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Chaparral bei der Oldtimerauktion in Arizona 2014

Geburt einer Legende

Oldtimerversteigerung RM Auctions Arizona 2014: 1961er Chaparral 1 Foto: RM Auctions 19 Bilder

Die US-amerikanische Marke Chaparral baute in den 60er-Jahren die fortschrittlichsten Sportwagen-Prototypen. Hinter Chaparral steckte der junge Rennfahrer und Teamchef Jim Hall.

15.01.2014 Powered by

Jim Hall (geboren 1935), dessen texanischen Familie mit Öl reich geworden war, begann mit 18 seine Motorsport-Karriere. Zunächst war er als Rennfahrer aktiv und fuhr unter anderem auf Maserati Typ 61 "Birdcage" und 450 S Rennen, bevor er im Alter von 22 Jahren begann, seine eigene Vorstellung von einem Rennwagen zu verwirklichen und erste Prototypen baute. Am 10. Juni 1961 startete er mit seinem ersten Rennwagen, dem Chaparral 1 in Laguna Seca und erkämpfte den zweiten Platz im Gesamtklassement.

Jim Hall gründete mit Hap Sharp die Firma Chaparral. Es wird oft kolportiert - und die  Vermutung liegt auch nahe-, dass der Firmenname eine Kombination aus ihren Namen ist, doch "Chaparral" soll auf den Namen eines kalifornischen Rennkuckucks zurückgehen.

Begehrte Kleinserie und revolutionäre Ideen

Dem 1961 erstmals eingesetzten Prototypen folgte eine Kleinserie von vier Auto mit längerem Radstand. Dazu gehört auch das Auto mit der Chassisnummer 003, das jetzt in Arizona versteigert wird: Es ist eines von zwei Werksautos aus dieser Baureihe. Schätzpreis für das geschichtsträchtige Auto: umgerechnet zwei Millionen Euro. Dieser Wert unterstreicht, wie hoch die Wertschätzung unter Sammlern von klassischen Autos für Chaparral und den Rennwagenbauer Jim Hall gerade in den USA ist.

Chassisnummer 003 hatte mit Startnummer 10 seine Renn-Premiere beim 12-Stunden-Rennen von Sebring mit Hap Sharp und Ron Hissom am Steuer, während Jim Hall und Chuck Daigh auf 001 an den Start rollten. Nach 8 Stunden mussten Hall/Daigh  ihren Chaparral 1 mit Problemen an der Lenkung abstellen - und wechselten in das zweite Jim Hall Team-Auto. Mit den vier Fahrern holte 003 schließlich  den Klassensieg und den 6. Platz im Gesamtklassement.

Wirtschaftlich war der erste Chaparral allerdings kein Erfolg. Das lag auch an der herkömmlichen Bauweise mit einem Gitterrohrrahmen, einem vorn eingebauten Motor sowie schmaler Bereifung.Trotz zahlreicher Änderungen an Karosserie, Motor und Fahrwerk konnte der Chaparral 1 sein benachteiligtes Frontmotor-Layout nicht mehr verbergen - er war nicht mehr konkurrenzfähig und wurde schließlich 1965 aus dem Rennverkehr gezogen.

Mehr zur weiteren Geschichte von Chassisnummer 003 lesen Sie in der Fotoshow.

Diese Erfahrung spornte Jim Hall an, bei künftigen Modellen wesentlich innovativer zu sein. Sie revolutionierten die Konstruktion von Sport-Prototypen.

Chaparral-Sieg auf dem Nürburgring

Jim Hall und sein Partner Hap Sharp beschränkten sich aber mit ihren revolutionären Rennwagen nicht allein auf amerikanische Strecken. Sie setzten die weißen Sportwagen auch in Europa ein: 1966 gewannen Phil Hill und Joakim Bonnier im Chaparral 2D das 1.000 Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring: der erste Erfolg eines Autos mit Automatikgetriebe in einem Weltmeisterschaftslauf. Außerdem wurde das Monocoque des Nürburgring-Siegerwagens aus Fiberglas gefertigt, statt wie zum Beispiel bei Lotus aus Aluminium.

Für die Einsätze in Europa wählte Chaparral übrigens Rüsselsheim als Filiale. Die Verbindung entstand durch die Zusammenarbeit der Rennwagenbauer mit General Motors, deren Motoren Hall von Beginn an verwendete. Für das Nachfolgemodell mit der Bezeichnung 2F wuchs der Hubraum des Chevrolet V8 auf sieben Liter an. Wie beim Vorgänger sorgte eine Dreigang-Automatik für das Einlegen der entsprechenden Fahrstufe.

Frustrierende Ausfälle und der größte Coup

Mit dem Chaparral 2F erzielte Phil Hill beim 1.000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring 1967 zwar die beste Trainingszeit sowie die schnellste Rennrunde. Doch der Wagen, bei dem erstmals in der Geschichte ein hoher Heckflügel in der Markenweltmeisterschaft eingesetzt wurde, schied mit Getriebeschaden aus. Nach einer frustrierenden Reihe von Ausfällen gelang Hill und seinem englischen Teamkollegen Mike Spence mit dem 525 PS starken Chaparral 2F am Saisonende noch der Sieg im englischen Weltmeisterschaftsfinale, das in Brands Hatch ausgetragen wurde.

Der Heckflügel des Chaparral von 1967 wies noch eine Besonderheit auf: Den Heckflügel konnte hydraulisch in zwei Stellungen ausgerichtet werden, wie schon beim CanAm-Rennwagen 2E. In dem atemberaubenden Tempo, den die Chaparral-Konstruktionen auf den Rennstrecken zeigten, trieben Jim Hall und sein Partner Hap Sharp in Kalifornien die Entwicklung der neuen Autos voran. Für die Saison 1970 gelang ihnen der größte Coup: der 2J, der auch als "Sucker Car" bekannt wurde. Dabei widmeten sich die beiden Rennwagenbauer dem Unterboden ihres CanAm-Autos.

Ground effect dank Zweitaktmotoren

Mit Schürzen aus dem Kunststoff Lexan dichteten sie den Raum unter dem Auto ab. Zwei Zweitaktmotoren, die ursprünglich für den Antrieb von Schneemobilen gebaut wurden, saugten die Luft aus dem Bereich des Unterbodens ab. Dadurch wurde der 680 PS starke Chaparral an den Boden gesaugt. Doch der durchschlagende Erfolg blieb aus: Vic Elford wurde mit dem Auto Sechster beim CanAm-Lauf in Road Atlanta. Doch die schnellste Rennrunde von Jackie Stewart in Watkins Glen sowie die drei Trainingsbestzeiten in allen drei Einsätzen von Elford unterstrichen die Leistungsfähigkeit des offenen Sport-Prototypen.

Die Begeisterung dieser Konstruktionen der Chaparral-2-Familie schwingt mit, wenn es um die Wertschätzung des ersten Modells geht, das jetzt in Arizona versteigert wird. Dazu kommt ein weiteres Merkmal des Autos: Der rund 440 PS starke amerikanische Sportwagen ist bei den prestigeträchtigen europäischen Veranstaltungen bei dem Goodwood Revival Meeting von seinem derzeitigen Besitzer schon mehrfach eingesetzt worden und wohl auch künftig startberechtigt.

Mehr zu dem von RM Auctions bei der Auktion in Arizona (16. und 17. Januar 2014) sehen und lesen Sie in unserer Fotoshow.

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