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Brexit und die Folgen für die Autoindustrie

So reagiert die Autobranche

Nissan Produktion Sunderland Foto: Nissan 34 Bilder

Die Briten haben sich im Juni gegen einen Verbleib in der Europäischen Union entschieden. Auch für die Autoindustrie beginnt damit eine Phase der Unsicherheit. Wir haben die Reaktionen der Branche gesammelt.

27.10.2016 Roman Domes, Uli Baumann 4 Kommentare

27.10.2016 – Nissan bekennt sich zum Produktionsstandort Sunderland

Der japanische Autobauer Nissan will auch die nächste Modellgeneration des Nissan Qashqai im britischen Nissan Werk in Sunderland produzieren. Zudem soll dort der kommende X-Trail künftig vom Band rollen. Direkt nach der Brexit-Entscheidung hatte Nissan über Investitionsverlagerungen nachgedacht. Der Nissan Standort Sunderland ist mit 7.000 Arbeitsplätzen das größte britische Automobilwerk aller Zeiten.

Die Autoindustrie blieb wenige Stunden nach dem definitiven Brexit-Votum der Briten noch relativ ruhig. Dass es Folgen geben wird ist unbestritten. Nur welche genau das sein werden, war noch unklar. Die Hersteller blieben mit ihren Aussagen vage, die Experten nicht.

Brexit: Das sind die Reaktionen der Automobilindustrie

„Für uns beginnt eine Phase der Unsicherheit. Wir erwarten jedoch zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Aktivitäten in Großbritannien“, sagte ein BMW-Sprecher. Der bayerische Hersteller baut dort den Kleinwagen Mini sowie Autos der Luxusmarke Rolls-Royce für den Weltmarkt. Zusätzlich hat BMW dort auch Werke für ihre eigenen Modelle.

Gelassenheit auch in Stuttgart bei Porsche. „Wir respektieren die Entscheidung der Briten. Es ist noch zu früh, um über mögliche Auswirkungen zu sprechen. Wir sind als global agierender Autohersteller sehr gut aufgestellt, und richten uns immer nach den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen“, sagt ein Porsche-Sprecher der „Automobilwoche“. Ähnlich geht es auch Volkswagen in Wolfsburg. Europas größter Autobauer sei flexibel genug, sich an verändernde Situationen, wie etwa einen Brexit, anzupassen, hieß es aus der Firmenzentrale.

Mit Aston Martin hat sich auch ein britischer Hersteller geäußert. Der Sportwagenbauer hat die Regierung gebeten, den bislang zollfreien Zugang zu den Märkten der Europäischen Union weiterhin zu gewährleisten. CEO Andy Palmer sagte zum Brexit: „Aston Martin wird einen mittelfristigen Plan entwickeln, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren.“

Auch Jaguar Land Rover ist zumindest teilweise abhängig von guten Außenhandelsbeziehungen zur Europäischen Union. „Europa ist ein wichtiger Schlüsselmarkt für unsere Marken Jaguar, Land Rover und Range Rover. Wir stehen unseren Kunden der aktuellen Lage zum Trotz in jedem Fall bei“, äußerte sich eine Sprecherin der britischen Marke, die seit 2008 zur indischen Tata Motors Gruppe gehört.

Während sich einige Hersteller bereits zum Standort Großbritannien bekannt haben (u.a. Bentley, Toyota und Vauxhall), denken andere bereits über Investitionsverlagerungen nach. Darunter Nissan, der als zweitgrößter Autohersteller in Großbritannien hinter Jaguar/Land Rover gilt. Die Japaner bauen in Sunderland jährlich rund 500.000 Autos, die überwiegend exportiert werden.

Auch in Südkorea gibt es erste Anzeichen der Verstimmung. Der Grund: Die „South Korean Auto Association“ fürchtet, mit dem EU-Austritt von Großbritannien könnte der Einfuhrzoll für Autos in Höhe von zehn Prozent des Preises wieder reaktiviert werden. In Branchenkreisen gilt das jedoch als unwahrscheinlich, da die EU und Großbritannien sehr schnell neue Verträge aufsetzen würden, die genau diese Zollschranken verhindern oder zumindest minimieren sollen.

