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Bruce Meyers Strandbuggys

Gänsehaut, Glücksgefühl, Freiheit

VW Buggy, Seitenansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Es gibt viele Strandbuggys auf Basis des VW Käfer, aber nur einen, der sie erfunden hat: Bruce Meyers erzählt auto motor und sport seine spannende Geschichte.

03.04.2013 Dani Heyne

Wenn das Leben die Länge eines kalifornischen Sonnentages hat, dann beginnt diese Geschichte kurz vor Mittag. Bruce Meyers liegt im warmen Sand von Pismo Beach, Kalifornien, und beobachtet das Treiben am Strand. Vor wenigen Monaten hat er den Zweiten Weltkrieg überlebt und entwirft und baut nun wieder Surfbretter und Boote – dieses Mal aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

Den jungen Alleskönner zieht es oft ans Meer, er mag den Mix aus Wellen, Sand und Sonne, die Fröhlichkeit. Hier surft er, schaut Bikinis hinterher, rockt zu Elvis oder trommelt zum Beat der Harleys. Das Leben ist leicht, und die heißesten Kisten sind umgebaute V8 im Hot-Rod-Style, deren Krümmer Feuer spucken. Sie sind spektakulär und doch viel zu schwer für den Sand. In jenen Tagen der frühen sechziger Jahre sieht Bruce, wie ein VW Käfer ohne Karosse Kreise um die V8-Monster dreht. Sein Besitzer hat die Bodengruppe gekürzt und fliegt wie eine Mücke über den Strand. Meyers ist beeindruckt und beginnt in Gedanken, eine Karosserie zu entwerfen.

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Reportage Bruce Meyers und seine Strandbuggys Der Strandbuggy lebt
auto motor und sport 06/2013
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Meyers Manx wurde 1963 geboren

Der Strand-Dress für den Käfer lässt ihm in den kommenden Wochen keine Ruhe mehr. In seinen Hosentaschen stecken Dutzende Zeichnungen, manche nur auf Servietten gekritzelt. Irgendwann schaut er zufrieden auf die Skizze eines Monocoques mit hohen Seiten, die Kotflügel geschwungen wie Sanddünen. Die zwei Sitze sind für eine bessere Traktion weit nach hinten gerückt, darüber spannt sich ein Überrollbügel.

18 Monate später startet das Jahr 1963 und Bruce die Kleinserie des ersten Strandbuggys weltweit. Seine einzige Bitte damals: "Hoffentlich verkaufe ich wenigstens ein paar von den Kunststoffrennern." Bei der Namensfindung hilft seine Frau, die beim amerikanischen Automagazin Road & Track arbeitet und die Kollegen fragt. In einer Abstimmung gewinnt "Manx", wie die Katzenrasse ohne Schwanz. Die Mitgründerin der Zeitschrift fügt hinzu: "Er soll Meyers Manx heißen."

Der Meyers Manx bekommt gleich bei seiner ersten Vorführung viel Applaus und Bruce eine Menge Aufträge. Doch es gibt Probleme: Die Produktion ist zu aufwendig, braucht viel Zeit, verschlingt zu viel Geld. Meyers hilft sich mit einem Plan B und kreiert in Windeseile ein Kit zum Selberbauen. Es besteht aus elf Teilen und verwandelt ab 535 Dollar jede Käfer-Bodengruppe in einen Meyers Manx. Volltreffer. Die Käufer lieben es ... und die Sonne des Lebens wärmt Bruce wie nie zuvor. Sein Manxter driftet über die Titelblätter von Magazinen und über Fernsehbildschirme, und seine Firma B.F. Meyers & Co wächst auf 80 Mitarbeiter heran, beliefert 75 Händler im Land und verbucht um 1970 stolze 7.000 Kits.

Kopierer klauen Meyers Idee

Es war eine Winzigkeit, die Bruce Meyers damals nicht bedacht hat. Und die ihn bis heute unter den Schatten der großen Palme verfolgt. Nach einem tiefen Atemstoß sagt er: "Als ich damals den ersten Manx entwarf, hatte ich etwas Schönes, Sinnliches im Kopf. Ein Surfer wie ich dachte nicht an die Gewinne von morgen. Sonst wäre all der Spaß und Sonnenschein auf einmal verschwunden."

Weggefährte und Mitarbeiter Stewart Reed beschreibt es so: "Das Geniale am Manxter war seine Einfachheit – und die ruinierte ihn schließlich." Denn die ausgelieferten Karosserieteile eines jeden Kits waren natürlich erstklassige Formen zum Kopieren – und genau das machten sie, die Neider. Sie bauten den Meyers Manx einfach nach und verkauften ihn unter anderem Namen. Als Bruce Meyers über 300 solcher Anbieter entlarvte, versuchte er, gerichtlich gegen sie vorzugehen. Doch er verlor, weil er von Geschäften keine Ahnung hatte und sein Patent nicht anerkannt wurde. Weil er ein Typ im Hawaiihemd ist, der die oberen beiden Knöpfe gern offen lässt und an das Gute im Menschen glaubt.

