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Bugatti Chiron (2016)

1.500 PS, W16-Motor und 2,85 Mio teuer

Bugatti Chiron Foto: Guido ten Brink/SB-Medien 71 Bilder

In Genf debütierte mit dem Chiron der Nachfolger des legendären Supersportwagens Veyron. Das Hyper-Car hat wieder einen W16-Motor, diesmal mit 1.500 PS. Vom 2,856 Millionen Euro teuren Hyper-Car sollen nur 500 Exemplare gebaut werden, 250 sind schon verkauft.

06.03.2017 Holger Wittich, Andreas Haupt 8 Kommentare Powered by

Die Technik des Bugatti Chiron

Wie beim Veyron arbeitet auch im Chiron ein mächtiger Achtliter-W16 mit Abgasturboladern und Ladeluftkühlern als Mittelmotor, der seine Kraft auf alle vier Räder abgibt. Für die Kraftübertragung ist ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verbaut. Der Motor erhält statt der Multipoint-Injection gibt es eine Duplex-Kraftstoffeinspritzung mit 32 Einspritzventilen. So wird die Euro 6-Norm erfüllt.

Bugatti Atelier Molsheim Produktion Fertigung Fabrik Bugatti Atelier Molsheim So entsteht der Chiron

In Sachen Leistung kommt der Bugatti Chiron auf 1.500 PS und ein maximales Drehmoment von 1.600 Nm. Als Top-Speed sollten nach Computersimulationen 463 km/h erreicht werden, nun gibt Bugatti 420 km/h an. Bei dieser Geschwindigkeit rennt das neue Hyper-Car in den Begrenzer. Ohne Speedlimiter sollen echte 458 km/h drin sein. Der Spurt von Null auf 100 Sachen soll in unter 2,5 Sekunden erfolgen. Über den Kraftstoffverbrauch kann nur spekuliert werden, er soll bei unter 20 Liter pro 100 Kilometer liegen, der CO2-Ausstoß bei rund 450 Gramm CO2 pro Kilometer.

Diverse elektronische Helfer werden den Kunden bei der Fahrt im brachialen und unter 2 Tonnen schweren Supersportlers mit Carbon-Chassis unterstützen. Außerdem ist ein Easy-to-Drift-Knopf an Bord, mit dem der Allrad-Chiron gewollt und kontrolliert Übersteuern darf. Die weiteren technischen Daten finden Sie in unserer Tabelle.

Bugatti Chiron Foto: Bugatti
Die Seitenansicht des Bugatti Chiron zeigt sich das c-förmige Hufeisen.

Neuer Speedrekord geplant + Belastung für die Reifen

Das Guinness Buch der Rekorde führt den Bugatti Veyron 16.4 Super Sport noch heute als schnellstes straßenzugelassenes Serienauto der Welt. Die Bestmarke brannte der Chiron-Vorgänger vor sechs Jahren mit 431 km/h in den Asphalt. Damals auf dem VW-Testgelände in Ehra-Lessien.

Der Chiron soll diesen Rekord pulverisieren, wenn es nach Bugatti geht. „Wir werden einen neuen Weltrekord versuchen. Ich weiß, dass der Chiron schneller als der Veyron sein wird, aber wir wissen nicht um wie viel. Wir haben die Kalkulationen aus unseren Simulationen, aber es ist immer eine andere Geschichte, im Auto zu sitzen und es zu machen“, verlautbarte Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer. Schon beim Veyron deaktivierte Bugatti für die Rekordfahrt den Tempobegrenzer. Zunächst zickten die Guinness-Verantwortlichen zwar, doch man erkannte später den Rekord an.

Geschwindigkeiten jenseits der 400 km/h beanspruchen nicht nur Motor und Getriebe, sondern treiben auch die Reifen an die Grenzen. Michelin bleibt wie schon beim Veyron der exklusive Reifenpartner. Die Franzosen backen für den Chiron spezielle Walzen, die auf das Gewicht von knapp zwei Tonnen, die hohe Leistung und das hohe Drehmoment abgestimmt sind.

Bei Speeds von 300, 400 und mehr km/h müssen die Gummis einerseits zuverlässig halten, andererseits genügend Haftung aufbauen, damit das Fahrzeug auf dem Asphaltband klebt. Hohe Geschwindigkeiten treiben in der Regel die Temperaturen und dadurch die Drücke in den Reifen nach oben. Die Zentrifugalkräfte pellen den Gummi auf, das Profil wird gewissermaßen spitzer, die Lauffläche schmaler. Das reduziert den Griplevel. Ein bisschen vergleichbar mit dem Aufpumpen eines Fahrradreifens.

