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Freue mich schon auf 2009

Foto: dpa 42 Bilder

2008 hat Honda bereits nach sechs Rennen so viele Punkte wie in der gesamten letzten F1-Saison. Im Interview berichtet Jenson Button, wie das Honda-Team die Wende geschafft hat, welchen Anteil der Zugang von Ross Brawn hat und wie er in die Zukunft blickt.

28.05.2008 Michael Schmidt Powered by

Wie fühlen Sie sich heute im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres?
Button: Viel besser. Nicht so sehr wegen der Resultate, die immer noch nicht berauschend sind. Aber die allgemeine Gefühlslage im Team hat sich verbessert. Sie gibt Hoffnung auf mehr. Wir machen jedes Rennen Fortschritte. Im letzten Jahr sind wir auf der Stelle getreten. Das Team, das von seiner Basis her gut war, wurde mit den richtigen Leuten verstärkt. An erster Stelle Ross Brawn. Aber auch in der Aerodynamikabteilung sind gute Leute zu uns gestoßen. Ross weiß, wer an welcher Stelle optimal funktioniert.

Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?
Button: Auf jeden Fall. Hätten wir so weiter gemacht wie im letzten Jahr, wäre ich verzweifelt. Jetzt, wo ich spüre, dass es vorwärts geht, bin ich ein anderer Mensch. Am liebsten würde ich schon jetzt Rennen gewinnen, doch das ist noch Zukunftsmusik. Ich fahre meine neunte Formel 1-Saison und sollte eigentlich längst regelmäßig um Siege fahren, aber jetzt weiß ich zum ersten Mal, dass es sich lohnt zu warten. 2009 ist ein besonderes Jahr, weil sich alle Regeln ändern. Alle starten bei Null. Das ist unsere Chance. Eine vielleicht einmalige Chance.

Wie schwer fällt es Ihnen nach acht Jahren immer noch Geduld zu üben?
Button: Sechste Plätze wie in Barcelona verkürzen mir die Wartezeit. Ein sechster Platz ist normalerweise nichts besonderes, aber mit dem Auto, das wir zur Zeit haben, zählt er doppelt. Ich kämpfe im Mittelfeld um einen Punkterang wie andere für einen Sieg. Ich weiß, dass ich bereit sein muss, wenn das Auto gut genug für Siege ist.

Frustriert es Sie, wenn andere Fahrer eine problemlose Karriere haben?
Button: Jeder geht seinen Weg. Das ist vorbestimmt. Mein Weg hatte Höhen und Tiefen. Im Moment sehe ich mich in einem Hoch. Aber ich habe bereits alles in meiner Karriere durchgemacht. Das hat mir eine Erfahrung verschafft, die ein Senkrechtstarter erst noch machen muss. Ich würde meine Karriere mit keiner anderen tauschen wollen. Meine Zeit wird kommen.

Wie nah waren Sie 2007 dran sich von Honda zu verabschieden?
Button: Ich habe der Teamleitung bis hin zu Honda-Präsident Takeo Fukui klar gemacht, dass sich etwas ändern muss. Das war wichtig. Sie haben mir Recht gegeben, dass es so nicht weitergehen konnte. Als sich abzeichnete, dass Ross Brawn kommen würde, habe ich wieder an das Team geglaubt.

Wie groß war Ihr Beitrag?
Button: Ich habe Druck gemacht. Besonders um Ross Brawn an Bord zu bekommen. Die Reaktion des Teams auf diesen Druck hat mir gezeigt, dass meine Meinung ernst genommen wird. Ich habe gesehen, dass Honda die Formel 1 nicht als Showbetrieb sieht, sondern mit allen Mitteln gewinnen will.

Haben Sie sich auch deshalb so engagiert, weil Sie für Ihren Honda-Vertrag teuer bezahlen mussten?
Button: Es war sehr teuer, mich von Williams freizukaufen. Wahrscheinlich zahle ich immer noch daran ab. Aber ich wollte für einen Hersteller fahren. Honda hat in der Vergangenheit Erfolg gehabt, und ich sagte mir, dass es nur eine Frage der Zeit sein könne, bis es wieder soweit ist.

