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Chevrolet Corvette Sting Ray

Auferstehung einer Ikone

Chevrolet Corvette Sting Way, Seitenansicht, Garage Foto: Fact 22 Bilder

Rund 20 Jahre dauerte die Verwandlung einer schrottreifen 63er Chevrolet Corvette C2 Sting Ray in ein Glanzstück - eine der aufwendigsten und perfektesten Restaurierungen eines solchen Autos.

08.01.2014 Bernd Woytal Powered by

"Meinen Kunden wollte ich zeigen, was man aus Schrott noch machen kann", bringt es Wolfgang Stärk auf den Punkt und deutet auf seine frisch restaurierte Chevrolet Corvette C2 Sting Ray. Er ist Chef der in Corvette-Kreisen geschätzten Werkstatt Dream Car Corner GmbH, die sich in Weilrod-Emmershausen nordöstlich von Bad Camberg befindet.

Eine Corvette C1 gab den Startschuss

Der Besitz einer Corvette C2 war schon lange sein Traum. Aber nachdem er sich in den 80er Jahren mit einer markenungebundenen Werkstatt selbstständig gemacht hatte, kaufte er sich zunächst einmal jene 59er Corvette C1 mit Einspritzmotor, die er des Öfteren an seinem Betrieb vorbeifahren sah. An diesem Auto gab es etliches zu schrauben, und plötzlich entwickelte sich Stärks Werkstatt zum Anlaufpunkt für viele andere Corvette-Fahrer.

Einer seiner Kunden besaß gleich mehrere Corvette C2, darunter eine 63er Split Window in zerlegtem, jämmerlichem Zustand - ein typischer Fall von einer abgebrochenen Restaurierung. "Irgendwann bedrängte ich den Mann, mir das Ding zu verkaufen", erinnert sich Stärk. Im Jahr 1992 ging der Deal über die Bühne. "Wie viel an diesem Auto zu tun war, wollte ich damals nicht sehen, aber ich glaube, ich habe eh ein Faible für solche Baustellen", scherzt der Hesse. Dass er sich dann zwei Jahrzehnte mit diesem Projekt beschäftigen sollte, ahnte er nicht.

13 Lackschichten mussten runter

Die Chevrolet Corvette C2 Sting Ray war zwar nicht ganz vollständig, doch die wesentlichsten Teile gehörten dazu, um eine Corvette mit Matching Numbers aufbauen zu können, was bedeutet, die Nummern von Komponenten wie Chassis, Motor, Getriebe etc. sind noch die Gleichen wie bei der Werksauslieferung.

Der vordere Teil der Kunststoffkarosserie war schon mehrfach geflickt worden und ließ weitere Reparaturversuche als unsinnig erscheinen. Also entfernte Stärk alle vom Vorbesitzer noch nicht demontierten Teile der bereits vom Rahmen abgehobenen Karosserie und trennte den Vorderbau der Chevrolet Corvette C2 Sting Ray ab. Das verbliebene Karosserieteil gab er zum Kunststoffstrahlen, wobei auch dabei die unbekannte, aber wohl wilde Vergangenheit des Autos sichtbar wurde. "13 Lackschichten mussten runter, bis die Werksgrundierung zum Vorschein kam", so Stärk.

800 Schrauben mussten korrekt zugeordnet werden

Zunächst beschäftigte er sich intensiv mit dem Rahmen, den Radaufhängungen und dem Antriebsstrang seiner Chevrolet Corvette C2 Sting Ray. Den Rahmen musste er an einigen Stellen schweißen, und zwecks besserem Korrosionsschutz ließ er ihn spritzverzinken und gönnte ihm anschließend eine Hohlraumkonservierung.

Alle Schrauben gab er zum Verzinken, und danach nutzte er unzählige Fernsehabende, um auf dem Wohnzimmertisch die etwa 800 Schrauben korrekt zuzuordnen. Denn an jeder Stelle sollte wieder die richtige Schraube mit der korrekten Kopfbezeichnung sitzen. Hilfreich war ihm dabei ein spezielles Buch über den Rahmen der C2. Klar, bei vielen Schrauben wusste er aus Erfahrung, wo sie hingehörten, aber bei einzelnen half auch das Rahmenbuch nicht. "Dann habe ich Fotos in Fachbüchern mit der Lupe studiert oder auf Treffen in den USA herausragend gute Autos angeschaut", erzählt Stärk.

