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Buick Series 50 Super 4-Door Sedan

Zehnjährige Restaurierung mit Hürden

Buick Series 50 Super, 4-Door Sedan, Baujahr 1941 Foto: Fact 27 Bilder

Dieser klassische 1941er Buick Series 50 Super war ein so genannter Spontankauf. Dann dauerte es rund zehn Jahre, bis sich das 5,34 Meter lange, gestrandete Schiff aus Amerika wieder manövrieren ließ. Motor Klassik lässt die Enstehungsgeschichte Revue passieren.

21.08.2010 Bernd Woytal Powered by

Es ist ruhiger geworden in dem kleinen Ort Hemhofen bei Erlangen. Vor etwa zwölf Jahren war das anders. Damals entschloss sich der US-Car-Fan Heinz Redel zum Kauf eines Buick Series 50 Super - dessen Restaurierung bescherte seinen Freunden viel Arbeit, aber auch Freude und seinen Nachbarn zumindest einen gewissen Unterhaltungswert. Alles begann mit einem Inserat in einem Anzeigenblatt, in dem die amerikanische Limousine angeboten wurde. Im Zustand 3 sollte sich der Buick befinden, "doch meine Kumpels, die mich bei der Besichtigung begleiteten, schlugen die Hände überm Kopf zusammen", erinnert sich Redel. Sie rieten ihm vom Kauf ab, doch bei ihm war die Entscheidung längst gefallen. Er wollte dieses Auto unbedingt haben.

Buick Series 50 Super - eine Restaurierung im Fachbetrieb kam nicht in Frage

"Besonders der Reihenachtzylindermotor begeisterte mich", gesteht Redel - und räumt ein, dass sein Optimismus alle Warnlampen überstrahlte, die angesichts der zahlreichen Fahrzeugschäden aufleuchteten. Etliche Rostlöcher verunstalteten den Buick Series 50 Super, die Innenausstattung erwies sich als total vergammelt, Motor und Getriebe waren fest.

Doch mit Unterstützung seiner vielen Freunde würde er das schon hinbekommen, denn eine Restaurierung in einem Fachbetrieb stand aus Kostengründen sowieso nie zur Debatte. Gemeinsam mit einem Bekannten transportierte Redel den Buick Series 50 Super auf einem Hänger in die heimische Garage - eine Aktion, die auch die Aufmerksamkeit der Nachbarschaft weckte. Es sollte nicht das letzte Mal sein. Obwohl die Temperaturen wegen des nahenden Winters in den Keller fielen, begann er mit der Demontage. Er zerlegte den Wagen komplett, wobei er die Einzelteile zwar in Kisten und Schuhkartons ordnete, aber eine exaktere Dokumentation unterließ. Ein Fehler, denn als es Jahre später wieder ans Montieren ging "habe ich ewig vor manchen Teilen gestanden, bis ich wusste, wo sie hingehören", sagt Redel.

Nachdem er die Karosserie des Buick Series 50 Super aller Teile entledigt hatte, wollte er sie sandstrahlen - daheim in der Garage. Er besorgte sich ein Sandstrahlgerät und einen lärmenden Baukompressor, der tagelang vor sich hinknatterte. Dieses Geräusch zehrte natürlich an den Nerven der Nachbarn, denen endgültig der Kragen platzte, als sich auf ihrem Grundstück durch den umherfliegenden Sand eine Art Sahara-Feeling einstellte. "Wir geben noch zwei Stunden, dann holen wir die Polizei", lautete das Ultimatum.

Die Instandsetzung der Buick Series 50 Super-Karosserie zog sich hin

Glücklicherweise hatte Redel die Arbeit eh fast beendet. Wirkliche Probleme mit der Nachbarschaft ergaben sich daraus aber nicht. Ein gutes Verhältnis ist eben extrem belastbar, und so arrangierten sich alle mit dem Kreischen der Schleifmaschine und dem Scheppern und Klopfen, das in den nächsten Jahren immer mal wieder zu hören war. Die Instandsetzung der Karosserie zog sich länger hin als gedacht. Schuld daran war ein Portugiese aus dem Ort, den man Redel als kompetenten Schweißer vorgestellt hatte. Doch an Autos hatte er offenbar noch nicht so viel gearbeitet, sonst hätte er vor dem Einschweißen der Schweller geprüft, ob sich die Türen des Buick Series 50 Super danach noch schließen lassen. Kurz und gut, der Mann erwies sich als Reinfall.

