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Breitling Navitimer

Instrument am Arm

Foto: Kunze, LAT, Schlegelmilch 9 Bilder

Der Breitling Navitimer ist mehr denn je der Archetypus des instrumentellen Chronographen, er erweitert die Stoppuhr zum Rechner.

26.03.2008 Alf Cremers

Manchmal ist es in gefährlichen Situationen sinnvoll, eine mechanische Uhr mit Stoppfunktion zu tragen. Diese lebensrettende Erfahrung machte am 12. April 1970 die Crew von Apollo 11. Die Explosion eines Sauerstofftanks legte die gesamte Bordelektrik lahm, die Mission musste abgebrochen werden.

Das Timing für das Zünden der Steuerraketen, um aus der Mondumlaufbahn wieder Kurs auf die Erde nehmen zu können, erledigte Commander James Lovell kaltblütig mit einer handelsüblichen Omega Speedmaster am Handgelenk. Auch an Bord eines Flugzeugs gehört der mechanische Fliegerchronograph zum Notbesteck, wenn trotz des Ausfalls wichtiger Bordinstrumente Kurs, Windgeschwindigkeit und Treibstoffvorrat berechnet werden müssen, um eine sichere Landung einzuleiten.

Sie machte in Fliegerkreisen schnell Furore

Schon seit den dreißiger Jahren gab es spezielle Fliegerchronographen von Hanhart, IWC oder Heuer, teilweise schon mit Flyback-Schaltung, jedoch ohne Rechenfunktion. Der Uhrenhersteller und Chronographenkonstrukteur Willy Breitling aus Biel, hatte die geniale Idee, die Armbandstoppuhr um eine fein gestrichelte Drehlünette mit Dezimal- und Logarithmenskalen zu ergänzen. So eine, wie wir sie vom Rechenschieber her kennen. Breitling passte die Maßeinheiten an die Flugnavigation an, sodass ein einfacher Dreh am Außenring genügt, um Kilometer in Seemeilen oder Knoten umzurechnen. Auf der Basler Mustermesse 1952 stellte er seinen revolutionären Navitimer vor. Sie machte in Fliegerkreisen, ob zivil oder militärisch, schnell Furore. Sieben Jahre später erschien er als Cosmonaute mit 24-Stunden-Zifferblatt. Wegen ihrer eindeutigen Unterscheidung von Tag und Nacht griff sie buchstäblich nach den Sternen. Denn das Zeitgefühl geht den Astronauten in der unendlichen Finsternis des Kosmos völlig verloren.

Die Omega Speedmaster war beileibe nicht die erste und einzige Uhr im Weltall. Die amerikanische Weltraumbehörde NASA experimentierte auch mit anderen Schweizer Zeitmessern. Für intensive Tauglichkeitstests ließ sie in einem Houstoner Uhrengeschäft Modelle der Marken Rolex, Bulova, Breitling, Longines und Zenith kaufen.

So trug Astronaut Scott Carpenter bei seiner Erdumkreisung im Mai 1962 an Bord der Weltraumkapsel Aurora 7 eine Breitling Cosmonaute. Sie war mit dem gleichen hochwertigen Manufakturkaliber vom Typ Venus 178 ausgestattet wie der Navitimer. Der Zeigertrieb besaß jedoch für die Darstellung der 24 Stunden pro Umlauf eine andere Übersetzung. Das aufwendige Werk mit Schaltradsteuerung misst stolze 14 Linien im Durchmesser. Es erfuhr eine weitere mechanische Komplikation, die in der Fliegerei eine wichtige Rolle spielt. Die Flyback-Schaltung, in der Uhrmachersprache Französisch "Retour en Vol" genannt, entspricht einem Fliegenden Start. Zwei aufeinanderfolgende Kurzzeitmessungen lassen sich ohne den unterbrechenden Nullstell-Vorgang durch rasches Betätigen des unteren Drückers auslösen.

Die Seele der umfassenden Breitling-Sportuhren-Kollektion

Die Navitimer-Modelle sind heute mehr denn je die Seele der umfassenden Breitling-Sportuhren-Kollektion. Wir unterscheiden innerhalb der weitverzweigten Navitimer-Familie die Heritage mit Flyback-Schaltung und integriertem Stahlband, die nostalgische Montbrillant, die Cosmonaute mit 24-Stunden-Zifferblatt und Flyback, die World mit zweiter Zeitzone und die machohafte Chrono-Matic, riesig im Retro-Look der Siebziger und mit der Aufzugskrone auf der linken Seite.

Sie wurden in Jahrzehnten behutsam weiterentwickelt. Neue Indikationen wie etwa die eines vollautomatischen Vierjahres-Kalenders bei der Montbrillant Olympus kamen hinzu. Wenn die Uhr permanent getragen wird, bedarf es keinerlei Datumskorrektur innerhalb einer Schaltjahresphase.

Alle Navitimer verfügen aus Gründen höherer Ganggenauigkeit und größerer Zuverlässigkeit inzwischen über Werke mit automatischem Aufzug. Basis bilden die von Breitling mit eigenen Mechanikmodulen erweiterten Kaliber der ETA-Familie, die in fein dekorierter Ia-Qualität aus Grenchen bezogen werden.

Geniestreich des ersten automatischen Chronographenwerks

Bis auf ganz wenige Ausnahmen, nämlich Montbrillant und Montbrillant Olympus, absolvieren die Navitimer in den Observatorien von Biel und Neuchatel die Chronometerprüfung in verschiedenen Lagen und bei unterschiedlichen Temperaturen. Ein offizieller Gangschein attestiert ihnen eine Abweichung von plus 6 bis minus 6 Sekunden pro Tag. Auch zwischen den Lagen darf die Differenz nicht mehr als 6 Sekunden betragen, das heißt dann relative Abweichung.

Alle Navitimer sind im Gegensatz zu den früheren Modellen trotz empfindlicher Drehlünette wasserdicht. Das schaffte als einziger schon 1969 der riesige Chrono-Matic, Spitzname Spiegelei. Seine grandiosen 44 Millimeter Durchmesser sind heute wieder genauso angesagt wie das exzentrische Achteck-Design der siebziger Jahre. Die Lünette ist so groß wie der Fokussierring eines Objektivs, und sie verbirgt auch Großartiges. Zum einen das ausgeklügelte O-Ring-Dichtsystem, zum anderen ein Uhrwerk der besonderen Art.

Am Vorabend der Quarz-Revolution gelang den Mechanik-Koryphäen von Breitling, Heuer, Hamilton-Büren und Dubois-Dépraz der mikromechanische Geniestreich des ersten automatischen Chronographenwerks. Ausgeführt in Modulbauweise und auf Basis eines ultraflachen Planetenrotors entstand das Kaliber elf mit einfacherer Kulissenschaltung, Datumsanzeige bei sechs Uhr, sowie 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler. Seit 2005 bereichert die Crono-Matic wieder die Navitimer-Kollektion. Das alte, langsam schwingende Kaliber elf hätte jedoch die Chronometerprüfung niemals bestanden. Breitling konstruierte deshalb ein neues Werk. Kaliber 41 LC, Flyback. Aufzugskrone links, das war Bedingung. Ein Original duldet eben keine Kompromisse.

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