Michelin wirkt dem entgegen, indem man Aramidfasern in die Struktur einarbeitet. Diese haben einen „negativen Temperaturkoeffizient“. Bedeutet: Die Fasern dehnen sich bei höheren Temperaturen nicht so stark aus, sondern ziehen sich eher zusammen. Das sorgt wiederrum dafür, dass die Lauffläche sich nicht verschmälert. Mehr Grip ist die Folge. In aufwendigen Prüfstandstest werden die Reifen hohen Kräften ausgesetzt. Dabei dürfen sie weder kaputt gehen, noch Ablösungserscheinungen auf der Lauffläche aufweisen.

Das Selbstverständnis des Bugatti Chiron

„Das Lastenheft für den Chiron lässt sich in einem Satz zusammenfassen und ist damit wahrscheinlich das kürzeste, das es je in der Automobilwelt gab: Wir machen das Beste spürbar besser“, sagt Wolfgang Dürheimer, Präsident Bugatti Automobiles S.A.S. „Der Chiron wird in jeder Hinsicht neue Maßstäbe setzen. Wir werden weiterhin den leistungsstärksten, schnellsten, luxuriösesten und exklusivsten Serien-Supersportwagen der Welt bauen. Das ist der Anspruch Bugattis und unserer Kunden.“

Das Selbstbildnis

Erstmals ging die doch sehr konservative VW-Luxus-Marke einen eher ungewöhnlichen Marketing-Weg und gab erste Hinweise auf der Design in Form eines virtuellen Rennspiel-Modells. Einige Design-Elemente des Bugatti Vision GT aus dem Sony Playstation-Spiel Gran Turismo zeigten nämlich die neue Formen- und Designsprache der Marke. Auf der IAA 2015 wurde der Spiele-Renner dann in voller Größe gezeigt.

Das Design des Bugatti Chiron Der Bugatti Vision GT hat einen Ausblick gegeben. Das Serienmodell orientiert sich also stark an der virtuellen Studie. Der Hufeisen-Kühler und das geschwungene „C“ an der Seite sind die zentralen Designelemente. An der Front schauen rechts und links vier Voll-LED-Scheinwerfer böse drein. Die Schürze mit den großen Luftöffnungen und die Motorhaube mit seinen starken Sicken führen von dem Hufeisen-Grill den Blick weg. Dadurch entsteht schon im Stehen eine gewisse Dynamik. Kräftig ausgestellte Radhäuser mit 20 Zoll Rädern vorne und 21 Zöllern hinten geben dem Supersportler im Zusammenspiel mit der Zweifarbigkeit und dem abgesetzten „C“ auch in der Seitenansicht seine Sportlichkeit.

Betrachtet man das Heck des Bugatti Chiron, so erscheinen hier die größten Unterschiede zur Vision-Studie. Hingucker ist das LED-Leuchtenband aus 82 einzelnen LED, das die weit geöffnete Heckschürze optisch zusammenhält. Ein Doppelrohrauspuff prangt in einem riesigen Diffusor. Ein schmaler Steg führt mittig nach oben über das Dach hinweg – zusammen mit zwei starken Karosseriesicken werden das schmale Heckfenster und das leicht überstehende Dach eingefasst ... darunter ist der W16-Motor zu sehen.

Der Innenraum

Auch hier zeigt sich das C-Element von der Seitenansicht wieder. Es strebt von der mächtigen Mittelkonsole zwischen den beiden Sportsitzen empor und mündet schwungvoll im Rückspiegel – begleitet von einem LED-Lichtband. Ansonsten zeigt sich das Interieur luxuriös aber puristisch. Große TFT-Bilderschirme? Fehlanzeige. Stattdessen hat Bugatti auf der Mittelkonsole den Schalthebel sowie vier metallene Drehknöpfe samt Mini-Display für Sitzheizung, Klimaanlage und Ventilation untergebracht – das wars. Der Fahrer hingegen greift in eine Multifunktions-Ledersportlenkrad mit Schaltwippen, Fahrmodus- und Start-Stopp-Knopf. Er schaut auf ein digitales Kombiinstrument, das von einem 500-km/h-Tacho dominiert wird.

Wer sich nicht nur am Sound des W16-Motor erfreuen kann oder will, für den hält der Chiron noch eine Musikanlage mit Ein-Karat-Diamenten in den vier Hochtönern bereit.

Bugatti Chiron Foto: Bugatti
Auch im Innenraum setzt sich das c-förmige Hufeisen in der Mittelkonsole bis über das Dach hin fort.

Der Preis

Vorab durften schon einige solvente Kunden den neuen Bugatti Chiron begutachten. Diese Vorvermarktung soll bereits über 120 Bestellungen generiert haben – immerhin, kostet der Bugatti Chiron 2,856 Millionen Euro – deutlich über 1 Million mehr als das nunmehr ausverkaufte Modell Veyron. Wer sich noch eine Chiron sichern will, muss mit einer Anzahlung von 200.000 Euro rechnen, bei der endgültigen Bestellung werden weitere 900.000 Euro fällig, den Rest zahlt der Kunde bei Übergabe.

