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Projekt Anhänger-Zelt

Camp in der Box

Anhängerzelt Klappzelt Gordigear Eigenbau Foto: Torsten Seibt 42 Bilder

Neuer Boom in Sachen Outdoor-Camping: Offroad-Zeltanhänger werden auch bei uns immer beliebter. Wir haben einen gebaut.

28.04.2013 Torsten Seibt Powered by

Der Trend kommt aus etwas wärmeren Gefilden: vor allem in Australien und dem südlichen Afrika sind die „Trailer Tents“ gängige Behausung für den mehrtägigen Offroad-Trip in den Busch. Seit einiger Zeit greift die Begeisterung für diese Gefährte allerdings auch in Deutschland um sich. Ausgangsbasis ist eines der verschiedenen Klappzelte, die speziell für den Anhängereinsatz angeboten werden. Und eben ein mehr oder weniger Offroad-tauglicher Nachläufer.

Wie so vieles aus dem Outdoor- und Reisebereich haben die reisefertig angebotenen Anhängerzelte allerdings ein gewisses Manko: den Preis. Fertig ausgerüstete Offroad-Trailer sind selten unter 10.000 Euro zu bekommen, mit viel Spielraum nach oben. Eine Menge Geld für ein paar Wochen Zeltvergnügen im Jahr. Das muss auch billiger gehen, waren wir uns sicher, und machten uns an die Arbeit.

Projekt-Anhänger mit Gordigear-Zelt

Vor dem Projektstart gilt es zunächst, das für die eigenen Ansprüche passendste Zelt auszusuchen. Viele verschiedene Konzepte sind auf dem Markt. Wir entschieden uns für das Klappzelt des australischen Anbieters Gordigear, der mit einer Niederlassung in Oberbayern per Direktvertrieb den deutschen Markt beliefert. Mehrere Gründe gab es für die Entscheidung. Zum einen natürlich der vergleichsweise günstige Preis, mit 2.050 Euro für das komplette Basiszelt unterbietet Gordigear andere Anbieter zum Teil deutlich. Der zweite Grund lag in der Größe des Zelts: bei gleicher Grundfläche auf dem Anhänger ist das Basiszelt deutlich geräumiger als etliche Konkurrenzprodukte. Mit einer Wohnfläche von 5,3 x 2,3 Meter steht mehr umbauter Raum zur Verfügung als in manchem ausgewachsenen Wohnwagen. Und per einfach anclipsbarem Zusatzzelt lässt sich dieser Platz praktisch noch verdoppeln.
 
Noch wichtiger war allerdings die Wahl des Untersatzes. Viele Anbieter von Komplettlösungen verwenden für ihre Klappzelt-Trailer herkömmliche Industrie-Anhänger von der Stange. Diese sind für normalen Betrieb in Mitteleuropa sicherlich ausreichend, im Gelände allerdings schnell am Ende ihrer Fähigkeiten. Da sollte es für unser Projekt schon etwas robusteres sein.

Welcher Anhänger als Basis?

Gleichzeitig muss die Frage „gebremst oder ungebremst“ geklärt werden. Das hat entscheidende Auswirkungen: ungebremste Anhänger lassen sich relativ problemlos mit größerer Bereifumg umrüsten, bei gebremsten Hängern sagt der TÜV häufig „Nein“ zu dicken Gummis. Kehrseite: für die begehrte 100-km/h-Zulassung muss ein ungebremster Anhänger tüchtig abgelastet werden. Er darf dann lediglich 0,3 mal so viel wiegen wie das Zugfahrzeug im Leerzustand.
 
Wir griffen zur ungebremsten Basis: ein Plattform-Anhänger aus südafrikanischer Fertigung, mit robuster Heavy-Duty-Achse, komplett verzinkt. Der verwendete Lochkreis entspricht dem gewählten Zugfahrzeug, einem Toyota Hilux. So können sich Trailer und Auto ein Ersatzrad „teilen“. Klarer Nachteil der ungebremsten Lösung: beim abstellen muss der Anhänger mit Keilen gesichert werden, um nicht davon zu rollen. Deshalb kamen auch zusätzliche Halterungen für robuste Stahlblech-Keile an den Camping-Trailer.

Die Klappzelt-Hersteller machen genaue Vorgaben, wie hoch, lang und breit der Anhänger-Aufbau sein soll, um das Zelt korrekt zu montieren. Die Bodenplatte, auf der die Schlaffläche liegt, darf weder zu hoch noch zu niedrig sein, um einen passenden Zeltabschluss zum Boden zu erreichen. Entsprechend den Angaben von Gordigear ließen wir ein Rahmengestell aus Edelstahl-Vierkant schweißen. Kleines Manko: durch die bereits recht üppige Höhe des Anhängers mit der Geländebereifung durfte der Aufbau nicht mehr all zu hoch ausfallen, das limitiert die Ausbauplanung.