Teure Karosseriearbeiten am Buick Series 50 Super

Nachdem er auf Fragen nach seinem Honorar zunächst nie geantwortet hatte, stellte er am Schluss eine horrende Forderung in den Raum. Um diese durchzusetzen, nutzte er die Motor- und Getriebelager als Druckmittel, die er von Redel erhalten und zwecks Reparatur zu einem Vulkanisierbetrieb nach Portugal geschickt hatte: "Entweder das Geld oder die Lager landen im Atlantik." Letztendlich war Redel froh, einen Schlussstrich unter dieses unerfreuliche Kapitel ziehen zu können. Aber immerhin, die benötigten Bleche hatte der Portugiese perfekt nachgefertigt. Allerdings mussten einige davon wieder herausgetrennt und neu verschweißt werden. Das erledigte Redels Freund Peter Locker, der die Karosseriearbeiten zu einem glücklichen Ende brachte. Als die Nachbarn eines Tages Redel sahen, wie er mit einer Schubkarre Türen und Kotflügel des Buick Series 50 Super zu einem nahe gelegenen Lackierer brachte, wussten sie, dass sie das Gröbste überstanden hatten.

Lenkradkranz aus einem Kirschbaum

Redel entschied sich für eine Lackierung in Royalblau, das Dach wurde beige. Wie erwähnt war der Innenraum total marode gewesen, der Dachhimmel hatte gefehlt, und alle Bakelitteile waren zerbröselt. Die Buick Series 50 Super-Sitze ließ Redel bei einem Sattler komplett neu aufbauen, auch das Anfertigen der Verkleidungen und das Einziehen des Dachhimmels überließ er Spezialisten, wobei er die benötigten Stoffe und Bezüge selbst besorgte. Große Sorgen bereitete ihm das Lenkrad, dessen Bakelitkranz nur noch teilweise vorhanden war.

Als Rettung erwies sich ein Untermieter namens Uwe Schmid und ein Kirschbaum in der Nachbarschaft. Der mittlerweile zu groß gewordene Baum sollte sowieso weg - dafür war nun der richtige Zeitpunkt gekommen. Schmid, ein Multitalent in allen Handwerksbereichen, sägte aus dem gefällten Kirschbaum diverse Vierkanthölzer, die dann zum Trocknen in einem Heizungskeller verschwanden. Etwa zwei Jahre später holte er sie wieder hervor und fertigte mit Hilfe einer alten Drechselmaschine einen Lenkradkranz für den Buick Series 50 Super.

V8-Transport mit dem Motorroller

Angesichts dieser Meisterleistung verzichtete Redel gern auf Originalität. Das tat er übrigens in diversen Fällen, wenn er etwa ein Teil nicht auftreiben konnte wie die Zierelemente an den hinteren Kotflügeln. Auch das fehlende Luftfiltergehäuse des Buick Series 50 Super-Motors plante er mangels Verfügbarkeit durch eine Eigenkonstruktion zu ersetzen. Das blieb ihm aber erspart, weil er durch Zufall bei Ebay auf ein passendes Originalteil stieß.

Mit der Maschine verbindet Redel ein Erlebnis, über das er nur noch lachen kann. Nach längerer Suche hatte er damals einen geeigneten Betrieb gefunden, der den Motor und das Dreiganggetriebe überholen sollte. Das ausgebaute Achtzylindermonstrum hatte er auf einer Holzpalette mit Rollen gelagert. In einem Anfall von Leichtsinn kam er auf die Idee, die Palette an seinen Motorroller zu hängen und sie zu der etwa einen Kilometer entfernten Firma zu ziehen. Das ging natürlich schief. An einer Stelle, an der sich die Straße zum Rand hin neigte, rollte die Palette plötzlich zur Seite und krachte in ein parkendes Auto.

Mit dem Buick Series 50 Super 4-Door Sedan zum US-Car-Treffen

Doch Schwamm drüber, das ist vergessen. Etliche Jahre waren mittlerweile vergangen, in denen Redel und seine Freunde hart gearbeitet hatten. Doch nun drängte es ihn zur Street Mag Show in Geiselwind, ein US-Car-Treffen, wo er hoffte, mit seinem Buick Series 50 Super einen Pokal abzustauben. Doch das Auto wollte nicht. Es mangelte zwar nur noch an etwas Feinarbeit, aber Redel musste sich zwangsläufig bis zum Treffen im nächsten Jahr gedulden. Tatsächlich gewann er dann den erhofften Pokal. Doch der meiste Beifall kam von Nachbarn und Freunden. Beide Parteien freuten sich, als der Wagen fertig war - wenn auch vielleicht aus verschiedenen Gründen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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