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Bugatti Typ 37 im Originalzustand

Im Bugatti zur Fahrstunde

Bugatti Typ 37 - mokla 0410 Foto: Stefan Knittel 31 Bilder

Dieser Typ 37 hat sichtlich einiges erlebt: Zuerst als erfolgreicher Rennwagen in bayerischem Besitz, nach dem Krieg als Fahrschulwagen in Thüringen. Nun kehrte der Bugatti wieder zurück in Bayerns Berge.  

26.06.2012 Stefan Knittel Powered by

Ob auf dem Parkplatz vor einem Werkzeugladen, an einem Biergarten oder bei einer Oldtimer-Veranstaltung, der Wagen sorgt für Aufsehen. Dabei ist es weniger das Erstaunen, dass es sich offensichtlich um einen Rennwagen handelt - was von den Tönen aus dem Auspuffrohr bestätigt wird -, sondern der Zustand des Klassikers, der für angehobene Augenbrauen sorgt.

Fast so selten wie eine Blaue Mauritius: Ein Bugatti Typ 37 in Originalzustand

"Was ist das?" fragten sich schon viele Betrachter angesichts der recht vernachlässigt wirkenden Karosserie: "Ein echter Bugatti ist viel zu wertvoll, den lässt doch keiner so verkommen! Ein Plastik-Bausatz kann es auch nicht sein, den kann man ja nicht so hinkriegen." Die Antwort liegt in der Geschichte des Bugatti Typ 37 mit der Fahrgestellnummer 37234 begründet. Martin Strohhammer kannte den Wagen schon lange, bevor er ihn 2001 schließlich erwerben konnte. Der 50-jährige Mechaniker und Kühlerbauer ist seit vielen Jahren in Bugatti-Kreisen bekannt und durch sein handwerkliches Geschick gefragt. Er hatte stets darauf hingewiesen, dass dieser Bugatti als einer der letzten seine Geschichte noch wirklich zeigt und das auch so bleiben sollte.

10.400 Reichsmark - Der Vierzylinder-Bugatti war 1925 ein Sonderangebot

Mit dem Typ 37 stellte Ettore Bugatti 1925 einen neuen Vierzylinder-Sportwagen als Nachfolger der Brescia-Modelle vor. Der Motor war eine Neukonstruktion, im Erscheinungsbild rechtwinklig und glattflächig wie der Reihenachtzylinder des Typ 35 und ebenso mit je drei Ventilen pro Zylinder ausgestattet, geöffnet von einer obenliegenden Nockenwelle. Der Kurbeltrieb des 1,5 Liter großen Vierzylinders lief jedoch auf Gleitlagern statt auf Wälzlagern wie beim Zweiliter-Achtzylinder.

Die schnittige, besonders schmal gehaltene Grand-Prix-Karossierung des Zweisitzers war ebenso vom Kühler in Hufeisenform und dem Spitzheck geprägt, der Typ 37 wurde jedoch mit Drahtspeichenrädern anstelle der Leichtmetallräder des Typ 35 geliefert. Die einfach zu demontierende Lichtanlage sowie ein Tachometer blieben die einzigen serienmäßigen Zugeständnisse an den Straßenbetrieb, denn ebenso wie der Achtzylinder war auch der Bugatti Typ 37 als Sportgerät gedacht. Mit 10.400 Reichsmark lag er mehr als deutlich unter dem Achtzylinder-Typ 35, für den 25.400 Mark zu berappen waren.

Der Bugatti Typ 37 holt den Klassensieg beim Salzbergrennen

Am 28. Januar 1927 war der Wagen mit der Nummer 37234 in Molsheim fertig, sieben Tage später traf er per Bahn in München bei der Firma Omnia-Kraftfahrzeug-Handels GmbH ein. Als Importeur der Sportwagen aus dem Elsass hatte dieses Unternehmen seit 1925 bereits neun Bugatti Typ 35 und sechs Typ 37 verkaufen können. Es gab ja auch im süddeutschen Raum einige wohlhabende Kunden, die diese Wagen bei den immer zahlreicher werdenden Sportveranstaltungen einsetzten. Zu ihnen zählte der Münchener Bankier der Firma Omnia, Heinrich Eckert, der den frisch ausgelieferten Vierzylinder trotz winterlicher Bedingungen sorgfältig einfuhr, denn er bereitete sich auf ein großes Abenteuer vor.

Seinen ersten Einsatz erlebte der Bugatti Typ 37 am 19. und 20. Februar bei der traditionellen ADAC-Winterfahrt nach Garmisch-Partenkirchen. Im April ging Heinrich Eckert dann mit gezwungenermaßen wenig Gepäck zusammen mit dem Mechaniker Hans Häusler aus Baierbrunn im Bugatti auf große Fahrt nach Sizilien. Der Typ 37 hatte über sein typisches Bugatti-Blau einen weißen Farbüberzug bekommen, denn man wollte ja schließlich in den deutschen Rennfarben bei der Targa Florio antreten. Nach fünf Runden und 540 Kilometern auf den Schottersträßchen im Hügelland kamen Eckert/Häusler als Siebte ins Ziel, hinter den Werksrennwagen von Bugatti, Maserati und Peugeot. Das Ergebnis war ein großer persönlicher Erfolg und wurde auch in der heimischen Presse entsprechend herausgekehrt. Heinrich Eckert nutzte seinen Bugatti in der Folge jedoch mehr für private Ausflüge, lediglich beim Salzbergrennen (Rossfeld) in Berchtesgaden ging er im September 1927 noch einmal an den Start und holte erneut einen Klassensieg.

