten sehen schwarz

Foto: dpa

In den vergangenen Monaten kamen eher ungewohnte Töne aus dem "Vierzylinder"-Hochhaus, der Konzernzentrale von BMW im Münchner Norden. Der schwache Dollar, teure Rohstoffe und hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung schmälerten die Renditen.

20.10.2008

Zu Jahresbeginn dann kündigte BMW den Abbau von 8.100 Stellen an, Vorstandschef Norbert Reithofer schwor die Mitarbeiter auf härtere Zeiten ein. Nach dem ersten Halbjahr folgte eine drastische Gewinnwarnung. Denn zu allem Überfluss würgte die internationale Finanzkrise die Konjunktur ab. Der Absatz schwächelt, vor allem auf dem wichtigsten Markt, den USA. Nun steht der erfolgsverwöhnte Autobauer vor einer Durststrecke. Das Absatzziel für dieses Jahr wackelt nach Einschätzung von Experten.

"Wir haben ein schwieriges Jahr 2009 vor uns", machte Reithofer kürzlich klar. Gleichzeitig wehrte er sich aber gegen Schwarzmalerei. "Alle sehen nur noch dunkle Wolken. Aber auch die werden wieder abziehen." Mit einer Erholung sei nicht vor dem Sommer 2009 zu rechnen. Das Absatzziel für dieses Jahr bekräftigte er aber. Demnach will BMW mehr als 1,5 Millionen Autos verkaufen. Auch ein Sprecher betonte am Freitag auf Anfrage nochmals, Ziel sei in diesem Jahr weiter ein Absatzplus. "Wir streben nach wie vor an, das zu erreichen."

Experten zweifeln

Analysten haben daran angesichts der zunehmenden Kaufunlust der Verbraucher allerdings ihre Zweifel. "Wir rechnen nicht damit, dass BMW den Konzernabsatz steigert", sagt Marc-Rene Tonn, Autoexperte bei M.M. Warburg. Im nächsten Jahr rechne er sogar mit einem Absatzrückgang. Auch sein Kollege Robert Heberger von Merck Finck ist skeptisch. "Das wird eng. In den USA sieht es nach mauen Absatzzahlen aus und ich bezweifle, dass BMW das im Rest der Welt kompensieren kann."

Die letzten Zahlen verheißen zumindest nichts Gutes. Im September verbuchte BMW mit seinen drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce einen deutlichen Absatzrückgang um 14,6 Prozent auf gut 121.000 Fahrzeuge. Besonders auf dem wichtigsten Markt, den USA, lief das Geschäft mies. Hier lag die Zahl der verkauften Autos um gut ein Viertel unter dem Vorjahreswert. Trotz allem kamen die Münchner in den ersten neun Monaten mit 1,11 Millionen verkauften Autos aber immer noch auf ein leichtes Absatzplus von 1,7 Prozent.

BMW hat bereits angekündigt, die Produktion in diesem Jahr um 25.000 Fahrzeuge zurückfahren zu wollen. Dafür stehen in den bayerischen Werken Ende Oktober die Bänder eine Woche still. Das Werk in Leipzig setzt Anfang November eine Woche aus. Reithofer hatte bereits klar gemacht, die Produktion nochmals zurückzufahren, falls die Nachfrage weiter schwächelt. "Mein Gefühl ist nicht allzu gut", räumt Horst Lischka, BMW-Beauftragter bei der IG Metall, ein. Grund zur Panik bestehe trotzdem nicht. "Das hatten wir immer wieder mal bei BMW. Das Jahr 2009 wird kompliziert, aber BMW hat es bisher immer geschafft, sich rauszuziehen."

Ein weiterer Stellenabbau bei der Stammbelegschaft sei gegen den Willen der Mitarbeiter aber nicht drin, betont Lischka. "Wir haben eine Beschäftigungssicherung bis 2014." Sollte BMW weiter sparen wollen, gebe nur Spielraum über freiwillige Aufhebungsverträge, Arbeitszeitkonten sowie bei Leiharbeitern. Viel Luft ist allerdings nicht. Ende des Jahres dürften im Unternehmen noch etwa 3.000 Leiharbeiter beschäftigt sein, sagt der BMW-Sprecher. "Wir brauchen immer eine gewisse Reserve. Die auf Null zu fahren, wäre nicht so sinnvoll." Die Stammbelegschaft soll Ende des Jahres bei rund 105.000 liegen.

Nun müssen neue Modelle her, um die Absatzschwäche möglichst bald zu überwinden. Bei schmalerem Geldbeutel der Verbraucher seien künftig eher kleinere Modelle gefragt, sagt Analyst Tonn. Doch die seien zumindest schnell nicht in Sicht. "Auf der Modellseite gibt es eine Durststrecke bis zum Erscheinen des X1." Mit dem kleinen Geländewagen wird nicht vor Herbst nächsten Jahres gerechnet. Der IG-Metall-Beauftragte Lischka fände daher eine frühere Markteinführung gut. "Ich würde das vorziehen. Man müsste halt ein bisschen Gas bei der Produktionsplanung geben."


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