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Briatore

Ziel ist der WM-Titel 2009

Foto: Renault 36 Bilder

Nach einer durchwachsenen Saison 2008 will Renault F1-Teamchef Flavio Briatore im kommenden Jahr wieder auf Titeljagd gehen. Im Interview mit sport auto sprach sich der Italiener zudem noch einmal vehement für Einsparmaßnahmen aus.

29.11.2008 Michael Schmidt Powered by

Warum war Renault am Anfang so schlecht und am Ende so gut?
Briatore: Ich glaube nicht, dass wir so schlecht waren. Zum Saisonstart haben wir für 2007 bezahlt, als das Auto wirklich schlecht war. Bereits die erste Version des 2008er Autos war besser als die letzte von 2007. Wenn man so weit weg ist, wie wir es waren, macht man nicht einen großen Schritt von heute auf morgen. Die Erfahrung von Alonso hat die positive Entwicklung beschleunigt. Er hat uns klar gesagt, wo wir stehen.

Wieso ist Renault 2007 so weit abgerutscht?
Briatore: Alles, was uns der Windkanal empfohlen hat, funktionierte nicht. Nach so vielen Jahren mit verlässlichen Zahlen, hat er uns plötzlich angelogen. Das hatte auch etwas mit dem Wechsel von Michelin zu Bridgestone zu tun. Das Reifenmodell passte nicht mehr. Nach dem Umbau des Windkanals macht jede Neuentwicklung unser Auto schneller. Die Normalität ist wieder eingekehrt.

Was war der Schlüssel, um wieder aus der Krise zu finden?
Briatore: Wir haben die Entwicklung des 2008er Autos sehr spät begonnen, weil wir erst verstehen wollten, was am Vorjahreswagen falsch gelaufen ist. Es hat uns fünf Monate gekostet, bis wir eine Antwort hatten. Deshalb waren wir nicht gleich vom Saisonbeginn an bei der Musik.

Wie schwierig war es, die schlechten Ergebnisse der Konzernzentrale in Paris zu erklären?
Briatore: Es ist unmöglich, immer an der Spitze mitzufahren. 2005 war Ferrari nirgendwo. Das passiert anderen auch. Die Bilanz von Renault seit 2001 ist gar nicht so schlecht. In sieben Jahren haben wir vier Titel gewonnen. Mehr hat in den letzten zehn Jahren nur Ferrari gewonnen.

Ein Schwachpunkt ist immer noch der Motor. Was lief da schief?
Briatore: Als die FIA entschieden hat, die Motorenentwicklung einzufrieren, lagen alle Motoren plus, minus ein Prozent auf einem Niveau. Dann hatten einige Teams Sorge um die Standfestigkeit ihrer Motoren. Deshalb öffnete die FIA das Entwicklungsfenster noch einmal für vier Monate. Da Standfestigkeit für uns kein Thema war, haben wir nichts gemacht. Einige andere haben die Situation ausgenutzt und nicht nur an der Absicherung der Zuverlässigkeit gearbeitet, sondern auch Leistung gefunden. Das war gegen den Geist des Reglements.

Wie groß ist das Defizit?
Briatore: Auf die Rundenzeit bezogen fehlen uns wegen des Motors vier Zehntel pro Runde auf McLaren-Mercedes und Ferrari.

Ist es fair, dass jetzt nur Sie und Honda nachbessern dürfen?
Briatore: Natürlich ist es fair. Wir haben nur die Regeln befolgt. Dafür wollte man uns die nächsten fünf Jahre bestrafen. Wenn die Entwicklung so lange eingefroren ist, kann ich so lange nicht aufholen. Als die FIA den Entwicklungsstopp bekanntgegeben hat, haben wir 90 Mitarbeiter in Viry-Chatillon abgebaut. Das war eigentlich Sinn und Zweck der Aktion. Die anderen haben aber ihr Personal behalten.

Warum haben Sie so lange gewartet, die Vertragsverlängerung von Alonso bekanntzugeben?
Briatore: Weil wir das immer erst am Saisonende tun wollten. Die Spekulationen, dass Fernando zu Ferrari, zu BMW oder Honda geht, sind bereits in Melbourne kursiert. Deshalb haben wir das Thema Alonso totgeschwiegen.

Haben Sie Angst, Alonso könnte eines Tages doch noch zu Ferrari abhauen?
Briatore: Wir müssen ihm nur ein Siegerauto hinstellen. Unser Ziel ist es, mit Fernando 2009 wieder Weltmeister zu werden. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg dorthin. Wenn du ein schlechtes Auto hast, kannst du keinen Fahrer der Welt halten.

Warum hat man mit der Verpflichtung von Piquet solange abgewartet?
Briatore: Wer Alonso im Team hat, kann mit dem zweiten Fahrer experimentieren. Wenn wir immer mit den gleichen Fahrern antreten, finden wir nie den neuen Alonso.

Der Fahrermarkt gibt im Moment nicht viel her?
Briatore: Das ist das Problem. Die GP2 kann nicht jedes Jahr Fahrer wie Hamilton, Rosberg oder Kovalainen produzieren. Der beste Fahrer dieses Jahr war Romain Grosjean. Wahrscheinlich wäre die Formel 1 noch ein Jahr zu früh für ihn gekommen. Er hat in der GP2 noch zu viele Fehler gemacht. Manchmal muss man aber Risiken gehen. So haben wir Alonso entdeckt, so hat McLaren Hamilton hochgebracht.