Die Sonne seines Lebens stand auf vier Uhr, als er in eine tiefe Krise rutscht. Der Versuch, mit neuen Kreationen der Situation zu entkommen, missglückt. Gebrochen verlässt er seine Firma, die wenige Monate später bankrott geht.

Mit 67 meldet sich Bruce zurück

Bruce kehrt der Buggy-Szene den Rücken und widmet sich in den kommenden Jahren Dingen, für die er viel Gefühl in sich trägt: er designt. Mal einen Rennwagen, mal eine Serie Kinderbetten in Form von Autos aus Fiberglas, mal ein Cabrio als Einzelstück. Schließlich erfindet er den ersten Whirlpool aus Kunststoff.

Als die Sonne schon etwas tiefer über ihm steht, wird er milde und folgt 1994 der Einladung zu einem großen Strandbuggy-Treffen in Frankreich, wo ihn Verleger Jacky Mortel wachrüttelt: "Dich hat es zwar hart getroffen, aber du musst das Positive sehen, nicht das Negative." Mortel legt Meyers nah, in Amerika einen Strandbuggy-Club zu gründen, die Fans würden ihm Kraft geben. Und so kommt es, dass sich Meyers im Alter von 67 Jahren in der Buggy-Szene zurückmeldet – mit dem typenoffenen Manx-Club und einigen neuen Modellen. Mittlerweile sind es vier, darunter der Manxter 2+2, ein viersitziger Strandbuggy, der wie alle auf dem Käfer aufbaut und entweder im Kit oder als komplettes Auto angeboten wird. Stress bei der Zulassung gibt es nicht, da Bruce immer einen alten Käfer als Basis nimmt, der bereits registriert ist. Die Umbauten müssen eingetragen werden, das war’s.

Als wir uns im San Diego County zum Gespräch treffen, strahlt er mit den Augen eines jungen Mannes, erzählt seine Geschichte und drückt uns schließlich einen Schlüssel in die Hand. "Erlebt selbst, was der Buggy mit Euch macht!" Also rutschen wir über den hohen Schweller eines gelben Manxter 2+2, fädeln die Füße unter das kleine Lenkrad, verriegeln das Dach vorn am Überrollbügel, zurren den Vierpunktgurt fest und rollen gemächlich den Sandweg zur großen Straße runter. Der Vierzylinder-Boxer aus dem Hause Subaru knurrt dabei unruhig. Die Lenkung reagiert ziemlich direkt, Schaltung und Kupplung sind lange Wege fremd.

Auch Elvis hat so gegrinst

Und da ist er, der breite Teerstreifen. Mit leichtem Tritt tanzen die Kolben, der Turbo pfeift laut, und wir fliegen mit rund 250 PS durch die kalifornische Hitze. Erster, zweiter, dritter, vierter Gang. Von jeder Seite streichelt der Wind wie beim Surfen auf einer hohen Welle. Gänsehaut, Glücksgefühl, Freiheit. So geht das eine Stunde, danach ist der Bauch so leicht, als hätte man die Frau aller Frauen zum ersten Mal gesehen.

Als wir den Manxter abstellen, schaut uns Bruce Meyers mit seinen 87 Jahren aufmerksam zu, erkennt das breite Grinsen und sagt: "Das macht der Manxter mit jedem. Ich habe Elvis so gesehen, Carroll Shelby und all die anderen." Obwohl die Sonne des Lebens mittlerweile glutrot über ihm strahlt, gibt sie ihm immer noch viel Kraft.

Wir bleiben länger als geplant, sitzen neben ihm, lauschen seinen Geschichten über sechs Ehen, dem geplanten Roadtrip durch Amerika, machen Witze und freuen uns still über diese einzigartige Begegnung. Die Welt wäre ohne die Meyers Manx weniger schön. Danke, Bruce.

Bruce Meyers

... ist der Sohn einer Musikerin und eines Autoverkäufers. In den zwanziger Jahren geboren, wuchs er in Kalifornien auf, surfte viel, überlebte den Zweiten Weltkrieg, designte und baute Segelboote aus Fiberglas und die ersten Strandbuggys. Damit schaffte er es bis auf das Cover diverser Magazine. Heute betreibt er einen Buggy-Club und schreibt seine Biografie.

Sportliche Erfolge

Wer meint, so ein Buggy könnte nur locker über den Strand rollen, irrt. Bruce Meyers fuhr gemeinsam mit einem alten Schulfreund in einem der ersten Meyers Manx die Strecke der Baja 1000 und knackte die damalige Rekordzeit – aufgestellt von einem Motorrad. Meyers half anschließend bei der Etablierung der Mexico 1000 (später Baja 1000); das erste offizielle Rennen fand bereits 1967 statt. Gewonnen hat es ein Meyers Manx.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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