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Bugatti Atelier Molsheim

So entsteht der 1.500-PS-Chiron

Bugatti Atelier Molsheim Produktion Fertigung Fabrik Foto: Bugatti 53 Bilder

Mit 1.500 PS unter der Haube setzt der Bugatti Chiron fahrdynamisch viele Maßstäbe. Jetzt nimmt auch die Produktion des Supersportwagens in Molsheim langsam Fahrt auf. Einblicke in die Manufaktur.

08.02.2017 Uli Baumann 3 Kommentare Powered by

Ein Bugatti Chiron ist schnell, sauschnell. Ganz langsam geht dagegen die Fertigung des Supersportwagens vonstatten. In der Atelier getauften Fertigungsstätte in Molsheim fügen 20 Mitarbeiter den Chiron aus über 1.800 Bauteilen in Handarbeit zusammen. Dabei gleicht kein Bugatti Chiron dem anderen, denn die Kunden neigen dazu, ihren Sportwagen stark zu individualisieren.

Im Schnitt vergehen so sechs Monate von der Bestellung bis zur Auslieferung eines Chiron. Auf verschiedene Großserienautos wartet der Kunde da mitunter länger. Insgesamt bis zu 70 Fahrzeuge werden in Molsheim im Jahr gefertigt. Die ersten Chiron-Modelle werden im ersten Quartal 2017 an Kunden ausgeliefert. Derzeit entstehen im Elsass im 1.000 qm großen Atelier 12 Modelle parallel.

Unendliche Konfigurationsmöglichkeiten

Doch bevor die Bugatti-Werker Hand an einen neuen Chiron legen können, muss der Käufer sich für eine individuelle Konfiguration entscheiden. Allein in der Standardfarbpalette finden sich 23 Farbtöne für den Außenlack, die mit 8 Varianten der Carbon-Optik kombinieren lassen. Im Interieur stehen 31 Lederfarben sowie 8 Alcantara-Farben zur Wahl. Dazu können 30 verschiedene Kontrastnähte, 18 Teppich-Farben sowie 11 Gurtfarben kombiniert werden. Natürlich zeigt sich Bugatti für nahezu alle Kundenwünsche offen. Egal, ob das Interieur zur Handtasche passen muss, oder der Außenlack zum Haustier.

Lackierzeit beträgt mindestens 3 Wochen

Allein für eine Standardlackierung veranschlagt Bugatti drei Wochen, ausgefallene Wünsche benötigen mitunter noch viel mehr Zeit. Für eine beinahe sterile Produktionsumgebung sorgt nicht nur der Fußboden mit seiner polierten Oberfläche. Neben dem Atelier wartet auf jeden Chiron der Leistungsprüftstand, der speziell für den 1.500-PS-Boliden abgestimmt wurde. Insgesamt durchläuft der Chiron während seiner Produktion 12 Stationen. An der ersten Station wird der in Salzgitter vormontierte W16-Motor, der dort zusammen mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bereits 8 Stunden auf dem Prüfstand gelaufen ist, für die Endmontage vorbereitet. An der Station zwei werden Carbon-Chassis und Motor verheiratet – eine Prozedur die sich fast eine Woche hinzieht, drei Mann bindet und auf 14 hochfeste Titan-Bolzen setzt. In Folge wird die Motorperipherie bestückt, das Heck eingekleidet und die Fahrzeugfront adaptiert. Insgesamt werden dabei 1.800 Schraubverbindungen fixiert, 1.068 davon werden mit ihrem Anzugsmoment dokumentiert.

Prüfstandsenergie für Molsheim

Dann werden die Räder und die Flüssigkeiten ergänzt. Jetzt darf der W16-Motor erstmals im Fahrzeug zum Leben erweckt werden und muss sich gleich auf dem Leistungsprüfstand bewähren. Hier wird der Chiron mit Spezialhalterungen fixiert. Die auf dem Prüfstand erzeugte Energie wird dem lokalen Stromnetzwerk zugeführt. Während der zwei bis drei Stunden dauernden Rollenprüfung werden etwa 60 Kilometer zurückgelegt. Maximal sind auf dem Prüfstand nur 200 km/h erlaubt, dafür dürfen aber die vollen 1.500 PS beim Beschleunigen abgerufen werden.

Erst im Anschluss wird die Carbon-Karosserie adaptiert, das dauert drei Tage. Nur 30 Minuten dauert der Monsun-Test in der Beregnungsanlage. Auch ein 2,85 Millionen Euro teurer Chiron muss schließlich dicht sein. Erst dann wird das Interieur montiert (3 Tage). Jetzt ist es Zeit für die erste Testfahrt. Dazu wird der Chiron in Folie verpackt (1 Tag) und hinterher wieder ausgepackt (1 Tag).

Die Testfahrt an sich umfasst rund 300 km und führt jeden Chiron durch die Vogesen, auf den Flughafen von Colmar, wo Tests mit über 250 km/h gefahren werden, sowie eine Autobahnpassage als Cool-Down-Strecke. Die Testrunde absolviert jeder Chiron auf speziellen Testrädern und mit einem Test-Unterboden – es sollen ja keine Spuren am Kundefahrzeug entstehen. Hebt der Testfahrer nach seinem Tripp den Daumen, so werden wieder die Originalräder und der Originalunterboden montiert. Zudem werden Motor- und Getriebeöl gewechselt, bevor es auf die finale Abnahmefahrt über 50 km geht.

Jetzt muss der Chiron nur noch eine umfanfreiche Qualitätskontrolle über sich ergehen lassen, bevor er mit seinem Käufer durchs Autoleben toben darf.

Neuester Kommentar

Ich verstehe leider nicht wieso die "Hochzeit" so lange dauert.
Vielleicht sollten zwei Mechaniker an dieser Stelle arbeiten, dann würden sie sich nicht im Weg stehen. Ich glaube, dass diese Zahl nur dazu dient, damit man sich wichtig macht.

SE560 9. Februar 2017, 23:08 Uhr
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