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Bosch

Die Elektro-Euphorie schadet dem Markt

Foto: ams

Der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch kritisiert die aktuelle Diskussion über Elektrofahrzeuge als übertrieben euphorisch. Die aktuelle Elektrofahrzeug-Euphorie ist schädlich für den Markt.

27.12.2008 Harald Hamprecht, Bernd Ostmann

"Kleine Pilotprojekte sind grundsätzlich hilfreich. Aber wir dürfen dem Verbraucher nicht den Eindruck vermitteln, dass es 2010 ein Elektroauto gibt, das bezahlbar wäre und den heutigen Fahranforderungen entspricht", sagte Bosch-Kraftfahrzeug-Chef Bernd Bohr auto motor und sport. "

"Wir werden 2010 noch lange nicht rein elektrisch fahren. Kleinserien von Elektrofahrzeugen erwarten wir zwar schon vor 2015. Aber die werden alle subventioniert sein - entweder vom Staat über Steuern oder von der Industrie, die unter Kosten liefern wird, um in einem prestigeträchtigen Segment mitzumischen." Zuerst werde der "Hybridantrieb ins Rollen kommen und seine Rolle als Brückentechnologie einnehmen", so Bohr.

Verbrennungsmotoren bleiben noch Jahrzehnte dominant

Der traditionelle Verbrennungsmotor werde noch Jahrzehnte der beherrschende Antrieb bleiben. "Der Verbrennungsmotor als Diesel und als Benziner wird über mindestens 20 Jahre die dominierende Rolle spielen. Allerdings in weiterentwickelter Form - mit Direkteinspritzung, Downsizing mit Turbolader, beim Diesel mit Downspeeding bei geringeren Drehzahlen, die uns weitere Effizienzverbesserungen bringen werden." Bohr erwartet, dass der Verbrauch von Diesel- und Benzinmotoren in den nächsten zwei bis drei Jahren um zehn bis 15 Prozent sinken wird. "Nehmen wir dann noch Start-Stopp dazu und effiziente Generatoren, dann sicher noch drei bis vier Prozentpunkte mehr." Der Marktanteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen werden noch viele Jahre überschaubar bleiben. "Von den weltweit 80 Millionen Fahrzeugen, die wir für das Jahr 2015 erwarten, sollten nach unseren Prognosen 2,5 bis 3 Millionen mit einem Hybrid ausgestattet sein und 800.000 weitere mit einem reinen Elektroantrieb. Sprich: Diese beiden Technologien zusammen werden unter fünf Prozent des jährlichen Fahrzeugabsatzes liegen, während der Dieselanteil weltweit bei einem guten Viertel liegen wird und der Benziner-Anteil sicher den Rest bestreitet."

Je kleiner das Auto, desto größer der Bosch-Anteil

Bosch will zudem vom Trend zu Mega-Cities profitieren. "1955 gab es nur elf Megastädte mit mehr als fünf Millionen Menschen. 1995 waren es 35 und im Jahr 2015 sollten es 55 sein. Im Durchschnitt liegt die Einwohnerzahl dieser Megacities dann sogar eher bei sieben bis acht Millionen Menschen. Sprich in sieben Jahren werden mehr als 400 Millionen Menschen in Megastädten wohnen. Das sind mehr Konsumenten als in den USA. Das die einen eigenen Technik-Trend treiben, halte ich für sehr wahrscheinlich."


Auch vom Trend zu Klein- und Billigwagen werde Bosch profitieren. Bohr: "Je kleiner das Auto, desto größer ist der Anteil von Bosch - schon heute. Beim Tata Nano etwa ist unser Beitrag prozentual höher als an der Mercedes S-Klasse. In absoluten Zahlen liegen wir in der Klasse bei 200 Euro der Herstellungskosten. Ein durchschnittliches europäisches Auto für 20.000 Euro hat Bosch-Teile im Wert von 800 Euro in sich. In einem Luxusfahrzeug kommen wir auf bis zu 3.000 Euro."

Der Trend zum Billigauto ist nicht tot

Dass der Tata Nano später auf den Markt kommt als geplant, spüre Bosch schon heute. Bohr: "Wir hatten natürlich Umsätze mit dem Tata Nano eingeplant, die sich noch nicht eingestellt haben. Der Effekt 2008 liegt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Der Anlauf war für das vierte Quartal 2008 geplant, jetzt kommt es erst im nächsten Jahr zum Anlauf. Jedenfalls gehen wir auch für 2009 von gewissen Auswirkungen im zweistelligen Millionen-Euro-Betrag an fehlendem Umsatz aus, den wir ursprünglich geplant hatten. Dazu kommt die Finanz- und Konjunkturkrise. Das heißt, es wird sich alles etwas verzögern."


Der Trend zum Billig-Auto droht aber laut Bohr nicht im Keim zu ersticken. "Definitiv nein. Die Welle mit Niedrigpreisautos wird nur verzögert kommen. Wir haben hier schon immer konservativ geplant. Für 2010 erwarten wir eine Milliarde Euro Umsatz aus dieser Fahrzeugklasse. Ihr Anteil am Gesamtmarkt wird 2015 nach unseren Schätzungen bei mehr als 15 Prozent liegen. Der Wunsch nach Mobilität wird durch die Finanzkrise einfach nur gebremst, aber nicht gestoppt."


Auch in Westeuropa sieht Bohr Bedarf für Basis-Fahrzeuge: "Wir sind in verschiedenen Diskussionen am unteren Ende der Palette involviert. Aber zu Kundenprojekten kann ich Ihnen nichts sagen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass jeder Konzern an solchen Lösungen arbeitet. Denn keiner kann sich leisten, diesen Trend zu verpassen."

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