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Wolfgang Dürheimer im Interview

"Unsere Kunden sind Leistungsfreaks"

Wolfgang Dürheimer, interview, ams0616 Foto: Dominic Fraser
Interview

Der Bugatti- und Bentley-Chef über den neuen Supersportwagen Bugatti Chiron, den Erfolg des SUV Bentley Bentayga und die Wachstumspläne für die Zukunft.

01.03.2016 Jens Katemann 1 Kommentar
Gut zehn Jahre nach dem Veyron zeigen Sie auf dem Genfer Autosalon den Nachfolger Chiron. Es ist wieder ein Auto der Superlative. Was sind für Sie die drei größten Stärken des Neuen?

Dürheimer: Da ist zum Ersten das neue Design mit dem Acht-Augen-Gesicht vorne, der C-Spange in der Seitenansicht und dem Abrissheck, das ist für mich unverkennbar und die Signatur dieses Bugatti. Ein echter Hingucker. Dann der neue Motor mit nun 1.500 PS, damit ist der Chiron der leistungsstärkste Serien-Supersportwagen der Welt. Rennfahrer sagen ja nicht umsonst, dass Leistung durch nichts zu ersetzen ist als durch noch mehr Leistung. Das trifft definitiv auf den Chiron zu, bei dem man beim Beschleunigen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Unsere Kunden sind Leistungsfreaks, die wissen wollen, was in Sachen Topspeed und Beschleunigung noch geht. Der Chiron wird sie vom Hocker reißen.

Und der dritte Punkt?

Dürheimer: Ist das Thema Fahrdynamik. Hier haben wir gegenüber dem Vorgänger wahrscheinlich am meisten zugelegt. Das merkt man am deutlichsten auf dem Handlingkurs. Unsere Kunden werden viel Spaß haben.

Wie schnell fährt der Chiron?

Dürheimer: Weit über 400 km/h. Für den Straßenbetrieb werden wir das Auto auf 420 km/h begrenzen. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Chiron in 2,5 Sekunden, von 0 auf 300 in 13,6.

Der Tacho endet bei 500 km/h. Ist das eine magische Zahl, die Sie gerne knacken würden?

Dürheimer: Wir leben im Dezimalsystem, und Zahlen mit zwei Nullen am Ende haben immer etwas Magisches. Der aktuelle Geschwindigkeitsrekord steht bei 431,072 km/h, gefahren von unserem Werksfahrer Pierre-Henri Raphanel auf unserem Prüfgelände. Nach der Fahrt sagte er, so etwas brauche er nicht jeden Monat. Jenseits der 400 km/h schrumpft die Straße für den Fahrer zu einer engen Röhre, und das Fahrzeug legt in nur einer Sekunde eine Strecke von 111 Metern zurück. Insofern ist jede neue Rekordmarke für mich eine Sensation. Wir wissen, der Chiron kann deutlich mehr als der Veyron. Wie viel mehr? Ich weiß es noch nicht, aber der Tag wird kommen, an dem wir auf neue Rekordjagd gehen.

Verdient Bugatti mit dem neuen Auto Geld?

Dürheimer: Wie Sie wissen, äußern wir uns grundsätzlich nicht zu Finanzdaten, aber so viel kann ich Ihnen sagen: Das Projekt Chiron wird einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis leisten.

Bugatti ChironFoto: Bugatti
Bugatti-Veyron-Nachfolger Chrion: schon 120 Anfragen für den Supersportwagen.
IAA 2015, Bentley Bentayga
Bentley Bentayga auf der IAA 2015 in Frankfurt 1:37 Min.
Sie peilen einen Absatz von 500 Chiron in den kommenden zehn Jahren an. Wie viele Vorbestellungen haben Sie bereits?

Dürheimer: Uns liegen für bereits ein Drittel der Gesamtproduktion ernsthafte Anfragen, also Vorbestellungen vor.

Was ist denn mit einer ernsthaften Anfrage als Anzahlung verbunden?

Dürheimer: Kaufinteressenten haben 200.000 Euro oder im Dollarraum 250.000 Dollar bei uns hinterlegt, um auf die Warteliste zu kommen. Natürlich werden Kunden, die bereits einen Veyron besitzen, bei der Vergabe der Produktionstermine bevorzugt. Wir erleben jetzt, dass Neukunden versuchen, noch schnell einen gebrauchten Veyron zu kaufen, um auf unserer Liste weiter nach oben zu kommen.

Was kostet das Auto?

Dürheimer: Der Basispreis beträgt 2,4 Millionen Euro.

Sind alternative Antriebe wie ein Hybridsystem über den Lebenszyklus des Autos denkbar?

Dürheimer: Ja, aber dann insbesondere zur Steigerung von Leistung und Performance. Der Chiron wird nie ein vollelektrisches Auto oder ein Plug-in-Hybrid werden, mit dem man 50 km rein elektrisch fahren kann. Bugatti-Kunden wissen genau, was sie wollen, und sie besitzen viele Autos, im Durchschnitt über 40. Sie können davon ausgehen, dass alle bereits mindestens ein E-Auto in ihrer Garage haben. Mit dem Chiron wollen sie die ultimative High-Performance-Maschine und damit Teil eines sehr exklusiven Kreises von Bugatti-Besitzern sein.

Verträgt die Marke Bugatti ein zweites Modell?

Dürheimer: Ich denke schon. Aber wir sind eine kleine Mannschaft. Unsere volle Konzentration liegt jetzt auf dem Chiron. Dann sehen wir weiter. Ideen haben wir viele.

