Chevrolet Camaro: Muskelprotz aus Amerika

Heute auf der Show-Bühne, spätestens übermorgen, nämlich 2009, im Show-Room: Die Wiedergeburt des klassischen GM-Muscle Cars ist so heiß, dass der Perl-Lack des Camaro orange-metallisch glüht.

Derart schön animalisch hat seit Mecki Messer in der Dreigroschenoper lange keiner mehr gegrinst. Haifischmaul, gefletschte Zähne, breite Schlappen vorn im 21-Zoll-Format, hinten gar noch eine Nummer wuchtiger - so lässt nur jemand den amerikanischen Traum wieder aufleben, der ihn Ende der sechziger Jahre schon einmal realisiert hat. Chevrolet Camaro, die All American-Version von Conan, dem Barbaren. Eher Clint Eastwoods Dirty Harry auf vier Rädern als Steve McQueens Bullit.

2009 kommt die Serienversion jenes Camaro Concept Coupés auf die Straßen, die im Vorjahr auf der Detroit Auto Show gezeigt worden war. Etwas später schiebt GM einen Camaro-Kracher als Serienprodukt nach, der laut Ed Welburn, Vice President Design bei GM, "der nächste logische Schritt war".

Ohne festes Dach wirkt die Schnauze noch breiter, das Angriffslächeln eines professionellen Neuwagenverkäufers noch gefährlicher. Auch der Hüftschwung in der Gürtellinie, hin zum Retro-Renntankdeckel auf dem Kotflügel und zum aufgesetzten Heckspoiler, zitiert die heißeste Phase einer Epoche, die nie wirklich vorbei war. Während die Erbsenzähler ihr Großserien-Fast Food anrichteten, träumten Designer und Kunden weiter vom Easy Rider auf vier Rädern.

Fords Retrospektive war der Startschuss zum großen Comeback: Der neue Thunderbird (2001) auf Anhieb anerkannter Erbe der Ikone, der Ford GT (2003) sofort Kult- und Sammelobjekt, der Mustang (2004) endlich wieder aus altem Shelby und Korn. Kein Wunder also, dass Chrysler mit dem Dodge Challenger und General Motors mit dem Camaro unverzüglich nachluden.

Mix aus Retro und Classic

Den neuen Camaro zeichnet aus, dass er die alten Rezepte mit den Stilmitteln der Moderne fortführt. Da werden martialische, in Grauschwarz-metallic lackierte Lufthutzen durch moderne Scheinwerfer kontrapunktiert. Und das Vinyl der frühen Tage wirft keine Plastikpersenning-Falten mehr, sondern spannt sich fingerfreundlich über den Verdeckkasten hinter den Rücksitzen.

Sollte der Innenraum nicht exakt so in Serie gehen, wie ihn die Designer jetzt komponiert haben, werden wir Ed Welburn um eine Erklärung bitten, warum er diesen Mix aus Retro Classic und Art déco auf dem Altar von Großserienbedürfnissen opfern musste.

Die beiden großen Rundinstrumente - dreidimensional tief, transparent schimmernd und von einem neonblauen Leuchtring eingefasst - stellen jeden Alfa Romeo-Eisbecher in den Schatten, der Alu-Schalthebel sieht aus wie ein erotisches Spielzeug in der Weltraumausführung, und die vier rechteckigen Zusatzinstrumente auf der Mittelkonsole vor dem Schalthebel erinnern an entsprechende Designer-Uhren.

Eine neue Konzern-Heckantriebs-Plattform könnte mit Corvette-Komponenten weiter aufgerüstet werden, obwohl die Daten des Concept-Prototyps auch bei konservativen Camaro-Anhängern gut ankommen müssten: V8-Motor, Sechsgang-Schaltgetriebe, Heckantrieb, Einzelradaufhängung.

Wenn eintreffen sollte, was Ed Peper, der General Manager von Chevrolet, anlässlich der Präsentation seiner schwarz gestreiften Orange diagnostizierte - "Wer beim Anblick des Camaro Convertible kein Herzklopfen bekommt, braucht sofort einen Termin beim Kardiologen" - , dürfte der offene Viersitzer serienmäßig nur mit Betablockern ausgeliefert werden.

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Eckhard Eybl

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