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Checkliste für den Klassikerkauf

Drum prüfe wer sich ewig bindet

Kaufberatung, MKL, 03/2012 - Checkliste Foto: MotorPresseStuttgart 15 Bilder

Ein schönes Foto eines Autos in einer Kleinanzeige, ein spontaner Anruf beim Verkäufer, Ortstermin, Kaufvertrag - reingefallen. So sieht im Telegrammstil für manchen der erste Kontakt mit der Oldtimer- oder Youngtimerszene aus. Zwar erleben selbst Insider immer mal wieder unangenehme Überraschungen, doch um beim Kauf eines klassischen Autos nicht allzu heftig auf die Nase zu fallen, bedarf es zumindest eines planvollen Vorgehens.

09.12.2013 Bernd Woytal Powered by

Wer genau weiß, welches Fahrzeug er sucht, sollte sich vor der ersten Probefahrt intensiv über seinen Traumwagen kundig machen. Und dazu gehört Lesestoff - Bücher, Artikel in Fachzeitschriften oder Prospekte. Aus dieser Lektüre lassen sich wichtige Informationen filtern. Zum Beispiel, wie sich das Auto fährt. Wer also mit dem Wagen ferne Urlaubsziele anstreben möchte und liest, dass sich ein Tempo von mehr als 120 km/h nur mit relativ hohen, für den Motor auf Dauer ungesunden Drehzahlen realisieren lässt, entscheidet sich dann vielleicht schon im Vorfeld für ein anderes Objekt.

Gute Vorbereitung beginnt lange vor der Besichtigung

Speziell zeitgenössische Fotos vermitteln einen Eindruck davon, wie das Auto aussehen sollte. Denn nicht immer präsentiert sich heutzutage ein Klassiker im Originalzustand, und manchmal erweist es sich als schwierig oder teuer, falsche oder gar fehlende Teile zu ersetzen.

Es ist daher ratsam, sich vorab über die Ersatzteilsituation für den künftigen Liebling zu informieren.Natürlich sollte man auch über die typischen Schwachstellen des Wagens Bescheid wissen. Die dazu nötigen Infos liefern Kaufberatungen in Fachmagazinen oder die Oldtimer-Clubs. Diese Quellen helfen außerdem, ein Gefühl für die aktuelle Preissituation des gewählten Modells zu bekommen.

Die Preisangaben in Kleinanzeigen und Internetplattformen wie mobile.de oder autoscout24.de taugen nur begrenzt dafür, weil man ihnen nur die geforderten, aber nicht die tatsächlich gezahlten Preise entnehmen kann. Dennoch lässt sich aus der Zahl der Angebote zumindest eine Aussage über die Verfügbarkeit des gewünschten Typs ableiten.

Im Vorfeld möglichst viele Infos sammeln

Und wer bei anfallenden Reparaturen an seinem Klassiker stets auf die Hilfe einer Werkstatt angewiesen ist, sollte wissen, wie weit der nächste Fachbetrieb von seinem Wohnort entfernt ist. Denn speziell für die Reparatur hochwertiger Exoten ist der Schrauber um die Ecke selten mit dem nötigen Fachwissen und Spezialwerkzeug ausgestattet. Über die Kosten für typische Technikreparaturen und die Wartung informiert die Motor Klassik-Serie Service- Station, die derzeit für über 60 Klassiker beziehungsweise Baureihen vorliegt.

Am besten mehrere Fahrzeuge anschauen

Mit all diesem gesammelten Wissen kann der Interessent nun entspannt zum ersten Besichtigungstermin reisen, wobei angemerkt sei, dass es nicht schadet, mehrere Objekte zu studieren. Denn jedes mal lernt man etwas dazu. Es schadet auch nie zu wissen, warum gerade dieses Auto zum Verkauf steht. Und besonders wenn der Verkäufer ein Privatmann ist, das Fahrzeug also vom Besitzer direkt gekauft wird, sollte man diesen möglichst viel über seinen Oldie erzählen lassen.

Natürlich läuft jeder Besichtigungstermin anders ab, weshalb im Einzelfall zu entscheiden ist, wann die beste Zeit für das Studieren vorliegender Unterlagen gekommen ist. Dazu gehören Rechnungen über Wartung und Reparaturen oder gar einer Restaurierung, wobei letztere möglichst durch Fotos zusätzlich dokumentiert sein sollte. Bei hochwertigen Klassikern sorgen eine nachvollziehbare Historie und/oder, falls der Hersteller noch existiert, ein Nachweis über die Echtheit in Form eines Zertifikats für ein beruhigenderes Gefühl. Schließlich sind in der Szene auch Fälscher unterwegs.