Sie haben mit der Limousine Galibier 2012 eine Studie gezeigt, die auf ein weiteres Serienmodell hingedeutet hat. Warum ist das Auto nicht realisiert worden? Spricht etwas gegen einen viertürigen Bugatti?

Dürheimer: Aus meiner Sicht nicht. Wir waren während meiner ersten Amtszeit bei Bugatti schon recht weit mit diesem Fahrzeug. Dann wurde aber entschieden, der supersportlichen Linie treu zu bleiben und wieder einen zweisitzigen High-Performance-Sportwagen zu entwickeln. Dass diese Entscheidung richtig war, sehen wir an dem hohen Interesse für den Chiron. Trotzdem schlägt mein Herz weiterhin auch für das Galibier-Konzept, weil wir für dieses Fahrzeug einige revolutionäre Ansätze hatten, an die sich bis heute in der Automobilindustrie noch niemand herangewagt hat.

Ist der Galibier, wenn es um die zweite Baureihe geht, für Sie die wahrscheinlichste Variante, oder folgt auch Bugatti dem SUV-Trend?

Dürheimer: Einen SUV für Bugatti sehe ich nicht. Eine viertürige, viersitzige Limousine ist in der Tat eine der Überlegungen. Aber warum nicht auch ein Sportwagen unterhalb des Chiron mit Zehn- oder Zwölfzylindermotor? Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass wir etwas wieder aufleben lassen, das Bugatti früher gemacht hat: Teile für den Motorsport zu entwickeln und an Rennsportteams zu liefern. Wir haben verschiedene Ideen, denn wir haben auf zahlreichen Gebieten viel Know-how erworben. Der Chiron hat zum Beispiel das modernste Monocoque der Welt aus noch steiferen und gleichzeitig leichteren Carbonstrukturen als bisher üblich. Damit sind wir auf LMP1-Niveau. Entschieden ist hier noch nichts.

Warum nicht?

Dürheimer: Das sind Gedankenspiele, und auf dem Weg zur endgültigen Entscheidung sind noch viele Fragen zu beantworten. Etwa, wie reagiert unser exklusiver Kundenkreis auf ein Auto unterhalb des Chiron? Würde das den exklusiven Charakter der Marke zu sehr verwässern? Solche Entscheidungen müssen mit viel Bedacht getroffen werden.

Kommen wir zu der zweiten Marke, die Sie verantworten. Wie viele Bestellungen haben Sie für den neuen Luxus-SUV Bentley Bentayga?

Dürheimer: Der Bentley Bentayga ist der stärkste, schnellste und luxuriöseste SUV der Welt, und er ist bereits jetzt zum Maßstab einer neuen Fahrzeugklasse avanciert. Die Nachfrage unserer Kunden ist überwältigend. Uns liegen rund 5.000 Bestellungen vor. Die erste Jahresproduktion ist damit fast komplett mit Kundenaufträgen belegt.

Sind das mehr, als Sie erwartet haben?

Dürheimer: Definitiv. Wir hatten mit einer Jahresproduktion von rund 3.600 Autos kalkuliert und stehen nun vor der angenehmen Aufgabe, die Produktionskapazitäten auf über 5.000 Autos pro Jahr erhöhen zu dürfen.

Reichen die Kapazitäten im britischen Stammwerk in Crewe dafür?

Dürheimer: Ja, wir können innerhalb der bestehenden Strukturen die Produktion auf 5.500 Fahrzeuge pro Jahr erhöhen.

Bentley BentaygaFoto: Bentley
Bentley Bentayga: Für den neuen SUV liegen bereits 5.000 Bestellungen vor. Damit ist die erste Jahresproduktion fast ausverkauft.
Wenn der Bentayga so gut ankommt, stellt sich die Frage nach weiteren Antriebsvarianten und Derivaten, oder?

Dürheimer: Im ersten Jahr gibt es den Bentayga nur mit Zwölfzylinder-Benzinmotor, dann folgt der V8-Diesel. Ein weiteres Jahr später bringen wir einen Sechszylinder-Plug-in-Hybrid, der alle Anforderungen an einen modernen Hybrid erfüllen wird. Dazu gehört eine rein elektrische Reichweite von 50 km, die insbesondere für China sehr wichtig ist.

Wie wäre eine Coupé-Variante à la BMW X6?

Dürheimer: Das ist eine Möglichkeit, die wir derzeit sehr ernsthaft untersuchen. Unsere Designer haben mir Entwürfe gezeigt, die mein Herz höherschlagen lassen.

Worauf warten Sie dann?

Dürheimer: Das Konzept eines SUV-Coupé konkurriert mit dem EXP 10 Speed 6, unserem zweisitzigen Roadster, den wir als Studie auf dem Genfer Autosalon 2015 gezeigt haben. Das Feedback zum Fahrzeug war so phänomenal, dass wir jetzt bis zum Jahresende vor der angenehmen Aufgabe stehen, zu entscheiden, was wir zuerst realisieren werden: SUV-Coupé oder Roadster.

Welche Stückzahl kann Bentley langfristig pro Jahr damit erreichen?

Dürheimer: Ich bin überzeugt, dass wir mit diesen weiteren Modellen unsere Stückzahl bis zum Jahr 2025 auf 20.000 Einheiten pro Jahr gegenüber heute verdoppeln können.

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Hallo! Haben Sie schon dieses Video gesehen, das Spaß an VW-Abgasskandal hat? https://www.youtube.com/watch?v=SgbU5c0wP1U

ollaH 19. Mai 2016, 23:13 Uhr
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