Brexit: Das erwarten die Experten nach dem EU-Austritt

Währenddessen hält es der Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen für unwahrscheinlich, dass sich größere wirtschaftliche Folgen aus dem Brexit entwickeln könnten. Im Gespräch mit dem Magazin „Automobil-Produktion“ sagte er: „Bei nüchterner Betrachtung erscheint in der Autobranche ein Brexit längst nicht so gefährlich, wie ihn viele Verbände und Unternehmen an die Wand malen.“

Ein anderes Bild zeichnet sich derzeit an der Deutschen Börse in Frankfurt ab: Der Deutsche Aktien Index gab in den ersten Stunden nach Verkündung des Brexit-Votums um mehr als zehn Prozent nach. Auch die Aktie von BMW fiel um beinahe acht Prozentpunkte auf 68,35 Euro; Volkswagen (VOW.DE) gab zeitweise um mehr als sechs Prozentpunkte nach.

Analysten der Investmentbank Evercore mit Hauptsitz New York gaben erste Prognosen ab, wie sich die Automobil-Industrie im Vereinigten Königreich entwickeln könnte: „Wir erwarten, dass die Autoverkäufe in Großbritannien im Jahr 2016 um 4,5 Prozent nachgeben – als Reaktion auf die unsichere wirtschaftliche Lage“, sagte Marktforschungsvorstand Arndt Ellinghorst der Zeitung „Automotive News“. Bisher war die Bank von einem Wachstum von drei Prozent ausgegangen.

Die Blütezeit der britischen Autoindustrie ist gefährdet

Die großen Glanzzeiten britischer Automarken liegen lange zurück, dank ausländischer Investitionen erlebt die britische Autoindustrie aber seit einigen Jahren eine neue Blüte. Großbritannien gilt als drittgrößter Autobauer in Europa, hinter Deutschland und Spanien, aber noch vor Frankreich. Das 1. Halbjahr 2016 markiert mit 900.000 produzierten Autos gar einen 16-Jahres-Höhepunkt.

Mit einem Austritt aus der Europäischen Union könnten sich für viele Hersteller die Vorzeichen ändern. Rund 730.000 Menschen sind in der britischen Automobilbranche beschäftigt. Rund 80 Prozent der in Großbritannien gefertigten 1,6 Millionen Autos Autos werden exportiert, 40 Prozent in die EU. Der Umsatz der Branche liegt bei gut 60 Milliarden Pfund. Ein Brexit muss nicht unbedingt negative Folgen haben: Bei einer Abwertung des Pfunds würde das die dadurch billigeren Exporte begünstigen. So zumindest eine Theorie.

Die andere Seite beleuchtet Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach: „Den stärksten Negativeffekt wird es für die britische Automobilindustrie und deren Arbeitsplätze selbst geben, da der Standort außerhalb der EU unattraktiver wird.“ Bratzel geht sogar so weit, dass er davon ausgeht, dass der Brexit „insgesamt zu einem schleichenden Exit der Auto-Industrie aus Großbritannien führen wird“.

Nach einer Umfrage der Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) unter 289 Unternehmen aus der Automobilbranche erwarten 57,1 % negative auswirkungen des Brexits, knapp 25 % können noch keine Aussage treffen, nur 8,3 % erwarten einen positiven Effekt, 6,9 % erwarten gar keine Auswirkungen und nur 2,8 % haben sich noch nicht festgelegt.

Brexit und die Folgen für den Autokäufer

Für den Autokäufer wird sich nach dem Brexit vermutlich wenig ändern. Zwar sind die Briten nicht mehr an EU-Vorgaben wie beispielsweise Emissionsgrenzwerte gebunden, aber da die britischen Autobauer weiter stark in die EU exportieren, werden sich auch die Autos weiter an den EU-Vorgaben orientieren. Auch Zoll-Aufschläge sind nicht zu erwarten, da die EU und Großbritannien sehr schnell entsprechende Handelsabkommen einfädeln würden.

In der Fotoshow zeigen wir Ihnen welche Hersteller welche Modelle in Großbritannien fertigen.

Neuester Kommentar

An und für sich, wollten die Briten doch ihre persönliche Freiheit, sie wollen nur
für sich sein, eigentlich ein Unding nach deren Vergangenheit, als ehemaliges
Großreich.
Im ersten Moment hat mir England leid getan, aber nach dem, was jetzt so passiert
mit dem lahmen Austritt, habe ich kein Verständnis mehr. Raus ist raus!

Wowire 28. Oktober 2016, 11:07 Uhr
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