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California Highway Patrol

Mit US-Cops auf Streife

California Highway Patrol, Impression Foto: Justin Evidon 9 Bilder

So war das im gleichnamigen Film von 1981. Wir gehen einen Tag mit den Cops der California Highway Patrol und ihrem schwarz-weißen Ford Crown Victoria Interceptor auf Streife und prüfen das nach.

23.04.2015 Dani Heyne

Der weiße Sportwagen hat noch nicht alle Muskeln angespannt, da tobt das Blitzlichtgewitter schon in seinem Rückspiegel. Die blauen Lichter der Rundumleuchte ziehen sich wie ein Lasso um den ungestümen Nissan GT-R – er gibt auf, rollt folgsam rechts ran. In den Seitenspiegeln sieht man den Fahrer eindeutige Worte ausspucken. "Wetten, er hat keine gute Ausrede", scherzt Adrian und steigt aus seinem Polizeiwagen. Nachdem er sich den schweren Gürtel und die Smith & Wesson 4.006 zurechtgerückt hat, checkt er, ob die Kamera in der Frontscheibe aufnimmt. Dann läuft er mit großen Schritten zum Sportwagen hinüber, stellt sich als Officer der California Highway Patrol (kalifornische Autobahnpolizei) vor und fragt den Fahrer, wie es ihm heute geht. Und dann, ob er wisse, warum er gestoppt wurde.

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Impression USA California Highway Patrol
auto motor und sport 06/2015
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Die Highway-Cops und ihre Kisten

Unser erstes Treffen mit Adrian und seinem Kollegen Matt lief zum Glück anders ab. Es ist einem verrückten Autosammler aus Los Angeles zu verdanken, der nicht glauben konnte, dass wir noch nie eine Geschichte über die Highway Cops gemacht haben – und über ihre Kisten. Der Typ lacht und ruft umgehend Adrian und Matt an, die keine halbe Stunde später in der Tür stehen. Klar würden sie uns mal mitnehmen und über ihren Alltag berichten, das muss nur alles mit dem Captain abgesprochen sein.

Der Captain drückt ziemlich fest zu, als er uns zwei Stunden später die Hand über seinen breiten Schreibtisch reicht. Sein "Guten Tag" kommt fast akzentfrei, Überbleibsel deutscher Wurzeln. Gegen die Mitfahrt hat er nichts, allerdings dürfen keine echten Namen gedruckt, keine Dienstgeheimnisse ausgeplaudert und keine gefährlichen Einsätze gefahren werden. Aye, aye, Captain.

"Es gibt zwei Typen von Fahrern", erzählt Adrian, nachdem er den Sportwagenfahrer hart, aber herzlich ermahnt hat. Den einen rutscht sofort das Herz in die Hose. Sie gestehen und bereuen, noch bevor sie überhaupt gehört haben, warum sie angehalten wurden. Dabei versprechen sie bei allem, was ihnen heilig ist, es nie wieder zu tun. Nicht selten fließen dabei Tränen. Die anderen sind das komplette Gegenteil: Supercool hören sie sich alles an und streiten es dann ab. Sie wollen Beweise. Fühlen sich zu unrecht beschuldigt. Drohen mit besten Anwälten. Ausraster sind bei beiden Fahrertypen übrigens äußerst selten.

Ford Crown Victoria Interceptor - liebster Dienstwagen

Adrian ist seit über 15 Jahren bei der California Highway Patrol. Er könnte ein Buch über Ausreden schreiben. Hätten alle Temposünder, die er stoppte, je die Wahrheit gesagt ("Muss dringend zu meiner Frau in den Kreißsaal"), gäbe es heute in Kalifornien mehr Kinder als in China.

Als er das erzählt, parken wir verdeckt im Schatten eines Baums. Der Verkehr auf dem dreispurigen Highway strömt dem Kühler des Crown Vic entgegen. Der Ford Crown Victoria Interceptor ist Adrians liebster Dienstwagen – auch wenn die klassisch geschnittene Limousine so sportlich auftritt wie ein Banker im Anzug. Ford baute den Wagen von 1992 bis 2011. Bis in die frühen 2010er-Jahre war er der meistverbreitete Polizeiwagen in ganz Amerika. "Du bist der Beste", sagt Adrian und streicht etwas Staub von dem esstischbreiten Armaturenbrett. Damit meint er vor allem die Platzverhältnisse, die keiner der Nachfolger bietet.

Obwohl der Innenraum der Limousine geräumiger ist als viele Studentenbuden, bleibt mit all den Umbauten wenig Platz. An beiden A-Säulen ragen Handhebel für die Suchscheinwerfer hervor, zwischen den Lehnen der Vordersitze stehen zwei Pumpguns, dahinter verläuft das Trenngitter zur zweiten Reihe. Die breite Sitzbank hat den Charme einer durchgesessenen Oma-Couch und trägt einen abwaschbaren Bezug. Die Highway Patrol geht hier auf Nummer sicher.

Einen Meter weiter vorn sitzen der Polizeifunk und eine kleine Schalterleiste für die Rundumleuchte samt Sirene. Davor lässt sich ein Laptop aufklappen. Er gleicht einem Altar und ist das wichtigste Werkzeug der beiden Cops. Hier gibt ihnen die Zentrale gespeicherte Daten zu einem Kennzeichen durch, Fahndungsfotos oder spezielle Routen bei einer Verfolgungsjagd.

Highway Patrol mit V8-Ford und 254 PS

Direkt darüber, auf Höhe des Innenspiegels, sitzt ein ziemlich fetter Kasten, über dessen Bildschirm digitale Zahlen tanzen. "Das ist unser Radarsystem", erklärt Adrian und zeigt auf den Highway. "Das System scannt die Geschwindigkeiten der Autos – so finden wir die schwarzen Schafe. Ich kann die Messung aufnehmen und als Beweis sichern", sagt der 42-Jährige. Wegen kleinerer Tempo-überschreitungen wecken die Jungs den 4,6-Liter-V8 mit 254 PS aber nicht. "Die meisten da draußen haben einen stressigen Alltag, müssen schnell irgendwohin. Da wollen wir nicht nerven. Wer jedoch zehn und mehr Meilen/Stunde zu schnell fährt, bekommt unangekündigten Besuch." In einer normalen Achtstundenschicht stoppen die beiden Cops der California Highway Patrol rund 35 Autos.

"Wollt ihr sehen, wie schnell wir sein können?" Adrian schmunzelt und checkt das Radar. Wir warten keine fünf Minuten, da steht eine 85 auf dem Radardisplay. In der Frontscheibe schnellt ein 5er BMW heran. "Festhalten!", ruft der Cop, presst den Wahlhebel der Viergangautomatik auf D und streckt das rechte Bein. Mit qualmenden Hinterrädern wendet der 5,38 Meter lange Wagen fast auf der Stelle und schießt die Auffahrt zum Highway hinunter. Keine Minute später zieht sich das blaue Licht um den BMW. "Es steckt noch viel Leben in dem alten Vic", sagt Adrian und steigt aus. Als er sich den Gürtel zurechtgerückt und die Kamera gecheckt hat, raunt er: "Mal sehen, ob’s ’ne gute Ausrede gibt."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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