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Bonk-Geheimnis

Foto: BR-Foto 7 Bilder

Die Kränze in der Langstreckenmeisterschaft sind geflochten: Bonk holte den Titel, Land die meisten Siege.

09.01.2007 Marcus Schurig Powered by

Bei allen Rennserien dieser Welt, in denen mehr als zwei
Fahrzeugklassen vertreten sind, herrscht ein schmerzliches
Missverhältnis in der öffentlichen Wahrnehmung: Die Großen
und die Schnellen schöpfen allein den Rahm ab, die Kleinen
und Langsameren müssen sich in eine meist unverdiente
Statistenrolle fügen. Nicht so bei der Langstreckenmeisterschaft
am Nürburgring: Am Ende der Saison schlägt die große Stunde
der vermeintlich kleinen Teams – nämlich dann, wenn es um die
Meisterschaft geht. Zwar räumen die dicken Koffer vom Schlage
Porsche RSR die Einzellaufsiege ab, doch im Titelkampf sind sie
chancenlos, weil sich die ausschlaggebenden Wertungspunkte
für den Klassensieg nach der Anzahl der Gegner richten. Denn
je mehr Teams man schlägt, umso mehr Punkte werden einem
gutgeschrieben. Und weil in den vielen kleinen – und kostengünstigeren
– Klassen naturgemäß mehr Teams am Start stehen,
sind deren Fahrzeuge die Königsmacher.
Zwei Klassen kamen 2006 primär für einen Titel-Feldzug in
Frage: Die traditionell extrem starke Zwei-Liter-Special-Klasse,
in der ja auch im vergangenen Jahr Claudia Hürtgen mit einem
BMW 320i den Titel holte. Und die kleine, aber feine Serienwagenkategorie
bis 1850 cm3. Weil in der Zwei-Liter-Klasse kein
Platzhirsch konstant dominieren konnte und sich die starken
Teams deshalb die Punkte gegenseitig wegschnappten, schlug
das Pendel schlussendlich in Richtung der Serienwagenklasse
V2 aus. So hatte das langjährige VLN-Team Bonk Motorsport aus
Münster am Ende das beste Paket mit der größten Konstanz.
Vier Faktoren entscheiden über einen erfolgreichen Titellauf:
Auto, Fahrer, Team und Reifen. „Und bei allen Einflussgrößen
waren wir in dieser Saison tadellos aufgestellt“, bilanziert
Teamchef Michael Bonk zufrieden. Sieben Klassensiege
konnten die in der Langstreckenmeisterschaft hinreichend bekannten
und sehr erfahrenen Piloten Mario Merten und Wolf
Silvester 2006 einfahren. Beim Finallauf der VLN musste das
Duo nur noch zum Rennen starten, um den Titel auch formal in
der Tasche zu haben. Doch statt es beim Herumrollen zu belassen,
boten Silvester und Merten eine tolle, wenngleich unplanmäßige
Show: Weil die Benzinpumpe vor dem Start den Dienst
versagte, musste das Duo bei wechselhaften Witterungsbedingungen
aus der Boxengasse dem Feld hinterhetzen.
Wolf Silvester konnte sich trotz weiterer Kalamitäten mit der
Spritzufuhr, die bereits nach fünf Runden zu Aussetzern führte,
auf Platz drei nach vorn arbeiten. Co-Pilot Mario Merten düste
dann mit repariertem Wagen in seinem Turn im Sauseschritt an
der Konkurrenz vorbei, markierte mit einer Rundenzeit von
10.14 Minuten ganz beiläufig einen neuen V2-Rundenrekord
und sah die Zielflagge als Klassenprimus mit 48 Sekunden Vorsprung.
Der V2-Klassensieg war trotzdem futsch, weil die VLN
das Nachstarten aus der Boxengasse generell mit einer einminütigen
Strafzeit belegt.
Für das Einsatzfahrzeug, ein BMW 318iS, war dies bereits der
zweite Titel, denn Mario Merten konnte 2002 mit dem exakt
gleichen Fahrzeug die VLN-Meisterschaft einfahren. Die extrem
seriennahen Autos der V2-Klasse verfügen zwar nur über
knapp 150 PS, dafür ist die Leistungsdichte unter den Artgenossen
extrem hoch: „Beim 6h-Rennen starteten in der V2-
Kategorie 26 Fahrzeuge, und bei den anderen VLN-Rennen hatten
wir immer zwischen 19 und 22 gegnerische Teams“, so
Bonk. „Im vorletzten Saisonrennen haben wir die Klasse nach
vier Stunden Renndauer mit gerade einmal einer Sekunde Vorsprung
gewonnen.“ Über die gesamte Saison, die mit einem
Budget von nur 50 000 Euro bestritten wurde, musste die Truppe
nur einen Ausfall hinnehmen – beim Saisonstart strandete
der BMW mit Radlagerschaden. Der Rest war Zuverlässigkeit
pur, auch weil das Bonk-Team alle zentralen technischen Komponenten
früher tauscht als eigentlich notwendig.
Teamchef Bonk ist voll des Lobes für seine VLN-Piloten:
„Beide sind auf diesem Auto nahezu gleich schnell und fuhren
über die ganze Saison auf einem sehr hohen Niveau. Besonders
bei schwierigen Witterungsbedingungen hatten wir sicher die
schnellste und zuverlässigste Fahrerpaarung in der Klasse.“
Erstaunlich: Der Titel konnte trotz eines Wechsels auf Yokohama-
Reifen zu Saisonbeginn eingefahren werden, was den Erfolg
noch eindrucksvoller gestaltet, weil das Bonk-Team natürlich
einen Erfahrungsrückstand aufholen musste.
Das Kapitel Konstanz und Reifen schien auch lange Zeit ein
Hemmschuh im Paket von Porsche-Teamchef Wolfgang Land zu
sein. Doch diese Zeiten sind seit der Saison 2006 endgültig
vorbei. Fünf Gesamtsiege sind ein nachdrücklicher Beweis für
den Formanstieg und machten Land Motorsport zum Spitzenteam
der abgelaufenen VLN-Saison. Marc Basseng, der den 490
PS starken Bilstein-Elfer zusammen mit Patrick Simon über die
Runden brachte, hat schlüssige Erklärungen für die Erfolgsstory
parat: „Zu Saisonbeginn haben wir alles gleichzeitig auf den
Kopf gestellt – vom Radträger über den Reifenpartner, vom Motor
bis zum Fahrwerk. Aber das Risiko hat sich ausbezahlt, weil
wir uns in puncto Speed klar verbessern konnten. Zudem hat
Technikpartner Bilstein bei fast jedem Rennen neue Dämpferentwicklungen
einfließen lassen. Zu Saisonmitte konnte ich im
Qualifying Rundenzeiten um 8.20 Minuten fahren, im Rennen
auch unter 8.30 Minuten – und zwar zu jedem Zeitpunkt des
Rennens.“ Eine makellose Bilanz konnte Land Motorsport auch
bei der Zuverlässigkeit verbuchen: nur ein technisch bedingter
Ausfall auf gut 5000 Rennkilometer.
Kaum ist die alte Saison vorüber, wird die neue zum Hauptgesprächsthema:
Die Porsche-Teams Land und Manthey werden
aller Voraussicht nach auf das neue Modell 997 RSR wechseln.
Da wollen die VLN-Meister nicht hinten anstehen. „Ein flammneuer
BMW 320si für die Zwei-Liter-SP3-Klasse steht schon in
der heimischen Garage“, grinst Teamchef Michael Bonk. „Wir
haben nur noch nicht ausgeknobelt, wer ihn 2007 fährt.“

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