Es geht los

Der Edelstahlrahmen des Anhängers wurde mit Aluminium-Platten verkleidet, die wir verklebten. An Vorder- und Hinterseite wurden Klappen installiert, um von außen Zugang zum Laderaum zu bekommen. Wegen der geringen Innenhöhe entschieden wir uns für Küche und Equipment für eine Schubladenlösung: Ein Case aus dem Bühnenbereich, ausreichend lang, breit und niedrig, kann nach hinten aus dem Anhänger ausgezogen werden und dient gleichzeitig als „Küchentisch“, auf dem Kocher und Kochutensilien Platz finden.
 
Nachdem der Einsatz des Anhängers vorrangig „autark“ und nicht auf Campingplätzen geplant war, musste auch die entsprechende Selbstversorger-Technik mit an Bord. Stromversorgung für Kühlbox und Beleuchtung sowie eine Außendusche wurden installiert. Bei der Stromversorgung entschieden wir uns für sogenannte AGM-Batterien, die im Gegensatz zu normalen Starterbatterien aus dem Pkw-Bereich eine gewisse Tiefentlade-Sicherheit und geringere Selbstentladung aufweisen. Wer nicht auf bekannte Namen wie Optima setzt, findet im Industriebereich gleichwertige, aber günstigere Angebote, beispielsweise für unabhängigen Stromversorgungen (USV) aus dem Computerbereich.

Preisgünstige Lösungen für den Offroad-Anhänger

Bei der Ladeelektronik wählten wir statt der kostenintensiven Lösungen aus dem Wohnmobil-Sektor eine Eigenbau-Lösung. Die Spannungskontrolle erfolgt über eine selbst gebaute LCD-Anzeige. Zur Ladung benutzen wir ein CTEK-Ladegerät. Es hat den Vorteil, dass es automatisch auf das einmal eingestellte Ladeprogramm springt, sobald es mit Netzstrom versorgt wird. Alle Einbauten wurden verschraubt, die Verkabelung in einem Kanal geführt. Batterienah wurden Hauptsicherungen angebracht, die Verbraucher-Anschlüsse erfolgen über einen selbst gefertigten Sicherungskasten mit Einzelabsicherung. Die Verbindung mit dem Netzstrom zum aufladen der Batterien geschieht von außen mit einer aus dem Wohnmobilbereich bekannten CEE-Einspeise-Steckdose.
 
Wegen des limitierten Laderaums des Anhängers kam ein Unterflur-Wassertank zum Einsatz. Der wurde von unten an die Bodenplatte verschraubt. Mit der Montage in Hängermitte, direkt vor der Achse, bleibt die Bodenfreiheit weitgehend erhalten und der Schwerpunkt bleibt auch bei vollem 80-Liter-Tank relativ ausgeglichen, wichtig auch für die Stützlast. Befüllt wird der Tank über einen auf der Deichselplatte montierten Einfüllstutzen. Angeschlossen ist der Tank an eine Shurflo-Saugpumpe. Die versorgt eine Außensteckdose, die an der Seitenwand angebracht wurde. Hier kann mit einem praktischen Klickverschluss eine Handbrause angesteckt werden. Wasser zum kochen entnehmen oder ein flottes abduschen nach dem Strandbad sind damit kein Thema mehr.

Klappzelt-Anhänger nach Maß

Seine ersten Einsätze hat der Klappzelt-Anhänger bereits erfolgreich hinter sich. Das Konzept erwies sich als voll praxistauglich, besonders die Außendusche und die Stromversorgung funktionieren perfekt.
 
Das Gordigear-Zelt hat die Erwartungen voll erfüllt. Der riesige Wohnraum und die üppige Schlaffläche auf dem Anhänger bieten gegenüber Dach- oder Bodenzelten herausragenden Komfort. Der Aufbau des Riesendings ist nach den ersten paar Malen üben relativ flott erledigt – zu zweit steht die Faltburg in fünf Minuten, alleine dauert es ein paar Minuten länger. Extrem praktisch sind die Schnellverschlüsse an den Zeltstangen, mit denen sie sich das Zelt schnell und einfach auf Spannung bringen lässt. So kann je nach Wetter auf die Abspannung mit Außenleinen vollständig verzichten werden.  Der sehr robuste Stoff und die gesamte Verarbeitung (Reißverschlüsse, Nähte) zeigen, dass die Australier beim Zeltbau wissen, worauf es ankommt.
 
Auf der Wunschliste steht nun lediglich noch eine komfortablere Lösung für die Küchenschublade und eine fest installierte Zelt-Innenbeluchtung. Aber wie es bei solchen Projekten üblich ist: wirklich fertig werden sie selten, denn mit jeder Nutzung fallen neue Ideen zur Verbesserung an. Vor allem aber haben wir kräftig gespart. Gegenüber einem Klappzelt-Offroadhänger „von der Stange“ etliche tausend Euro, denn mit Materialkosten von unter 4.000 Euro ist der Camping-Anhänger ein echtes Budget-Projekt geworden.

In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen die Aufbauphasen des Anhängers im Detail.

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