Warum ist Honda so tief abgestürzt?
Button: Der Abstieg begann Mitte 2006. Wir sind mit der Aerodynamik in eine falsche Richtung gelaufen. Abtrieb um jeden Preis, ohne richtig zu verstehen, was wir taten und warum. Die Strafe dafür bekamen wir mit dem 2007er Auto. Jetzt kümmern wir uns wieder um das Wesentliche, nämlich dass die Aerodynamik in allen Fahrzuständen funktioniert. Außerdem haben wir alles der Aerodynamik untergeordnet und andere Bereiche brachliegen lassen, wie zum Beispiel den mechanischen Grip. Ross Brawn hat diese Defizite schnell erkannt.

Sie arbeiten nun seit einem halben Jahr mit Ross Brawn. Verstehen Sie, warum Ferrari mit ihm in der Vergangenheit soviel Erfolg gehabt hat?
Button: Ross war nur ein Teil von Ferrari, aber er hat ein gutes Auge dafür, was wichtig ist, und was nicht. Seine größte Qualität ist die Menschenführung. So etwas hatten wir seit Jahren nicht mehr. Ross hat die Gabe, sich in aller Ruhe zurückzulehnen, und das ganze Bild zu betrachten. Er fällt keine Entscheidung aus Emotionen heraus. Er gebraucht einfach nur gesunden Menschenverstand. Die Ingenieure, die das Auto alle 14 Tage weiterentwickeln müssen, haben keinen Abstand zu dem Thema. Wenn sie nicht geführt werden, verirren sie sich.

Wie wichtig ist der psychologische Faktor?
Button: Das beflügelt jeden, der bei uns arbeitet. Als es offiziell war, dass er bei uns unterschrieben hat, gab es nicht einen im Team, der nicht begeistert gewesen wäre. Jeder dachte: Das ist die Wende. Wir wussten vielleicht nicht warum, aber wir wussten, dass es so sein würde.

Rubens Barrichello und Sie haben mehr Grands Prix auf dem Buckel als jede andere Fahrerpaarung. Ist das ein Vorteil?
Button: Wenn du ein Auto verbessern willst, ist Erfahrung durch nichts zu überbieten. Im nächsten Jahr wird das noch wichtiger, weil so vieles neu sein wird. Der zweite positive Effekt ist, dass wir uns gegenseitig antreiben. Wir sind selten weiter als ein Zehntel auseinander. Es gibt wenige Teams, bei denen es so eng zugeht. Wir können sicher sein, dass wir das Maximum aus dem Auto herausholen. Rubens zählt noch lange nicht zum alten Eisen. Der Junge gibt richtig Gas, und er legt eine Begeisterung an den Tag als hätte er gerade erst in der Formel 1 angefangen.

Ist der Hype um junge Fahrer übertrieben?
Button: Lewis Hamilton macht einen guten Job. Aber man muss zwei Dinge bedenken. Er wurde besser ausgebildet als jeder andere Pilot. Ich hatte als Neuling nicht annähernd viel Erfahrung. Er hat in seinem ersten Jahr das beste Auto im Feld gefahren. Auch das kann kaum ein Neuling von sich behaupten. In diesem Jahr gehen die Dinge zäher voran. Jetzt musst du dich fragen, welche Rolle der Teamkollege Alonso an seiner Seite spielte. Er war vielleicht doch eine große Hilfe.

Wie fällt Ihr Fazit nach sechs Rennen ohne elektronische Fahrhilfen aus?
Button: Ein großer Gewinn für den Zuschauer. Sie müssen sich nur das Freitagstraining anschauen, wenn die Strecke noch rutschig ist. Wann haben Sie zuletzt so viele Drifts gesehen? Das zeigt dem Zuschauer unsere Fahrzeugkontrolle. Ein Drift mit einem Formel 1-Auto ist viel aufregender als mit einem Straßenauto oder Tourenwagen. Ein Formel 1-Auto reagiert viel nervöser. Mir macht es mehr Spaß. Und im Rennen, wenn die Reifen nachlassen, ist es erheblich schwieriger geworden, das Auto auf der Strecke zu halten. Die größte fahrerische Herausforderung ist aber nicht das Fehlen der Traktionskontrolle, sondern der Motorbremse. Überholen ist ein echtes Kunststück geworden. Ein Sekundenbruchteil zu spät auf der Bremse, und das Auto steht quer, weil die Hinterräder blockieren. Du bist gezwungen, dein Ausbremsmanöver auf den letztmöglichen Augenblick zu timen.

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