Bei der Winterfahrt in Garmisch war Heinrich Eckert 1928 wieder mit von der Partie und gewann erneut die 1500cm3- Rennwagenklasse bei Streckenfahrt, Eisrennen und Bergrennen am Eibsee. Zum Kesselbergrennen trat im selben Jahr dann sein Freund Hans Häusler mit dem Bugatti 37 an und belegte Platz drei in seiner Klasse.

Letzter Renneinsatz war 1932

1929 gab es keine Sporteinsätze. Im darauffolgenden Jahr kaufte Hans Ollendorf den Wagen. Dieser hatte während seines Studiums in München 1929 bereits einige Erfolge mit einem Salmson herausgefahren. Sein Vater war Chef der Agfa-Werke in Wolfen und dürfte den Bugatti bezahlt haben. Der erste Start erfolgte am Kesselberg und brachte gleich den Sieg in der 1.500er-Klasse der Sportwagen, das Eifelrennen endete mit demselben Ergebnis.

In der Saison 1931 startete Hans Ollendorf in der Rennwagenklasse, er hatte dazu aber weder - wie später immer wieder geschrieben wurde - auf einen Typ 37A mit Kompressor umgesattelt, noch einen Lader in den Wagen Nummer 36234 eingebaut. Dennoch gelangen weiterhin Klassensiege am Eibsee, in Baden-Baden, Hohensyburg, Thiersee und am Kesselberg, dazu ein zweiter Platz in Freiburg und ein fünfter auf der Avus. 1932 begann er seine Saison beim Eifelrennen, wo er aber nach dem tödlichen Trainingsunfall seines Freundes Hans-Joachim von Morgen auf den Start verzichtete und sich vom Rennsport verabschiedete.

Den Bugatti 37 übernahm Hans Simons in Berlin zusätzlich zu seinen beiden vorhanden Wagen gleichen Typs - und verkaufte ihn bald weiter. Beim GP von Deutschland am 17. Juli 1932 fuhr Karl Wagner - ebenfalls aus Berlin -, den Ex-Ollendorf-Bugatti auf Platz fünf in der 1.500 cm3-Klasse. Dies blieb der einzige berichtete Auftritt des neuen Besitzers und zugleich der letzte Renneinsatz des Bugatti 37234.

Für einen Kasten Bier wechselt der Bugatti Typ 37 den Besitzer

In Thüringen bekam der Wagen 1948 nach seiner Münchener Nummer IIA-3926 und dem Berliner Kennzeichen IA-42314 seine dritte Zulassung. In den neuen Kfz-Brief wurde der Zweiliter-Sechszylinder eines BMW 319 eingetragen. Die Karosserie hatte einige Zeit zuvor bereits auf einer roten Grundierung eine dunkelblaue Neulackierung bekommen, das neue Kennzeichen wurde allerdings erst nach einer weiteren Lackierung aufgemalt. Auf grünem Haftgrund wurde der heute noch vorhandene hellere Decklack aufgetragen und die ebenfalls erhalten gebliebene Windschutzscheibe montiert.

1954 stand der Bugatti als Fahrschul-Übungswagen auf einem Sportvereinsgelände herum, für einen Kasten Bier wechselte er den Besitzer. Dieser behielt ihn 40 Jahre, bis ein Enthusiast den Typ 37 entdeckte und ihn kaufen konnte. Mit einem neuen Motorblock und einer neuen Kurbelwelle ließ er einen Ersatz für den abhandengekommen Originalmotor Nummer 141 entstehen. Die frühere Geschichte des Wagens war dem neuen Besitzer zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt. Martin Strohhammer machte ihn darauf aufmerksam und bekam dafür das Versprechen, im Falle eines Verkaufs als Erster benachrichtigt zu werden. 2001 war es dann so weit.

Im Alltagsbetrieb problemlos

In erstaunlich guter Kondition fand der Mechanikermeister das Fahrwerk des Typ 37 vor: Achsschenkel, Spurstangen, Gelenke - alles original und ohne nennenswerten Verschleiß. In den Dreißigern war dem Auto der notwendige hohe Wartungsaufwand nicht versagt geblieben, danach schien es nicht mehr viel bewegt worden zu sein. Mit Martin und Inge Strohhammer an Bord legte der Bugatti jedoch nun eine wesentlich größere Laufleistung zurück als je zuvor. Über 30.000 Kilometer addierten sich. Abgesehen von kleinen, unterwegs stets lösbaren Problemen, gab es keinerlei Ausfälle - weder im sommerlichen Alltagsbetrieb noch bei einer Tour zum Gardasee über den winterlichen Brennerpass.

Natürlich mussten die Strohhammers auch unbedingt mit ihrem geschichtsträchtigen Bugatti an die Originalschauplätze. So sah er 2004 die Targa Florio-Strecke in Sizilien ebenso wieder wie im Jahr darauf das Kesselbergrennen. Dort war die Nummer 37234 übrigens am 15. Mai 2010 zum insgesamt fünften Mal innerhalb von 82 Jahren wieder am Start.

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