Wie beim Veyron bleibt es bei der streng limitierten Auflage von 500 Exemplaren – pro Jahr sollten 50 Fahrzeug die Manufaktur verlassen, unterdessen wurde der Output auf 65 Modelle pro Jahr ausgedehnt. Alleine der Bau eines Modells dauert zwei Monate. Mit Stand März 2017 sind schon 250 Modelle des Chiron verkauft. Europa ist mit 37 Prozent aller Verkäufe – wie schon beim Veyron – die stärkste Region, gefolgt von Nordamerika, von wo bislang 30 Prozent der Bestellungen kommen. Der Nahe Osten ist mit 26 Prozent ein weiterer traditionell wichtiger Markt für Bugatti. In den Tagen rund um den Genfer Autosalon werden die ersten Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert.

Die Käufer

Klar, wer einen Bugatti Chiron kauft, der ist kein Ersttäter: Durchschnittlich 42 Fahrzeuge besitzt jeder Chiron-Kunde. 2,7 Privat-Jets kommen dazu, außerdem noch 1,2 Yachten, 3,2 Helikopter und 4,6 Immobilien.

Der Name

Der Namensgeber des Bugatti Chiron ist Louis Alexandre Chiron, der gebürtige Monegasse fuhr in den 20er- und 30er-Jahren für Bugatti und konnte einige GPs für sich entscheiden, bevor er zu anderen Marken wie Alfa, Maserati und Mercedes wechselte. Eher unrühmlich war ein Vorfall 1949, als Chiron öffentlich auf einer Party in Monaco Hellé Nice – Rennfahrerin, Model und Tänzerin – der Kollaboration mit den Nationalsozialisten beschuldigte. Mit seiner Äußerung, die sich als unwahr herausstellte, hatte Chiron die Rennfahrerkarriere von Nice vorzeitig beendet. Chiron hat bis zu seinem Tod 1979 maßgeblich an der Ausrichtung der Grand Prix von Monaco mitgewirkt. Übrigens: Schon 1999 hatte Bugatti mit dem 18/3 Chiron eine Sportwagen-Studie präsentiert, die den Veyron vorwegnahm. Das Modell wurde seinerzeit von Fabrizio Giugiaro von Italdesign gezeichnet.

Bugatti Galibier Foto: Bugatti
Wurde nichts draus: Bugatti plante eine Limousine, doch mehr als die Studie Bugatti Galibier gab es nicht.

Die Zukunft des Bugatti Chiron

Klar ist jetzt schon, der Bugatti Chiron wird den gleichen erfolgreichen Marketingweg gehen, wie sein Vorgänger Veyron. Bedeutet: Vom Chiron wird es nicht nur einen offene Version geben, sondern im Verlaufe des Modellzyklus auch noch eine stärkere Version. Darüber hinaus lässt es sich Bugatti nicht nehmen, Sondermodelle nach speziellen Kundenwünschen aufzulegen.

Was wurde aus dem viertürigen Bugatti Galibier?

Der Bugatti Galibier, der 2009 als Studie präsentiert wurde, kommt leider über den Status eines Conceptcars nicht hinaus, auch wenn VW und Bugatti lange die Möglichkeit einer Serienfertigung aufrecht erhieltem. Schließlich kam es zum finalen Rettungsschuss: Ein viertüriger Bugatti würde, so der damalige Bugatti-Chef Schreiber, „die Kunden verwirren“.

Bugatti Chiron
Motor 16-Zyl. W-Motor
Aufladung Abgasturbolader m. Ladeluftkühler
Antrieb Allrad
Getriebe 7-Gang Doppelkupplung
Hubraum 7.993 cm³
Leistung 1.500 PS / 1.103 kW bei (6.700 U/Min.)
Max. Drehmoment 1.600 Nm bei (2.000 U/Min.)
0 - 100 km/h < 2,5 Sek.
0 - 300 km/h 13,6 Sek.
V-max 420 km/h
Länge 4.544 mm
Breite 2.038 mm
Höhe 1.212 mm
Radstand 2.711 mm
Leergewicht 1.995 kg
Grundpreis 2.856.000 €
Neuester Kommentar

@oxofrmbl Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Wenn du erwachsen wärst, würdest du gelassen über solchen Dingen stehe und nicht so pupertär in der Gegend rumposaunen. Ist ja peinlich so ein Benehmen. Und jetzt zurück an den Kindertisch.

joschbrodi 30. Juli 2017, 13:35 Uhr
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