Erst der optische Augenschein

Eventuell kann auch ein vorliegendes Wertgutachten hilfreich sein, sofern es nicht veraltet ist. Bei Fahrzeugen, die im historischen Motorsport eingesetzt werden können, wirken sich ein FIA- oder FIVA-Pass, die Hinweise auf die Authentizität des Fahrzeugs enthalten, preissteigernd aus. Speziell bei Edel-Klassikern erhöhen Matching Numbers den Wert - wenn also Chassis-, Motor- und Getriebenummern noch so sind wie bei der Auslieferung.

Die Begutachtung des Wagens selbst erfolgt in zwei Schritten: erstens anschauen, zweitens Probe fahren. Zunächst einmal verschafft man sich einen Gesamteindruck von dem zum Verkauf stehenden Objekt. Wie ist der Pflegezustand? Sind die Tür- und Haubenfugen gleichmäßig? Zeigen sich beim Blick entlang der Wagenflanken irgendwelche Dellen? Hängt der Wagen schief? Sind alle Anbauteile vorhanden? Wo gibt es deutliche Abweichungen von der Originalität? Besonders beim Klären der letzten beiden Fragen hilft die zuvor studierte Literatur.

Wer ein Objekt zum Schrauben oder Restaurieren sucht, muss natürlich andere Maßstäbe ansetzen. Das gilt auch für den, der ein möglichst originales Auto sucht. Tatsächlich waren früher bei manchen englischen oder französischen Autos die Passungen nicht immer perfekt. Und wenn das Blech noch rostfrei und der Lack noch original ist, sind Gebrauchsspuren in Form kleiner Dellen, Kratzer oder mattem Lack durchaus akzeptabel. Denn dies gilt dann als Patina, und unrestaurierte Klassiker werden immer rarer, weshalb man sie so erhalten sollte.

Typische Schwachstellen genauestens prüfen

Bei der Begutachtung des Karosseriezustands sind die in Kaufberatungen typischen Schwachstellen des entsprechenden Modells zu prüfen. Rost entsteht grundsätzlich dort, wo beim Fahren Spritzwasser hinkommt, Hohlräume sind, und wo sich Schmutz und Feuchtigkeit ablagern können. Bei Fahrzeugen mit Schiebedach wird das Wasser vom Dach oft in die Schweller geleitet, und wenn dort die Wasserabläufe verstopft sind, nimmt das Grauen seinen Lauf.

Meist sind aber die Rostschäden längst repariert - nicht immer fachmännisch. Es ist daher gut zu wissen, wo Sicken und kein Spachtel sein sollten. Ob an typischen Roststellen mit viel Spachtel gearbeitet wurde, lässt sich mit Hilfe eines schwachen Magneten erkennen – sofern die Karosserie nicht aus Alu oder Kunststoff besteht.

Eine Beeinflussung der Magnetprobe durch Metallspachtel ist möglich. Wer beim Karosseriecheck einen Schichtdickenmesser verwendet, sieht an solchen Stellen dann möglicherweise die Anzeige Error. Das zeigt zwar nicht, wie dick der aufgetragene Metallspachtel ist, aber der Käufer sollte zumindest misstrauisch sein. Weil die meisten Schichtdickenmesser ab 100 Euro aufwärts kosten, kann man versuchen, sie von einem Gutachter oder Lackierbetrieb zu leihen.

Bordsteintest für offene Klassiker

Zum Test der Steifigkeit eines Cabrios dient der altbekannte Bordstein-Test. Also mit einem Rad auf dem Bürgersteig parken und schauen, ob sich die Tür noch öffnen und schließen lässt. Bereitet dies Schwierigkeiten, könnte das Innere der Schweller marode sein. Noch eine Anmerkung zu Vorkriegsautos. Viele davon verbergen unter ihrer Karosserie noch etliche Teile aus Holz, dessen Zustand schwierig zu erkennen ist. Wenn aber beispielsweise die geöffnete Vordertür hängt, könnte dies ein Hinweis auf eine faule A-Säule sein.

Beim Check des Interieurs ist auf Vollständigkeit der Instrumentierung und auf mögliche Beschädigungen des Instrumentenbretts, der Verkleidungen oder der Sitze zu achten. Reparaturen sind aufwändig oder sogar nicht zufriedenstellend möglich, wenn beispielsweise die originalen Bezugsstoffe nicht mehr erhältlich sind.