Was halten Sie vom Hybridantrieb?
Briatore: Es wäre besser gewesen, wir hätten die Einführung um ein Jahr verschoben. Alle waren dafür, nur BMW nicht. Ich verstehe nicht, warum. Jetzt ist jeder gezwungen, viel Geld zu investieren. Ferrari und Renault sind die einzigen beiden Hersteller, die die Privatteams mit Motoren unterstützen. Für die kommt zu der Motoren-Rechnung auch noch die KERS-Rechnung. BMW tut sich da leicht, sie liefern ja noch nicht einmal Motoren an die Privatteams, bürden ihnen aber mit ihrem Festhalten an KERS zusätzliche Kosten auf.

Plädieren Sie für ein Einheits-KERS?
Briatore: Absolut. Wenn wir neue Technologien in der Formel 1 einführen, sollten wir sie gemeinsam entwickeln. Das spart Kosten und erfüllt den gleichen Zweck. Im Serienbau wird das längst gemacht. Wenn jeder für sich allein arbeitet, wird viel Geld verschleudert, und am Ende sind wir alle gleich weit. Das beste Beispiel waren die Schnellschaltgetriebe. Da werden neue Maschinen, neue Prüfstände gekauft, Leute eingestellt, und der Ballon bläht sich zu einem unkontrollierbaren Monster auf.

Deshalb sind Sie für den Einheitsmotor?
Briatore: Der Hintergrund des Entwicklungsstopps war es, die Motoren auf einem Niveau zu halten. Wenn sowieso schon alle Motoren fast gleich sind, warum setzen wir dann nicht alle den gleichen ein?

Wie sieht Ihr Modell vom Motorsport aus?
Briatore: Ganz einfach. Entweder wir erlauben auf einem Gebiet die volle Freiheit oder wir fahren alle mit dem gleichen Bauteil.

Läuft die Formel 1 nicht Gefahr, eine bessere GP2 zu werden?
Briatore: Es muss ja nicht gleich die GP2 sein. Es ist absoluter Irrsinn, 1.000 Leute zu beschäftigen und 300 Millionen Dollar auszugeben, nur um zwei Autos im Kreis fahren zu lassen. Ein GP2-Autos ist sieben Sekunden pro Runde langsamer. Die Teams machen das mit drei Millionen Dollar pro Jahr. Da muss es etwas dazwischen geben.

Worin sollen sich die Formel 1-Teams in Zukunft unterscheiden?
Briatore: Das Team soll den Unterschied ausmachen. Schauen Sie sich Red Bull und Toro Rosso an. Die Autos sind abgesehen vom Motor identisch. Trotzdem ist der eine besser als der andere. Weil er im Detail besser arbeitet. Technologie ist gut und schön, aber es sollte auch das Marketing dafür geben. Wir haben viele tolle Sachen im Auto, aber keiner kennt sie. Da müssen alle an einem Strang ziehen.

Mit welcher Kosteneinsparung für die Zukunft wäre die Konzernzentrale zufrieden?
Briatore: Mindestens 50 Prozent. Es sollte aber noch mehr möglich sein.

Wie meinen Sie das?
Briatore: Ich habe mir mal beim GP Brasilien die Lenkräder der Autos angeschaut. Die sehen aus, als wollten wir mit unseren Autos zum Mars fliegen. Irgendwie schauen sie aber doch alle gleich aus. Da frage ich mich: Wozu stecken wir soviel Energie und Geld da rein? Da werden nur die Egos der Ingenieure befriedigt.

Wenn Sie schon sparen wollen, warum sträubt sich dann Renault gegen die Testbeschränkung auf 15.000 Kilometer?
Briatore: Wenn ich beim Motor bestraft werde und dann noch nicht einmal testen darf, stehe ich nirgendwo. Wenn man uns erlaubt, den Motor nachbessern zu dürfen, können wir über Testrestriktionen reden.

Wie groß ist die Gefahr, dass ein Hersteller abspringt, wenn es nicht bald vernünftige Lösungen zum Sparen gibt?
Briatore: Wir haben unser Schicksal in der Hand, und wir müssen schnell handeln, sonst sterben die Privatteams und es springt mehr als einer ab. Wir leben nicht im goldenen Käfig. Um uns herum brennt es. Wir brauchen Lösungen für die Zeit von 2010 bis 2012. Ich schlage vor: Steckt alle, die in der Formel 1 etwas zu sagen haben in ein Hotel und gibt ihnen maximal eine Woche Zeit. Dann muss wie bei der Papstwahl weißer Rauch aus dem Kamin aufsteigen.

Wollen Sie der FIA das Heft aus der Hand nehmen?
Briatore: Überhaupt nicht. Ich sage nur, dass der Anstoß von den Teams kommen muss. Die FOTA hat Bernie Ecclestone und Max Mosley nicht den Krieg angesagt. Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten. Wenn wir aber nichts auf die Reihe kriegen, hat Mosley alles Recht, seine eigenen Ideen durchzusetzen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, die Formel 1 zu retten, und das wird er auch tun.

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