In ihm war längst der Perfektionist erwacht, der weder Kosten noch Mühen scheute, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. So gab er sich zum Beispiel nicht mit dem als Neuteil verfügbaren Benzintank zufrieden. Stattdessen behandelte er den alten von außen mit Schleifpads, füllte dann feinen Kies hinein und ließ den Tank auf einem Betonmischer rotieren, bis der Kies alle Ablagerungen im Inneren beseitigt hatte. Weil der Tank verzinnt ist, machte er eine auf Weißblech spezialisierte Firma in Weiterstadt ausfindig, die ihm den Behälter seiner Chevrolet Corvette C2 Sting Ray frisch verzinnte.

Der Corvette-V8 wurde verfeinert

Unendlich viel Arbeit investierte er auch in den Motor der Corvette C2 Sting Ray, der zum Teil bereits zerlegt war. "Doch anscheinend hatte jemand die Ventilführungen mit der Handbohrmaschine herausgebohrt", meint Stärk ärgerlich, der aber die originalen Zylinderköpfe unbedingt retten wollte. Die Köpfe mussten natürlich auf die Fräsbank, doch bevor gefräst beziehungsweise neue Führungen eingesetzt werden konnten, mussten zunächst einmal mühsam die Punkte für die Mittelachse der Ventile ausgemessen werden.

Natürlich baute er den Motor seiner Corvette C2 Sting Ray mit größtmöglicher Sorgfalt und leichten Verfeinerungen auf. So wurde die Kurbelwelle feingewuchtet, Kolben und Pleuel wurden ausgewogen, Kanäle geglättet und vieles mehr. Neu kamen zum Beispiel der Wasserkühler und das Ausgleichsgefäß, wobei der Kühler eine aus den USA stammende, exakt dem Original nachempfundene Neuanfertigung mit breiten Alu-Kanälen darstellt. Er trägt wie der Ausgleichsbehälter die korrekt eingeprägte Teilenummer sowie den passenden Date Code.

Die Überholung des Zweigang-Powerglide-Getriebes überließ er einem Fachbetrieb, aber die restliche Technik des Corvette-Chassis überholte er komplett selbst, natürlich stets mit so genannten NOS-Teilen, was für new old stock steht.

Kilometermärsche auf US-Teilemärkten

Mit Geduld und mit entsprechender Bezahlung ließ sich fast alles auftreiben. Doch trotz etlicher Kilometer Fußmarsch über amerikanische Teilemärkte fand er den zum Corvette C2-Schaltgestänge gehörigen Schalter, der ein Starten des Motors in einer Fahrstufe verhindert und beim Zurücksetzen die Rückfahrscheinwerfer einschaltet, nur gebraucht. Schließlich waren die Rückfahrscheinwerfer beim 63er Jahrgang ein nur 318 Mal geordertes Extra.

Auch die Felgen kosteten ein Vermögen, denn Stärk wollte unbedingt jene Zentralverschlussräder mit den nur zweiflügeligen Muttern, mit denen die Corvette C2 Sting Ray auf dem Genfer Autosalon zu sehen war. Die Zahl der damit ab Werk ausgestatteten Autos ist unbekannt, und erst nach langer Suche spürte der in der Corvette-Szene bekannte Rolf Gersch solche Räder in Florida auf.

Hundert Stunden Karosserie schleifen

Doch zurück zur Corvette-Karosserie. An der musste Stärk nach dem Strahlen noch etwa hundert Stunden von Hand schleifen, musste den hinteren Kotflügel reparieren und in vielen Stunden die korrodierten Teile des stählernen Verstärkungsrahmens instand setzen.
Den Vorderbau kaufte er als Neuteil, aber nicht in billiger handlaminierter Ausführung, sondern in der vier Mal so teuren "Press Molded-Qualität", also wie das Original gebacken in einer beheizten Pressform. Die am Unterboden mit Nieten befestigten Verstärkungsbleche löste er, ließ sie galvanisch verzinken - und "dann muss man sie mit Waschprimer behandeln, der erst für einen Haftgrund für die Grundierung sorgt", rät Stärk.

Die Karosse der Corvette C2 Sting Ray selbst wurde im originalen Ermine White lackiert, aber gleich mehrfach, wodurch ein herrlicher Glanz entstand. Was noch alles an Arbeit in diese Restaurierung floss, lässt sich hier nicht aufzählen, aber wie Stärk selbst sagt "ist es von Zustand gut bis sehr gut noch mal ein sehr großer und sehr teurer Schritt". Er hat ihn gewagt - mit deutlich sichtbarem Erfolg.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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