Riechen, Gucken, Fühlen - der Check des Motors

Nun folgt ein Blick unter die Motorhaube. Dort schaut man sich den Zustand aller Schläuche und Leitungen an und hält nach Öl- oder Wasserspuren Ausschau, speziell im Bereich der Zylinderkopfdichtung. Das Kühlwasser sollte nicht ölig sein und das Öl am gezogenen Ölmessstab nicht nach Kraftstoff riechen. Die sichtbaren Kabel der Elektrik sollten nicht brüchig oder porös sein. Viel mehr kann zumindest der Laie nicht tun.

Von Vorteil ist es, wenn man den Wagen von unten betrachten kann, um den Unterboden und die Längsträger beziehungsweise bei nicht selbsttragenden Karosserien den Rahmen zu begutachten. Eine dicke Schicht frischer Unterbodenschutz sollte misstrauisch machen. Ölspuren an Motor oder Getriebe können bei manchen Klassikern in geringem Maß akzeptiert werden, aber frisch überholte Aggregate müssen auf jeden Fall dicht sein.

Abschließend sollte man noch einen Blick auf den Auspuff werfen und das Fahrwerk checken. Sind die Fahrwerksgummis porös? Zeigen die Gummimanschetten Risse? Wurden vorhandene Schmierstellen regelmäßig gepflegt? Die Bewertung des vorhandenen Spiels bei der Kardan- und den Antriebswellen oder der Radaufhängung durch Wackeln am Rad ist für einen Laien schwierig. 

Probefahrt mit offenen Ohren

Auch bei der Probefahrt sind das Erkennen und speziell das Einordnen festgestellter Mängel für Laien nur bedingt möglich. Denn ein Poltern aus dem Bereich der Vorderachse kann je nach Fahrzeug und Schaden eine Reparatur von etwas über 100 Euro nach sich ziehen, es können aber auch Ausgaben im vierstelligen Bereich fällig werden.

Natürlich sollte der Motor nicht zuvor warm gefahren worden sein, sodass sich sein Kaltstartverhalten prüfen lässt. Am besten arbeitet man auf der Testfahrt nacheinander alle Punkte nebenstehender Checkliste ab. Wem der Motorlauf oder dessen Abgasverhalten merkwürdig vorkommt, wer bei Fahrwerksgeräuschen auf unebener Straße glaubt, dass irgendwelche Schäden vorliegen - diese aber nicht definieren und auch den Umfang einer eventuellen Reparatur nicht einschätzen kann, sollte mit Rücksprache des Verkäufers den Rat einer Fachwerkstatt in Anspruch nehmen. Die kennt sich besser aus und hat die effektiveren Prüfmöglichkeiten - wie etwa einen Kompressionstest des Motors oder den Blick mit einem Endoskop in die Hohlräume der Karosserie. Es gibt etliche Oldtimer-Fachbetriebe, die eine Begutachtung eines Klassikers zum Betrag X anbieten, und dieses Geld ist meist gut angelegt.

Verlief die Probefahrt aber zufriedenstellend, und vom Blinker bis zur Klimaanlage (falls vorhanden) hat alles funktioniert, lohnt zum Abschluss noch mal ein Blick unter den Wagen. Denn das nun warm und damit dünnflüssiger geworden Öl findet leichter den Weg vorbei an verschlissenen Dichtungen ins Freie. Und Kühlwasser sollte weder am Kühler noch sonstwo herauströpfeln. Ist alles in Ordnung, stehen nur noch die Preisverhandlungen und der Kaufvertrag an. Dann kann man mit seiner Neuerwerbung in die neue und hoffentlich pannenfreie Oldtimer-Saison starten.

Checkliste Vorbereitung

  • Literatur studieren
  • Verfügbarkeit und Preissituation klären
  • Ersatzteilsituation und verfügbare Werkstätten berücksichtigen
  • Kontakt zu Clubs/Marken- und Modellexperten aufnehmen

Checkliste Besichtigung

  • Vorhandene Dokumente studieren
  • Speziell bei hochwertigen Autos nach Belegen der Historie fragen
  • Gesamteindruck verschaffen
  • Zustand der Karosserie
  • Zustand des Innenraums
  • Zustand des Motorraums
  • Zustand des Unterbodens
  • Zustand des Fahrwerks
  • Gibt es Unfallschäden?
  • Sind alle Anbauteile vorhanden?

Checkliste Probefahrt

  • Startverhalten
  • Lauf und Leistungsentfaltung des Motors
  • Thermisches Verhalten und Öldruck des Motors
  • Schaltbarkeit des Getriebes
  • Trennvorgang der Kupplung
  • Spiel und Bedienungskräfte der Lenkung
  • Funktion und gleichmäßige Wirkung der Bremsen
  • Fahrverhalten bei Geradeaus- und Kurvenfahrt
  • Ungewöhnliche Geräusche

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